01.03.2026
Vom High-School-Idol zum Karriere-Vorbild
Jermod McCoy zählt inzwischen zu den auffälligsten Cornerbacks im College Football. Der Tennessee-Defensive Back ist Jim-Thorpe-Award-Semifinalist und Leistungsträger in der SEC. Doch der Grundstein für seinen Weg wurde nicht erst in Knoxville gelegt - sondern Jahre zuvor in einer texanischen Kleinstadt, wo ein späterer NFL-Superstar eine entscheidende Rolle spielte.

Der Weg des heute 20-Jährigen führte von Whitehouse, Texas, über Oregon State nach Tennessee - und nun womöglich in die erste Runde des NFL Drafts. Seine Geschichte ist dabei mehr als die eines hochtalentierten Defensive Backs. Sie ist eng verknüpft mit einem Namen, der in Kansas City längst Geschichte geschrieben hat.
Patrick Mahomes war für die Kinder in Whitehouse mehr als nur ein talentierter Sportler. Er war der lokale Beweis, dass große Karrieren möglich sind. McCoy kannte ihn nicht nur aus der Ferne. Mahomes’ Tante war seine Lehrerin in der dritten Klasse, Mahomes selbst schaute sich Spiele des jungen McCoy an.
Später trainierte McCoy im Baseball sogar unter Anleitung von Mahomes’ Vater, dem früheren MLB-Pitcher Pat Mahomes. "Ich habe wirklich zu ihm aufgeschaut", sagte McCoy rückblickend. "Natürlich schaut man als Kind immer zum High-School-Quarterback auf. Aber er hat mich spielen sehen - und ich war ziemlich gut."
Der vielleicht wichtigste Einfluss war jedoch kein einzelnes Gespräch, sondern ein Prinzip: Mahomes hatte vorgemacht, dass man sich nicht früh auf eine Sportart festlegen muss. McCoy folgte genau diesem Weg. Er spielte Football, war All-State-Baseballspieler und gewann Staatsmeistertitel im Weit- und Dreisprung.
Sein Trainingspensum war extrem: Football-Einheiten am Morgen, Leichtathletik am Nachmittag, Gewichtstraining am Abend. In der Saison kaum Schlaf, im Frühjahr parallele Wettkämpfe. Offseason kannte er praktisch nicht.
Diese Vielseitigkeit prägt sein Spiel bis heute. Seine Explosivität stammt aus dem Weitsprung, seine Ball Skills aus dem Baseball, seine Beschleunigung aus der Sprintarbeit. All das verschmilzt auf dem Feld zu einem Profil, das Tennessee inzwischen zu schätzen weiß.
Trotz seiner Athletik war McCoy zunächst unterschätzt. Als Drei-Sterne-Rekrut erhielt er nur ein Power-Conference-Angebot - von Oregon State. Dort wechselte er von Wide Receiver zu Cornerback und entwickelte sich schnell zu einem der besten Defensive Backs der Pac-12.
Nach dem Conference-Umbruch entschied er sich für den Wechsel nach Tennessee - und setzte dort nahtlos seinen Aufstieg fort. Als Jim-Thorpe-Award-Halbfinalist unterstrich er seinen Status als einer der besten Defensive Backs im Land. Inzwischen zählt er zu den konstantesten Verteidigern der Volunteers, mit mehreren Interceptions und einer der höchsten Coverage-Bewertungen in der SEC.
Mahomes dürfte kaum wissen, welchen Einfluss er auf McCoys Weg hatte. Doch in Flint, Texas, begann eine Karriere, die nicht auf Spezialisierung, sondern auf Vielseitigkeit und Arbeitsethos basiert - genau nach dem Vorbild des berühmtesten Absolventen der Whitehouse High School.
Die Verbindung zu Patrick Mahomes sorgt inzwischen auch auf NFL-Ebene für Aufmerksamkeit. Beim Combine bestätigte Jermod McCoy ein Treffen mit den Kansas City Chiefs, die im Draft an Position neun auswählen. Pro Football Focus führt ihn als Nummer zwei unter den Cornerbacks und als Nummer zwölf insgesamt - sportlich also klar im Bereich eines Top-Ten-Picks. Die Chiefs suchen nach defensiver Stabilität, insbesondere auf Cornerback, was das Szenario zusätzlich befeuert.
Allerdings bringt McCoy ein gewisses Risiko mit. Nach einem Kreuzbandriss absolvierte er beim Combine keine Drills und will seine athletischen Tests erst beim Pro Day zeigen. Zwar betont er, vollständig fit zu sein, doch fehlende Messwerte in Indianapolis könnten Teams vorsichtiger machen. Zwischen Talent und medizinischer Bewertung entscheidet sich nun sein Draft-Wert - und es ist nicht ausgeschlossen, dass er trotz Top-15-Potenzial etwas rutscht. Sollte Kansas City zugreifen, würde aus einer texanischen Vorbildgeschichte plötzlich eine NFL-Partnerschaft werden.
mgs