18.02.2026
2026 im Fokus
Nach einer enttäuschenden Spielzeit stehen die Kansas City Chiefs vor einer richtungsweisenden Offseason, mit dem klaren Ziel, sich strategisch neu auszurichten. Bevor jedoch externe Free Agents verpflichtet oder im NFL Draft neue Talente ausgewählt werden, steht die interne Analyse im Fokus: Welche eigenen Free Agents sollen gehalten werden? Wo sind harte Cuts unvermeidbar und wie lassen sich diese Entscheidungen mit Blick auf das aktuelle Salary-Cap-Problem sinnvoll umsetzen?

Im Mittelpunkt sämtlicher Salary-Cap-Überlegungen der Kansas City Chiefs steht einmal mehr Franchise-Quarterback Patrick Mahomes. Die Chiefs haben inzwischen damit begonnen, aktiv Cap Space zu schaffen. So wurden 44,05 Millionen US-Dollar seines Grundgehalts für 2026 sowie ein Roster-Bonus in Höhe von 10,4 Millionen Dollar in einen vollständig garantierten Bonus umgewandelt. Durch diese Maßnahme entstanden rund 43,56 Millionen Dollar zusätzlicher Cap Space.
Durch diese klassische Restrukturierung sinkt Mahomes’ Cap Hit 2026 von 78,214 Millionen auf 34,65 Millionen Dollar. Im Gegenzug steigen die Belastungen in den Folgejahren, sein Cap Hit 2027 liegt nun bei 85,25 Millionen Dollar. Mahomes’ 10-Jahres-Vertrag über 450 Millionen Dollar aus dem Jahr 2020 wurde bewusst flexibel gestaltet. Das wiederholte Verschieben von Cap Hits war Teil des Plans, dennoch rückt angesichts der steigenden Zahlen perspektivisch eine umfassendere Vertragsanpassung näher.
Auch bei Trent McDuffie steht für das Team aus Missouri eine richtungsweisende Weichenstellung an. Die Entscheidung rund um den jungen Cornerback ist nicht nur sportlich relevant, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf den verfügbaren Salary Cap Space.
Die Variante, McDuffie auf der Fifth Year Option zu belassen, gilt dabei als die unwahrscheinlichste Lösung. Diese Option funktioniert wie ein Mini-Franchise-Tag: Sie erhöht den Druck auf beide Seiten, entweder eine langfristige Vertragsverlängerung auszuhandeln oder getrennte Wege zu gehen.

Ein Trade würde den größten unmittelbaren finanziellen Effekt erzielen: Rund 13,63 Millionen US-Dollar an Cap Space ließen sich freisetzen: ein erheblicher Spielraum in einer ohnehin angespannten Salary-Cap-Situation. Zudem den ein oder anderen Pick für den kommenden Draft. Dass ein solches Szenario realistisch ist, zeigte die Franchise bereits bei L'Jarius Sneed, als man sich entschied, einen Leistungsträger auf dieser Position eher ziehen zu lassen, als ihn überzubezahlen.
Eine Vertragsverlängerung wäre sportlich die attraktivere, wenn auch kostenintensivere Lösung. Der Cap Hit im ersten Jahr dürfte bei rund 7,5 Millionen US-Dollar liegen und im Vergleich zur aktuellen Struktur etwa sechs Millionen US-Dollar an Cap Space freisetzen. Gleichzeitig würde sich Kansas City Chief die langfristige Planungssicherheit auf einer Premium-Position sichern.
Im Zuge der notwendigen Salary-Cap-Anpassungen stehen bei den Kansas City Chiefs mehrere Spieler als mögliche Cut-Kandidaten im Raum. Als wahrscheinlichste Entlassung gilt Right Tackle Jawaan Taylor, dessen Freigabe rund 20 Millionen Dollar einsparen würde. Die Entscheidung ist eng mit der Zukunft von Jaylon Moore verknüpft, dessen möglicher Cut zwar Cap Space schaffen, zugleich jedoch erhebliche Dead-Cap-Kosten verursachen würde.
Auch Mike Danna (8,94 Mio. US-Dollar Einsparung) gilt nach seinem deutlichen Leistungsabfall als realistischer Kandidat für eine Trennung. Drue Tranquill könnte trotz solider Leistungen zum finanziellen Luxus werden, da mit Nick Bolton bereits erhebliche Mittel in die Linebacker-Position fließen. Zudem steht Tight End Noah Gray zumindest theoretisch zur Diskussion. Seine überschaubare Produktion mit 21 Catches für 178 Yards, sowie Defizite im Blocking liefern Argumente für eine Trennung, auch wenn ein Cut aktuell nicht als besonders wahrscheinlich gilt.
George Karlaftis (bis zu 7,95 Mio. US-Dollar) bietet aufgrund seiner verbleibenden fünf Vertragsjahre eine hohe Flexibilität: eine Restrukturierung wäre hier vergleichsweise unkompliziert ohne tiefgreifende strukturelle Folgen. Auch Creed Humphrey (bis zu 8,69 Mio. US-Dollar) gilt als sichere Bank; eine Anpassung seines Vertrags, eventuell mit Void Year, wäre mit überschaubarem Risiko verbunden.
Bei Trey Smith (bis zu 12,36 Mio. US-Dollar) ist hingegen Zurückhaltung angebracht, da eine vollständige Restrukturierung die Cap Hits ab 2027 deutlich ansteigen lassen würde, realistischer erscheint daher eine Teillösung. Das größte Einsparpotenzial liegt bei Chris Jones (bis zu 22,47 Mio. US-Dollar), doch angesichts seines ohnehin hohen Cap Hits 2026 dürfte eher eine moderate Teil-Restrukturierung infrage kommen, um kurzfristig Spielraum zu schaffen, ohne die langfristige Flexibilität zu gefährden.

Oberste Priorität bei den Kansas City Chiefs genießen Tight End Travis Kelce und Linebacker Leo Chenal. Kelce bleibt sportlich wie emotional eine Schlüsselfigur der Franchise und hat in der vergangenen Saison unter Beweis gestellt, dass er weiterhin auf höchstem Niveau performen kann. Sollte er seine Karriere fortsetzen wollen, erscheint eine Einigung auf einen teamfreundlichen Vertrag als realistische und für beide Seiten sinnvolle Lösung.
Leo Chenal nimmt eine besondere Rolle im Kader der Kansas City Chiefs ein: Als einer der wenigen verbliebenen klassischen SAM-Linebacker in der NFL ist er kein Every-Down-Spieler, doch sein spezielles Skillset besitzt hohen situativen Wert. Seine Präsenz an der Line of Scrimmage hilft vor allem gegen lauflastige Offenses und hat sich gerade in Playoff-Spielen als entscheidender Faktor erwiesen. Ob er in Kansas City bleibt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich sein Markt entwickelt und welche Rolle die Chiefs künftig für Drue Tranquill vorsehen.
In die Kategorie "halten, aber nicht überbezahlen" fallen Bryan Cook und Jaylen Watson. Beide Defensive Backs aus dem Draft-Jahrgang 2022 haben sich bei den Kansas City Chiefs etabliert und sollten ein Angebot erhalten. Allerdings dürfte der Markt, aufgrund des Mangels an jungen Defensive Free Agents, ihre Preise deutlich nach oben treiben. Watson genießt auch mit Blick auf die Situation um Trent McDuffie Priorität, während Cook voraussichtlich günstiger zu halten wäre. Ziel sollte es sein, mindestens einen der beiden zu binden, auch wenn andere Baustellen im Kader und der begrenzte Cap Space die Verhandlungen erschweren.
Tyquan Thornton, Kareem Hunt, Mike Pennel und James Winchester erfüllen jeweils klar definierte Rollen im Kader der Kansas City Chiefs und sollten, sofern der Preis im Rahmen bleibt, mit teamfreundlichen Verträgen gehalten werden.
Thornton dürfte innerhalb dieser Gruppe am teuersten werden, bleibt jedoch als vertikale Deep-Threat und potenzielle Ergänzung auf der X-Receiver-Position interessant. Kareem Hunt überzeugte 2025 vor allem in Short-Yardage-Situationen und kann weiterhin eine wertvolle Rotationsrolle im Backfield der Kansas City Chiefs übernehmen. Ob es jedoch zu einer Rückkehr kommt, hängt maßgeblich davon ab, wie konsequent die Franchise in dieser Offseason einen personellen Reset auf der Running-Back-Position anstrebt.
Pennel bringt als günstiger Nose Tackle wertvolle Tiefe für die Defensive Line, dürfte sich perspektivisch jedoch mit einer kleineren Rolle zufriedengeben müssen. Die Rückkehr von Long Snapper James Winchester, dem zugleich dienstältesten Spieler der Kansas City Chiefs (seit 2015), dürfte als reine Formsache gelten.
Für Marquise Brown, Isiah Pacheco, JuJu Smith-Schuster, Charles Omenihu, Jerry Tillery, Derrick Nnadi und Gardner Minshew dürfte die Zeit bei den Kansas City Chiefs zu Ende gehen. Sie gelten als Spieler mit geringer Verlängerungsperspektive, weniger aus finanziellen Gründen, sondern vor allem aufgrund fehlender sportlicher Rollen im zukünftigen Kader.
Hollywood Brown konnte die Erwartungen als Outside-Receiver nicht erfüllen, neben Rashee Rice und Xavier Worthy benötigt Kansas City einen kompletteren X-Receiver. JuJu Smith-Schuster bringt zwar wertvolle Erfahrungen als Blocker mit, diese Rolle dürfte aber perspektivisch gesehen teamintern anderweitig vergeben werden.
Isiah Pacheco gilt in Kansas City zwar als Publikumsliebling, hat jedoch seit 2023, auch verletzungsbedingt, spürbar an Dynamik und Produktivität eingebüßt. Gleichzeitig hat die Personalie Clyde Edwards-Helaire gezeigt, dass die Kansas City Chiefs auf der Running-Back-Position durchaus bereit sind, Emotionalität über rein sportliche Argumente zu stellen. Eine Rückkehr Pachecos wäre daher nicht ausgeschlossen. Dennoch benötigt das Laufspiel insgesamt ein klares Upgrade, was seine Snap-Anteile in einer neu strukturierten Rotation deutlich reduzieren könnte.
Charles Omenihu ist nach seinem Kreuzbandriss nicht mehr der gleiche Impact-Spieler, während Jerry Tillery und Derrick Nnadi im Zentrum der Defensive Line zu wenig Entwicklung gezeigt haben. Eine Verjüngung ist hier dringend erforderlich. Auch Gardner Minshew gilt als verzichtbar: Sollte Patrick Mahomes zum Saisonstart noch ausfallen, bräuchten die Kansas City Chiefs einen verlässlicheren Backup, um einen möglichen Fehlstart zu vermeiden.
Weitere Free Agents wie Joshua Williams oder Deon Bush könnten zu günstigen Konditionen zurückkehren, um Erfahrung auf der Bank, sowie die notwendige Kadertiefe zu sichern.
Die Offseason 2026 wird für die Kansas City Chiefs zur strategischen Bewährungsprobe. Zwischen konsequentem Salary-Cap-Management, möglichen Vertragsrestrukturierungen und richtungsweisenden Entscheidungen bei den eigenen Free Agents muss die Franchise die richtige Balance zwischen kurzfristiger Wettbewerbsfähigkeit und langfristiger Kaderstabilität finden.
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Marius Wimmler