27.03.2026
Überraschende Wendung
Über die European League of Football wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet, dies vermeldet das Amtsgericht Hamburg. Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Liga nach monatelangen Machtkämpfen eigentlich stabilisieren wollte - und verschärft die Unsicherheit über die Zukunft des europäischen American Footballs erneut.

Noch vor wenigen Wochen schien der größte Konflikt im europäischen Football beigelegt. Die European League of Football (ELF) und die European Football Alliance (EFA) hatten sich auf eine gemeinsame Zukunft verständigt und wollten ab 2026 gemeinsam antreten. Diese Pläne stehen nun infrage. Denn wie am 26.03 bekannt wurde, befindet sich die ELF im Insolvenzverfahren. Das wirft nun neue Fragen auf - nicht zuletzt vor dem Hintergrund weiterer konkurrierender Ligaprojekte.
Mit dem Aktenzeichnen 67b IN 14/26 hat das Amtsgericht Hamburg das Insolvenzverfahren über die European League of Football GmbH eröffnet. Als Insolvenzverwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Andreas Romey bestimmt, die Gläubigerversammlung soll am 23. Juni um 10 Uhr in Hamburg stattfinden. Der Gläubiger kann den Beschluss noch rechtlich mit einer Beschwerde anfechten.
Die European League of Football wurde 2020 von Patrick Esume als Commissioner und Zeljko Karajica als CEO gegründet und startete im Juni 2021 mit dem Anspruch, eine nachhaltige Profiliga für American Football in Europa auf höchstem sportlichen Niveau zu etablieren. Nach rasantem Wachstum und schneller Expansion traten jedoch zunehmend wirtschaftliche und organisatorische Spannungen zutage.
Ein zentraler Wendepunkt war der Rücktritt von Esume im Sommer 2025. Der langjährige Commissioner und das prägende Gesicht der Liga zog sich wegen "unüberbrückbarer Differenzen" mit Karajica zurück. Sein Abgang machte interne Führungsprobleme öffentlich und führte zur Abspaltung mehrerer Teams. Anschließend hatte sich die European Football Alliance (EFA) zu einem eigenen Zusammenschluss formiert.
Parallel dazu kündigte sich jedoch bereits neue Konkurrenz an. Ab 2026 soll mit der American Football League Europe (AFLE) eine weitere Liga an den Start gehen. Die AFLE wirbt mit einer langfristigen Finanzierung über eine US-Foundation, einem Hauptsitz in Hamburg und personeller Nähe zur ELF, unter anderem durch den früheren Head of Operations der ELF, Frank Wendorf. Auch Till Grönemeyer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des VfL Bochum, soll in beratender Funktion eingebunden werden. Die AFLE versteht sich selbst als neue, stabile Heimat für American Football in Europa.
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