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    NFL

    14.08.2026

    Fan-Kolumne

    Ben Johnson: Aus "Good" wird "Better"?

    Als Ben Johnson im Januar 2025 in Chicago vorgestellt wurde, war die Euphorie riesig. Der begehrteste Head-Coach-Kandidat der NFL entschied sich ausgerechnet für die Chicago Bears - ein Team, das seit Jahren zwischen Hoffnung und Ernüchterung pendelte. Bei seiner ersten Pressekonferenz sprach Johnson nicht von einem schnellen Turnaround. Er sprach von Standards, Verantwortung und einer gemeinsamen Vision. Obwohl Bears-Fans dies schon mehr als genug gehört hatten, schwang dennoch die leise Hoffnung in unseren Herzen.

    Head Coach Ben Johnson von den Chicago Bears beantwortet nach einem NFL-Spiel Fragen bei einer Pressekonferenz.
    Ben Johnson geht in sein zweites Jahr als NFL-Head-Coach IMAGO/Icon Sportswire

    Ein Jahr später lässt sich sagen: Er hat geliefert.

    Natürlich war nicht alles perfekt. Es gab Spiele, in denen die Bears zu langsam starteten, unnötige Fehler machten oder sich das Leben schwerer als nötig gestalteten. Darin fand sich aber vielleicht die größte Stärke dieses Teams und der Message von Ben Johnson: Sie glaubten bis zum Schluss daran, dass ein Sieg stets möglich ist. Mehrfach kämpften sie sich aus scheinbar aussichtslosen Situationen zurück und gewannen Spiele, die frühere Bears-Teams ganz sicher verloren hätten. Diese Comeback-Mentalität war kein Zufall, sondern das Resultat einer Kultur, die Johnson ab dem ersten Tag etablierte.

    Rückblick

    Die Bilanz spricht für sich. Elf Siege in der Regular Season, der Gewinn der NFC North und der erste Playoff-Sieg seit 2010. Mit diesem Ergebnis hätten selbst die hoffnungsvollsten Fans nicht gerechnet. Erst in der Divisional Round war nach einer knappen Overtime-Niederlage gegen die Rams Schluss. Im Ergebnis bitter, aber gleichzeitig zeigt es, dass die Bears in nur einem Jahr mit Johnson so weit gekommen sind, dass es niemanden überrascht hätte, wenn sie in das NFC Championship Game gekommen wären. Gleichzeitig zeigte genau dieses Spiel, wie weit die Bears bereits gekommen waren.

    Mehr als nur offensives Mastermind

    Dabei wäre es zu einfach, Johnson nur auf seine Offensive zu reduzieren. Ja, seine Spielzüge gehören weiterhin zu den kreativsten der Liga. Ja, Caleb Williams machte unter seiner Führung einen gewaltigen Schritt nach vorne und spielte die beste Saison eines Bears-Quarterbacks seit Jahrzehnten. Doch noch wichtiger war etwas anderes: Johnson schaffte es, der gesamten Organisation eine Identität zu geben. Jeder wusste, wofür die Bears stehen: Aggressivität. Durchhaltevermögen. Anpassungsfähigkeit.

    Bemerkenswert war außerdem, dass Johnson nie den Eindruck vermittelte, ein Ego-Projekt aufzubauen. Stattdessen vertraute er seinem Trainerstab und ließ sie ihre Arbeit machen. Der Trainerstab im Gegenzug hat sich auf Johnsons Vision und Erwartungen eingelassen und dies eins zu eins an die Spieler weitergegeben.

    Nun beginnt Johnsons zweites Jahr

    Die NFL ist gnadenlos. Überraschungen funktionieren genau einmal. Danach kennt jeder Gegner deine Konzepte. Defensive Coordinators verbringen Monate damit, deine Schwächen zu analysieren. Gleichzeitig steigen die Erwartungen. Auch wenn viele Fans wissen, dass man ein Jahr früher war, als angenommen, ist ein Playoffeinzug die Mindestanforderung.

    Genau hier wird sich zeigen, wie gut Ben Johnson wirklich ist.

    Kann er seine Offensive weiterentwickeln, statt lediglich Bewährtes zu wiederholen? Kann Caleb Williams den nächsten Entwicklungsschritt gehen, seine Passgenauigkeit und Johnsons Offense vollständig in den Griff kriegen? Und vor allem: Kann Johnson verhindern, dass sich Zufriedenheit einschleicht?

    Die Voraussetzungen sprechen dafür. Die Offense kennt das System inzwischen deutlich besser, viele junge Leistungsträger, wie Colston Loveland, gehen in ihre zweite Saison unter diesem Coaching Staff und Johnson selbst betont immer wieder, dass die Entwicklung der Mannschaft noch längst nicht abgeschlossen ist. Im Training ist bereits zu erkennen, dass Williams mehr Verantwortung an der Line of Scrimmage übernimmt und die Offensive insgesamt komplexer wird.

    Natürlich wird der Spielplan schwieriger. Verletzungen gibt es gerade zu Hauf. Gewisse Rückschläge gehören in einer NFL-Saison zwangsläufig dazu. Können die Bears also den Standard halten? Kann Ben Johnson seine Vision durchsetzen, wenn nicht alles läuft und man die meisten Interceptions der Liga fängt?

    Ausblick

    Alle Indikatoren deuten bisher in diese Richtung. Johnson und seinem Trainerstab ist bewusst, dass es ein neues Jahr mit neuen Herausforderungen ist.

    Bisher zeichnet sich nicht ab, dass man sich mit dem Ergebnis aus dem letzten Jahr zufrieden gibt. Das Training Camp bleibt intensiv, die Spieler investieren extra Trainings, jeder gibt mehr, um das letztliche Ziel zu erreichen: Championships.

    Ben Johnson hat das Fundament gelegt. Das zweite Jahr wird zeigen, ob daraus eine Ära werden kann und ob aus dem "Good" das "Better" und schließlich das "Best" werden kann.

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    Arne Kehr