16.10.2026
Lions, Vikings, Bengals, Dolphins
Vier NFL-Teams haben an diesem Wochenende eine Pause vom Spielbetrieb bekommen. Für ihre Trainerstäbe hat damit allerdings die wichtigste Reparaturphase der bisherigen Saison begonnen.

Bye Week klingt nach Füße hochlegen. Für die Coaches ist sie meist eher das Gegenteil: Fünf Spiele liefern inzwischen genügend Material, um wiederkehrende Probleme zu erkennen - und noch bleibt genug Saison, um tatsächlich etwas daran zu ändern.
In Week 6 pausieren die Cincinnati Bengals, Detroit Lions, Miami Dolphins und Minnesota Vikings. Vier Teams mit komplett unterschiedlichen Ausgangslagen, aber jeweils einer Baustelle, die nach der freien Woche nicht mehr dieselbe sein darf.
Die naheliegende Antwort wäre natürlich die Defense. Detroit ließ bislang ligaweit die meisten Passing Yards zu, die personellen Probleme in der Secondary begleiten das Team jedoch bereits seit Saisonbeginn. Die spielfreie Woche kann eine derart große Baustelle nicht plötzlich verschwinden lassen. Deshalb liegt der Fokus hier auf einem Problem, das die Coaches unmittelbarer beeinflussen können - und das der angeschlagenen Defense das Leben zusätzlich erschwert.
Detroits Offense produzierte in fünf Spielen starke 164 Punkte und erzielte jedes Mal mindestens 26. Im ersten Viertel kamen allerdings nur zehn Zähler zusammen. Die ersten Drives brachten zusammengerechnet sogar lediglich drei Punkte. Auch gegen Arizona starteten die Lions mit drei Three-and-outs und minus neun Yards, ehe sie auf ihren folgenden sieben Ballbesitzen durchgehend punkteten.
Drew Petzing muss deshalb vor allem seinen ersten Gameplan überarbeiten. Strafen, Sacks und zu vorhersehbare Spielzüge dürfen die Defense nicht jede Woche sofort wieder aufs Feld schicken. Ein schneller offensiver Start würde Detroit nicht nur früher Kontrolle verschaffen, sondern auch die größte Schwäche des Teams spürbar entlasten.
Die Pause hilft zudem bei der personellen Reparatur: Brian Branch und Center Cade Mays arbeiten auf eine Rückkehr gegen Green Bay hin. Nach Tom Kennedys voraussichtlichem Saisonaus muss außerdem ein neuer Punt Returner etabliert werden; Berichten zufolge kommt dafür der erfahrene DeAndre Carter (zuvor Bears) in den Practice Squad. Gleichzeitig können die Lions am Sonntag genau beobachten, was ihr nächster Gegner aus Green Bay gegen Dallas zeigt.
Joe Burrow warf beim 31:24 gegen Miami vier Touchdowns, Cincinnati erlief gleichzeitig ordentliche 117 Yards. Genau diese Balance muss Zac Taylor konservieren. Über die gesamte Saison kamen die Bengals bislang nur auf 82,8 Rushing Yards pro Partie und 3,6 Yards pro Lauf - der viertschlechteste Wert der NFL.
Direkt nach der Pause geht es zum AFC-North-Spitzenreiter nach Baltimore. Gegen eine aggressive Ravens-Defense darf die komplette Last nicht erneut auf Burrow und Ja’Marr Chase liegen. Die Bengals müssen aus dem Laufspiel mehr als eine gelegentliche Ergänzung machen - sonst bleibt ihre Offense trotz aller Starpower zu leicht ausrechenbar.
Miamis 0-5-Start gehört kaum zu den großen Überraschungen der Saison. Nach dem deutlichen Umbau des Kaders dürften selbst die Verantwortlichen intern mit einer schwierigen Übergangsphase gerechnet haben.
Problematischer als die Bilanz ist deshalb, dass bislang kaum eine belastbare sportliche Identität erkennbar war. Die Dolphins stellen die schwächste Passing Offense der Liga und erlaubten bereits 14 Sacks. Beim 24:31 gegen Cincinnati zeigte ausgerechnet das Laufspiel mit 217 Yards erstmals einen klaren Weg nach vorne.
Jeff Hafleys wichtigste Aufgabe besteht deshalb darin, die Offense konsequent um diesen Ansatz herum aufzubauen. Malik Willis warf gegen die Bengals zwei Interceptions und verlor zusätzlich einen Fumble. Weniger riskante Entscheidungen, einfachere Reads und ein stärkerer Fokus auf das Laufspiel könnten zumindest verhindern, dass Miami sich weiterhin selbst schlägt.
Nach der Pause wartet auswärts mit den Jets ein Gegner, gegen den der erste Saisonsieg realistisch bleibt. Bleiben die Ballverluste und Schutzprobleme unverändert, wird aus der Bye Week allerdings keine Wende, sondern nur eine kurze Unterbrechung des Absturzes.
An einer Bilanz von 5-0 gibt es wenig zu reparieren. Wie Minnesota sie erreichte, sollte Kevin O’Connell trotzdem beschäftigen. Die Defense und die Special Teams trugen den Saisonstart, während die Offense nach vier Wochen nur sieben Touchdowns erzielt hat. Zwei Partien gewannen die Vikings sogar komplett ohne offensiven Touchdown.
Beim 23:13 gegen New Orleans zeigte sich mit fast 40 Minuten Ballbesitz und einer effizienten Vorstellung von Kyler Murray erstmals deutlicher Fortschritt. Jetzt muss daraus der Standard werden.
Die spielfreie Woche kommt dafür perfekt: Justin Jefferson konnte seine Knöchelverletzung weiter auskurieren, Jordan Addison seine Oberschenkelprobleme. Nach Indianapolis warten Detroit, Buffalo, Green Bay und San Francisco - spätestens dort reicht es nicht mehr, sich dauerhaft von Brian Flores’ genialer Defense retten zu lassen.
mhh