01.02.2026
Unglaublicher Konsum in den USA
Der Super Bowl gilt als das größte Einzelsportereignis der Welt und begeistert jährlich ein Millionenpublikum. Neben dem sportlichen Finale zwischen zwei Teams der NFL hat dieses Ereignis längst Kultstatus erreicht - nicht nur wegen des Spiels selbst, sondern auch wegen der enormen Zuschauerzahlen, der Werbeindustrie und der konsumierten Mengen an Essen und Getränken an diesem Tag.

Abseits des Spielfelds liefert der Super Bowl jede Menge Zahlenspielereien, Rekorde und kuriose Fakten, die auf den ersten Blick vielleicht "unnütz", aber zugleich umso erstaunlicher sind. Werfen wir einen Blick auf die krassesten Zahlen und ungewöhnlichsten Fakten rund um diesen besonderen Tag.
Ein Super-Bowl-Quarterback zu sein, bringt eine gewisse Popularität mit sich - doch mit seinem Großvater kann Sam Darnold nicht mithalten. Der war Feuerwehrmann, spielte 1964 bei den Olympischen Spielen in Tokio Volleyball und im Fernsehen in der Serie "Emergency". Nahezu jedem Amerikaner war der Herr mit dem sprechenden Namen Dick Hammer aber in anderer Rolle bekannt: als kantiger Marlboro-Mann mit Cowboy-Hut und Kippe.
Es kann nur einen geben! Zum dritten Mal haben im Super Bowl beide Cheftrainer denselben Vornamen - und immer lautete er: Mike. Diesmal trifft Mike MacDonald (Seahawks) auf Mike Vrabel. 1998 kam es zum Duell zwischen Mike Shanahan (Denver Broncos) und Mike Holmgren (Green Bay Packers), 2011 zwischen Mike Tomlin (Pittsburgh Steelers) und Mike McCarthy (Green Bay).
Der Super Bowl erreicht regelmäßig fast hundert Millionen Zuschauer in den USA allein. In Spitzenjahren wurden sogar Einschaltquoten von über 114 Millionen gemessen. Weltweit verfolgen sogar fast eine Milliarde Menschen dieses Ereignis am Bildschirm. Diese Zahlen verdeutlichen, wie sehr das Spiel als Event über den reinen Sport hinaus in das kulturelle Leben vieler Menschen eingebettet ist.
Die gigantischen Zuschauerzahlen führen dazu, dass die Werbeindustrie jedes Jahr enorme Summen für einen Platz während der Übertragung bezahlt. Die Kosten eines 30-Sekunden-Werbespots sind über die Jahrzehnte dramatisch gestiegen: Während 1967 eine halbe Minute Werbung noch wenige zehntausend Dollar kostete, stiegen diese deutlich.
Es ist noch einmal teurer geworden. Im Vorjahr kassierte der US-Sender Fox für 30-sekündige Spots in Spielunterbrechungen bis zu acht Millionen Dollar. NBC erreicht diesmal Summen von bis zu zehn Millionen.
Diese Werbespots sind für viele Zuschauer oft genauso interessant wie das Spiel selbst. Für Bud Light stürzt sich diesmal eine gesamte Hochzeitsgesellschaft einen Hang hinunter, einem rollenden Bierfass hinterher. Kellogg's setzt mit William Shatner (Captain Kirk) auf Fäkalhumor, er beamt sich als "Will Shat" in Haushalte. Und Pepsi lässt den Coca-Cola-Eisbären einmal die richtige Brause kosten. Zu sehen sind zudem auch Ben Stiller, Elijah Wood, Peyton Manning und Serena Williams.

Der Super Bowl sorgt für eine richtige Konsum-Explosion bei Nahrungsmitteln und Getränken. Allein in den USA geben die Menschen am Super-Bowl-Sonntag rund fünfzig Millionen Dollar für Lebensmittel aus. Besonders beliebt sind Snacks und Party-Food: Tausende Tonnen Popcorn, Chips und Chicken Wings werden verzehrt. Die Gesamtmenge der konsumierten Chicken Wings allein beläuft sich auf mehr als eine Milliarde Stück.
Die Pizza-Lieferdienste erleben am Tag des Super Bowls einen solchen Ansturm, dass sie bis zu einem Drittel ihres gesamten Jahresumsatzes an nur einem Tag erwirtschaften. Auch der Bierkonsum erreicht astronomische Ausmaße: Im Durchschnitt trinken die Menschen in den USA am Super-Bowl-Sonntag laut dpa 1,2 Milliarden Liter Bier.
Die feuchtfröhlichen Feiern und langen Nächte rund um den Super Bowl haben auch messbare Folgen am nächsten Werktag. So steigt beispielsweise der Verkauf von Kopfschmerztabletten am Montag nach dem Finale um etwa zwanzig Prozent an, weil viele Zuschauer die Partie und die anschließenden Feiern in der Nacht zuvor miterlebt haben.
Manche US-Arbeitnehmer nehmen nach dem Super Bowl sogar extra Urlaub oder melden sich krank, ein Phänomen, das scherzhaft als "Super Bowlitis" bezeichnet wird.
Nicht nur beim Konsum von Nahrung und Getränken wird Geld ausgegeben. Der durchschnittliche amerikanische Fan gibt vor dem Super Bowl deutlich über fünfzig US-Dollar allein für Kleidung, Essen und elektronische Geräte aus, die das Erlebnis rund um das Finale abrunden. Neben den Kosten für Tickets und Fanartikel wird auch für Parkplätze und Public-Viewing-Events viel Geld investiert - was zeigt, wie stark der Super Bowl wirtschaftlich wirkt.
Der Super Bowl ist weit mehr als nur das Finale einer Football-Saison. Er ist ein kulturelles und kommerzielles Großereignis mit gigantischen Zuschauerzahlen, enormen Werbeausgaben, unglaublichem Konsum und kuriosen Begleiterscheinungen, die das Event zu einem jährlichen Spektakel der Superlative machen. Selbst wenn das meiste davon "unnützes Wissen" ist, sorgt es doch regelmäßig für Gesprächsstoff bei Fans und Nicht-Fans gleichermaßen.
Donald Trump ist - anders als im Vorjahr - nicht da. Die Reise sei einfach zu weit, sagte der US-Präsident, die wahren Gründe dürften mit Blick auf die Halftime-Show aber andere sein.
Bad Bunny, bürgerlich Benito Antonio Martínez Ocasio, kommt aus Puerto Rico. Der Latin-Trap-Superstar ist äußerst regierungskritisch, bei den Grammys gewann er zuletzt den Preis für das beste Album und rechnete in seiner Dankesrede mit Donald Trump ab. "ICE raus!", rief er: "Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Außerirdischen, wir sind Menschen. Und wir sind Amerikaner." Wie politisch wird wohl seine Halftime-Show?
Das MAGA-Lager schäumt jedenfalls, denn neben Bad Bunny werden auch die trumpkritischen Punkrocker von Green Day auftreten. Daher gibt es parallel eine streng regierungskonforme Gegenveranstaltung, die von der rechtspopulistischen Organisation Turning Point USA im Internet gestreamt wird. Auch ein paar einschlägige TV-Sender gehen drauf. Haupt-Act ist Kid Rock: "Ich singe für all jene, die Amerika lieben."
Den Super-Bowl-Aufreger schlechthin wird aber auch Bad Bunny kaum übertreffen können. Unvergessen bleibt, wie Justin Timberlake in der Halbzeit-Show 2004 ruckartig eine Brustwarze von Janet Jackson entblößte - und das im prüden Amerika! "Nipplegate" war geboren. 2012 zeigte M.I.A. einen Mittelfinger in die Kamera und wurde von der NFL sogar verklagt. Es folgte eine außergerichtliche Einigung. 2007 sah die Gitarre von Prince recht phallisch aus, und: Zwei Männer küssten sich in einer Snickers-Werbung. Skandal!
Charlie Puth intoniert vor dem Spiel die Nationalhymne, er tritt in große Fußstapfen. "The Star-Spangled Banner" sangen beim Super Bowl schon Whitney Houston und Lady Gaga, Barry Manilow und Billy Joel. Ein Rekord wird Alicia Keys zugeschrieben: Sie streckte die üblicherweise 110 Sekunden der Hymne 2013 an einem silbernen Yamaha-Flügel auf 156. Brandi Carlile trägt "America the Beautiful" vor und Coco Jones "Lift Every Voice and Sing"
Die Buchmacher sehen die Seahawks um Quarterback Sam Darnold (28) leicht vorn. Seattle hat die NFC überzeugend für sich entschieden und nur drei Saisonniederlagen kassiert - die bislang letzte gab es Mitte November. Die Hoffnungen der Patriots ruhen auf Drake Maye (23), der das schwere Erbe des Klubidols Tom Brady angetreten hat. Auch New England hat nur drei Niederlagen in der Bilanz, den schwierigeren Weg durch die Play-offs hatten die Seahawks.
Rund um den Super Bowl LX:
>> Super Bowl 2026: Alle wichtigen Informationen im Überblick
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nkr, SID, DPA