vor 2 Stunden
Mindestens 1.184 Kaderplätze verschwinden
Für Fans ist es der letzte Schritt vor dem Saisonstart, für Hunderte Spieler ein Wochenende voller Ungewissheit. Bis Sonntag müssen alle 32 NFL-Teams ihre Kader von 90 auf 53 Profis reduzieren.

Die letzten Preseason-Spiele laufen, die Trainer haben ihre Notizen längst gefüllt - und bei zahlreichen NFL-Profis beginnt das bange Warten. An diesem Wochenende entscheiden die Teams, welche Spieler mit ihnen in die neue Saison gehen dürfen.
Bis Sonntag um 18 Uhr Ostküstenzeit müssen die Kader von 90 auf 53 Spieler verkleinert werden. Das sind rein rechnerisch 37 wegfallende Plätze pro Team und mindestens 1184 Entscheidungen in der gesamten Liga.
Nicht hinter jeder davon steckt aber eine klassische Entlassung. Spieler können getradet, auf eine Reserveliste gesetzt oder aufgrund einer Verletzung aus dem aktiven Kader genommen werden. Für einen großen Teil der Betroffenen endet das Trainingscamp dennoch mit der Nachricht, dass kein Platz mehr für sie vorhanden ist.
Für die Stars der Liga ist dieses Wochenende kaum mehr als eine Formalität. Für Undrafted Rookies, späte Draftpicks und erfahrene Profis mit nicht garantierten Verträgen kann ein einziger Anruf dagegen alles verändern.
Wochenlang haben sie trainiert, in Meetings gesessen und um wenige Snaps in der Preseason gekämpft. Viele haben ihre Familien für das Camp zurückgelassen oder sind erst vor wenigen Monaten in eine neue Stadt gezogen. Nun warten sie darauf, ob sie ihr Playbook behalten dürfen - oder ihren Spind räumen müssen.
Der gefürchtete Termin bei Head Coach und General Manager an sich dauert häufig dann nur wenige Minuten. Denn die Nachricht selbst ist nüchtern: Das Team werde den Vertrag auflösen. Hinter der offiziell verkündeten "Roster Transaction" stehen jedoch Jahre voller Training und oftmals der Traum, es wenigstens einmal in einen NFL-Kader zu schaffen.
Bei den Entscheidungen geht es den Verantwortlichen nicht nur darum, wer in der Preseason die meisten Yards oder Tackles gesammelt hat. Auf den letzten Kaderplätzen zählt vor allem, wer mehrere Aufgaben übernehmen kann.
Ein Ersatz-Receiver verbessert seine Chancen, wenn er zusätzlich als Returner oder Gunner in den Special Teams eingesetzt werden kann. Ein Offensive Lineman ist wertvoller, wenn er auf mehreren Positionen spielen kann. Auch Verletzungen, Verträge und der künftige Entwicklungsbedarf fließen in die Entscheidungen ein.
Dadurch kann ein Spieler sportlich überzeugt haben und trotzdem gehen müssen. Ein einziger Fehler entscheidet selten über die Zukunft - manchmal passt die Zusammensetzung des Kaders schlicht nicht.
Für jüngere Spieler beginnt nach ihrer Entlassung zunächst das Waiver-Verfahren. Andere Teams können ihre Verträge übernehmen. Profis mit mindestens vier angerechneten Spielzeiten dürfen bis zur Trade-Deadline dagegen sofort mit jedem Team verhandeln.
Wer dennoch nicht direkt einen neuen Arbeitgeber findet, kann anschließend auf einem Practice Squad landen. Dort stehen jedem Klub 16 reguläre Plätze sowie gegebenenfalls ein zusätzlicher Platz für einen International Player zur Verfügung. Auch daraus kann sich während der Saison dann noch eine neue Chance ergeben, meist durch Verletzungen von Startern.
Trotzdem bleibt die Zeit nach dem Cut quälend. Das nächste Telefonat kann einen neuen Vertrag, einen Platz im Practice Squad oder das vorläufige Ende der eigenen Karriere bedeuten.
Wenige Tage später beginnt die Regular Season mit vollen Stadien, großen Inszenierungen und den bekanntesten Spielern der Welt. Das Wochenende davor zeigt jedoch die deutlich kältere Seite dieses Geschäfts.
Für 53 Spieler pro Team bedeutet der finale Kader Erleichterung. Für die übrigen beginnt eine Suche ohne Garantie, dass noch einmal ein Anruf kommt.
Am Montag diskutieren Fans bereits über Depth Charts und den ersten Spieltag. Viele der Spieler, die den Sommer über mit ihren Teams auf dem Platz standen, packen dann schon ihre Sachen. Genau deshalb gilt das Cutdown-Wochenende als das gefürchtetste Wochenende der NFL.
mhh