26.08.2026
NFL-Kolumne von Adrian Franke
Was heute wie eine mutige Prognose aussieht, kann in fünf Monaten erstaunlich realistisch sein - während vermeintlich einfache Vorhersagen völlig schiefgehen. Adrian Franke schaut in 26 Prognosen auf die anstehende Regular Season der NFL. Manche davon sind mutiger, manche gar Bold Predictions - und manche mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Alle enthalten aber mindestens die Spur einer realistischen Chance.

Die Buchmacher-Favoriten für den Top-Pick im kommenden Draft sind klar. Arizona, Miami, Cleveland. Die Jets und Titans noch in Reichweite. Die sichere Prognose ist ein Team aus diesem Quintett, aber für sichere Prognosen sind wir nicht hier.
Kein Team hat im August mehr Tiefschläge weggesteckt als die Falcons. Die Verletzung von Jalon Walker, die Acht-Spiele-Sperre gegen James Pearce, die ersten Eindrücke der Offense mit Tua Tagovailoa. Die Defense erwartet nach überproportional vielen Sacks im Vorjahr eine deutliche Regression - und die Offense könnte die nach Cleveland bitterste Quarterback-Situation der Liga haben. Die erhoffte Stabilität unter Kevin Stefanski bleibt deshalb vorerst aus. Dafür darf sich der neue Head Coach im kommenden Draft seinen Wunsch-Quarterback aussuchen.
Was wären Prognosen ohne eine ordentliche Dosis Preseason Hype? Und hier passt alles zusammen: Die anhaltenden Verletzungssorgen, die die Niners begleiten. Tight End George Kittle kommt von einem Achillessehnenriss zurück, Christian McCaffrey, dessen 924 Receiving Yards das Team im Vorjahr mit Abstand angeführt hatten, plagte sich länger mit einer dubiosen Verletzung herum. Und Neuzugang Mike Evans hat in den letzten vier Jahren einmal alle 17 Spiele absolviert und verließ das Training zuletzt vorzeitig.
Da sprechen wir noch gar nicht davon, dass De'Zhaun Stribling eine Explosivität mitbringt, die San Francisco anderweitig fehlt. Deebo Samuel, den man im Zuge des Ausfalls von Ricky Pearsall zurückgeholt hat, kann die ebenfalls nicht liefern.
Am Ende ist es Stribling, der fit bleibt, der als Rookie-Receiver viel spielt, weil er in Kyle Shanahans Offense blocken kann. Und weil er die Big Plays nach dem Catch bekommt.
Und das nicht verletzungsbedingt. Die Raiders spielen in den ersten fünf Wochen unter anderem gegen die Chargers, Chiefs und Patriots. Die Browns eröffnen ihre Saison gegen die Jaguars, Bucs, Panthers und Steelers. Für die Falcons geht es zu Beginn gegen die Steelers, Panthers, Packers, Saints und Ravens.
Las Vegas hat mit Top-Pick Fernando Mendoza eine junge Option, die mit den Hufen scharrt. Ein wackeliger Saisonstart von Kirk Cousins wird die Rufe nach dem Rookie sehr laut werden lassen. In Cleveland könnten wir eine ganze Reihe verschiedener Quarterbacks im Laufe der Saison sehen. Und wenn Tua so weitermacht, wie er in Miami aufgehört hat, wird Atlanta bereitwillig Michael Penix die Chance geben, sich zu beweisen.

Wildcard: die New York Jets. Wenn Geno Smith schlecht spielt, hat dieses Regime nicht mehr den Luxus der Zeit.
Die Buchmacher-Favoriten für den Leading Rusher findet man woanders. James Cook, Jonathan Taylor, Bijan Robinson, Jahmyr Gibbs, Derrick Henry - das sind eher die Namen, die hier genannt werden.
Doch ein AFC-West-Duo sprengt diese Phalanx. Da wäre zum einen Kenneth Walker, der den Chiefs nicht nur ihren ersten 1000-Yard-Läufer in der Patrick-Mahomes-Ära geben wird. Sein Big-Play-Potenzial ist dringend benötigt und gibt dem amtierenden Super-Bowl-MVP (29:13 mit Seattle gegen New England) mit entsprechend großer Snap-Zahl die Chance darauf, über 1200 Rushing Yards zu landen.
Bei den Chargers ruhen große Hoffnungen auf Mike McDaniel. Das gilt für Justin Herbert und das Passing Game, aber McDaniels größte Stärke war schon immer das Run Game. Hier wird er Omarion Hampton in Jahr zwei entfesseln und dessen Kombination aus Speed und Größe zwischen den Tackles bestmöglich zur Geltung bringen. Auch Hampton knackt die 1200 Yards am Boden.
Bonus für diese Prognose: Ashton Jeanty unter Klint Kubiak hinter einer verbesserten Offensive Line ist ebenfalls in dieser Division. Jeanty, der bei einer am Wochenende im Training erlittenen Verletzung wohl mit einem blauen Auge davongekommen ist, wird aber unabhängig davon überraschend viele Carries an Mike Washington verlieren und ist nur der Nummer-3-Back in dieser Division.

Wenn über Wochen Training-Camp-Clips analysiert werden, um zu zeigen, dass ein Quarterback die Mitte des Feldes attackieren kann (oder es eben nicht kann), dann wissen wir: Die Saison rückt näher - und irgendwo wird prominent etwas umgebaut!
Dieses "irgendwo" steigt dieses Jahr in Philly, wo die Eagles ihre Offense drastisch umstellen. Und die einfachste, gar nicht gewagte Prognose ist diese: Das erste Big Play von Jalen Hurts bei einem Pass über die Mitte wird von der einen Seite wild auf Social Media geteilt werden. Seine erste Interception in dem Bereich des Feldes dann von der anderen Seite.
Die Eagles haben einige Kracher in der ersten Saisonhälfte, spielen aber auch zweimal gegen die Commanders, gegen die Titans, die Panthers und die Giants - Spiele, in denen sie Favorit sein sollten. Das wird dazu beitragen, dass Philadelphias Offense brandheiß in die Saison startet. Zu Beginn wird das Run Game funktionieren und Hurts' Passing-Zahlen werden Down für Down effizienter sein - bis zu dem Punkt, dass er als legitimer MVP-Kandidat in die Bye Week geht.
Diese Schlagzahl kann das Team aus der NFC East aber nicht halten. In der zweiten Saisonhälfte fällt der Mangel an Erfahrung bei Offensive Coordinator Sean Mannion mehr ins Gewicht, nachdem sich Defenses besser auf sie eingestellt haben. Und dann macht sich auch der Verlust von A.J. Brown (inzwischen New England Patriots) mehr bemerkbar. Am Ende stehen abermals zweistellige Siege, aber auch eine gewisse Unklarheit dahingehend, wie man offensiv weitermachen will.
Die Rams belegten in dieser Kategorie im Vorjahr mit 518 Punkten den klaren ersten Platz, gefolgt von den Patriots (490) und Seahawks (483). Dann folgten bereits die Lions (481), auf einem geteilten vierten Platz mit den Buffalo Bills.
Drei Dinge werden uns die Lions in der kommenden Saison zeigen: Die Offensive Line wird wieder stärker sein. Der neue Offensive Coordinator Drew Petzing mag nicht der nächste Ben Johnson sein, aber er gibt der Offense mehr Stabilität, verglichen mit dem Vorjahr. Und: Die eigene Defense wird Detroit in Shootouts zwingen, noch mehr als letztes Jahr. Das wird die Lions zu einem der unterhaltsamsten Teams in der NFL machen - und zum einzigen Team, das in der kommenden Saison im Schnitt über 30 Punkte pro Spiel macht.
Wenn wir im Februar zurückschauen, werden wir sagen, dass die Preseason ein erster Hinweis darauf war, dass wir in Tennessee auf eine unangenehme Offseason zusteuern. Brian Daboll wird im ersten Jahr mit Ward weniger erfolgreich sein als zuletzt mit Jaxson Dart, auch weil Ward schlicht zu inkonstant ist. Zu inkonstant in seinen Mechanics, zu viele Turnover, zu viele Will-Levis-ähnliche-Momente (der übrigens nach wie vor bei den Titans ist). Das neue Titans-Regime hat Ward nicht gedraftet, und wir wissen, wie diese Dinge dann laufen.
Eine Woche-14-Bye-Week für das Team mit dem härtesten Schedule und der niedrigsten Sieg-Prognose bei den Buchmachern ist ein undankbares Weihnachtsgeschenk der NFL. Wenn Arizona am 20. Dezember aus seiner Bye Week zurückkommt, werden Cardinals-Fans bereits seit Wochen mehr Zeit mit Mock Drafts als mit dem kommenden Gegner verbringen.
Denn wenn man den Schedule bis dahin durchgeht, ist es schwer, realistisch mehr als ein paar mögliche Siege zu finden. Wenn überhaupt. Das hier ist Arizonas Spielplan bis zur Bye:
Chargers, Seahawks, 49ers, Giants, Lions, Rams, Broncos, Cowboys, Seahawks, Rams, Chiefs, Commanders, Eagles.
Giants, Commanders, das dürften am ehesten die Chancen darauf sein, sich nicht ohne Sieg in die Bye zu verabschieden. Was selbst mit dem offensiven Skill-Player-Talent ebenfalls passieren könnte.
Es ist ein paar Tage her, dass die Packers einen 1000-Yard-Receiver hatten. Und auch 2026 knackt kein Wide Receiver diese Marke, trotz weniger Rotation und klarerer Rollen, Packers-Fans kennen die Training-Camp-Narrative.

Dafür aber reiht sich Tucker Kraft frisch zurück von seinem Kreuzbandriss in die Reihe der 1.000-Yard-Tight-Ends der letzten Jahre ein. 2025 hat Trey McBride die Marke übertroffen, 2024 waren es McBride, Brock Bowers und Kittle, 2023 gelang Kittle das Kunststück. Alle drei könnten in der kommenden Saison diese Marke wieder anpeilen, dieses Mal reiht sich Kraft hier ebenfalls ein. Gemeinsam mit einem weiteren Tight End, aber dazu später mehr.
Miamis Offense ist heute noch ein Enigma, aber hier ist die Prognose: Die Dolphins werden die Liga in Runs und Total Rushing Yards anführen. Angetrieben von De'Von Achane, einer überraschend guten Offensive Line - und einem Quarterback, der für sich das Enigma innerhalb des Enigmas ist.
Malik Willis wird als Passer Höhen und Tiefen haben, was die Dolphins nach der Saison und vor dem Draft mit großen Diskussionen darüber zurücklassen wird, ob man einen Quarterback draften sollte, oder ob sich Willis mehr Zeit verdient hat.
Aber bis dahin wird Miamis Offense ganz fundamental um Willis' Rushing-Qualitäten herum aufgebaut werden. Es ergibt einfach zu viel Sinn: Das Rushing ist Willis' größter X-Faktor, Miamis Pass Catcher sind vermutlich die schwächste Gruppe in der NFL und die ganze Offense wird auf dem aufbauen, was das Run Game öffnet.

Lamar Jackson stellte den aktuellen Quarterback-Rushing-Rekord auf, 2019 lief er für 1206 Yards. Willis wird als Dropback Passer auch nach dem Jahr für Diskussionen sorgen. Als Runner aber prägt er die kommende Saison auf der Position.
Technisch gesehen ist das natürlich schon passiert, aber sagen wir: ab jetzt bis Woche 10. Ob es Cam Skattebos Wrestling-Auftritte, Darts Bereitschaft zu politischen Gesten oder aber die Aussagen des Quarterbacks über seine regelmäßigen Ausflüge ins Medical Zelt an der Seitenlinie sein werden: Der neue Giants-Trainer John Harbaugh wird in seiner ersten Saison in New York die lokale Presse in all ihren Facetten kennenlernen. Und natürlich wird er das gerne in Kauf nehmen, solange sein Quarterback-Running-Back-Duo Spiele gewinnt.
Dak Prescott belegt bereits die Plätze 2,3 und 4 in der Franchise-Geschichte was Passing Yards in einer Saison angeht, genau wie Platz 1 und 2 bei Touchdown-Pässen in einer Saison. Seine persönlichen Bestmarken waren 4902 Passing-Yards 2019, sowie 37 Passing Touchdowns 2021.
Mit einem motivierten George Pickens und CeeDee Lamb zurück in Bestform wird Prescott zumindest Letzteres überbieten, und Ersteres zumindest ins Auge fassen können. Die Cowboys werden eine Top-5-Offense haben und in Kombination mit der verbesserten Defense krönt sich Dallas zum Division-Champion.

In der Postseason scheinen die Cowboys endlich ihr Trauma besiegen zu können, als Dallas ein Lazarett-Aufgebot der 49ers mit 17:13 in die Knie zwingt. Doch nach der 20:30-Pleite gegen die Seahawks eine Woche später geht Dallas einmal mehr mit der Ungewissheit dahingehend in die Offseason, ob man in der aktuellen Konstellation wirklich einen Titel gewinnen kann. MVP-Quarterback hin oder her. Und dann wartet der Berater von George Pickens am Verhandlungstisch.
Vielleicht verpasst Kyler Murray einige Spiele verletzungsbedingt. Vielleicht entpuppt er sich auch nicht als die erhoffte Lösung, und in Minnesota wird die Luft dünn. So oder so: Carson Wentz wird die erste Alternative sein und im Laufe der Saison starten. Nicht J.J. McCarthy.
In jeder Saison gibt es mindestens einen Quarterback, bei dem die Wahrnehmungen besonders deutlich auseinandergehen.
Das war mal Tua, mal Jimmy Garoppolo, mal Brock Purdy, mal Mac Jones. In kürzeren Phasen auch Kenny Pickett, Justin Fields oder auch Mitch Trubisky in Chicago. Jared Goff hatte solche Saisons unter Sean McVay bei den Rams.
Und die Formel ist dabei immer ähnlich: Die Offense legt fantastische Zahlen auf, das Team ist eine positive Überraschung, und die direkte Verbindung, die dann geknüpft wird, ist die zum Quarterback. Dabei geht zu häufig jegliche Nuance verloren. Welche Anteile gehören dem Scheme, dem Playcaller, den Waffen - und wie viel dem Quarterback? Wo kreiert und ermöglicht der Quarterback Dinge, wo profitiert er mehr?
Nix tendierte bereits letztes Jahr in diese Richtung. Das hatte in erster Linie mit der erfolgreichen Saison der Broncos als Team zu tun, doch auch Nix' viele gute Auftritte im vierten Viertel trugen dazu bei.
Prognose: Nix hat ein Talent dafür, im vierten Viertel über sich hinauszuwachsen. Vor allem aber kann Jaylen Waddle der Schlüssel dafür sein, dass die Offense einen signifikanten Schritt nach vorne macht. Selbst wenn Nix keinen Sprung macht. Beides ist realistisch, genau wie die Vermutung, dass Denver abermals viele Spiele gewinnen wird. Nix wird in manchen Top-10-Listen während der Saison auftauchen. Und noch sehr viel häufiger in den Mentions von allen, die Quarterback-Rankings verfassen.
Für New England beginnt die Saison so, wie die letzte Saison zu Ende gegangen ist: mit einer Niederlage gegen die Seahawks. Danach warten die Steelers, ehe die Patriots in Jacksonville und bei den Bills ran müssen. Die Pats werden sich im Laufe der Saison stabilisieren, aber der Super-Bowl-Hangover prägt ihr erstes Saisonviertel - und wird Mike Vrabels Führungsqualitäten zusätzlich testen.
Nach dem geplatzten Wechsel zu den Baltimore Ravens hat man sehr viel Kuschelkurs von den Raiders und Maxx Crosby vernommen. Der Pass Rusher war seither auch gänzlich professionell und hat keinen Holdout oder dergleichen forciert.
Das ist alles schön und gut, doch bis zur Trade Deadline wird man in Las Vegas zu der Erkenntnis kommen, dass man noch nicht ganz oben angreifen kann. Und dann ist ein Trade von Crosby, um das Team weiter um Mendoza herum aufzubauen, doch wieder sehr attraktiv.

Der kommt auch, und es geht auch in den Norden. Allerdings in die NFC statt in die AFC: Die Chicago Bears werden ihrerseits bis dahin zu der Erkenntnis kommen, dass man dem Pass Rush doch mehr Power geben muss. Der Midseason Trade für Crosby wird der erste große Win-Now-Move der Ben-Johnson-Ära sein.
Wir bleiben in Chicago. Denn im ersten Jahr unter Head Coach Johnson hat es noch nicht geklappt, jetzt ist es endlich so weit: Jahr 2 in der Offense, ein Waffenarsenal, das sich sehen lassen kann - und eine Defense, die vermutlich mehr vom eigenen Passing Game fordern wird, sollten Chicago defensiv nicht abermals extrem viele Turnover gelingen.
Letztes Jahr fehlten Caleb Williams 58 Yards für die Schallmauer, die noch kein Passer in der langen Geschichte der Bears-Franchise durchbrochen hat. Dieses Jahr übertrifft er diese Marke bereits mehrere Wochen vor Ende der Regular Season.
Wir hatten schon Packers-Ass Kraft als Anwärter auf eine 1000-Yard-Saison unter Tight Ends. Doch er wird nicht der einzige Neuzugang in diesem illustren Kreis sein: Tyler Warren war letztes Jahr bereits eine feste Größe in der Colts-Offense, teamintern belegte er Platz 2 in Targets (106), Catches (76) und Receiving Yards (817).
Aus jener Offense ist der Top-Receiver durch den Abgang von Michael Pittman (Pittsburgh Steelers) weggebrochen, ohne dass - auch auf die Gefahr hin, Keenan Allen an dem Punkt seiner Karriere Unrecht zu tun - ein adäquater Ersatz neu dazu gekommen wäre. Warren wird der Dreh- und Angelpunkt dieser Offense sein.
Hier ist meine Warren-Stat-Line-Prognose: 141 Targets, 107 Catches, 1.195 Yards.
Nicht mit einem tiefen Playoff Run. So weit würde ich dann doch nicht gehen. Aber: Die Steelers gehen als Wildcard-Team in die Playoffs, wo es den letzten Knall gibt: Ein Upset-Sieg gegen die deutlich favorisierten Bills ist Aaron Rodgers' letzter großer Auftritt auf der NFL-Bühne. Eine Woche später ist unzeremoniell und deutlich Schluss.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Colts mehr als bereit sind, sich von Anthony Richardson zu trennen. Ein Tapetenwechsel könnte hier im besten Interesse aller Beteiligter sein, und Indianapolis hat seine unmittelbare Zukunft ohnehin an Daniel Jones geknüpft.
Richardson wird für einen sehr überschaubaren Preis zu haben sein - und die Colts wollen ihn gerne traden. Bleibt also nur die Frage: Wohin?
Es gibt vor allem ein Team, das keinerlei Antwort auf der Position hat, das so oder so einen Quarterback draften könnte, und das einen Offense-Architekten hat, der zuletzt viel mit einem mobilen Quarterback gearbeitet hat: die Browns mit ihrem neuen Head Coach Todd Monken.

Cleveland macht den Low-Risk-High-Reward-Move - und angesichts der Konkurrenz bestehend aus Shedeur Sanders und Week-1-Starter Deshaun Watson bekommt Richardson hier seine Chance, sich für mehr zu empfehlen.
Jeremiyah Love geht mit einer Knöchelverletzung in die Saison, nachdem die Cardinals ihm eine unerwartet große Workload in Woche 1 der Preseason gegeben haben. Und Arizona wird vermutlich häufig Rückständen hinterherlaufen, was Rushing-Gelegenheiten limitiert.
Seattles Jadarian Price war zuletzt angeschlagen und wird in einem geteilten Backfield sein, spätestens sobald Zach Charbonnet zurückkommt.
Sollte J.K. Dobbins ausfallen, wird Jonah Coleman vor RJ Harvey als primärer Runner für die Broncos übernehmen. Und wird dann die beiden Notre-Dame-Rookies hinter sich lassen.
Ein neuer Playcaller, der zwar intern befördert wurde, aber eine ganz andere Offense callen soll als sein Vorgänger Kliff Kingsbury. Eine Offense, die jüngst Stefon Diggs holen musste, um einen zweiten Playmaker neben Terry McLaurin zu haben. Eine Offensive Line, die in der Saisonvorbereitung Laremy Tunsil - ihren besten Spieler - verloren hat. Und eine Defense, die besser sein sollte als im Vorjahr, aber noch immer größere Baustellen aufweist.
Washington war die große Überraschung der 2024er Saison und dann eine Enttäuschung 2025. 2026 wird eine frustrierende Saison. Das nicht einmal wegen Verletzungen von Quarterback Jayden Daniels. Anschließend ist Dan Quinn mehr als angezählt.
Jayden Daniels' Stat Line Prediction: 3545 Passing-Yards, 25 Touchdowns, fünf Interceptions, fünf Rushing Touchdowns
Nach einer mitunter offensiv spektakulären Regular Season gehen die Chargers als Nummer-2-Seed der AFC in die Playoffs. Dort warten aber in der ersten Runde die Kansas City Chiefs, die pünktlich zu den Playoffs in Topform sind. Justin Herbert beendet die Regular Season als legitimer MVP-Kandidat, eine deutlich schwächere Chargers-Defense aber wird Los Angeles dieses Mal in der Postseason zum Verhängnis und sorgt für das vierte One-and-Done der Herbert-Ära.
Es wäre das erste Mal seit der 2017er Saison, dass diese Konstellation eintritt - und natürlich sind die Rams das Team, um das es hier in erster Linie geht. Ja, die erste Reihe sieht fantastisch aus. Offensive Line, Playmaker, Defensive Line, Secondary: Los Angeles geht als der klarste Titelfavorit der letzten Jahre an den Start.
Doch so funktioniert die NFL nicht, das werden die Rams merken. Wir werden im Laufe der Saison darüber sprechen, dass das Team um MVP Matthew Stafford vielleicht doch lieber einen Playmaker in der ersten Runde hätten draften sollen. Wir werden vielleicht über Staffords Rücken sprechen müssen. Wir werden über den Mangel an O-Line-Tiefe sprechen, mit einem alternden Pocket Passer dahinter. Und wir werden über den Mangel an Pass-Rush-Rotationstiefe sprechen.

Die Rams werden in Teilen der Saison unschlagbar aussehen. Aber eine NFL-Saison ist ein Marathon und kein Sprint, und daran zerschellen die Titelträume in Los Angeles.
Der Erstrunden-Pick der Indianapolis Colts im kommenden Draft gehört infolge des Sauce-Gardner-Trades den New York Jets. Und das wird der finale Punkt sein, der zur Trennung von Chris Ballard und Shane Steichen führt.
Indianapolis war für zehn Wochen eine der positiven Überraschungen der vergangenen Saison, konnte die hohe Schlagzahl aber nicht aufrechterhalten. Jetzt geht ein Team an den Start, das auf dem Papier schwächer ist. Jones' Achillessehne wird ein Thema über die ersten Wochen der Saison sein, genau wie die Verletzung von Alec Pierce. Die Colts gewinnen lediglich sechs Spiele und haben dann nicht einmal den hohen Pick am Ende.
Die Panthers haben zwar die Fifth Year Option für Bryce Young gezogen, sodass er für 2027 unter Vertrag steht. Nach einer weiteren durchwachsenen Achterbahn-Saison kommt man in Carolina aber zu dem Schluss, dass man sich zumindest ernsthaft nach Alternativen umschauen muss.
Noch klarer wird die Lage nach der Saison in Tampa Bay und in Atlanta sein. Die Falcons eröffnen und schließen diese Liste - und nachdem sie die Saison mit dem Nummer-1-Overall-Pick beenden, ist klar, dass weder Tua noch Penix die Antwort sind.
Die Bucs konnten sich vor der Saison nicht mit Baker Mayfield auf einen neuen Vertrag einigen. Noch ist offen, welche Seite sich darüber nach der Saison mehr ärgern wird, aber beide Seiten gehen im Februar getrennte Wege.
Adrian Franke