vor 16 Stunden
Fan-Kolumne
Die Preseason ist vorbei, die Entscheidungen sind gefallen. Am vergangenen Sonntag mussten sich alle 32 Teams auf die 53 Spieler festlegen, mit denen sie in die NFL-Saison 2026/2027 starten wollen. So natürlich auch die Carolina Panthers, die in diesem Jahr ein klares Ziel verfolgen: die NFC South erneut gewinnen.

Wie sieht der initiale Kader der Panthers aus? Gab es Überraschungen? Und an welchen Stellen bleiben vielleicht noch Fragezeichen?
Die erste kleine Überraschung gibt es direkt auf der Quarterback Position, denn die Panthers gehen tatsächlich mit drei Quarterbacks in die Saison. Kenny Pickett ist der klare Backup hinter Bryce Young. Nach seiner beeindruckenden Vorstellung im Hall of Fame Game und einem insgesamt sehr guten Trainingslager entschied sich das Front Office in Charlotte allerdings dazu, auch Haynes King (UDFA 2026, Georgia Tech) im 53-Mann-Kader zu behalten.
Offenbar halten die Panthers King für ein zu vielversprechendes Talent, um das Risiko einzugehen, ihn auf den Waiver Wire zu setzen. Ob hier nicht vielleicht etwas zu hoch gepokert und ein wertvoller Kaderplatz "verschwendet" wird, kann durchaus diskutiert werden.
Diese Gruppe wirkt auf den ersten Blick tatsächlich etwas dünn. Den Großteil des Workloads im Backfield dürften sich Chuba Hubbard und Jonathon Brooks teilen - wobei vor allem Brooks unter besonderer Beobachtung stehen wird. Nach seinem zweiten Kreuzbandriss in Folge konnte der Zweitrundenpick von 2024 erstmals in seiner Karriere eine komplette NFL Offseason absolvieren. Jetzt wird es Zeit, dass Brooks endlich zeigt, warum die Panthers damals so viel Draftkapital in ihn investiert haben.
AJ Dillon könnte vor allem in den Special Teams oder in Short Yardage Situationen eine Rolle spielen. Trevor Etienne, der vermutlich hauptsächlich als Returner eingesetzt werden sollte, beginnt die Saison auf der Injured Reserve Liste. Nach der frühen Bye Week in Woche 5 dürfte er somit vermutlich erst in Woche 6 zum Einsatz kommen.
Bei den Passempfängern gab es größtenteils das erwartete Bild. Jalen Coker geht nach der vergangenen Saison als klare Nummer zwei in die neue Spielzeit. Dahinter steht vor allem Xavier Legette unter Druck. Er muss einen gewaltigen Schritt nach vorne machen, wenn er sich als gefestigte Nummer drei und Starter im Team etablieren möchte. Brycen Tremayne dürfte weiterhin hauptsächlich in den Special Teams zum Einsatz kommen, während Jimmy Horn Jr. vermutlich die Rolle als Returner und Gadget Player übernehmen wird.
Etwas überraschender ist dagegen der Kaderplatz für John Metchie. Der Receiver spielte bereits in Alabama gemeinsam mit Bryce Young, konnte bislang in der NFL allerdings nur überschaubaren Erfolg verbuchen. Trotzdem entschieden sich die Panthers für Metchie und gegen Veteran David Moore im aktiven Kader. Ganz verabschieden muss sich Moore aus Charlotte allerdings nicht: Er bleibt den Panthers zunächst im Practice Squad erhalten.
Mit fünf Tight Ends in die Saison zu gehen, ist nicht nur für die Panthers ungewöhnlich. Schließlich bildet das Team seit Jahren das Schlusslicht der Liga, wenn es um die offensive Produktivität seiner Tight Ends geht. Seit dem Weggang von Greg Olsen gab es in Carolina keinen wirklichen Tight End mehr, der als Playmaker eine tragende Rolle in der Offense einnehmen konnte. Umso überraschender war vor einigen Wochen die Verpflichtung von Darren Waller. Trotz seiner bald 34 Jahre soll der Veteran eine Rolle in der Panthers-Offense bekommen.
Eigentlich gingen die meisten davon aus, dass Ja’Tavion Sanders dafür seinen Platz verlieren würde. Doch scheinbar bekommt der Viertrundenpick von 2024 noch eine weitere Chance. Gut möglich also, dass diese Gruppe noch lange nicht in Stein gemeißelt ist. Die fünf Tight Ends könnten eine klassische "Work-in-Progress-Unit" darstellen, bei der spätestens mit der Rückkehr eines Spielers von der IR- oder PUP-Liste noch einmal ein Spot freigemacht wird.
Bei der Offensive Line gab es dagegen kaum Überraschungen. Die Zusammenstellung konnte in weiten Teilen so erwartet werden. Mit Albert Reese hat es allerdings mal wieder ein UDFA in den Panthers-Kader geschafft. Dass das Front Office in Charlotte bei undrafted Spielern durchaus den richtigen Riecher haben kann, wurde in der Vergangenheit schließlich schon das eine oder andere Mal unter Beweis gestellt. Nach dem Cut Day kam mit Corey Bullock noch ein weiterer Spieler hinzu, den die Panthers über den Waiver Wire der Ravens verpflichteten.
Ergänzend muss allerdings erwähnt werden, dass Brady Christensen, das Schweizer Taschenmesser der Panthers-Line, auf der IR gelandet ist und damit mindestens die ersten vier Spiele verpassen wird. Auch bei den beiden Tackles bleiben Fragezeichen: Left Tackle Ikem Ekwonu und Right Tackle Taylor Moton haben weiterhin kein klares Rückkehrdatum und bleiben auf der PUP-Liste.
Hier bleibt alles wie gehabt. Das gleiche Trio wie im vergangenen Jahr. Ein Wort zu JJ Jansen: Der Long Snapper geht tatsächlich in seine 18. Saison als Panthers-Spieler und steht inzwischen vor seinem 227. NFL-Spiel.
Abgesehen von Pro Bowler Derrick Brown und seinem Namensvetter Bobby Brown präsentiert sich die Defensive Line der Panthers vergleichsweise jung - und vor allem unerfahren. Da Defensive Tackle Tershawn Wharton aufgrund einer Nackenverletzung weiterhin auf der PUP-Liste steht, müssen dahinter einige junge Spieler früh Verantwortung übernehmen.
Dazu gehören Rookie Lee Hunter, der Zweitrundenpick von 2026, UDFA Aaron Hall, der sich mit einer sehr guten Preseason seinen Platz im Kader verdient hat, und Cam Jackson, der Fünftrundenpick aus dem vergangenen Jahr. Kurz vor Ende der Cut Deadline wurden die Panthers deshalb noch einmal aktiv und schickten einen Sechstrundenpick 2028 zu den Chargers, um TeRah Edwards (UDFA 2025) nach Charlotte zu holen.
Allerdings bringt auch der Neuzugang noch nicht die große NFL-Erfahrung mit. Hinter Derrick und Bobby Brown bleibt die Defensive Line deshalb eine Unit, bei der man wohl nicht vollkommen sorgenfrei in die neue Saison gehen kann.
Trotz des Saisonaus von Nick Scourton haben die Panthers auf dieser Position keine weiteren größeren Veränderungen vorgenommen und die OLB-Gruppe relativ unverändert gelassen. Die große Hoffnung liegt natürlich auf Jaelan Phillips. Der hochbezahlte Neuzugang aus der Free Agency sollte dem Pass Rush definitiv weiterhelfen. Auf der anderen Seite muss sich allerdings zeigen, was die Rotation um Pat Jones und Princely Umanmielen leisten kann.
Beide werden ihren Teil dazu beitragen müssen, einen Pass Rush zu stabilisieren, der bei den Panthers seit Jahren zu den großen Schwachstellen gehört. Trevis Gipson war bereits im vergangenen Jahr als Ergänzung dabei, während Thomas Incoom seinen Impact vor allem in den Special Teams hat.
Während bei den Outside Linebackern weitgehend Ruhe herrschte, waren die Panthers im Zentrum der Defense bis zum Schluss aktiv. Devin Lloyd war als teure Free-Agency-Verpflichtung und neuer Linebacker mit dem "Green Dot" auf dem Helm ohnehin gesetzt. Spannender war die Frage, wer neben ihm starten würde. In den vergangenen Wochen entwickelte sich dafür eine Preseason-Competition zwischen Claudin Cherelus und Trevin Wallace.
Wallace wurde letztendlich entlassen und inzwischen von den New York Jets verpflichtet. Wer nun allerdings erwartet hatte, dass Cherelus damit automatisch den zweiten Starterposten bekommt, lag falsch. Denn die Antwort der Panthers lautet: Bobby Okereke. Der 30 Jahre alte Veteran unterschrieb am Montag einen Einjahresvertrag in Charlotte und bildet nun gemeinsam mit Devin Lloyd das neue Duo im Zentrum der Defense. Eine Kombination, die die seit Jahren anfällige Mitte des Feldes der Panthers endlich auf ein deutlich besseres Level bringen sollte.
Der Cornerback-Room der Panthers bietet eine interessante Mischung aus etablierten Leistungsträgern und jungen Spielern. Mit Jaycee Horn und Mike Jackson verfügen die Panthers auf den Outside-Positionen über eines der besten Cornerback-Duos der Liga.
Chau Smith-Wade dürfte hauptsächlich den Slot übernehmen, auch wenn es Berichte darüber gibt, dass selbst Jaycee Horn gelegentlich dorthin geschoben werden könnte. Dazu kommt Viertrunden-Rookie Will Lee, der nun vor seinem Debüt als NFL-Profi steht. Akayleb Evans dürfte seine Rolle dagegen vermehrt in den Special Teams finden.
Auch bei den Safeties gibt es keine großen Überraschungen. Tre’von Moehrig führt die Unit an, während Lathan Ransom nach einer vielversprechenden Rookie-Saison hoffentlich den nächsten Schritt machen kann. Dabei kann er weiterhin von der Erfahrung des Veterans Nick Scott profitieren. Ähnliches gilt für Zakee Wheatley. Der Fünftrundenpick des diesjährigen Drafts von Penn State komplettiert die Safety-Gruppe.
Bis auf Trevin Wallace und Nick Samac konnten die Panthers alle bekannteren Spieler, die dem Roster Cut zum Opfer fielen, wieder ins Practice Squad bringen. Darunter befinden sich unter anderem David Moore (WR), Ja'seem Reed (WR), Jake Curhan (G), Chandler Zavala (G), Isaiah Simmons (S) und mit Mapalo Mwansa (ILB) auch der Spieler des International Player Pathway Programs.
Natürlich wird dieser Kader nicht 17 Spiele lang exakt so bestehen bleiben. Verletzungen, Formkurven und mögliche Neuverpflichtungen werden dafür sorgen, dass sich die 53 Namen im Laufe der Saison immer wieder verändern. Aber der Kern der Carolina Panthers für 2026/2027 steht. Und mit ihm beginnt die Mission "NFC South Champion" zum zweiten Jahr in Folge. Ob dieser Kader dafür gut genug ist, werden wir ab dem 13.09. herausfinden. Dann eröffnen die Panthers ihre Saison gegen die Chicago Bears - zu Hause im Bank of America Stadium in Charlotte, North Carolina.
Moritz Haist