vor 12 Stunden
Wer hat abgeliefert?
Die erste Welle der Free Agency ist beendet, der Draft abgeschlossen und die Roster für die Saison 2026 stehen weitestgehend fest. Damit ist der ideale Zeitpunkt gekommen, um Bilanz zu ziehen: Welche Teams haben ihre größten Baustellen geschlossen, wer hat sich im Rennen um den Super Bowl entscheidend verstärkt - und welche Franchises gehen mit mehr Fragezeichen als Antworten ins Training Camp?

Zwischen aggressiven Rebuilds, spektakulären Trades und mutigen Trainerwechseln war in der AFC in den vergangenen Monaten alles dabei. Während einige Organisationen ihre Zukunft konsequent ausrichteten und sich Bestnoten verdienten, blieben andere hinter den Erwartungen zurück. Der große Offseason-Check der AFC.
Die Buffalo Bills gehören seit Jahren zum engsten Kreis der Super-Bowl-Anwärter, doch der ganz große Wurf blieb Josh Allen bislang verwehrt. Nach mehreren gescheiterten Anläufen zog General Manager Brandon Beane nun die Reißleine und leitete einen Neuanfang an der Seitenlinie ein. Offensive Coordinator Joe Brady wurde zum Head Coach befördert und beerbt Sean McDermott.
Die Beförderung Bradys gilt als sichere Lösung. Er kennt die Organisation, genießt das Vertrauen von Quarterback Allen und soll die Offense auf das nächste Level heben. Wirklich spektakulär fiel der Trainerwechsel allerdings nicht aus.
Den größten Coup landeten die Bills mit dem Trade für Wide Receiver DJ Moore. Buffalo fehlte in den vergangenen Jahren häufig ein zweiter explosiver Playmaker neben Josh Allen. Moore soll genau diese Lücke schließen und der Offense zusätzliche Variabilität verleihen.
Auch die Defensive erhielt Verstärkung. Mehrere erfahrene Free Agents sollen für mehr Tiefe sorgen, während Edge Rusher T.J. Parker als wichtigster Draft-Pick gilt. Insgesamt agierte Buffalo solide, allerdings nicht kompromisslos genug. Mehr Aggressivität - insbesondere im Draft - hätte aus einer guten eine sehr gute Offseason machen können.
Keine Franchise hat ihren Roster derart konsequent umgebaut wie die Miami Dolphins. Der Umbruch fällt beinahe schon radikal aus.
Mit Tua Tagovailoa, Tyreek Hill, Jaylen Waddle, Bradley Chubb und Minkah Fitzpatrick verabschiedeten sich gleich mehrere Gesichter der vergangenen Jahre. Gleichzeitig beginnt unter Head Coach Jeff Hafley und Offensive Coordinator Bobby Slowik ein kompletter Neustart.
Die Verantwortlichen entschieden sich, Malik Willis als neuen Quarterback aufzubauen. Der ehemalige Backup der Packers unterschrieb einen Dreijahresvertrag und soll künftig die Offense führen. Parallel wurde Running Back De'Von Achane langfristig gebunden.
Im Draft sammelten die Dolphins gleich 13 neue Spieler ein - mehr als jedes andere Team der Liga. Mit Offensive Tackle Kadyn Proctor und Cornerback Chris Johnson kamen zwei potenzielle Starter bereits in Runde eins.
Trotz der klaren Rebuild-Strategie hinterlassen einige Entscheidungen Fragezeichen. Die langfristige Verpflichtung von Willis erscheint riskant, gleichzeitig wurde mit Waddle einer der wenigen jungen Starspieler abgegeben. Auch der Trade zurück in der ersten Runde kostete Miami die Chance auf einen defensiven Difference Maker.
Nach der verlorenen Super Bowl stand für die Patriots fest: Der Kader musste gezielt nachgebessert werden.
Vor allem die Offensive Line, der Pass Rush und die Receiver-Gruppe galten als Schwachstellen. Die ersten Wochen der Free Agency verliefen allerdings eher unspektakulär. Guard Alijah Vera-Tucker, Romeo Doubs und Dre'Mont Jones sorgten zwar für mehr Tiefe, echte Schlagzeilen blieben zunächst aus.
Erst der Draft brachte neuen Schwung. Offensive Tackle Caleb Lomu soll die Protection langfristig stabilisieren, während Edge Rusher Gabe Jacas den Pass Rush verstärkt.
Den eigentlichen Höhepunkt setzte New England aber erst Anfang Juni mit dem Trade für A.J. Brown. Der Star-Receiver gibt der Offense endlich wieder einen dominanten Nummer-eins-Receiver, der Defenses konstant unter Druck setzen kann und Quarterback sowie Passspiel auf ein neues Niveau hebt.
Der Preis war hoch, dennoch schlossen die Patriots nahezu alle offensichtlichen Baustellen.
Die Jets befinden sich zwar weiterhin im Neuaufbau, doch kaum ein Team hat seinen Rebuild so konsequent umgesetzt.
Bereits im Draft setzte New York Ausrufezeichen. Mit Edge Rusher David Bailey holte die Franchise den wohl explosivsten Pass Rusher des Jahrgangs. Hinzu kamen Tight End Kenyon Sadiq, Receiver Omar Cooper Jr. und Cornerback D'Angelo Ponds - allesamt Spieler mit Starterpotenzial.
Auch in der Defense wurde clever gearbeitet. Jermaine Johnson II wurde gegen Defensive Tackle T'Vondre Sweat getauscht, während Cornerback Nahshon Wright zusätzliche Tiefe für die Secondary bringt.
Mit Geno Smith verpflichteten die Jets außerdem einen erfahrenen Übergangs-Quarterback, bis die langfristige Lösung gefunden ist.
Diskussionswürdig bleibt lediglich die Vertragsverlängerung von Running Back Breece Hall. Für ein Team mitten im Rebuild erscheint ein langfristiger Running-Back-Vertrag nicht zwingend notwendig. Dennoch fällt das Gesamtbild ausgesprochen positiv aus.
Nach 17 Jahren endete in Baltimore die Ära von Head Coach John Harbaugh. Mit Jesse Minter beginnt ein neues Kapitel, das zwangsläufig von Veränderungen geprägt sein wird.
Die Ravens verloren mehrere wichtige Leistungsträger, darunter Center Tyler Linderbaum. Gleichzeitig platzte auch der erhoffte Trade für Maxx Crosby.
Immerhin gelang Baltimore mit Trey Hendrickson einer der wichtigsten Transfers der gesamten Offseason. Der vierfache Pro Bowler soll einen Pass Rush beleben, der zuletzt deutlich hinter den Erwartungen geblieben war.
Zusätzlich verstärkten sich die Ravens mit Guard Olaivavega Ioane, Defensive End Zion Young sowie den Receivern Ja'Kobi Lane und Elijah Sarratt.
Für Cincinnati gab es vor Beginn der Offseason nur eine Priorität: Die Defense musste endlich konkurrenzfähig werden.
Entsprechend investierten die Bengals nahezu sämtliche Ressourcen in diesen Mannschaftsteil. Mit Dexter Lawrence kam einer der dominanten Defensive Tackles der NFL. Safety Bryan Cook, Kyle Dugger und Edge Rusher Boye Mafe erhöhen zusätzlich die Qualität der Defense.
Auch der Draft folgte dieser Linie. Edge Rusher Cashius Howell soll den Pass Rush langfristig verstärken.
Der einzige Makel bleibt der Verlust von Trey Hendrickson. Dass einer der besten Pass Rusher der Liga ausgerechnet zum Division-Rivalen Baltimore wechselte, dürfte Cincinnati noch lange schmerzen.
Der Rebuild in Cleveland schreitet zügig voran. Mit Myles Garrett verabschiedete sich zwar ein zukünftiger Hall-of-Fame-Spieler, doch der Gegenwert konnte sich sehen lassen. Jared Verse bringt enormes Potenzial mit, hinzu kam reichlich Draft-Kapital.
Im Draft gehörten die Browns sogar zu den großen Gewinnern. Offensive Tackle Spencer Fano, Receiver KC Concepcion, Denzel Boston sowie Safety Emmanuel McNeil-Warren geben dem jungen Kader zahlreiche neue Bausteine.
Weniger überzeugend verlief dagegen die Free Agency. Guard Zion Johnson war die wichtigste Verpflichtung, echte Difference Maker blieben jedoch aus. Die größte Baustelle bleibt weiterhin die Quarterback-Position.
Nach fast zwei Jahrzehnten unter Mike Tomlin beginnt bei den Steelers eine neue Zeitrechnung.
Mike McCarthy übernimmt als Head Coach und brachte gleichzeitig Aaron Rodgers nach Pittsburgh zurück. Der viermalige MVP geht vermutlich in seine letzte NFL-Saison und soll die Steelers endlich wieder über die Wild-Card-Runde hinausführen.
General Manager Omar Khan beließ es allerdings nicht beim Quarterback. Michael Pittman Jr. erweitert das Receiving Corps, Rico Dowdle bringt Tiefe ins Backfield und mit Max Iheanachor sowie Germie Bernard kamen zwei interessante Offensivtalente über den Draft.
Auch die Secondary erhielt mit Jamel Dean, Darnell Savage und Jaquan Brisker mehrere erfahrene Verstärkungen.
Die Houston Texans gehörten 2025 zu den defensiv stärksten Mannschaften der AFC. Entsprechend lag der Fokus in dieser Offseason darauf, das Fundament der Defense zusammenzuhalten und punktuell den Kader zu verstärken.
Genau das gelang General Manager Nick Caserio. Mit Will Anderson Jr., Danielle Hunter und Azeez Al-Shaair wurden gleich drei Leistungsträger langfristig an die Franchise gebunden. Damit bleibt der Kern einer Defense erhalten, die Houston in der vergangenen Saison mehrfach im Alleingang Spiele gewinnen ließ.
Auch im Backfield änderte sich etwas. Joe Mixon, der aufgrund einer Fußverletzung die komplette Saison 2025 verpasst hatte, wurde abgegeben. Als Ersatz holten die Texans David Montgomery, der deutlich besser in das physische Laufspiel passt und sofort Starterpotenzial besitzt.
Weniger spektakulär verlief dagegen der Draft. Offensive Lineman Keylan Rutledge und Defensive Tackle Kayden McDonald gelten zwar als solide Verstärkungen, besitzen aber nicht zwingend das Potenzial eines echten Difference Makers. Hinzu kommt der deutsche Tight End Marlin Klein, der in der zweiten Runde ausgewählt wurde. Gleiches gilt für die Free Agency. Houston schloss zwar einige Lücken, verzichtete jedoch auf größere Investitionen.
Entscheidend wird deshalb sein, ob die neu formierte Offensive Line mit Rutledge sowie den erfahrenen Neuzugängen Wyatt Teller und Braden Smith sofort funktioniert. Sollte das gelingen, könnte sich diese Offseason im Nachhinein deutlich besser darstellen als heute.
Bei den Colts hinterlassen vor allem zwei Vertragsverlängerungen Fragezeichen.
Daniel Jones unterschrieb einen neuen Zweijahresvertrag über 88 Millionen Dollar, obwohl er vor seiner Achillessehnenverletzung lediglich eine starke Halbserie gespielt hatte. Auch Wide Receiver Alec Pierce kassierte mit vier Jahren und 116 Millionen Dollar einen Vertrag, der ihn finanziell in die Spitzengruppe seiner Position hebt - obwohl seine Karrierebestwerte bei lediglich 47 Receptions und etwas mehr als 1.000 Receiving Yards liegen.
Zusätzliche Probleme bereitete der Trade von Michael Pittman Jr. zu den Steelers. Damit verliert Indianapolis seinen wichtigsten Receiver und muss darauf hoffen, dass Pierce künftig die Rolle als Nummer-eins-Target ausfüllen kann.
Immerhin verlief der Draft ordentlich. Besonders die Verpflichtungen von Offensive Lineman Allen und Safety A.J. Haulcy besitzen das Potenzial, sich schnell auszuzahlen. Einen Erstrundenpick hatten die Colts nach dem Trade für Sauce Gardner allerdings nicht mehr zur Verfügung.
Kaum eine Franchise hat in den vergangenen Monaten so viele Fragen aufgeworfen wie die Jacksonville Jaguars.
Mehrere wichtige Starter verließen das Team, darunter Travis Etienne und Devin Lloyd. Wirklich gleichwertigen Ersatz präsentierten die Verantwortlichen nicht.
Die größten Personalentscheidungen bestanden letztlich darin, Defensive End Travon Walker, Tight End Brenton Strange und Cornerback Montaric Brown langfristig zu halten. Das sorgt zwar für Kontinuität, verändert die Qualität des Kaders jedoch kaum.
Noch kritischer wurde der Draft bewertet. Jacksonville erhielt ligaweit eine der schlechtesten Bewertungen. Experten bemängelten mehrere Reach-Picks sowie die Tatsache, dass offensichtliche Baustellen - allen voran auf Linebacker - erst spät adressiert wurden.
Besonders problematisch: Während nahezu alle Konkurrenten in der AFC South ihren Kader sichtbar verbesserten, scheint Jacksonville eher auf der Stelle zu treten.
Die Tennessee Titans sind der große Gewinner dieser Offseason - nicht nur in der AFC, sondern ligaweit.
Mit Robert Saleh übernahm einer der angesehensten Defensivtrainer der NFL das Kommando. Sofort begann Tennessee damit, den gesamten Kader an seine Spielphilosophie anzupassen.
Vor allem die Defense wurde nahezu komplett umgebaut. Zahlreiche Verstärkungen kamen per Free Agency oder Trade, darunter John Franklin-Myers. Gleichzeitig wurde Jeffery Simmons mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet und bleibt das Herzstück der Defensive Line.
Den größten Eindruck hinterließ allerdings der Draft. Statt den hoch gehandelten Linebacker Arvell Reese auszuwählen, entschieden sich die Titans an Position vier mutig für Wide Receiver Carnell Tate. Eine Entscheidung, die perfekt zum langfristigen Plan passt.
Quarterback Cam Ward erhält damit endlich einen echten Nummer-eins-Receiver. Gemeinsam mit Wan'Dale Robinson könnte Tennessee eines der spannendsten jungen Receiver-Duos der AFC besitzen. Hinzu kamen Defensive End Keldric Faulk und Linebacker Anthony Hill Jr., die Salehs Defense zusätzliche Athletik verleihen.
Nahezu jede Verpflichtung folgt einer klaren Strategie. Genau das unterscheidet Tennessee von vielen anderen Teams.
Nach dem überraschenden Playoff-Einzug 2025 verzichteten die Broncos bewusst auf größere Umbaumaßnahmen. Stattdessen setzte Denver darauf, den erfolgreichen Kader weitgehend zusammenzuhalten.
Der größte Neuzugang ist zweifellos Jaylen Waddle. Der ehemalige Dolphins-Receiver bringt eine neue Dimension ins Passspiel und könnte in Sean Paytons Offense die vielseitige "Joker"-Rolle übernehmen, die bislang unbesetzt war.
Der Verlust von John Franklin-Myers schmerzt zwar, doch mit Tyler Onyedim verpflichteten die Broncos bereits im Draft einen möglichen Nachfolger für die Defensive Line.
Abgesehen davon blieb der Kern des Teams unverändert. Genau das war nach einer erfolgreichen Saison vermutlich auch die richtige Entscheidung.
Die Chiefs stehen nach einer enttäuschenden 6-11-Saison unter Druck. Erstmals seit über einem Jahrzehnt verpasste Kansas City die Playoffs. Die Reaktion auf diese Enttäuschung fällt allerdings gemischt aus.
Mit Kenneth Walker III verpflichteten die Chiefs einen explosiven Running Back, der das zuletzt harmlose Laufspiel deutlich beleben soll. Gleichzeitig verließen jedoch mehrere Leistungsträger den Klub, darunter Trent McDuffie, Jaylen Watson, Bryan Cook und Jawaan Taylor.
Positiv verlief dagegen der Draft. Cornerback Mansoor Delane gilt als bester Spieler seiner Position im gesamten Jahrgang. Hinzu kamen Peter Woods und R Mason Thomas für die Defensive Line.
Dennoch bleibt eine zentrale Baustelle bestehen: Hinter Rashee Rice und Xavier Worthy fehlt weiterhin ein weiterer verlässlicher Receiver.
Die Raiders haben in dieser Offseason ein deutliches Zeichen gesetzt. Mit Klint Kubiak steht ein neuer Head Coach an der Seitenlinie. Gleichzeitig investierte Las Vegas über 300 Millionen Dollar in Free Agents und verpflichtete unter anderem Kirk Cousins sowie mehrere Verstärkungen für die Defense.
Hinzu kommt der Nummer-eins-Pick im Draft. Mit Heisman-Trophy-Gewinner Fernando Mendoza besitzt die Franchise nun ihren potenziellen Quarterback der Zukunft.
Auch Tyler Linderbaum sowie die Linebacker Quay Walker und Nakobe Dean erhöhen das Niveau des Kaders erheblich.
Der einzige größere Kritikpunkt betrifft das Receiving Corps. Hinter Tight End Brock Bowers fehlt weiterhin ein klarer Nummer-eins-Receiver. Die Verpflichtung von Jalen Nailor dürfte dieses Problem kaum lösen.
Die Chargers scheiterten in den vergangenen Jahren immer wieder an denselben Problemen - allen voran an einer anfälligen Offensive Line.
Genau dort setzte General Manager Joe Hortiz diesmal konsequent an. Center Tyler Biadasz, Guard Cole Strange und Rookie Jake Slaughter sollen gemeinsam mit den zurückkehrenden Tackles Rashawn Slater und Joe Alt für deutlich bessere Protection sorgen.
Zusätzlich verpflichtete Los Angeles mit Mike McDaniel einen der kreativsten Offensive Coordinators der NFL. Seine Offense soll Quarterback Justin Herbert entlasten und das Laufspiel deutlich variabler gestalten.
Auch die Vertragsverlängerung von Derwin James unterstreicht den klaren Kurs der Chargers. Einzig auf Wide Receiver hätte sich Los Angeles noch etwas breiter aufstellen können.
nkr