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    NFL

    vor 21 Stunden

    Kaum noch Aussagekraft

    Warum das Quarterback Rating 2026 keine valide NFL-Statistik mehr ist

    Das Quarterback Rating gehört zu den bekanntesten Statistiken im Football. Wer regelmäßig NFL-Spiele verfolgt, begegnet der Kennzahl ständig. Doch obwohl sie seit Jahrzehnten zur Bewertung von Quarterbacks genutzt wird, zweifeln immer mehr Analysten an ihrer Aussagekraft. Der Grund: Das Spiel hat sich verändert, die Formel dahinter jedoch nicht.

    Quarterback Brock Purdy von den San Francisco 49ers feiert einen Touchdown im Spiel gegen die Chicago Bears im Levi’s Stadium in Santa Clara, Kalifornien (NFL, American Football, USA)
    Quarterback Rating erklärt: Warum die Statistik heute kaum noch Aussagekraft besitzt IMAGO/Imagn Images

    Wer sich erstmals mit Football-Statistiken beschäftigt, stößt schnell auf das Quarterback Rating. Die Kennzahl, die häufig auch als QB-Rating oder Passer Rating bezeichnet wird, wirkt zunächst wie eine einfache Möglichkeit, die Leistung eines Spielmachers zu bewerten.

    Ein hoher Wert soll für eine gute Performance des Quarterbacks stehen, ein niedriger für eine schwache Vorstellung. Schaut man allerdings genauer hin, wird schnell deutlich, dass die Statistik viele entscheidende Aspekte des modernen Passspiels überhaupt nicht berücksichtigt. Genau deshalb ist sie heute nur noch mit großer Vorsicht zu genießen.

    Was das Quarterback Rating überhaupt misst

    Das Quarterback Rating wurde Anfang der 1970er Jahre entwickelt, um die Leistung von Passgebern besser bewerten zu können als durch reine Passing Yards oder Touchdowns. Die Formel basiert auf vier Kategorien: Completion Percentage, Yards pro Passversuch, Touchdown-Quote und Interception-Quote.

    Aus diesen vier Werten und mithilfe einer komplizierten mathematischen Formel wird anschließend eine Zahl auf einer Skala von 0 bis 158,3 errechnet. Der Wert von 158,3 gilt dabei als perfektes Quarterback Rating, weil aufgrund der Formel kein höheres Rating erreichbar ist.

    Grundsätzlich verfolgt die Statistik einen durchaus sinnvollen Ansatz. Sie bewertet nicht nur die Gesamtproduktion eines Quarterbacks, sondern auch dessen Effizienz. Ein Spielmacher soll also dafür belohnt werden, mit möglichst wenigen Passversuchen möglichst viel Erfolg zu erzielen.

    Das Problem ist allerdings, dass die Formel nur einen kleinen Teil dessen betrachtet, was heutzutage gute Leistungen auf der Quarterback-Position ausmacht.

    Die NFL von heute ist nicht mehr die NFL aus den Siebzigern

    Als das Quarterback Rating eingeführt wurde, sah die Liga völlig anders aus. Offensiven waren deutlich lauflastiger, Quarterbacks warfen weniger Pässe und Interceptions gehörten wesentlich häufiger zum Spiel.

    Die Formel wurde seit ihrer Einführung jedoch nie grundlegend angepasst. Sie bewertet Quarterbacks im Jahr 2026 noch immer nach Maßstäben, die vor mehr als fünf Jahrzehnten entstanden sind. Das allein macht die Kennzahl nicht wertlos. Es erklärt aber, warum sie viele Entwicklungen des modernen Footballs nicht mehr angemessen erfassen kann.

    Receiverfehler werden dem Quarterback angelastet

    Eine der größten Schwächen des Quarterback Ratings besteht darin, dass jeglicher Kontext zu den erbrachten Leistungen fehlt. Wirft ein Quarterback einen perfekten Ball direkt in die Hände seines Receivers und dieser lässt den Pass fallen, sinkt die Completion Percentage des Spielmachers trotzdem. Für die Statistik macht es keinen Unterschied, wer tatsächlich für den Fehler verantwortlich war.

    Noch deutlicher wird das Problem bei Interceptions. Trifft der Quarterback seinen Receiver perfekt, der Ball springt nach einem Drop in die Luft und landet schließlich bei einem Verteidiger, wird die Interception vollständig dem Quarterback zugeschrieben.

    Das Quarterback Rating kann nicht unterscheiden, ob der Ballverlust durch einen schlechten Wurf oder einen Fehler des Passempfängers entstanden ist.

    Yards pro Versuch verraten nicht die ganze Wahrheit

    Yards pro Passversuch gelten grundsätzlich als eine der sinnvolleren Komponenten der Formel. Dennoch gibt es auch hier erhebliche Schwächen.

    Ein Quarterback kann beispielsweise einen simplen Screen Pass hinter die Line of Scrimmage werfen. Anschließend läuft der Receiver nach dem Catch noch 30 Yards über das Feld und kreiert den Großteil des Raumgewinns mit seinen Vorblockern selbst. In der Statistik erscheinen am Ende trotzdem 30 Passing Yards für den Quarterback.

    Das Quarterback Rating unterscheidet nicht zwischen einem schwierigen Downfield-Wurf in ein enges Fenster und einem kurzen Pass, bei dem der Receiver den Großteil der Arbeit übernimmt. Beide Spielzüge fließen nahezu identisch in die Bewertung ein.

    Quarterback Drake Maye von den New England Patriots blickt nach dem Sieg gegen die Denver Broncos im AFC Championship Game im Empower Field at Mile High in Denver, Colorado, auf das Spielfeld (NFL Playoffs, USA)
    Drake Maye hatte 2025 in der regulären Saison das höchste Passing Rating aller NFL-Quarterbacks mit einem Wert von 113.5. IMAGO/Icon Sportswire

    Wichtige negative Plays fehlen komplett

    Während einige Aktionen möglicherweise überbewertet werden, tauchen andere überhaupt nicht in der Formel auf. Wird ein Quarterback mehrfach gesackt, weil er den Ball zu lange hält, beeinflusst das sein Quarterback Rating nicht. Verliert er den Ball durch einen Fumble, bleibt auch das ohne Auswirkungen auf die Kennzahl.

    Dabei gehören genau diese Situationen zu den spielentscheidenden Momenten einer Partie. Ein Spielmacher kann also gravierende Fehler begehen und trotzdem ein starkes Quarterback Rating erzielen, solange seine Passstatistiken stimmen.

    Dasselbe gilt für Fehler, die zu Strafen führen. Verursacht ein Quarterback ein Delay of Game, weil er den Spielzug nicht rechtzeitig einleitet, oder kassiert er ein Intentional Grounding, wird das im Rating nicht berücksichtigt.

    Die größte Schwäche des Quarterback Ratings ist deswegen die fehlende Einordnung der Umstände. Die Statistik berücksichtigt weder die Stärke der gegnerischen Defense noch die Qualität der Receiver, die Spielsituation oder das Playcalling. Auch Garbage-Time-Produktion wird genauso behandelt wie wichtige Würfe in engen Spielen.

    Ein Quarterback kann deshalb ein hervorragendes Rating auflegen, ohne wirklich den Unterschied für seine Mannschaft gemacht zu haben. Gleichzeitig können starke Leistungen deutlich schlechter aussehen, als sie tatsächlich waren.

    Beispiel

    Quarterback A spielt gegen eine schwache Defense, die vor allem Probleme hat, den Lauf zu verteidigen. Der Gameplan des Coaches von Quarterback A war also von Anfang an, den Ball so oft wie möglich zu laufen. Und das tun sie auch in diesem Beispiel. Am Ende des Spiels musste der Quarterback nur zu zehn Würfen ansetzen, von denen er sechs an den Mann gebracht hat.

    Einer dieser Würfe war ein kurzer Screen Pass nach links zu seinem Running Back, der danach 70 Yards mit dem Ball bis in die gegnerische Endzone gelaufen ist. Der zweite Touchdown-Pass kam nahe der Goalline, als der Quarterback durch eine Misskommunikation der Defense einen komplett freien Receiver in der Endzone zu einem Zwei-Yard-Touchdown fand.

    Von den vier Bällen, die er nicht an den Mann bringen konnte, waren zwei katastrophale Fehlentscheidungen, die beide direkt in die Hände gegnerischer Verteidiger geworfen wurden. Doch er hatte Glück, dass keiner der Pässe zu einer Interception wurde, weil beide Verteidiger den Ball nicht kontrollieren konnten. Dazu hat er in diesem Beispiel noch vier Sacks einstecken müssen, aus denen auch noch zwei Fumbles entstanden sind.

    Die komplette Leistung im Spiel (140 Passing Yards, 2 TD, 0 INT, 6/10 Attempts) bringt Quarterback A am Ende ein Passer Rating von 143,8 ein. Ein elitärer Wert.

    Einordnung des Ratings

    Passer RatingBewertung
    158,3Perfektes Passer Rating (Maximum)
    120+Elite-Leistung
    100-119Sehr gute Leistung
    90-99Überdurchschnittlich
    80-89Durchschnittlich
    70-79Unterdurchschnittlich
    Unter 70Schwache Leistung

    Wenn man sich aber die Spielbeschreibung durchliest, klingt das eher nach einem Quarterback, der kaum gefragt war, am Spiel teilzunehmen. Und wenn doch, dann hat er nicht nur zwei Turnover verursacht, sondern hätte beinahe noch zwei weitere Interceptions geworfen. Die beiden Touchdowns waren nicht sein Verdienst, und das alles kam auch noch gegen eine schwache Defense.

    Auf den ersten Blick scheint die Sache eindeutig zu sein. Wer nur das Passer Rating betrachtet, würde vermutlich zu dem Schluss kommen, dass Quarterback A ein starkes Spiel absolviert hat. Doch alle, die die Partie live verfolgt haben, dürften das anders sehen. Tatsächlich hatte seine Mannschaft Glück, dass seine Fehler am Ende nicht spielentscheidend wurden.

    Genau hier zeigt sich eine der größten Schwächen des Passer Ratings. Ein Blick auf den letzten Super Bowl zwischen den New England Patriots und den Seattle Seahawks macht das deutlich. Drake Maye erzielte ein Passer Rating von 79,1 und lag damit sogar vor Sam Darnold, der auf 74,7 kam. Trotzdem hinterließ Darnold den deutlich besseren Eindruck, während Maye eines seiner schwächsten Saisonspiele absolvierte.

    Das Passer Rating kennt keinen Kontext. Es weiß nicht, wann ein Touchdown fällt. Es sieht keine sechs Sacks. Es registriert keinen verlorenen Fumble. Deshalb kann die Statistik manchmal etwas völlig anderes erzählen als das Spiel selbst.

    Einordnung

    Das Quarterback Rating war für seine Zeit ein innovativer Versuch, die Leistung von Quarterbacks messbar zu machen. Für die moderne NFL ist die Kennzahl allerdings zu simpel geworden. Zu viele wichtige Faktoren bleiben unberücksichtigt, während andere Aspekte unverhältnismäßig stark gewichtet werden.

    Wer heute Quarterbacks bewerten möchte, sollte das Quarterback Rating deshalb höchstens als grobe Orientierung nutzen. Als valide Statistik, um die tatsächliche Qualität einer Leistung zu beschreiben, reicht sie im Jahr 2026 längst nicht mehr aus.

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