16.02.2026
Von Rodgers bis Harbaugh
Die NFL schläft bekanntlich nie. Und die Offseason ist der Zeitraum, in dem Championship-Teams gebaut oder zerstört werden - lange bevor sie ab September wieder auf dem Feld getestet werden. Der Grundstein für Erfolg wird genau in den kommenden Monaten gelegt. Genau deshalb ist diese Phase so wichtig. Und genau deshalb werden diese zehn Storylines die Offseason dominieren.

Jede Offseason hat ihre eigenen Narrative. Doch 2026 prallen besonders viele Dynamiken aufeinander. Elite-Quarterbacks unter Druck, ein kompliziertes QB-Karussell, aggressive Trade-Szenarien, neue Head Coaches mit Macht und Franchises, die jetzt liefern müssen. Wer hier die richtigen Entscheidungen trifft, kann im Februar um die Lombardi Trophy spielen. Wer zögert, fällt zurück.
General Manager John Schneider von den Seattle Seahawks hat das im vergangenen Jahr eindrucksvoll bewiesen, als seine risikoreichen Moves der Offseason am Ende mit einem Super-Bowl-Sieg vergoldet wurden. Diese zehn Themen werden die Liga in den kommenden Monaten prägen.
Die letzten Jahre wurden von Patrick Mahomes, Josh Allen, Lamar Jackson und Joe Burrow geprägt. Doch drei dieser vier Quarterbacks verpassten in der vergangenen Saison die Playoffs. Und auch wenn Josh Allen es in die Playoffs schaffte, konnte er mit den Bills erneut nicht den großen Wurf landen und schied vergleichsweise früh aus.
Stattdessen hießen die Championship-Quarterbacks im Halbfinale Sam Darnold, Drake Maye, Matthew Stafford und sogar Backup Jarrett Stidham, nachdem sich Bo Nix verletzt hatte. Selbst wenn Nix fit gewesen wäre, galt vor der Saison nur Stafford als möglicher Elite-Quarterback dieser vier - und auch bei ihm gab es Zweifel wegen seines Alters und einer Rückenverletzung im Training Camp. Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass man auch ohne klaren Elite-QB oben mitspielen und sogar den Super Bowl gewinnen kann. War das eine Ausnahme? Oder hat die NFL Wege gefunden, Elite-Quarterbacks stärker zu neutralisieren?
Es wird spannend zu sehen sein, wie Teams mit etablierten Top-Quarterbacks auf diese Saison reagieren werden.
Nichts dominiert NFL-Headlines so sehr wie das QB-Karussell. Auch in diesem Jahr könnten mehrere namhafte Quarterbacks das Team wechseln. Kyler Murray gilt als prominentester Name auf dem Trade-Markt, da die Cardinals offenbar Optionen prüfen. Tua Tagovailoa ist nach seinem Benching in Miami und dem Regimewechsel ebenfalls ein möglicher Trade-Kandidat. Daniel Jones ist einer der spannendsten Free Agents, auch wenn sein Achillessehnenriss seinen Marktwert beeinflussen dürfte.
Der erste Dominostein könnte jedoch Malik Willis sein, denn er bringt enormes Upside mit und könnte trotz geringer Erfahrung und Spielzeit zum teuersten Projekt werden. Dazu kommen Optionen wie Kirk Cousins oder sogar Derek Carr, der kürzlich ein NFL-Comeback angedeutet hat. Und dann gibt es noch Aaron Rodgers, bei dem die ganze Liga auf eine Entscheidung wartet, ob er in Rente geht oder noch einmal aufläuft. Die dünne Rookie-Klasse zwingt Teams auf Quarterback-Suche dazu, aggressiv auf dem Veteranen-Markt zu agieren. Das könnte für überraschende Moves sorgen - und hier und da vielleicht sogar für Chaos und Drama.

Die Giants haben mit John Harbaugh einen der renommiertesten Coaches der Liga verpflichtet. Für ein Franchise mit nur einem Playoff-Sieg seit 2011 ist das ein klares Statement. Doch New York verfügt aktuell über weniger als sieben Millionen Dollar Cap Space.
Harbaugh muss kreativ werden, um das Roster schnell konkurrenzfähig zu machen. Zusätzlich wurde viel über seine Machtstellung innerhalb der Organisation berichtet. Er soll direkt an den Owner berichten dürfen, was ihn faktisch auf eine Stufe mit General Manager Joe Schoen stellt. Wie radikal wird er seine neue Rolle nutzen? Und wie viel Baltimore-Ravens-DNA werden wir in den ersten Monaten in New York sehen?
Eine schwache Free Agency und eine dünne Draft-Klasse könnten den Trade-Markt massiv ankurbeln. Besonders mit Blick auf die hochgelobte Draft-Klasse 2027 könnten Rebuild-Teams bereit sein, Stars gegen Draft-Kapital abzugeben. Maxx Crosby ist das prominenteste Beispiel. Die Rams könnten mit Blick auf das verbleibende Titel-Fenster von Matthew Stafford aggressiv werden. Auch andere Stars wie A.J. Brown stehen zumindest theoretisch im Raum. Zudem könnten die zehn neuen Head Coaches zahlreiche Kaderanpassungen per Trade vornehmen.

Mit Joe Burrow, Ja'Marr Chase und Tee Higgins verfügt Cincinnati über eine explosive Offense. Eine durchschnittliche Defense könnte bereits reichen, um ernsthaft anzugreifen. Mit rund 53,5 Millionen Dollar Cap Space hätten die Bengals die Möglichkeit, mehrere Impact-Spieler zu verpflichten.
Doch das Front Office gilt als konservativ, und Jahr für Jahr gibt es immer wieder Drama aus Cincinnati sowie Berichte, dass das Franchise und der Owner als zurückhaltend bei Ausgaben gelten. Wird man jetzt endlich aggressiv? Oder verspielt man weiter die Prime der Superstars?
Die Chiefs erlebten in der vergangenen Saison erstmals seit Patrick Mahomes Starter ist, die Playoffs von zu Hause aus. Der Superstar wird seine Offseason allerdings mit der Reha seines Kreuzbandrisses verbringen.
Doch was passiert mit dem Rest des Kaders? Wird die Offensive Line verstärkt? Kommt endlich mehr Unterstützung für Chris Jones im Pass Rush? Wird ein Top-Running-Back verpflichtet? Und wie geht es mit Travis Kelce weiter? Nach zwei enttäuschenden Saisons steht Kansas City unter Zugzwang. Die große Frage lautet: Geht die Dynasty weiter - oder beginnt sie zu bröckeln?
Die Patriots, Jaguars und Bears starteten letztes Jahr mit neuen Head Coaches (Mike Vrabel, Liam Coen und Ben Johnson) in ihre neue Ära. Alle drei Teams pickten im vergangenen Draft noch in den Top 10. Und direkt in der ersten Saison gehörten sie zu den besten Teams der Liga, die Patriots erreichten sogar den Super Bowl.
War das Overperformance? Oder der Beginn einer neuen Machtstruktur? Die zweite Saison wird zeigen, ob der nächste Schritt Richtung Titel gelingt - oder ein Rückschritt folgt.

Die Draftklasse 2023 ist extension-eligible, denn nach dem dritten NFL-Jahr können Teams frühzeitig Rookie-Verträge verlängern. Top-GMs versuchen ihre Stars frühzeitig zu binden, um Cap-Flexibilität zu sichern und steigende Preise zu vermeiden. Namen wie C.J. Stroud, Bryce Young, Bijan Robinson, Jahmyr Gibbs, Jaxon Smith-Njigba, Devon Witherspoon oder Will Anderson Jr. könnten frühzeitig neue Deals erhalten.
Diese Entscheidungen beeinflussen langfristig die Cap-Strategie vieler Franchises - und auch die Free-Agency-Klassen der Zukunft. Absolute Topspieler wie Anderson, Robinson oder Smith-Njigba könnten mit ihren Verträgen sogar neue Marktstandards setzen und zu den bestbezahlten Spielern auf ihrer Position werden.
Aaron Rodgers steht erneut im Mittelpunkt. Sein neuer Coach und alter Weggefährte Mike McCarthy in Pittsburgh würde ihn gerne zurückholen, doch Rodgers hat sich wie gewohnt noch nicht festgelegt. Auch Travis Kelce könnte noch eine weitere Saison anhängen. Der 36-Jährige könnte seine außergewöhnliche Karriere als einer der besten Tight Ends aller Zeiten mit einer enttäuschenden Saison beenden - oder im kommenden Jahr noch einmal gemeinsam mit seinem engen Freund Patrick Mahomes angreifen. Viele in seinem Umfeld glauben an eine Rückkehr. Doch was passiert wirklich?

Die Diskussion um den Tush Push reißt nicht ab. Soll er besser reguliert oder sogar verboten werden? Zusätzlich steht im Raum, die Limits für den Handel mit Draft-Picks von drei auf fünf Jahre auszuweiten. Das würde die Art und Weise, wie Trades konstruiert werden, grundlegend verändern. Die Offseason ist also nicht nur aus Teambuilding-Sicht besonders spannend, sondern auch für die Liga selbst, die diese Phase nutzt, um Regeländerungen voranzutreiben, die das Spiel maßgeblich beeinflussen könnten.
Diese Offseason vereint Machtverschiebungen, strategische Richtungsentscheidungen und fundamentale Fragen zur Team-Building-Philosophie. Elite-Quarterbacks unter Druck, aggressive Trade-Szenarien, neue Coaching-Ären und finanzielle Weichenstellungen.
Wer hier die richtigen Entscheidungen trifft, könnte im Februar 2027 Geschichte schreiben. Wer falsch kalkuliert, muss nächstes Jahr nicht nur zusehen, sondern verliert vielleicht sogar Jahre im Rebuild-Prozess. Genau deshalb ist diese Offseason nicht nur spannend. Sie ist richtungsweisend.
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val