26.04.2026
Auf den Spuren von Brock Purdy
Der letzte Pick eines NFL Drafts ist traditionell der unscheinbarste - und gleichzeitig einer der symbolträchtigsten. Auch 2026 geht dieser besondere Titel wieder an einen Spieler, der zunächst kaum Beachtung fand, nun aber im Rampenlicht steht.

Mit Pick 257 wurde Linebacker Red Murdock von den Denver Broncos ausgewählt - und ist damit offiziell "Mr. Irrelevant". Doch für den Spieler selbst könnte dieser Moment kaum bedeutender sein.
Als letzter Name im Draft aufgerufen zu werden, ist für viele Spieler ein zwiespältiges Erlebnis. Für Red Murdock überwog jedoch die Freude.
"Ich weiß ein bisschen über Mr. Irrelevant, aber das Wichtigste ist, dass ich eine Chance bekommen habe und das Beste daraus machen will, um uns zu helfen zu gewinnen", erklärte der Linebacker nach seiner Auswahl.
Gleichzeitig wurde der Moment persönlich: "Es war ziemlich emotional, ich habe versucht, es vor meiner Familie zurückzuhalten. Ich war einfach unglaublich glücklich über diese Chance … die Broncos, Mann, ich freue mich einfach riesig, für sie zu spielen. Das ist ein großartiges Team … es läuft perfekt."
Während viele Spieler in dieser Phase des Drafts bereits mit einem undrafted Status rechnen, blieb Murdock ruhig: "Ich habe versucht, mich nicht mit Dingen zu beschäftigen, die ich nicht kontrollieren kann. Als der Anruf kam, war ich einfach extrem dankbar."
Die Auswahl von Murdock war nicht nur für ihn selbst besonders, sondern auch für die Franchise. Die Denver Broncoshielten als erstes Team seit Einführung des modernen Draftsystems 1967 die letzten beiden Picks eines Drafts.
Mit Pick 256 wurde zunächst Tight End Dallen Bentley ausgewählt, ehe Murdock den Abschluss bildete. Head Coach Sean Payton kommentierte die ungewöhnliche Situation mit einem Augenzwinkern und bezeichnete Bentley scherzhaft als "Vizepräsidenten" der traditionellen "Irrelevant Week".
Gleichzeitig betonte Payton die Einzigartigkeit des Moments: "Für den Rest deiner Karriere wirst du nie wieder Teil eines Drafts sein, in dem dein Team die letzten beiden Picks hat. Für acht Minuten hattest du die komplette Kontrolle."
Auch General Manager George Paton bestätigte, dass beide Spieler zur berühmten "Irrelevant Week" nach Newport Beach eingeladen werden sollen - einem Event, das seit Jahrzehnten den letzten Pick feiert.
Interessant: Der letzte Pick war heiß begehrt. Mehrere Teams versuchten laut Paton noch, für diese Position zu traden. "Das war ein gefragter Pick", sagte er.
Dass Murdock überhaupt so spät ausgewählt wurde, überrascht mit Blick auf seine College-Karriere. An der University at Buffalo stellte er mit 17 erzwungenen Fumbles einen FBS-Rekord auf.
Seine Spielweise beschreibt er selbst so: "Ich bin sehr präzise in meiner Herangehensweise, fast schon besessen davon."
Auch die Broncos sehen in ihm großes Potenzial. Paton lobte den Linebacker deutlich: "Er ist eine Tackling-Maschine. Sehr instinktiv, sehr stark gegen den Lauf … aber vor allem: Wenn man sich seine Karriere und die vielen erzwungenen Fumbles anschaut - er hat einfach ein unglaubliches Gespür für den Ball und einen unermüdlichen Motor."
In drei Jahren als Starter kam Murdock auf 60, 156 und 142 Tackles sowie insgesamt 39,5 Tackles for Loss - Zahlen, die seine Produktivität unterstreichen.
Der Titel "Mr. Irrelevant" wird seit 1976 vergeben, als der frühere Spieler Paul Salata die Idee hatte, den letzten Pick bewusst zu feiern - als Hommage an den Underdog.
Für die Broncos ist Murdock erst der zweite Spieler mit diesem Titel. 2017 wählten sie Quarterback Chad Kelly an letzter Stelle, dessen NFL-Karriere jedoch nur kurz währte.
Doch die Geschichte zeigt auch, dass selbst der letzte Pick große Karrieren hervorbringen kann. Prominentestes Beispiel ist Brock Purdy von den San Francisco 49ers, der sich vom letzten Pick zum Pro-Bowl-Quarterback entwickelte. Auch Kicker Ryan Succop gewann später sogar den Super Bowl.
nkr