01.08.2025
Erstes Mal vertreten
Flag Football ist zum ersten Mal Teil des nationalen Multisportevents Die Finals. Der kicker hat alles Wissenswerte zu der kontaktlosen Variante von American Football gesammelt.

Am Samstag ist es so weit: Zum allerersten Mal ist Flag Football Teil von "Die Finals", dem nationalen Multisportevent. "Die Vorfreude ist riesig, ich bin ziemlich hyped", erklärt Nils Just, Projektleiter beim AFVD für das Event, im Gespräch mit dem kicker. "Das ist für alle etwas ganz Besonderes. Da sind glaube ich andere Nationen echt neidisch auf uns gerade, dass wir diese Möglichkeit haben."
An zwei Tagen spielen die acht besten Teams der DFFL, die jüngst mit der DKB einen Namenssponsor präsentiert haben, den deutschen Meister in Dresden aus, bei den Frauen duellieren sich in der DFFLF die besten vier Teams der regulären Saison. Die Partien sind im Livestream bei der ARD und dem ZDF zu sehen. Vorab beantwortet der kicker alle wichtigen Fragen zu dem Event.
"Die Finals kamen auf uns zu, denn sie haben überlegt den Teamsport mitaufzunehmen", berichtet Just. "Daher sind sie auf Faustball, Lacrosse, Rugby und eben auch auf uns zugekommen." Ursprünglich wollten die Veranstalter dabei eigentlich den Tackle-Football im Programm haben. "Das lässt sich aber schlecht in eine Turnierform bringen", meint Just.
Da zu diesem Zeitpunkt Flag Football den Sprung zu den Olympischen Spielen 2028 geschafft hat, einigte man sich schließlich darauf, dem Sport eine größere Bühne zu geben. "Es ist sehr viel mehr Aufwand, als wir sonst haben", erklärt Just jedoch. Schließlich müssen höhere Standards als bisher erfüllt werden. "Da müssen wir die Vorgaben beachten, aber gleichzeitig wollen wir unseren Sport auch bestmöglich präsentieren."
Der größte Unterschied der beiden Sportarten ist das Tackling. Während im normalen Football Tackling elementarer Bestandteil ist, wird im Flag Football nicht getackelt. Dort werden stattdessen eine oder beide Flaggen des Gegners abgerissen, um den Spielzug zu beenden. Diese befinden sich an einem Gürtel, die die Spieler tragen müssen. Daher hat der Sport auch seinen Namen.
Darüber hinaus ist das Feld deutlich kleiner als in der Tackle-Variante. Die maximal erlaubte Größe sind 80 x 30 Yards, mindestens muss es jedoch 60 x 20 Yards messen. Außerdem stehen statt der elf Spieler nur fünf auf dem Feld, ein Team besteht dabei aus einem Quarterback, einem Center, der nach dem Snap zum Receiver wird, und drei Receivern. In der Defensive gibt es neben den Passverteidigern auch einen Blitzer, der vor dem Snap sieben Yards von der Line of Scrimmage entfernt sein muss, um ihn anlaufen zu dürfen.
Jedes Team startet an der eigenen Fünf-Yard-Linie und hat vier Versuche, um die Mittellinie zu überqueren, was ein neues First Down bedeutet. Dieser beschert dem angreifenden Team vier neue Versuche, um einen Touchdown zu erzielen. Gelingt kein neues First Down, wechselt das Angriffsrecht. Im Falle eines Touchdown, gibt es kein Kick, da Kicken - wie auch Punten - verboten ist. Stattdessen kann das Team sich entscheiden, ob sie für einen oder zwei Extrapunkte gehen wollen. Bei ersterer Wahl müssen sie von der Fünf-Yard-Linie in die Endzone kommen, bei letzterer von der Zehn-Yard-Linie. Wer nach zwei Halbzeiten à 20 Minuten die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel.
Bei der DFFL werden sich die besten acht Mannschaften messen. Serienmeister Walldorf Wanderers landete in der Abschlusstabelle auf Rang 1, dicht gefolgt von den Lichtenberg Lions und dem amtierenden Meister, den Munich Spatzen. Ebenfalls gelang den Mainz Legionaries, Augsburg Lions, Duisburg Dragons, SG Kelkheim Lizzards und dem Aufsteiger Strelitz Dukes die Qualifikation.
Gespielt wird dabei am Samstag zunächst in zwei Vierer-Gruppen. Dabei treffen die Wanderers auf die Spatzen, Lizzards und Dukes, in der anderen Gruppe duellieren sich die Dragons, Legionaries und die beiden Lions. Die beiden Erst- und Zweitplatzierten ziehen in das Halbfinale ein. Am Sonntag werden im großen und kleinen Finale die Podestplätze ausgespielt.
Bei den Frauen gehen nur vier Teams an den Start, da die DFFLF erst ihre zweite Saison absolviert und im Gegensatz zur Mixed-Liga DFFL nur aus zwölf statt 16 Teams besteht. Hier gehen die Augsburg Lions als Meister - damals allerdings noch als Spielgemeinschaft mit den Munich Spatzen - an den Start. Die Spatzen treten als Sieger der regulären Saison an, auch die Düsseldorf Firecats und die SG Kelkheim Lizzards gehen an den Start.
Der Modus der Frauen ist dabei etwas komplizierter. Zunächst treffen am Samstag die Spatzen auf die Lions, während sich die Firecats und Lizzards messen. Die Sieger ziehen in die nächste Runde und spielen den ersten Finalteilnehmer aus. Der Verlierer dieses Duells trifft auf den Sieger der Partie der beiden Verlierer aus der ersten Runde, der Sieger zieht ins Finale ein. Das Endspiel findet am Sonntag statt.
Bei den Männern sind die Walldorf Wanderers das Team, das es zu schlagen gilt. Lediglich im vergangenen Jahr gewann der siebenfache Meister aus Hessen nicht den Titel, im Endspiel behielten die Munich Spatzen mit 27:20 die Oberhand. "Dahinter wird es einen Kampf geben", meint Just. Dabei traut er den Augsburg und Lichtenberg Lions, die die reguläre Saison als Zweiter abschlossen und dabei die Wanderers mit 42:40 bezwangen, einiges zu.
Bei den Frauen ist hingegen das Feld komplett offen. "Das Final Four in diesem Jahr wird nochmal qualitativ hochwertiger als letztes Jahr", glaubt Just. Die Lions haben in einer Spielgemeinschaft mit den Spatzen im vergangenen Jahr den Titel gewonnen. Damals bezwangen sie mit 26:18 die Walldorf Wanderers, die als Siebter das Finalturnier verpasst haben. Die Münchnerinnen verloren in dieser Saison lediglich gegen die Augsburgerinnen, die jedoch dafür gegen die Lizzards und Firecats verloren.
Das wohl bekannteste Gesicht ist Mona Stevens. Die Quarterback der Düsseldorf Firecats ist nicht nur NFL Flag Ambassador und Nationalspielerin im Flag und Tackle, sondern arbeitet seit 2023 auch bei RTL als Expertin und Moderatorin. Auch Pia Schwarz läuft für die Firecats auf, sie ist die offizielle Flag-Football-Botschafterin der New England Patriots im deutschsprachigen Raum. Beim Meister aus München spielt Sarah Jüttner auf der Quarterback-Position, sie ist Teil des Podcasts "Saturday Kickoff - Der College Football Podcast".
Bei den Männern ist der wohl bekannteste Name Benjamin Klever. Der Nationalspieler ist Quarterback der Wanderers und ist wie Stevens NFL Flag Ambassador. In seinem Team befindet sich außerdem Fabian Achenbach, der Wide Receiver gilt als einer der besten in ganz Europa und wurde bei der EM 2023 zum MVP gekürt.
smu