22.01.2026
Patrick Esume im Interview
Die NFL wächst wirtschaftlich weiter, expandiert international und zahlt ihren Stars Rekordgehälter. Doch hinter dem Glanz des Milliardenbusiness stehen Spieler, deren Körper immer stärker belastet werden. Patrick Esume, langjähriger Football-Experte und ehemaliger Profi, spricht in einem exklusiven Interview offen über die Grenzen des Machbaren, die Verantwortung der Liga - und darüber, warum manche Visionen schlicht unrealistisch sind

Kopfverletzungen, Kreuzbandrisse, Achillessehnenprobleme - schwere Verletzungen gehören in der NFL längst zur Normalität. Patrick Esume macht unmissverständlich klar, dass es dafür keine einfache Lösung gibt: "Irgendwann sind die Möglichkeiten ausgeschöpft. Football ist kein Kontaktsport, sondern ein Kollisionssport. Verletzungen lassen sich nicht vollständig vermeiden."
Umso kritischer sieht er die zunehmende Verdichtung des Spielplans. Kurze Regenerationszeiten seien ein zentrales Problem: "Kurze Wochen mit Monday Night, Thursday Night, internationalen Spielen und perspektivisch sogar mehr Partien - das ist für den Körper extrem belastend."
Mit inzwischen 17 Saisonspielen plus Playoffs sei eben jene Belastungsgrenze bei vielen Spielern bereits überschritten. Auch äußere Faktoren verschärfen die Situation:"Kunstrasen begünstigt Non-Contact-Injuries."
Vor allem aber warnt Esume davor, den Kalender weiter zu verdichten: "Man kann nicht erwarten, dass Spieler in zehn oder zwölf Tagen drei NFL-Spiele absolvieren."
Mit dem steigenden Salary Cap wachsen auch die Spielergehälter. Verträge über 50 oder 60 Millionen Dollar pro Jahr sorgen regelmäßig für Diskussionen. Für Patrick Esume greift diese Debatte jedoch zu kurz: "Wenn die Finanzkraft der Liga steigt, ist klar geregelt, welcher Anteil davon bei den Spielern landen muss." Die zentrale Frage sei nicht die Höhe der Summen, sondern ihre Verteilung: "Wenn nicht die Spieler dieses Geld verdienen - wer dann?"
Denn die Risiken tragen ausschließlich die Akteure auf dem Feld: "Es sind nicht die Owner oder die Liga, die sich Woche für Woche die Knochen brechen, Gehirnerschütterungen riskieren oder Kreuzbandrisse erleiden."
Hinzu kommt eine Besonderheit der NFL, die laut Esume häufig unterschätzt wird: "Man darf nicht vergessen, dass es in der NFL kaum voll garantierte Verträge gibt. Die meisten Spieler leben von Woche zu Woche."
Die internationale Expansion der NFL schreitet voran, Spiele in Europa sind fester Bestandteil des Kalenders. Eine eigene Europa-Division hält Patrick Esume jedoch für ausgeschlossen: "Nein. Und ich halte sie auch nicht für sinnvoll." Die logistischen Folgen wären erheblich: "Das würde enorme Reisetätigkeit erfordern - mit massivem Jetlag und großen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit."
Vor allem die sportliche Fairness stünde auf dem Spiel: "Über eine komplette Saison hinweg wäre die Wettbewerbsgleichheit kaum noch gewährleistet." Auch wirtschaftliche und steuerliche Faktoren sprächen klar gegen europäische Standorte: "Im Vergleich dazu wären Standorte wie Deutschland oder Großbritannien deutlich unattraktiver." Das Ergebnis wäre laut Esume eindeutig: "Europäische Teams wären in der Free Agency strukturell benachteiligt und könnten kaum Topspieler verpflichten."
Die NFL werde weiter auf internationale Spiele setzen, um ihre Marke weltweit auszubauen. Feste Teams außerhalb der USA sieht Esume jedoch nicht: "Tackle Football mit festen Teams in Europa wird es nicht geben."
Stattdessen formuliert er eine klare Vision für den Kontinent: "Gerade deshalb bin ich überzeugt, dass Europa eine eigene starke Profiliga braucht - mit europäischen Spielern und einer eigenen Identität."
Die "Conference Championships" live bei RTL
• New England Patriots at Denver Broncos: Sonntag 25.01., ab 20:55 Uhr (Kickoff: 21:00 Uhr)
• Los Angeles Rams at Seattle Seahawks: Montag 26.1., Kickoff: 00:30Uhr
nkr