18.02.2026
Erneut kein Fortschritt
Die Pittsburgh Steelers haben trotz einer relativ erfolgreichen Saison auch in diesem Jahr offene Fragen hinterlassen. Die Leistung in der Regular Season erneut gut genug, um sich für die Playoffs zu qualifizieren. Doch wie so oft war die Saison für die Steelers nach nur einem Spiel in den Playoffs vorbei.

Die Steelers gingen mit vorsichtigem Optimismus in die Saison. Nach einer durchwachsenen Vorsaison sollte nun der nächste Schritt folgen. Head Coach Mike Tomlin betonte im Trainingslager mehrfach, dass man "bereit sei, wieder Steelers-Football zu spielen" - physisch, diszipliniert, effizient.
Doch genau diese Attribute blitzten über weite Strecken nur phasenweise auf. Zwar gelangen immer wieder Achtungserfolge gegen ambitionierte Teams, doch auf überzeugende Siege folgten regelmäßig unnötige Niederlagen. Besonders innerhalb der Division fehlte es an Konstanz - ein Problem, das sich wie ein roter Faden durch die Spielzeit zog.
Im Mittelpunkt der Diskussionen stand einmal mehr die Offense. Der Angriff wirkte über weite Strecken ideenlos, vor allem im vertikalen Passspiel fehlte es an Durchschlagskraft. Der Quarterback-Raum wurde im Saisonverlauf mehrfach hinterfragt, Wechsel und Anpassungen brachten jedoch keine nachhaltige Stabilität.
Gerade in engen Spielen offenbarte die Offense Probleme in der Entscheidungsfindung. Red-Zone-Effizienz und Third-Down-Conversion gehörten ligaweit nicht zur Spitzengruppe. Das Resultat: Zu viele knappe Spiele kippten nicht zugunsten der Steelers.
Die Folge war eine altbekannte Debatte in Pittsburgh: Reicht das aktuelle Personal auf der wichtigsten Position im Football aus, um wieder ernsthaft um Titel mitzuspielen?
Traditionell bauen die Steelers auf ihre Defense. Auch 2025/26 zeigte die Einheit immer wieder, welches Potenzial in ihr steckt. Angeführt von Superstar-Pass-Rusher T. J. Watt sorgte die Front Seven regelmäßig für Druck auf gegnerische Quarterbacks.
Watt lieferte eine weitere Saison auf Pro-Bowl-Niveau ab und unterstrich einmal mehr seinen Wert für das Franchise. Dennoch fehlte der Defense in entscheidenden Momenten die letzte Konsequenz. Big Plays im falschen Moment und Probleme gegen den Lauf kosteten mehrere Partien.
Statistisch bewegte sich die Steelers-Defense im oberen Mittelfeld - solide, aber nicht elitär. Und genau hier liegt der Unterschied zwischen einem Playoff-Team und einem ernsthaften Contender.
Trotz der insgesamt enttäuschenden Saison gab es mehrere Momente, die zeigten, welches Potenzial in diesem Team steckt. Gleich zum Auftakt lieferten die Steelers ein spektakuläres Offensivfeuerwerk ab. Beim knappen Sieg gegen die New York Jets warf Aaron Rodgers vier Touchdowns und führte die Offense in entscheidenden Momenten mit der Ruhe eines Routiniers. Besonders bemerkenswert war das 60-Yard-Field-Goal von Kicker Chris Boswell, das nicht nur ein persönlicher Karrierebestwert war, sondern auch symbolisch für den Kampfgeist der Mannschaft stand.
Auch der Auswärtssieg bei den New England Patriots unterstrich, dass Pittsburgh taktisch in engen Spielen bestehen kann. Obwohl die Offense insgesamt nur wenig Raumgewinn erzielte, war sie in der Red Zone eiskalt effizient und verwandelte jede sich bietende Chance in Punkte. Diese Zielstrebigkeit in kritischen Situationen zeigte, dass das Team durchaus in der Lage ist, strukturierte und disziplinierte Spiele abzuliefern.
Defensiv blitzte ebenfalls immer wieder Qualität auf. In einzelnen Partien zwang die Steelers-Defense ihre Gegner zu mehreren Turnovers, setzte Running Backs früh unter Druck und kontrollierte zeitweise das Spieltempo. Gerade gegen physisch starke Offenses bewies die Einheit, dass sie - wenn sie geschlossen auftritt - Spiele dominieren kann. Diese Phasen machten deutlich, dass das Fundament grundsätzlich vorhanden ist.
Hinzu kommt die Führungsrolle erfahrener Spieler im Kader. Rodgers’ Präsenz verlieh der Offense Stabilität, besonders in hektischen Spielphasen. Seine Spielübersicht und sein Entscheidungsverhalten sorgten zumindest punktuell dafür, dass Pittsburgh in engen Spielen konkurrenzfähig blieb.
So deutlich einzelne Lichtblicke waren, so klar traten die strukturellen Probleme zutage. Die größte Schwäche war die fehlende Konstanz - insbesondere in der Defense. Auf dominante Auftritte folgten Spiele, in denen große Raumgewinne zugelassen wurden und die Secondary anfällig wirkte. Gegen explosive Offenses kassierte Pittsburgh immer wieder lange Big Plays, die den Spielverlauf kippen ließen.
Auch offensiv fehlte über weite Strecken die Durchschlagskraft. In mehreren Partien tat sich die Mannschaft schwer, First Downs zu generieren und Drives am Leben zu halten. Besonders in Rückstandssituationen wirkte das Playcalling vorhersehbar, das vertikale Passspiel blieb hinter den Erwartungen zurück. Eng geführte Spiele gingen dadurch verloren, weil im entscheidenden Moment die Kreativität oder Präzision fehlte.
Hinzu kamen personelle Unsicherheiten und Verletzungen, die Rhythmus und Kontinuität beeinträchtigten. Wechsel auf Schlüsselpositionen sorgten dafür, dass sich keine dauerhafte Stabilität entwickeln konnte. Statt eines klaren Identitätsprofils entstand der Eindruck eines Teams, das zwischen aggressivem Risiko-Football und vorsichtiger Absicherung schwankte.
Die Saison der Steelers lässt sich trotz des enttäuschenden Aus in den Playoffs nicht negativ bewerten. Dafür waren die Leistungen des Teams in Gänze zu gut, besonders im Vergleich in der AFC North.
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nkr