01.10.2025
Reportage von Fabienne Lampe
Die NFL hat zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein reguläres Saisonspiel in Irland absolviert. Während die Pittsburgh Steelers und Minnesota Vikings sich sportlich ein spannendes Duell lieferten, zeigten sich auch die Iren begeistert von der Liga.

Wenn Menschen mit Merchandise aller 32 Teams zusammenkommen, dann sind die NFL International Games in der Stadt. Am vergangenen Wochenende hielt die Liga Einzug in Dublin und feierte ein unvergessliches Football-Fest.
Schon bei der Ankunft in der irischen Hauptstadt war unverkennbar: Die NFL ist für ihr erstes International Game in Dublin zu Gast. Am vergangenen Sonntag empfingen die Pittsburgh Steelers die Minnesota Vikings für ein Heimspiel im Croke Park, dem drittgrößten Stadion Europas. Dem Spiel, das die Steelers am Ende mit 24:21 für sich entscheiden konnten, ging ein berauschendes Wochenende voraus, das gezeigt hat: Dublin will nicht nur NFL, Dublin kann auch NFL.
Für die Steelers war es allerdings nicht das erste Spiel in Dublin: Bereits 1997 empfing das Team aus der Steel City in der Preseason die Chicago Bears im Croke Park und nahm so bereits vor rund 28 Jahren einen 30:17-Sieg mit nach Hause. Das erste NFL Dublin Game sollte als Teil der diesjährigen International Series, die insgesamt sieben Spiele umfasst, jedoch etwas ganz Besonderes werden. Größer. Aufsehenerregender.
Mit dem ersten regulären Saisonspiel in Dublin gingen also große Erwartungen an die Erweiterung der in Europa ausgetragenen Spiele einher und die größte Frage war wohl: Würde auch Dublin an die großen Football-Feste der vergangenen Jahre in Städten wie London, München oder Frankfurt anknüpfen können?
Schon früh vor der Veröffentlichung des Spielplans für die Saison 2025 war klar: Die Steelers würden aufgrund ihrer Vermarktungsrechte in Irland in diesem Jahr in Dublin American Football spielen. Und so kündigte sich bereits lange vor dem Ticketverkauf an, dass die Stadt an diesem Wochenende schwarz und gelb sein würde. Doch auch die Vikings wollten ihr Auswärtsspiel in Dublin zu etwas ganz Großem machen und die Stadt in ihre Farben tauchen.
Die Vorfreude der Fans war bereits am Freitag an jeder Ecke in Dublin spürbar. Schon die gläserne Ausgangshalle des Flughafens empfing NFL-Fans aus der ganzen Welt mit Ballons in schwarz und gelb sowie lila und gelb und gab so jedem Ankömmling direkt ein wohliges Gefühl. NFL-Werbeplakate zierten den Weg in die Innenstadt, durch die zehntausende Menschen in Merchandise ihres jeweiligen Lieblingsteams streiften. "Game On" animierten bunte Flaggen, die an den Masten wehten und zeigten, "an diesem Wochenende regiert die NFL in Dublin".

Und auch Steelers-Legenden wie Ex-Quarterback Ben Roethlisberger, Jerome Bettis, Maurkice Pouncey und Ike Taylor ließen sich die Reise über den Atlantik nicht nehmen, um das International Game live zu erleben und den Fans auf den Veranstaltungen vor Ort, vor allem auf der großen Bühne im Merrion Square Park, ordentlich einzuheizen.
Die NFL International Games stehen seit Jahren vor allem für eins: "Football is Family". Hier ist es ein ganzes Wochenende lang egal, welches Jersey man trägt, man gehört einfach dazu, auch wenn das gegnerische Team der vermeintlich größte Rivale ist. Und so tanzten und sangen plötzlich Fans der Steelers und der Cleveland Browns auf Dublins Straßen miteinander, stießen gemeinsam an und lachten freudig.
Viele Pubs im Zentrum der Stadt verwandelten sich an diesem Wochenende in Anlaufstellen für die Fans, luden mit bunten Ballons, Flaggen und Live-Musik zum Feiern ein. Und dazu ließen sich die Fans nicht zweimal einladen. Sie feierten vom frühen Morgen bis spät in die Nacht. Ausgelassen, feuchtfröhlich und immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Zwar tummelten sich in den offiziellen Pubs der Teams überwiegend Fans der jeweiligen Mannschaft, doch auch Fans des Gegners wurden hier nach einem kleinen Seitenhieb, "die falschen Farben zu tragen", freundlich aufgenommen, um gemeinsam zu feiern. Dicht gedrängt tanzten und sangen die Anhänger des offenkundig auch in Irland immer beliebter werdenden US-Sports und genossen das ein oder andere Pint.
Das Besondere: Nicht nur die Mischung aus Jerseys, sondern auch der Herkünfte. Vor allem einheimische Iren, die sich wohl nie mehr mit American Football beschäftigt haben dürften als an diesem Wochenende, zeigten sich interessiert. Am Sport, an den ausländischen Fans und an der Football-Kultur. Sie mischten sich unter die harten Fans, wollten Teil dieses Ereignisses sein.
Überall hörte man Gespräche über Aaron Rodgers, Pittsburgh als Heimteam und die irischen Wurzeln der Rooney-Familie, die Eigentümer der Steelers. Doch auch die nicht unbedingt günstigen Ticketpreise für das Spiel waren in aller Munde. Dennoch waren sie alle vor Ort, um das historische erste Regular-Season-Spiel der NFL in Dublin live mitzuerleben. In den Farben getrennt, im Interesse am Sport vereint. Das ist es, was die International Games und den American Football wohl an solchen Wochenenden am besten beschreibt und woran Dublin nahtlos angeknüpft hat.
Auch abseits der großen Parties war nicht zu verkennen, dass die NFL am vergangenen Wochenende in der Stadt war. Insbesondere Streetart-Freunde kamen hier beim Sightseeing auf ihre Kosten. Immer wieder konnte man in den Seitenstraßen künstlerische Graffitis bestaunen, die extra für das NFL-Spiel an die Wände gesprüht wurden. Bunt und mit vollem Fokus auf die Partie zwischen den Steelers und den Vikings. Logos der Teams, ein Football, Silhouetten von Spieler. All das konnte man in der Innenstadt entdecken.

Zwar ließen auch die Fanshops wie gewohnt die Fan-Herzen aller Teams höherschlagen, doch wer am Samstag Merchandise von den Steelers einkaufen wollte, der musste viel Zeit und Geduld mitbringen. Schon früh am Vormittag reihten sich die Menschen vor dem Pro Shop in eine Schlange ein, die sicher um die 200 Meter lang war. Das war jedoch nichts, was den europäischen Fan davon abgehalten hätte, einmal einen Abstecher zu machen, bevor man sich wieder dem Feiern widmete.
Das ging Sonntagmorgen direkt weiter: Während die Stadt langsam zum Leben erwachte, strömten die Fans bereits zum Tailgating der beiden Teams. Kostüme, Trikots und bunt bemalte Gesichter soweit das Auge reichte. Iren, Amerikaner, Deutsche - alle waren bereit für einen denkwürdigen Spieltag im Croke Park. Ob beim ersten Kaltgetränk, beim Cornhole oder beim Kicking Contest - schon am Vormittag kam jeder Fan auf seine Kosten.
Und als dann langsam zehntausende Menschen in dieselbe Richtung strömten, wusste jeder voller Vorfreude: Das größte Event des Wochenendes stand eigentlich noch bevor, nämlich das Spiel zwischen den Steelers und den Vikings.
Die Fans aus Pittsburgh machten dabei ihrem Ruf, überall in den US-Stadien präsent zu sein, wenn ihre Steelers spielen und das gegnerische Stadion für sich einzunehmen, wieder alle Ehre. Mit ihrem Markenzeichen, dem Terrible Towel, einem kleinen rechteckigen Handtuch in leuchtendem Gelb, vereinnahmten sie den Croke Park und machten ihr Gastspiel in Dublin zu einem echten Heimspiel. "Here We Go" schallte es vor dem Spiel von der Treppe neben der Cusack Statue im Stadion und die Fans des deutschen Fanclubs der Steelers schwangen ihr kleines gelbes Handtuch minutenlang im Takt.
Das ließen die Fans der Vikings jedoch nicht auf sich sitzen und sammelten sich auf der gegenüberliegenden Treppe, für einen gemeinsamen "Skol"-Schlachtruf. Angespannte Stimmung? Fehlanzeige. Auch Steelers-Linebacker T.J. Watt zeigte sich begeistert von der Atmosphäre. "Die Fans waren heute absolut unglaublich. Sie sind überall und sie sind unglaublich. Das war eine freudige Atmosphäre heute", sagte er auf der Pressekonferenz im Anschluss an das Spiel.
Nach dem Sieg der Steelers strömten die 74.512 Fans langsam aus dem Stadion. Handys wurden gezückt, der Game Pass gestartet. Und so liefen die Fans, die eben beim Spiel noch miteinander konkurrierten, jetzt nebeneinander, beobachteten freudig die weiteren NFL-Spiele des noch frühen Abends auf kleinen Bildschirmen und philosophierten über die laufende Saison. Nächster Halt: Eine Location, die NFL überträgt.
Leckeres Essen, weitere Pints und noch mehr angenehme Gespräche beendeten einen aufregenden Football-Tag in Dublin. Zufrieden und erfüllt strömten die Fans spätabends dann zurück in ihre Unterkünfte und werden dieses besondere Wochenende sicher noch lange in Erinnerung behalten.
Das NFL Dublin Game ist vorbei, aber die Erinnerung bleibt. Irlands Hauptstadt hat für ein Wochenende bewiesen, dass sie NFL kann - was Commissioner Roger Goodell, der eine Rückkehr offen gelassen hat, freuen dürfte. Und das nicht nur durch die Größe des Events, sondern vor allem durch die Intensität der hervorgerufenen Gefühle und die Begeisterung einer ganzen Stadt für den ganz großen American-Football-Sport. Fraglich wird nur sein, wie nachhaltig die Football-Begeisterung in Irland langfristig sein wird. Jetzt muss Dublin also beweisen, dass das Langzeitprojekt NFL dort dauerhaft funktioniert.
Fabienne Lampe