vor 1 Tag
Jets treffen auf Raiders
Wenn Geno Smith und die New York Jets am Sonntag auf die Las Vegas Raiders treffen, steht für den Quarterback weit mehr auf dem Spiel als nur ein gewöhnliches Divisionsfremdes Duell. Gegenüber steht ihm Head Coach Klint Kubiak - ausgerechnet der Mann, der in zwei verschiedenen Stationen seiner Karriere maßgeblich daran beteiligt war, Smith loszuwerden.

Die Geschichte beginnt bereits 2023: Als Offensive Coordinator der Seattle Seahawks war Klint Kubiak Teil der Entscheidung, Smith nicht zu verlängern und ihn stattdessen zu den Las Vegas Raiders zu traden. Nur ein Jahr später wurde Kubiak selbst Head Coach in Las Vegas - und war erneut maßgeblich daran beteiligt, sich von Smith zu trennen, ehe dieser seinen Weg zu den New York Jets fortsetzte. Zweimal also wurde Smith von demselben Mann aussortiert - nun bietet sich ihm die Gelegenheit zur Revanche.
Smiths Zeit in Las Vegas verlief alles andere als erfolgreich: 2025 führte er die gesamte NFL mit 17 Interceptions an, während die Raiders mit nur drei Siegen bei 14 Niederlagen die schwächste Offense der Liga stellten - letzter Platz bei Punkten und Yards. Pete Carroll wurde nach der Saison entlassen, Kubiak übernahm als neuer Head Coach und ließ Smith schließlich kurz vor Beginn des neuen Liga-Jahres ziehen, um Cap Space für den künftigen Erstrunden-Pick Fernando Mendoza zu schaffen. Für nur einen Sechstrunden-Pick wechselte Smith daraufhin im März 2026 zu den Jets.
Sportlich treffen am Sonntag zwei Mannschaften mit wachsendem Problemdruck aufeinander. Die Raiders (3:4) haben nach einem überraschenden 3:0-Start bereits vier Spiele in Serie verloren - erste Fanstimmen fordern bereits einen Wechsel zu Rookie-Quarterback Fernando Mendoza, dem Nummer-eins-Pick des diesjährigen Drafts. Kubiak stellte jedoch unmissverständlich klar, an Kirk Cousins festzuhalten, der ligaweit mit 16 Touchdown-Pässen die Bestenliste anführt: "Ich habe die Produktion gesehen. Die Produktion ist da. Aber es ist ein Mannschaftsspiel, also müssen wir gemeinsam produzieren, um Football-Spiele zu gewinnen."
Auch bei den Jets (2:5) brodelt es gewaltig. Nach der jüngsten 25:28-Heimniederlage gegen die zuvor sieglosen Miami Dolphins gerät der Stuhl von Head Coach Aaron Glenn (5:19-Bilanz als Jets-Coach) zunehmend ins Wanken. Center Josh Myers stellte sich dennoch demonstrativ hinter seinen Trainer: "Ich war schon mit vielen guten Trainern und guten Führungspersönlichkeiten zusammen, und ich sage es oft: Ich denke, A.G. ist einer der besten, mit denen ich je zusammengearbeitet habe."
Smith selbst zeigt bei den Jets respektable, aber nicht überragende Zahlen: zehn Touchdown-Pässe, nur zwei Interceptions, 1623 Passing-Yards und 70 Prozent Completion Rate - dennoch tut sich die Offense insgesamt schwer mit Konstanz (Rang 23 bei Yards pro Spiel).
Besonders spannend könnte sich das Duell zwischen den jeweiligen Laufspielen entwickeln: Die Raiders stellen mit nur 74,7 Rushing-Yards pro Spiel die zweitschwächste Laufoffense der Liga, während die Jets-Run-Defense selbst nur Rang 24 belegt (127,7 zugelassene Yards pro Spiel). Raiders-Running-Back Ashton Jeanty zeigte sich dabei durchaus selbstbewusst: "Ich denke, Las Vegas kann sein Laufspiel diese Woche in Schwung bringen, weil die Jets ein paar Spieler haben, die nicht wirklich tacklen wollen - aber ich werde keine Namen nennen."
Zusätzliche Brisanz erhält diese Aussage durch die angeschlagene Jets-Defensive-Line: Nose Tackle T’Vondre Sweat wurde am Freitag wegen einer Knieverletzung gestrichen, Rookie-Edge-Rusher David Bailey (Leistenzerrung) gilt als fraglich - beide verletzten sich bereits in der vergangenen Woche gegen Miami.
Seit Week 3 lässt New Yorks Run-Defense bereits 153 Yards pro Spiel zu, ligaweiter Rang 31. Head Coach Aaron Glenn reagierte gelassen auf Jeantys Seitenhieb: "Das ist die NFL, und ich verstehe das. Jeder ist durch bestimmte Dinge motiviert. Aber die wahre Motivation besteht darin, dass man jede Woche die Chance bekommt zu spielen."
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Autor: Marc Gschwentner