08.09.2026
GFL-Kolumne
Die Regular Season in der GFL ist vorbei und alle warten gespannt auf die Playoffs. Dabei stellen sich einige Fragen: Welche Teams sind die Favoriten? Wer geht als Underdog ins Rennen? Wer kommt in den German Bowl? Das Power Ranking gibt einen guten Überblick über die Kräfteverhältnisse in den Playoffs.

17 Wochen Regular Season Football liegen hinter uns und das bedeutet: Die Playoffs der German Football League stehen unmittelbar bevor. Acht Teams, vier aus dem Norden und vier aus dem Süden, treffen am 12.09. im Viertelfinale aufeinander. Vorher stellt sich vor allem eine Frage: Wer hat am Ende die Nase vorne? Ich blicke im Detail auf alle Teams, bewerte Kaderstärke und aktuelle Form. Das ist mein Power Ranking aller GFL Playoff-Teams.
Die Munich Cowboys sind als Viertplatzierter aus dem Süden in die Playoffs gekommen und haben dabei selbst kein Playoff-Team schlagen können. Obwohl Quarterback Nicholas Semptimphelter in dieser Saison zu den konstanteren Quarterbacks der Liga gehörte und er in Wide Receiver Gabriel Boccella über weite Strecken den produktivsten Receiver der Liga hatte, wirkte die Offense der Cowboys zu keinem Zeitpunkt robust.
Lediglich in Woche 1 gegen die Schwäbisch Hall Unicorns gelang es gegen ein Playoff-Team, mehr als 14 Punkte zu erzielen. Selbst wenn Boccella nach seiner Verletzung wieder Top-Niveau erreicht und Defensive Back Jonathan Roebuck sich wieder voll auf seine Aufgaben in der Defense konzentrieren kann, wird es für die Cowboys eine schwere Aufgabe, in den Playoffs kompetitiv zu sein.
Auch die Düsseldorf Panther konnten auf dem Weg in die Playoffs kein Playoff-Team schlagen, gehen aber im Gegensatz zu den Cowboys mit ordentlich Schwung ins Viertelfinale. Nach einem Fehlstart gewannen die Panther sechs der letzten neun Spiele und wurden vor allem nach einem Quarterback-Wechsel zu einem gefährlicheren Team. Dawson Herl schaffte es auf Anhieb, die talentierten Spieler auf den Skill-Positionen der Panther besser in Szene zu setzen, als das früh in der Saison gelungen war.
Düsseldorf lieferte den Dresden Monarchs im Saisonverlauf zwei kompetitive Spiele und auch wenn diese im letzten Viertel dann nicht mehr spannend waren, ist selbst das in diesem Jahr fast niemandem gelungen. Auch die Panther werden im ersten Playoff-Spiel eine schwere Zeit haben, doch sie besitzen genug Talent, um einen Mitfavoriten theoretisch massiv zu ärgern.
Aufgrund des Score-Differentials mit den Pforzheim Wilddogs wurde den Razorbacks aus Ravensburg in den Playoffs eine nahezu unlösbare Aufgabe zuteil. Ich halte es für ausgeschlossen, dass Ravensburg ein Aufeinandertreffen mit den Potsdam Royals enggestaltet, trotzdem platziere ich sie auf Platz sechs, weil das für mich eine akkurate Repräsentation dessen ist, was uns die Razorbacks in dieser Saison gezeigt haben.
In Quarterback Broghean McGovern haben sie einen Spielmacher, der für mich in der Auswahl zum MVP der Liga hätte berücksichtigt werden müssen. Er kann auf der Offensivseite den Unterschied ausmachen und macht die Razorbacks unberechenbar.
Die Wilddogs spielen für mich eine ambivalente Saison auf äußerst hohem Niveau. Sie gewinnen deutlich gegen Ravensburg und verlieren ebenso deutlich gegen sie. Sie machen es den Unicorns vier Viertel lang schwer, lassen dann aber gegen Berlin und Kiel Punkte liegen. Das Team von Head Coach Michael Lang ist erst im zweiten GFL-Jahr und hat sich in der Offseason spürbar verstärkt. Die Wilddogs haben eindeutig den nächsten Schritt gemacht.
Deshalb wäre ich alles andere als überrascht, wenn sie ein Playoff-Spiel gewinnen, gerade der Auftritt gegen Schwäbisch Hall macht diesbezüglich Hoffnung. Die Konstanz haben sie offensiv in dieser Saison nie ganz auf die Straße gebracht, doch wir haben über Strecken Highlight-Level Offense gesehen und dazu die Nummer 3 Scoring-Defense der Liga. Pforzheim ist ein unangenehmes Playoff-Matchup.
Hätte man Invaders-Fans vor dieser Saison gefragt, wie sie sich die Regular Season im Best-Case-Szenario vorstellen, wäre das Ergebnis wohl nah an dieser Saison gewesen. Hildesheim hat in der Regular Season drei Spiele verloren: Zwei gegen Potsdam und eines gegen Dresden. Dort wurde ihnen zwar sehr deutlich aufgezeigt, dass sie sich mit den absoluten Top-Teams der GFL noch nicht messen können, doch gegen fast alle anderen Teams der Liga sehe ich sie im Vorteil.
Gegen Teams, die im letzten Jahr nicht im GFL Bowl standen, weisen die Invaders eine makellose 9-0 Bilanz auf. Die Aushängeschilder der Invaders sind für mich die Offensivstruktur von Head Coach Marcus Herford, die vom erfahrenen Nelson Hughes einwandfrei umgesetzt wird, sowie ihre besondere Defensive Line mit dem Favoriten auf den Defense-MVP-Award, Kyle Kitchens, dazu OJ Thompson und Defensive Tackle Dorian Zuidema. Auch Hildesheim ist ein unangenehmes Playoff-Matchup.
Der Südmeister verlor im Saisonverlauf kein Spiel und räumte bei den Nominierungen für die GFL Honors so richtig ab: Offense MVP, Defense MVP, Homegrown Player, Rookie of the Year und Coach of the Year. Die Unicorns haben mehr als genug individuelles Talent und ein durchstrukturiertes Gesamtkonstrukt, um in den Playoffs Spiele zu gewinnen. Zwar haben die Unicorns in dieser Saison nicht gegen die übrigen Top-4 Teams gespielt und sind deshalb schwerer einzuschätzen als andere Teams der Liga, trotzdem sprechen die Zahlen für sich.
Mit unterschiedlichen Quarterbacks und zeitweise ohne Ausnahme Runningback Kelley Joiner Jr. schafften es die Unicorns, die Nummer 2 Scoring-Offense der Liga zu stellen. Auf der defensiven Seite machte es Defensive Coordinator Cody Pastorino gegnerischen Offenses mit kreativen Passrush-Paketen immer wieder schwer. Die Signature Siege der Unicorns kamen gegen die Wilddogs und die Razorbacks. Spiele, in denen sie andeuten konnten, wie gut sie auch gegen Top-Teams aussehen können.

Der ungeschlagene Nordmeister eroberte mit Quarterback Rocky Lombardi und Wide Receiver Montigo Moss die Herzen der GFL Fans im Sturm. Beide stehen nach der Regular Season mit ihren individuellen Top-Leistungen zur Auswahl für den Offense-MVP-Award. Kein Wunder also, dass die Offense von Offensive Coordinator Robert Cruse in diesem Jahr zu den drei besten der gesamten Liga gehört. Die Offensive Line der Monarchs geht trotz Verletzungssorgen im Saisonverlauf gewohnt gestärkt in die Playoffs.
Eine besondere Erwähnung verdient zudem Backup-Quarterback Casey Thompson, der als Starter an der University of Texas Erfahrung gesammelt hat und genau die Art von Lebensversicherung darstellt, die sich Dresden im letzten GFL Bowl gewünscht hätte. Das größte Argument gegen diese Platzierung ist ihr Regular Season Auswärtssieg gegen die Royals, doch nach zwei verlorenen Finals bleiben die Monarchs für mich die Verfolger.
Nach der Regular Season haben die Potsdam Royals statistisch mit Abstand die beste Offense sowie die beste Defense der Liga. Auch nachdem GFL-Bowl-MVP Xavier Bullock den Weg nach Japan angetreten ist, hat die Offense der Royals keinen Schritt verloren, im Gegenteil. Der Schweizer Bay Harvey brillierte mit guter Präsenz in der Pocket und exzellenter Präzision. Vor allem die Defense von Coordinator Jorgen Gulbrandsen, der erst im Laufe der Saison an die Seitenlinie der Royals kam, macht in Potsdam den Unterschied.
In den letzten fünf Regular Season Spielen gelang es den Royals, die Null zu halten. Drei dieser Spiele trafen sie auf Playoff-Teams. Eine absolut historische Marke. Obwohl die Royals in der Regular Season knapp gegen Dresden unterlagen, ist der dreifache Meister für mich das Team to beat in den GFL Playoffs.
Maurice Stolka