27.03.2026
Comeback-Qualität
Peyton Manning gehört ausnahmslos zu den größten Quarterbacks, den die NFL je gesehen hat. Die Colts-Legende hat aber keine lupenreine Karriere hinter sich. Nachdem er große Erfolge mit den Indianapolis Colts feiern konnte, hätte eine Verletzung an seiner Wirbelsäule ihn fast seine Karriere gekostet - aber nur fast.

Es gibt viele komplizierte Operationen und Verletzungen, die einiges an Risiko beinhalten. Doch eine OP an der Wirbelsäule gehört wohl zu den schwierigsten. Peyton Manning wurde vor die Wahl gestellt: Die OP oder das Karriereende. Für die Quarterback-Legende war die Entscheidung jedoch schon klar, denn aufgeben war keine Option.
Manning kam nach einer erfolgreichen College-Karriere an der University of Tennessee zu den Indianapolis Colts in die NFL. Diese wählten ihn 1998 als ersten Pick im Draft. Es folgten 14 Jahre bei den Colts, in denen er viele Erfolge feiern konnte, wie beispielsweise den Sieg des Super Bowl 41. In seiner Karriere wurde er noch ein zweites Mal Super-Bowl-Champion, diesmal aber mit den Broncos. Außerdem ging es für ihn ganze 14 Mal in den Pro Bowl. Doch viele dieser Statistiken wären gar nicht erst zustande gekommen, wäre er nicht der harte Kämpfer, der er ist.
Die eigentliche Verletzung begann für Manning bereits im Jahr 2006. In einem Spiel bekam der Quarterback zwei aufeinanderfolgende Hits ab. Dabei verengte sich sein Nacken und sein Helm löste sich vom Kopf. Kurzzeitig wurde er ausgewechselt, da er auch eine Taubheit in seinem Wurfarm spürte. Im weiteren Verlauf brachten ihn die Colts aber wieder ins Spiel. In den folgenden Jahren kamen die Beschwerden immer mal wieder auf, jedoch erschien dies als normal.
2010 verschlechterte sich dann sein Zustand und der damals bereits 34-Jährige musste nach der Saison - die er noch unter Schmerzen zu Ende spielte - einer Operation am Nacken unterziehen. Es stellte sich heraus, dass Manning unter einem Bandscheibenvorfall in der Wirbelsäule litt. Die Ärzte versuchten zweimal, das Problem durch einen nicht-invasiven Eingriff zu lösen - ohne Erfolg. Mit dem Start in die neue Saison brach somit Mannings Rekord mit 227 in Folge, die er von Beginn an spielte und er kam auf der Verletztenliste.

Da die ersten beiden Versuche gescheitert waren, seine Bandscheibe wieder in die richtige Position zu bringen, musste die Colts-Legende entscheiden: Entweder er unterzieht sich einer risikoreichen dritten, invasiven Operation, oder er muss seine Karriere beenden. Die Ärzte rieten ihm dazu zurückzutreten, doch für Manning war das nie eine Option. Er entschied sich also für die Operation. Dabei wurde seine Bandscheibe entfernt und durch einen Knochen ersetzt, der durch eine Titanplatte und mehrere Schrauben an Ort und Stelle gehalten wird. Somit hatte er mit 35 Jahren eine 35 cm lange Narbe sprichwörtlich im Nacken sitzen. Ob er wieder spielen könnte, war lange Zeit unklar.
"Er hat die größte Arbeitsmoral, die ich je gesehen habe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemals einen Spieler gab, der in diesem Bereich besser war als er", erzählte Bill Polian, der Manning damals als GM der Colts nach Indianapolis holte, in einem Interview 2014 mit SPOX. Manning verbrachte viel Zeit vor dem Spiegel und machte Armübungen, um seinen Wurfarm wieder zu trainieren. Die Colts spielten in dem Jahr ohne ihren Stammquarterback eine Saison zum Vergessen: 2-14 lautete die Bilanz für das Team aus Indianapolis. Nach dieser Saison mussten sie Manning schweren Herzens entlassen, da sie die Perspektive auf den Nummer eins Pick im Draft hatten und somit ein neuer Quarterback an der Tür geklopft hat, der fit war.
Manning ging zu den Denver Broncos. Sein Comeback gab er 2012 in einem Spiel gegen die Pittsburgh Steelers. Dort warf er direkt 253 Yards und zwei Touchdowns: Er war zurück.
Trotz seines Comebacks konnte er nicht werfen wie zuvor: "Ich habe gelernt, in diesem Zustand zu werfen und ich versuche einfach, das Beste zu geben, das mir möglich ist", sagte er in einem Interview. In seinem Jahr der Rückkehr wurde er von der NFL zum Comeback Player of the Year ernannt - und Manning war mehr als zurück. Im darauffolgenden Jahr brach er mit insgesamt 55 Touchdowns den Rekord für die meisten Passing Touchdowns in einer Saison und überholte damit Tom Brady: "Trotz einer Wirbel-OP, die die Karriere der meisten professionellen Athleten beendet hätte. Trotz Muskelschwund in seinem rechten Arm, seinem Brustkorb und dem gesamten Oberkörper, der ihn nach der OP wie einen Zwölfjährigen aussehen ließ. Trotz alledem ist er zurückgekommen und hat die meisten Passing-Rekorde in der Geschichte der NFL aufgestellt", betonte Polian.
Das ist, was ihn ausmachte. Seine akribische Art, niemals aufzugeben und sich selbst nochmal den letzten Push zu geben. Mit den Broncos gewann er 2016 noch einmal den Super Bowl und beendete dann erfolgreich seine Karriere.
lgr