23.02.2026
Doch keine Playoffs
Selten gab es in der NFL so eine große Diskrepanz zwischen zwei Saisonhälften. Die Indianapolis Colts erlebten in der vergangenen Saison zwei völlig verschiedene Verläufe Das Jahr 2025 verlief für die Colts wie eine Achterbahnfahrt und nach einem frühen Hoch mit Träumen vom Super Bowl folgte ein tiefer Absturz und eine herbe Ernüchterung.

Vor der Saison sind die Erwartungen bei allen Teams unterschiedlich. Während einige Teams auf das ganz große Jahr hoffen, wissen andere schon, dass es dieses Jahr vielleicht etwas schwierig mit den Playoffs werden könnte. Die Colts jedoch wussten bis kurz vor der Saison nicht einmal, wer ihr Starting-Quarterback sein würde.
Die Colts kamen aus einer durchschnittlichen Saison 2024, in der sie mit einem Record von 8-9 auf Platz zwei der AFC South landeten und die Playoffs verpassten. In der Offseason verstärkten die Colts besonders ihre Defense und verpflichteten Safety Camryn Bynum, Cornerback Charvarius Ward, Linebacker Joe Bachie und Cornerback Xavien Howard, während der Free Agency. In der Offense verloren die Colts jedoch mit Center Ryan Kelly und Guard Will Fries zwei entscheidende Stützen in der Offensive Line.
Mit Daniel Jones sorgten die Colts für Konkurrenz auf der Quarterback-Position für Anthony Richardson. In der erste Runde des Drafts richteten die Colts ihren Blick erneut auf die Offense und entschieden sich für Tight End Tyler Warren. In den Runden zwei bis vier kamen noch zwei Defense-Spieler und ein O-Liner hinzu. Besonders durch die Ungewissheit auf der Quarterback-Position erwarteten die meisten Colts-Fans wohl keine herausragende Saison und stellten sich eher auf einen durchwachsenen Saisonverlauf ein.
Im Trainingscamp und in der Preseason setzte sich Daniel Jones gegen seinen Kontrahenten Anthony Richardson durch. Nach zwei Niederlagen und einem Sieg in der Preseason führte Jones die Colts zu einem starken Saisonstart. Die ersten drei Spiele gewannen die Colts gegen die Dolphins, Broncos und Titans, wobei nur das Spiel gegen die Broncos wirklich knapp war. Die erste Niederlage setzte es erst in Woche vier gegen die Rams. Jones spielte stark auf, das Laufspiel mit Jonathan Taylor funktionierte extrem gut und die Defense zeigte ihr volles Potenzial.
Nach vier weiteren Siegen am Stück setzte es erst in Woche neun die zweite Saisonniederlage gegen die Steelers, ehe die Colts die Falcons in Berlin schlugen. Vor dem Spiel in Berlin hatten sich die Colts noch ganz besonders verstärkt. In einem Blockbuster-Trade erhielten die Colts Star-Cornerback Sauce Gardner von den Jets und schickten im Gegenzug zwei First-Round-Picks und Wide Receiver Adonai Mitchell nach New York. Mit einem hochmotivierten Team und einem Record von 8-2 genossen die Colts ihre Bye Week in Woche elf und bereiteten sich auf die letzten sieben Spiele vor, die sie in die Playoffs bringen sollten.
Doch das Blatt wendete sich. Die Colts verloren gegen die Chiefs, Texans und Jaguars. Besonders die Niederlage gegen die Jaguars schmerzte extrem, da sie nicht nur gegen einen Divisionsrivalen war, sondern vor allem, weil der stark aufspielende Daniel Jones sich schwer verletzte. Kurz nach dem Spiel wurde die Diagnose bekannt: Achillessehnenriss und Saison-Aus für Jones.
Das Franchise aus Indianapolis versuchte die Saison noch irgendwie zu retten und überzeugte den 44-Jährigen Philip Rivers, seinen Ruhestand zu unterbrechen. Er spielte drei Spiele für die Colts und verlor alle, ehe Riley Leonard im letzten Spiel der Saison ran durfte, aber ebenfalls mit einer Niederlage das Feld verließ. Somit endete die Saison wie im Jahr zuvor mit einem Record von 8-9 und dem Verpassen der Playoffs.
Bei kaum einem Team dürfte die zweite Saisonhälfte so zum Haare raufen gewesen sein wie bei den Colts. Die Enttäuschung im gesamten Franchise und bei den Fans war riesig. Nach einem so guten Start und einem starken Record von 8-2 waren die Colts immer wieder als eines der stärksten Teams der gesamten NFL eingestuft worden. Doch nach der Bye Week verloren die Colts alle sieben Spiele und verpassten die Playoffs krachend. Zudem verletzte sich Daniel Jones schwer und es ist noch nicht klar, ob er überhaupt für nächste Saison fit werden kann.
Zudem ist es immer fraglich, ob Spieler von einer so schweren Verletzung überhaupt zu alter Stärke zurückfinden können. Doch auch neben dem Platz war es für die Colts keine besonders gute Saison. Zwar erhielt man durch den Trade mit den Jets einen sehr guten Cornerback - Gardner konnte seinem guten Ruf bei den Colts jedoch nicht gerecht werden. Im Gegenzug mussten sich die Colts von zwei First-Round-Picks trennen, die ihnen nun für den Aufbau ihres Kaders fehlen.
Das Positivste an der Saison der Colts sind die ersten zehn Spiele bis zur Bye Week. Die Colts waren zwischenzeitlich das beste Team der NFL und Daniel Jones zeigte, was in ihm steckt. Das Laufspiel mit Jonathan Taylor funktionierte hervorragend und die Defense spielte auf einem ganz hohen Level. Die Colts könnten in Jones ihren neuen Franchise-Quarterback gefunden haben, wenn er ähnlich gut von seiner schlimmen Verletzung zurückkommt.
Dazu haben sich die Colts mit Sauce Gardner einen der talentiersten jungen Cornerbacks in der NFL gesichert und hoffen auf seinen Impact in den nächsten Saisons. Auch die Rookies entwickelten sich gut. Tyler Warren etablierte sich bereits in seiner ersten Saison in der NFL als einer der besten Tight Ends der Liga und wurde zu einem wichtigen Ziel für Jones. Auch Offensive Tackle Jalen Travis spielte ab Woche 14 in der O-Line der Colts und zeigte, dass er ein Starter für Indianapolis werden könnte.
Auch wenn es sich für die meisten Colts-Fans wohl nicht so anfühlt, war die Saison nicht so schlecht, wie sie wirkt. Die Erwartungen vor dem Kickoff waren nicht so hoch und stiegen erst mit dem guten Saisonstart rapide an. Die Niederlagenserie von sieben verlorenen Spielen sorgte natürlich für Enttäuschung, doch insgesamt war es keine katastrophale Saison für die Colts. Sollte Jones bis zum Start der neuen Spielzeit wieder fit sein, könnten die Colts mit einem ähnlich guten Roster erneut in Richtung Playoffs schauen.
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nhu