27.02.2026
Deutscher im Fokus
Beim NFL Combine präsentieren sich die College-Athleten und versuchen die NFL-Scouts zu beeindrucken. In diesem Jahr ist der deutsche Tight End Marlin Klein beim Combine dabei und versucht, das Beste aus sich herauszuholen. Im ersten Teil des Interviews mit football-world erklärte Klein, warum er in dieser Zeit kaum Schlaf findet, was ihn von seinen Kontrahenten abhebt und mit welchen NFL-Franchises er gute Interviews geführt hat.

Der in Köln geborene Marlin Klein spielte in seiner Jugend Fußball und träumte wie viele deutsche Kinder davon, Fußballprofi zu werden. Doch sein Vater brachte ihn zum Football und er begann seine Football-Karriere bei den Cologne Crocodiles. Über ein Programm für internationale Talente erhielt er die Möglichkeit an eine Highschool in den USA zu gehen. Aufgrund seiner starken Leistungen erhielt Klein viele gute Offerten von D1-Colleges und entschied sich für Michigan. Nach drei Jahren bei den Wolverines hat sich Klein nun für den NFL Draft angemeldet und zeigt beim Combine seine Qualitäten.
In den letzten Monaten bereitete sich Klein auf das "längste Jobinterview seines Lebens" vor: "Ich war in L.A., in einem Trainingscenter, wo ich mit vielen anderen Top-Jungs aus dem College, die jetzt auch hier beim Combine sind, für zwei Monate trainiert habe. Das Training fokussierte sich besonders auf die ganzen Drills, zum Beispiel den 40-Yard-Dash, den Vertical Jump und die anderen Übungen. Und da haben wir quasi zwei Monate lang jeden Tag nur für den Combine trainiert. Das war eine sehr lange, aber auch schöne Zeit."
Nun ist er beim Combine angekommen und wird von morgens bis abends getestet. Egal ob medizinische Untersuchungen, Interviews mit Teams oder Meetings: Klein ist den ganzen Tag verplant: "Du stehst um 5:30 Uhr auf, hast einen Drogentest, isst dein Frühstück und dann fährst du ins Krankenhaus, wo du komplett untersucht wirst, zum Beispiel schauen die sich alle deine Knochen an. Ich saß vorgestern für sieben Stunden im Krankenhaus. Dann musst du zurück, hast Mittagessen und einige Meetings mit der NFLPA. Abends hast du dann für vier, fünf Stunden weitere Meetings, bis ich dann um halb zwölf nachts nach Hause gegangen bin und keine Stimme mehr hatte und schon am ersten Tag mir erst mal Hustensaft kaufen musste."
Obwohl diese Zeit sehr anstrengend für die Athleten ist, genießt Klein trotzdem die Atmosphäre: "Das ist trotzdem eine geile Zeit. Es sind zwar lange Tage, aber die gucken, was du mental draufhast."
Trotz der vielen Meetings, Interviews und Untersuchungen und dem dauerhaften Druck, überall unter Beobachtung zu stehen, fühlt sich der fast zwei Meter große Tight End noch nicht nervös: "Ich bin nicht nervös. Wenn ich beim 40-Yard-Dash an die Linie gehe, wird das Herz wahrscheinlich etwas höherschlagen - aber ich bin hier aus einem Grund und ich wäre hier nicht, wenn ich hier nicht sein sollte." Beim Combine gibt es keinen Raum für Fehler und Klein weiß, dass jeder Schritt genau analysiert wird: "Eine Woche lang beobachtet dich jeder und selbst die Frau, die du am Flughafen triffst, könnte die Tochter eines Head Coachs sein."
Neben dem Deutschen gibt es noch einige weitere Tight Ends, die sich für den NFL Draft angemeldet haben und am Combine teilnehmen werden. Trotz der vielen unterschiedlichen Spieler sieht Klein eine Sache, die ihn von seinen Kontrahenten unterscheidet: "Ich bin deutlich physischer als die anderen Jungs. Ich habe keine Angst, egal wer vor mir steht. Mein Mindset ist immer: Ich bringe dich dahin, wo du nicht sein willst. Ich bin stärker als du, ich bin größer als du und ich bin viel schneller als die Leute denken. Und das werde ich morgen Abend zeigen."
Als Tight End von Michigan folgt Klein zwei bekannten Spielern von seinem College in die NFL. Mit Colsten Loveland (Chicago Bears) und Super-Bowl-Champion A. J. Barner (Seattle Seahawks) spielte Klein bei Michigan zusammen, ehe beide von ihren NFL-Teams gedraftet wurden. Zur Vorbereitung auf den Combine sprach Klein mit seinen ehemaligen Teamkollegen: "Ich habe mit beiden letzte Woche telefoniert und mit Colsten habe ich mich letzte Woche getroffen und habe versucht, so viel Feedback wie möglich zu bekommen, damit ich top vorbereitet bin auf die Meetings und den ganzen Prozess. Und bis jetzt hat das alles geklappt."

Vor dem Start der physischen Übungen hatte Klein bereits einige Interviews mit NFL-Teams. Dabei traf er sich auch mit dem Team des deutschen Star-Receivers Amon-Ra St. Brown: "Wir haben viel über den Amon-Ra und über das Spiel in Deutschland geredet. Da freuen die sich richtig drauf." Auch wenn kein Spieler die Gewissheit hat, welche Teams sich für ihn interessieren, kann sich Klein einige Teams eher vorstellen, da die Interviews mit den Scouts und Coaches gut liefen: "Ich habe positive Gefühle bei den Eagles, den Bengals, den Lions, den Texans und den Cardinals."
Ob es am Ende eines dieser Teams wird, ist dem 23-Jährigen aber nicht so wichtig. Ihm geht es besonders darum, bei seinem NFL-Team die perfekten Voraussetzungen für seine eigene Entwicklung zu finden: "Ich will einfach zu der perfekten Organisation gehen. Zum Beispiel zu den Chiefs oder zu einem Team, das eine Legende auf der Position des Tight Ends haben, von dem ich in meinen ersten paar Jahren lernen kann. Und es gibt so viele Teams in der NFL, bei denen ich sehr viel Spaß hätte zu spielen."
Trotzdem hat Klein keinen Einfluss darauf, bei welchem Team er am Ende landet: "Im Endeffekt ist das jetzt nicht mehr in meiner Hand. Ich kann machen, was ich will. Die haben die Picks, die haben den Draft und die können anrufen, wenn sie mich wollen."
Am Freitagabend wird Klein beim NFL Combine in den physischen Übungen antreten und versuchen auch mit seiner körperlichen Leistung die Scouts der NFL-Teams von sich zu überzeugen. Beim NFL Draft Ende April wird sich dann zeigen, wie Kleins Weg in der NFL weitergeht.
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nhu