08.10.2026
100-jähriger Rekord gebrochen
Die Minnesota Vikings stehen nach vier Spieltagen ungeschlagen da, obwohl ihre Offensive bislang große Probleme hat. Während die Offense kaum für Punkte sorgt, hält die starke Defense um Brian Flores das Team Woche für Woche im Spiel.

Jeder, der die Minnesota Vikings in den vergangenen Wochen gesehen hat, dürfte sich fragen, wie dieses Team eigentlich bei 4-0 stehen kann. Die Offensive wirkt über weite Strecken harmlos, trotzdem findet Minnesota immer wieder einen Weg, Spiele zu gewinnen. Dahinter steckt eine ungewöhnliche Mischung aus einer überragenden Defense, starken Special Teams und einem Team, das auch ohne große offensive Ausbeute bislang ungeschlagen bleibt.
Eigentlich spricht vieles dafür, dass eine solche Offensive irgendwann zum Problem werden muss. Bei den Vikings ist davon bislang allerdings nichts zu sehen. Stattdessen übernimmt die Defense immer wieder das Kommando und sorgt dafür, dass selbst schwache Auftritte auf der anderen Seite des Balles am Ende für einen Sieg reichen.
Der größte Grund für Minnesotas perfekten Start ist die Verteidigung. Die Vikings erlauben gerade einmal 12,8 Punkte pro Spiel und haben nach vier Wochen mit 51 zugelassenen Punkten die beste Defense der NFL nach Punkten. Auch beim EPA pro Play steht Minnesota an der Spitze. Die Unit kommt auf -0,18 EPA pro Play.
Besonders auffällig ist die Aggressivität von Defensive Coordinator Brian Flores. Schon nach drei Wochen führten die Vikings die NFL mit 14 Sacks und einer Pressure Rate von 46,7 Prozent an. Gegen Miami kamen anschließend zwei weitere Sacks hinzu. Damit steht Minnesota nun bei 16 Quarterback-Sacks.
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Flores schafft es dabei nicht nur, Druck zu erzeugen, sondern die gegnerischen Offenses komplett aus ihrem Rhythmus zu bringen. Gegen die Dolphins ließ Minnesota lediglich 198 Yards und acht First Downs zu. Miami kam zudem nur auf 6 Punkte durch die Offense. Während die Vikings den Gegner immer wieder zu langen Third Downs zwangen.
Für Flores ist das längst kein kurzfristiger Ausreißer mehr. Er hat die Vikings-Defense bereits in den vergangenen Jahren zu einer der aggressivsten Einheiten der Liga gemacht. Im nächsten Coaching-Zyklus dürfte sein Name deshalb wieder ganz oben auf den Listen stehen. Schon 2026 führte sein Weg zu Head-Coaching-Interviews bei den Ravens und Steelers, bevor er in Minnesota verlängerte.
Auf der anderen Seite des Balles könnte der Kontrast kaum größer sein. Die Vikings kommen offensiv auf eine Success Rate von gerade einmal 40,2 Prozent. Nur die Miami Dolphins schneiden in dieser Kategorie schlechter ab.
Auch beim EPA pro Play gehört Minnesota zu den schwächsten Teams der Liga. Die Vikings stehen akutell bei -0,085 EPA pro Play auf Rang 28. Gleichzeitig liegt die Offense mit 4,3 Yards pro PSpielzug ligaweit ganz hinten. Die zugelassene Sack Rate von 9,9 Prozent bedeutet ebenfalls Platz 31.
Noch extremer wird die Bilanz bei den erfolgreichen Plays. In den vergangenen drei Spielen hat Minnesota offensiv kaum etwas zustande gebracht und trotzdem jedes Spiel gewonnen. Gegen Chicago reichte es zu neun Punkten, gegen Tampa Bay zu 23 und gegen Miami zu 15.
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Wie verrückt der Start der Vikings ist, zeigt vor allem der Blick auf die vergangenen drei Spiele. Minnesota erzielte dort 47 Punkte. Nur sechs davon kamen aus der eigenen Offensive, während Will Reichard alleine 35 Punkte beisteuerte. Weitere sechs Punkte kamen durch einen Return-Touchdown von Myles Price.
Reichard traf in allen drei Partien jedes seiner zwölf Field-Goal-Versuche. Gegen Miami verwandelte er sogar fünf Field Goals und erzielte damit jeden einzelnen Punkt der Vikings. Insgesamt steht der Kicker nach vier Wochen bei zwölf verwandelten Field Goals aus zwölf Versuchen.
Genau deshalb konnten die Vikings zuletzt Spiele gewinnen, in denen die eigene Offense keinen einzigen Touchdown erzielte. Das klingt eigentlich nach einem sicheren Rezept für eine Niederlage. Minnesota macht daraus stattdessen eine Erfolgsformel.
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Wie ungewöhnlich die Situation ist, zeigt auch der Blick in die NFL-Historie. Mit dem 15:10 gegen Miami wurden die Vikings erst zum dritten Team überhaupt, das eine Saison mit 4-0 beginnt, obwohl es in zwei der ersten vier Spiele keinen Touchdown erzielt hat. Zuvor war das nur den Chicago Cardinals 1922 und 1923 gelungen. Damit ist Minnesota das erste Team seit mehr als 100 Jahren, dem dieses Kunststück gelingt.
Darüber hinaus hat Minnesota nach vier Spielen erst sieben Touchdowns erzielt. Seit den Carolina Panthers von 2003 hat kein 4-0-Team nach den ersten vier Wochen so wenige Touchdowns auf dem Konto gehabt.
Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, wie Minnesota 4-0 stehen kann. Das lässt sich ziemlich einfach beantworten. Spannender wird, ob eine solche Formel auch dann noch funktioniert, wenn die Gegner im weiteren Saisonverlauf deutlich stärker werden. Denn bislang gilt bei den Vikings: Die Defense gewinnt die Spiele, die Offense versucht lediglich, sie nicht zu verlieren.
par