07.10.2026
Elite oder doch nur Schein?
Drei NFL-Franchises haben den perfekten Saisonstart erwischt. Doch wie gut sind diese Teams wirklich - und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie noch länger ungeschlagen bleiben können?

Wenn ein NFL-Team ungeschlagen ist, strahlt die Bilanz natürlicherweise Dominanz aus. Nach vier Wochen ist ein "Perfect Record" normalerweise auch kein reiner Zufall mehr, sondern zeugt von spielerischer Qualität und Leistung des Franchises.
Doch nicht jedes ungeschlagene Team ist automatisch ein echter Titelkandidat. Wie belastbar sind die starken Starts wirklich und wer kann seine Serie am längsten fortsetzen?
Die Kansas City Chiefs haben zurück zu alter Stärke gefunden. Nachdem die vergangene Saison sehr enttäuschend für Spieler, Verantwortliche und Fans verlaufen ist, stehen die Chiefs nun wieder an der Spitze der AFC West und haben durch den Sieg in Week 4 gegen die bis dahin ebenfalls ungeschlagenen Las Vegas Raiders ihre Vormachtstellung zementiert.
Patrick Mahomes spielt trotz seiner langen Rehaphase nach seinem Kreuzbandriss zum Ende der letzten Saison auf absolutem Top-Niveau und führt die Chiefs-Offense wie in seinen besten Zeiten an. Nach vier Spielen kommt der Quarterback auf 1037 Yards, neun Touchdowns und nur zwei Interceptions. Auch sein kongenialer Partner Travis Kelce blüht in seiner vielleicht letzten Saison noch einmal richtig auf - 246 Yards und zwei Touchdowns konnte der Tight End bereits erzielen.
Das neue Laufspiel durch Super Bowl MVP Kenneth Walker III gibt den meisten Defensivreihen dann den Rest. Mit 537 Rushing Yards stellte Walker einen neuen Chiefs-Rekord für die ersten vier Saisonspiele auf. Insgesamt kommt er bereits auf 621 Scrimmage-Yards und sechs Touchdowns. Auch die Defense spielt im oberen Mittelfeld der NFL mit - und das trotz des Verlusts ihrer beiden Star-Cornerbacks in der Offseason.
Kansas Citys Erfolg war kein Zufall und das Team setzte sich neben den Raiders auch gegen einen weiteren Divisionsrivalen, den Denver Broncos, zum Saisonauftakt durch. Die beiden anderen Siege feierte die Mannschaft beim knappen Overtime-Erfolg gegen die Indianapolis Colts und gegen die Miami Dolphins.
Es ist dabei jedoch sicher, dass die Chiefs mindestens eine weitere Woche ungeschlagen bleiben - das Team hat in Week 5 nämlich die früheste Bye Week der NFL. In Week 6 treffen die Chiefs auf die strauchelnden Chargers, bevor mit den Seattle Seahawks und dem Rückspiel gegen die Denver Broncos zwei große Herausforderungen auf Mahomes und Co. warten. Sollte das Team dann immer noch ungeschlagen sein, müssen sich die kommenden Gegner extrem warm anziehen.
Die Minnesota Vikings stehen bei einem skurrilen, aber nicht unverdienten 4-0. Das Team in Lila hat früh im ersten Spiel auf Quarterback Kyler Murray verzichten müssen. Carson Wentz ersetzte ihn und führte das Team von Kevin O'Connell zu zwei wichtigen Siegen gegen die Green Bay Packers und die Chicago Bears. Während Week 1 noch von der Offense geprägt war, entwickelte sich gegen die Bears eine zähe Partie, die von beiden Defensivreihen dominiert wurde.

Am Ende hatten die Vikings die bessere Defense und erhöhten auf 2-0. In Woche 3 übernahm Murray wieder das Steuer, doch die Stärke des Teams blieb bislang die Defense. In zwei Spielen konnte Murray mit seiner Offense nur 38 Punkte erzielen - die Defense ließ aber auch nur 26 Punkte zu.
Insgesamt mussten die Vikings über alle vier Spiele nur 51 Zähler des Gegners hinnehmen - absolute Spitze der NFL. Auch bei den zugelassenen Yards überzeugt die Verteidigung komplett und ließ mit 1157 Yards die fünftwenigsten der Liga zu.
Die Vikings haben mit den Packers und den Bears gleich zwei Divisions-Rivalen zu Beginn der Saison geschlagen und damit sofort ein Zeichen in der NFC North gesetzt. Allerdings sind weder die beiden NFC-North-Teams noch die Tampa Bay Buccaneers und die Miami Dolphins, gegen die die Vikings ebenfalls gewannen, in einer wirklich guten Form.
Spannend wird also zu sehen sein, wie es aussieht, sobald man auf ein absolutes Top-Team trifft. Doch erst einmal haben die Vikings nicht viel zu befürchten. In Week 5 müssen sie bei den schwächelnden New Orleans Saints ran, bevor sie nach der Bye Week die Indianapolis Colts zu Hause empfangen.
Beide Teams stehen nicht unbedingt für extrem erfolgreichen oder offensivstarken Football. Doch danach folgen Duelle gegen zwei der offensiven Schwergewichte der NFL. Zuerst müssen die Vikings in Detroit gegen die Lions ran. Danach kommen die Buffalo Bills nach Minnesota, eines der besten Teams der Liga. Ob die reine Defensivpower der Vikings für solch schlagkräftige Gegner reicht, bleibt abzuwarten.
Die San Francisco 49ers sind eines der heißesten Teams der NFL, was sich auch in ihrem Record widerspiegelt. Mit vier Siegen und null Niederlagen haben die 49ers die Spitzenposition in der starken NFC West übernommen und das trotz des Mega-Duells direkt zum Saisonauftakt. In Week 1 mussten die 49ers nach Australien fliegen und dort gegen die hochgepriesenen Los Angeles Rams spielen.

Doch San Francisco schockte alle und dominierte die Rams nach Belieben. Darauf ging es für das Team aus der Bay Area gegen die schwächeren Miami Dolphins. Nach einem ungefährdeten Sieg zeigte die Offense in Week 3 erneut ihr volles Potenzial - die Defense hingegen tat sich gegen aufmüpfige Arizona Cardinals schwer, wodurch das Spiel bis zum Ende spannend blieb.
Nach dem knappen Sieg trafen die 49ers im dritten Heimspiel in Folge auf die Denver Broncos. Nach einer schwierigen ersten Hälfte platzte in Halbzeit zwei der Knoten und die 49ers gewannen verdient mit 24:14.
Die 49ers lieferten bislang eine der komplettesten Offensivleistungen der Saison ab. 122 Punkte entsprechen einem Schnitt von 30,5 Zählern pro Spiel. Brock Purdy spielte dabei bislang auf herausragendem Niveau. Nach vier Spielen kommt der Quarterback auf 69,9 Prozent angekommene Pässe, 1007 Passing Yards, elf Touchdowns und lediglich eine Interception.
Besonders bemerkenswert: Trotz Ausfällen auf einigen Skill-Positionen punktete San Francisco konstant. Die Kombination aus Purdy, Kyle Shanahans kreativem Offensivsystem und einer weiterhin gefährlichen Laufkomponente macht San Francisco für gegnerische Defenses nur schwer berechenbar.
Nun steht jedoch ein weiteres Topspiel an, das die Siegesserie womöglich zerschlagen könnte. In Week 5 müssen die 49ers nämlich zum ersten Mal (in den USA) auswärts ran und spielen ausgerechnet im Lumen Field in Seattle gegen die Seahawks. Nicht nur sind diese ebenfalls gut in die Saison gestartet und sind als Divisions-Rivale besonders gefährlich - das Heimstadion des Teams ist auch noch für seine extreme Lautstärke bekannt, die gegnerische Offenses zum Verzweifeln bringen kann.
Die beiden darauffolgenden Spiele dürften die 49ers dann wieder etwas eher liegen. Nach dem Heimspiel gegen die Washington Commanders sind die 49ers auswärts in Atlanta bei den Falcons dran, bevor sie in Woche 8 ihre Bye Week genießen können - vielleicht immer noch ungeschlagen.
nhu