23.10.2026
Texas vs. Ole Miss
Eigentlich sollte diese Woche für Arch Manning ein nostalgischer Ausflug in die Familiengeschichte werden. Großvater Archie Manning war Hall-of-Fame-Quarterback bei Ole Miss, ebenso Onkel Eli, der mit den Rebels 43 Spiele bestritt und den Maxwell Award gewann. Stattdessen steht das Duell zwischen Texas und Ole Miss am Samstag ganz im Zeichen einer Quarterback-Krise - und eines möglichen Startersturzes.

Texas (4:2, 1:2 SEC) stürzte nach Niederlagen gegen die zuvor unranked Teams Oklahoma und Florida von Rang eins ab - die ersten beiden Niederlagen in Serie seit 2021. Eine dritte Pleite würde die Playoff-Chancen der Longhorns wohl endgültig zunichtemachen.
Head Coach Steve Sarkisian hält zwar weiter an Manning fest, räumte aber unmissverständlich ein: "Ich muss eine bessere Version von Arch sehen." Manning selbst verspricht Besserung: "Ich werde auf diesem Hügel sterben, einfach loszulassen", sagte er mit Blick auf sein zuletzt zu zögerliches Spiel in der Pocket.
Sollte Manning in Week 8 gegen Ole Miss erneut straucheln, könnte Sarkisian im Spielverlauf tatsächlich reagieren: Backup KJ Lacey wartet bereit, kam in dieser Saison aber bislang nur in zwei Garbage-Time-Einsätzen zum Zug.
Ole-Miss-Head-Coach Pete Golding zeigte sich dagegen wenig beeindruckt von der Kritik an Manning und Sarkisians Playcalling. Er erinnerte an den Sieg gegen das damals auf Rang eins geführte Ohio State Anfang September: "Irgendwie ist in Vergessenheit geraten, dass sie das Nummer-eins-Team des Landes geschlagen haben und selbst die Nummer eins des Landes waren. Arch ist immer noch ein Elite-Spieler. Sie haben elite Skill-Positionen und einen wirklich guten Coach."
Besonders schwer wiegt für Texas der mögliche Ausfall von Star-Pass-Rusher Colin Simmons, der mit 10,5 Sacks die gesamte FBS anführt und als dominanter Spielzerstörer gilt. Der All-American laboriert an einer schweren Knöchelverstauchung und gilt als fraglich - zusätzlich fällt mit Richard Wesley auch sein wichtigster Backup verletzungsbedingt aus. Gegen eine Ole-Miss-Offense mit dem Dreifach-Bedrohung aus Chambliss, Running Back Kewan Lacy und Receiver Deuce Alexander dürfte diese Lücke besonders schmerzhaft werden.
Trinidad Chambliss und Ole Miss (5:1, 3:1) haben sich derweil von der überraschend deutlichen Niederlage gegen Florida erholt und wirken wieder in Bestform - mit dominanten Siegen gegen Vanderbilt und Missouri im Rücken. Chambliss kommt in dieser Saison auf 142 von 210 Pässen (68 Prozent) für 1676 Yards, 14 Touchdowns und vier Interceptions, dazu 127 Rushing-Yards und sechs weitere Touchdowns am Boden.
Manning liegt mit 106 von 166 Pässen (64 Prozent) für 1295 Yards, elf Touchdowns und fünf Interceptions sowie 108 Rushing-Yards ohne Touchdown-Erfolg statistisch spürbar dahinter - auch bedingt durch die Texas-Offensive-Line, die bereits 17 Sacks zuließ, drittmeiste der gesamten SEC.
Auch Ole Miss’ Defense, national nur auf Rang 108 bei Total Defense platziert, hat sich zuletzt deutlich gefangen: Nur drei zugelassene Punkte gegen Missouri, zehn gegen Vanderbilt bei eingesetzter Stammformation. Allerdings bringt auch die Rebels-Defense mit nur elf Sacks (Rang 14 der SEC) bislang wenig Druck - ein Faktor, der Manning bei ausreichend Zeit durchaus in die Karten spielen könnte.
Im Heisman-Rennen hat sich das Bild deutlich verschoben: Während Chambliss aktuell auf Rang drei der Buchmacher-Quoten steht, ist Manning nach den zwei Niederlagen aktuell praktisch aus dem Rennen. Spannend bleibt auch der Blick auf den NFL Draft 2027, wo beide Quarterbacks als mögliche Nummer-eins-Optionen gehandelt werden - mit dem Unterschied, dass Manning anders als Chambliss die Möglichkeit hätte, eine weitere College-Saison anzuhängen.
Auch abseits der Quarterbacks dürfte die Partie von Details entschieden werden. Texas tat sich zuletzt enorm schwer im dritten Viertel - in den vergangenen fünf Spielen gelang dort kein einziger Touchdown, lediglich zwei Field Goals, zuletzt gegen Florida nur sechs Spielzüge und acht Yards Raumgewinn. Gefährlich könnte für die Rebels zudem Texas-Punt-Returner Ryan Niblett werden, der gegen Florida bereits einen 62-Yard-Touchdown erzielte und damit den Schulrekord von drei Career-Punt-Return-Touchdowns egalisierte.
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Autor: Marc Gschwentner