18.01.2026
Mit Backup-QB Richtung Super Bowl
Der Jubel in Denver war kaum verklungen, da kippte die Stimmung. Nach dem dramatischen Overtime-Sieg gegen die Buffalo Bills folgte die bittere Gewissheit: Die Broncos verlieren ihren Starting-Quarterback. Ausgerechnet vor dem AFC Championship Game steht plötzlich ein Backup im Zentrum der größten Bühne.

Der 33:30-Erfolg nach Verlängerung gegen die Buffalo Bills hat den Denver Broncos das Ticket ins AFC Championship Game gesichert - doch der Preis ist hoch. Starting-Quarterback Bo Nix hat sich in einem der letzten Spielzüge der Overtime schwer verletzt. Die Diagnose: Bruch des rechten Knöchels, Saisonende. Denver muss den wichtigsten Schritt Richtung Super Bowl ohne seinen Hoffnungsträger gehen. Die Frage lautet nun nicht mehr, ob ein Backup übernimmt - sondern wer dieser Backup eigentlich ist und ob die Broncos mit ihm überhaupt Chancen haben.
Head Coach Sean Payton bestätigte kurz nach dem Spiel die Schwere der Verletzung. Nix werde sich einer Operation unterziehen und in diesen Playoffs nicht mehr zur Verfügung stehen. "Das ist hart - für ihn und für uns alle", sagte Payton. Der Eingriff wird von Dr. Norman Waldrop durchgeführt, der in dieser Saison bereits Joe Burrow operiert hatte. Für Denver bleibt keine Zeit zur Trauer: Der Fokus richtet sich sofort auf das AFC-Endspiel.
Payton ließ keinen Zweifel daran, wer den Broncos nun vorangehen soll. Jarrett Stidham wird als Starting-Quarterback in das AFC Championship Game gehen. "Er ist bereit - und wir werden es auch sein", erklärte Payton. Der Coach ging noch weiter und machte klar, dass er großes Vertrauen in seinen Backup hat: Er sehe in Stidham einen Quarterback, der bei mehreren Teams starten könnte. "Watch out", so Payton.
Die Situation ist außergewöhnlich - historisch sogar. Stidham wäre der erste Quarterback seit Beginn der offiziellen Erfassung von QB-Starts im Jahr 1950, der ein Conference Championship Game startet, ohne in der Regular Season auch nur einen Pass geworfen zu haben. In der laufenden Saison kam er lediglich auf vier Snaps, darunter ein Kneel-down beim 44:24-Sieg gegen die Dallas Cowboys in Week 8.
Stidhams letzte nennenswerte NFL-Aktion datiert aus der Saison 2023. Damals startete er die letzten beiden Spiele für die Broncos, nachdem Payton Russell Wilson auf die Bank gesetzt hatte. In diesen Partien warf Stidham zwei Touchdowns bei einer Interception, darunter ein 16:9-Sieg gegen die Los Angeles Chargers in Week 17. In der Saison 2024 sowie in der laufenden Spielzeit hat er bislang keinen Pass geworfen.
Stidham wurde 2019 in der vierten Runde von den New England Patriots gedraftet, verbrachte dort zwei Jahre, spielte anschließend eine Saison bei den Las Vegas Raiders und ist seit 2023 in Denver. In seiner NFL-Karriere kommt er laut PFF auf eine Completion Percentage von 59,4 Prozent bei acht Touchdown-Pässen und acht Interceptions. Kein Profil eines klassischen Difference Makers.

Als Backup hinter Stidham fungiert Sam Ehlinger, der den Großteil der Saison im Practice Squad verbrachte und erst in der vergangenen Woche in den aktiven Kader berufen wurde. Auch hier gilt: Erfahrung im System schlägt kurzfristige Experimente.
Die Broncos stehen vor einem der ungewöhnlichsten AFC Championship Games der jüngeren Geschichte. Ohne Bo Nix, aber mit einem Quarterback, der in dieser Saison noch keinen Pass geworfen hat, dafür jedoch das volle Vertrauen seines Head Coaches genießt. Für Denver wird es weniger um spektakuläre Plays gehen als um Kontrolle und Disziplin. Auch wenn Bo Nix bei vielen Experten in der Kritik stand und nicht so gut spielte, wie es der Record eines First Seeds der AFC vermuten lassen würde, hat er das Team doch auf der wichtigsten Position angeführt und gerade dann geliefert, wenn es darauf ankam - im vierten Quarter, in dem er dem Team zahlreiche Siege ermöglichte.
Stidham hat das große Glück, eine Defense im Rücken zu haben, die Spiele übernehmen kann. Das gelingt jedoch nur, wenn er selbst auf den Ball aufpasst, Paytons Offense sauber ausführt und seinen Offensivspielern die Chance gibt, Plays zu machen. Besonders ankommen wird es nun auf die Offensive Line, das Laufspiel sowie auf den Playcaller und Head Coach Sean Payton. Payton hatte in seiner Karriere mit diversen Quarterbacks Erfolg und versteht es, ihnen ein System zu bauen, das das Spiel möglichst einfach macht.
Doch die Realität in einem AFC Championship Game ist eine, die nicht viel Hoffnung verspricht. Das gegnerische Team ist nicht irgendeines, sondern eines der besten der NFL. Ob es reicht, auf der wichtigsten Position mit einem Backup ins Spiel zu gehen, bleibt abzuwarten.

Unmöglich ist es jedoch nicht: Es gab bereits einen Backup, der für den Starter einsprang und am Ende nicht nur sein Team in den Super Bowl, sondern auch zur Vince Lombardi Trophy führte - Nick Foles, der mit den Eagles in der Saison 2017 die Patriots und Tom Brady schlug. Zwei überragende Performances lieferte er damals erst im Championship Game gegen die Vikings und anschließend im Super Bowl gegen die Patriots. Ähnliches werden die Broncos jetzt brauchen.
Ob Stidham tatsächlich in die Rolle von Foles schlüpfen und Geschichte schreiben kann, bleibt offen. Doch die NFL hat gezeigt: Auch als Backup sind Überraschungen möglich - selbst gegen die größten Namen der Liga.
val