14.02.2026
Kein Zwei-Wege-Experiment mehr?
Travis Hunter galt als eines der spannendsten Experimente der NFL. Receiver und Cornerback in einem. Offense und Defense. Doch nach seiner Rookie-Saison zeichnet sich bei den Jacksonville Jaguars eine klare Tendenz ab. 2026 soll sich seine Rolle deutlich verschieben.

In seiner ersten NFL-Saison stand Hunter laut PFF 323 Snaps in der Offense und 162 in der Defense auf dem Feld, also fast doppelt so häufig als Receiver wie als Cornerback. Dann stoppte ihn eine schwere Knieverletzung. Nun planen die Jaguars offenbar einen Richtungswechsel. Laut NFL Network soll Hunter künftig als Starting-Cornerback eingeplant werden und defensiv Vollzeit spielen. In der Offense soll er nur noch situativ eingesetzt werden.
Der neue Ansatz passt zu dem, was General Manager James Gladstone bereits vor einem Monat andeutete. Die aktuelle Kaderstruktur spreche eher für einen größeren Bedarf auf Cornerback als auf Wide Receiver. Hunter solle zwar weiterhin auf beiden Seiten des Balls eingesetzt werden, der Schwerpunkt verschiebe sich jedoch klar.
Der Hintergrund ist offensichtlich. Nach dem Trade für Jakobi Meyers sind die Jaguars im Receiver Room gut aufgestellt. Auf Cornerback hingegen besteht deutlicher Handlungsbedarf. Hunter könnte dort sofort eine zentrale Rolle übernehmen.
Sportlich blieb Hunters erstes Jahr insgesamt überschaubar und blieb hinter den Erwartungen an einen Second Overall Pick zurück. Offensiv kam er auf 28 Receptions für 298 Yards und einen Touchdown. Defensiv verzeichnete er 14 Tackles, zwei abgewehrte Pässe und keine Interception. Der erhoffte Impact als Zwei-Wege-Spieler, der auf beiden Seiten dominant agiert, blieb aus. Nicht einmal auf einer Seite des Balls konnte er die Erwartungen vollständig erfüllen, geschweige denn gleichzeitig auf beiden.
Dennoch gab es ein klares Highlight. In seinem letzten Spiel vor der Verletzung gegen die Los Angeles Rams zeigte Hunter das bislang beste Spiel seiner jungen Karriere. Er erzielte nicht nur seinen ersten Receiving-Touchdown, sondern auch sein erstes 100-Yard-Spiel. Ein Auftritt, der andeutete, welches Potenzial in ihm steckt.
Die Entscheidung, Hunter primär als Cornerback einzuplanen, ist mehr als nur eine Positionsfrage. Sie ist ein strategischer Schritt. Zwei-Wege-Spieler sind in der modernen NFL eine absolute Ausnahme. Die körperliche Belastung, die taktische Vorbereitung und die Spezialisierung auf höchstem Niveau machen solche Rollen extrem anspruchsvoll.
Die Jaguars scheinen nun klar priorisieren zu wollen. Hunter soll defensiv Konstanz bringen und situativ als Receiver für Matchup-Probleme sorgen. Kein permanentes Doppel-Pensum mehr, sondern gezielter Einsatz. Dieser Weg ergibt auch taktisch Sinn, da Hunter nur ein limitiertes Offensivpaket lernen müsste, wenn er ausschließlich in bestimmten Situationen eingesetzt wird, und sich ansonsten voll auf seine defensive Aufgabe konzentrieren kann.
Travis Hunter bleibt eines der faszinierendsten Talente der NFL. Doch die Jaguars setzen künftig auf Klarheit statt Experiment. Vollzeit-Cornerback mit Offensivpaketen könnte der Weg sein, um sein Potenzial effizienter zu nutzen.
Nach einer Rookie-Saison ohne großen Impact steht Hunter damit vor einem entscheidenden zweiten Jahr. Die Rolle ist klarer. Die Erwartungen ebenfalls. Nun muss er zeigen, dass er als Starting-Corner den Unterschied machen kann.
>> Offseason-Alarm in der NFL: Das sind die größten Needs aller 32 Teams
>> Eine neue Quarterback-Ära? Waren die Patriots nur Blender? Die Lektionen aus Super Bowl 60
>> Alle neuen Coaches und Verantwortlichen: Trainer-Karussell im Liveticker
>> NFL Draft Order 2026: Die offizielle Reihenfolge im Überblick
>> Schlagzeilen aus der NFL
val