24.08.2025
Bravos ohne Chance
Stuttgart Surge steht im Playoff-Halbfinale der ELF. Dass die Schwaben dabei einen so deutlichen Sieg feiern, überrascht auf den ersten Blick. Head Coach Jordan Neumann hingegen offenbart, dass er einen solchen Verlauf durchaus erwartet hat.

Der Endstand von 41:17 für Stuttgart Surge gegen die Madrid Bravos war schon deutlich, das Spiel aber eigentlich ab kurz vor der Pause noch einseitiger, als der Endstand es ausdrückt. Wer allgemein ein enges Spiel erwartet hatte, war sicherlich vom Spielverlauf überrascht.
Jordan Neuman, der nach dem Sieg an seinem 42. Geburtstag von der Mannschaft auch noch einen unterschriebenen Gameball bekommen hatte, war es nicht unbedingt. "Ich hatte so ein Gefühl, dass es eine Chance gibt, dass es so aussehen kann, aber ich war mir auf jeden Fall nicht sicher", sagte er auf der Pressekonferenz. "Ich hatte einfach das Gefühl, dass die Bravos noch nicht so eine Defense wie unsere gesehen hatten. Ich dachte, die werden gegen uns nicht so explosiv. Wir haben das gut kontrolliert und ich war sicher, dass wir Touchdowns machen werden."
Vor allem die Defense hatte gegen die bisher so überzeugende Bravos-Offense dominiert. "Die waren on fire mit einem sehr guten Plan von Coach Pastorino und Coach Brenner. Die Spieler haben das durchgesetzt und waren sehr heiß auf das Spiel", lobte Neumann. "Wir haben das gestern besprochen und heute noch einmal vor dem Spiel: Es ist egal, wie gut die Spieler sind oder die Taktik. Wenn unsere Defensive Line dominiert, dann bricht das alles und nichts funktioniert! Und das hat unsere Defensive Line geschafft."
Den Anfang hatte dabei Defensive Tackle Alexander Kreß mit zwei Sacks gegen Quarterback Reid Sinnett im ersten Drive gemacht, was ihn natürlich freute: "Ja, am Anfang auf jeden Fall zwei wichtige Aktionen. Und dann ist es solide geworden - top!"
Sein Teamkollege Reilly Hennessey war aber ebenso wenig vom Spielverlauf überrascht wie sein Coach. „Ich habe das so erwartet. Ich hatte von unserer Defense erwartet, dass sie ihnen viel Trouble bereiten würde", erklärte er gegenüber football-world.
Dabei lobte der Quarterback aber auch den Gegner. "Sie hatten aber auch eine gute Defense. Sie haben uns das Leben schwer gemacht, indem sie Man-Coverage gespielt haben und wir uns anpassen mussten", schilderte er.
Deswegen bilanzierte er: "Wenn man so eine gute Offense wie wir hat, ist es am besten, uns vom Feld zu halten, und das haben sie in der ersten Hälfte geschafft. Wir hatten nur ungefähr 20 Plays, was verrückt ist. Ich ziehe den Hut vor ihnen - offensiv und defensiv, aber am Ende der Hälfte klappte es bei uns dann besser und das Momentum hat gewechselt."
Dass es bei einer Niederlage vermutlich sein letztes Footballspiel überhaupt gewesen wäre, hatte ihn dabei nicht groß beeinflusst. "Manchmal schießt dir das durch den Kopf. Aber um ehrlich zu sein hatte ich diese Gedanken schon einige Jahre und kann das einfach ausschalten", berichtete er. "Wenn es so ist, ist es so. Ich habe meinen Frieden mit Football geschlossen und damit, was ich erreicht habe.“
Nächste Woche geht es jetzt für Surge zu den Munich Ravens, gegen die man in dieser Saison einen Sieg und eine Niederlage zu verzeichnen hat, wobei jeweils das Heimteam gewonnen hat. Jordan Neuman freut sich jedenfalls auf das dritte süddeutsche Duell in diesem Jahr.
"Das passt für uns - dieser Gegner. Wir kennen einander sehr gut, das ist eine Rivalität. Es ist auch sehr gut, weil wir letztes Mal verloren haben und jetzt noch eine Chance gegen sie bekommen", erläuterte der Trainer. "Außerdem müssen wir da nur zwei oder drei Stunden fahren anstatt neun nach Kopenhagen. Das ist für uns wichtig, weil wir keinen Tag mit der Reise verlieren." Zudem birgt das Duell für einige Spieler den Schuss Extra-Motivation. "Es gab die letzten Jahre immer wieder Spieler, die hin und her wechseln. Ich glaube, das bleibt auch so", so Neumann.
Ob das heute ein Statement-Sieg war, wollte das Geburtstagskind nicht direkt beantworten: "Das ist eine Frage für die anderen Mannschaften, ob sie ein Statement gesehen haben oder nicht. Ich weiß nur, dass wir jetzt am Ende der Saison unseren besten Football spielen im Vergleich zum Anfang."
Die anderen noch im Wettbewerb verbliebenen Mannschaften werden das durchaus wahrgenommen haben.
Carsten Keller