17.05.2026
Kooperation mit Netflix & Co.
Die NFL weist die wachsende Kritik an ihrer zunehmenden Verlagerung von Spielen auf Streamingplattformen entschieden zurück. Trotz Beanstandungen von US-Präsident Donald Trump und einer Prüfung durch das US-Justizministerium sieht die Liga keinen Anlass, ihre Strategie zu ändern.

Bei einer Gesprächsrunde zur Veröffentlichung des neuen Spielplans verteidigte Hans Schroeder, Executive Vice President für Medienrechte der NFL, am Freitag die aktuelle Ausrichtung der Liga. "Wir lieben unser Modell", sagte Schroeder. "Wir glauben, dass wir das fanfreundlichste Vertriebsmodell im gesamten Sport- und Unterhaltungsbereich haben."
Nach Angaben der Liga werden weiterhin 87 Prozent aller NFL-Spiele über klassische Free-TV-Sender wie CBS, NBC, FOX und ABC ausgestrahlt. Gleichzeitig setzt die NFL jedoch zunehmend auf Streaminganbieter wie Netflix und Amazon Prime Video.
Für Schroeder ist das eine notwendige Anpassung an veränderte Sehgewohnheiten. "Wir glauben, dass die klassischen Fernsehsender ein großartiges Zuhause für uns waren", erklärte er. "Aber wir wissen auch, dass Fans ihre Zeit zunehmend auf anderen Plattformen verbringen."
Die NFL wolle deshalb sowohl im klassischen Fernsehen präsent bleiben als auch dort auftreten, wo sich die Zuschauer inzwischen zusätzlich aufhalten. "Wenn wir zu Netflix gehen, dann gehen wir auf eine Plattform, die bereits enorm verbreitet ist und auf der sich schon jetzt viele NFL-Fans befinden", sagte Schroeder weiter.
US-Präsident Donald Trump hatte die Streaming-Offensive der NFL Anfang der Woche öffentlich kritisiert. In der Nachrichtensendung "Full Measure" erklärte Trump mit Blick auf kostenpflichtige Streamingdienste: "Da gibt es Menschen, die Football lieben. Das sind großartige Leute. Aber sie verdienen nicht genug Geld, um dafür zusätzlich zu bezahlen. Das ist hart."
Auf die Frage, ob die Regierung eingreifen werde, antwortete Trump:
"Ich weiß es nicht, aber mir gefällt das nicht."
Die Kritik trifft die Liga in einem sensiblen Moment. Medienberichten zufolge prüft das US-Justizministerium derzeit die Vergabepraxis der NFL-TV-Rechte auf mögliche wettbewerbswidrige Strukturen. Im Fokus steht dabei der Sports Broadcasting Act von 1961, der der NFL bestimmte kartellrechtliche Sonderrechte bei der Vermarktung ihrer Medienpakete einräumt.
Mit der wachsenden Zahl exklusiver Streaming-Spiele steigen für viele Fans auch die Kosten, um sämtliche NFL-Partien verfolgen zu können. Diese Entwicklung sorgt nicht nur bei Verbrauchern für Kritik, sondern zunehmend auch bei traditionellen Medienunternehmen.
Die National Association of Broadcasters forderte das Justizministerium bereits auf, die Medienverträge der NFL genauer zu untersuchen. Zudem soll FOX-Ehrenvorsitzender Rupert Murdoch das Thema laut "Wall Street Journal" persönlich bei Trump angesprochen haben.
Die NFL weist die Vorwürfe jedoch entschieden zurück. Jeff Miller, Executive Vice President für Kommunikation und öffentliche Angelegenheiten der Liga, betonte erneut die Bedeutung des klassischen Fernsehens für die NFL.
"Wir bleiben dem Free-TV verpflichtet - in einer Weise, wie es andere Inhalte längst nicht mehr tun", sagte Miller. "Wenn die NAB, FOX oder andere den Sinn dahinter infrage stellen, verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz, woher das kommt."
Die Liga werde weiterhin das tun, "was das Beste für unsere Fans ist", so Miller weiter - und dazu gehöre auch künftig eine starke Präsenz im klassischen Fernsehen.
nkr