vor 16 Stunden
NFL Kolumne von Adrian Franke
Manche Verbesserungen in der Offseason sind subtil und klein - andere laut und offensichtlich: Teams haben auch dieses Jahr im Draft und in der Free Agency viel investiert, um Großbaustellen zu adressieren. Aber welche Mannschaftsteile werden in der kommenden Saison auch auf dem Platz den größten Sprung machen?

In: Dexter Lawrence, Boye Mafe, Jonathan Allen, Cashius Howell
Out: Trey Hendrickson, Joseph Ossai
Durch den Verlust von Trey Hendrickson ist es kein kompletter Homerun, aber gerade im Vergleich zum Vorjahr ist es fair, das mit einem gewissen Handicap zu gewichten. Hendrickson absolvierte letztes Jahr verletzungsbedingt nur sieben Spiele, und selbst in diesen sieben Spielen war er teilweise merklich nicht bei 100 Prozent.
Lediglich 23 Quarterback-Pressures gelangen ihm in insgesamt knapp 300 Snaps (177 Pass-Rush-Snaps) letztes Jahr. Jetzt ist Hendrickson 31 Jahre alt, kommt aus einer verletzungsgeplagten Saison, und ein sonderlich guter Run Defender war er ohnehin noch nie.
Das Hendrickson-Kapitel endete in Cincinnati in erster Linie aus anderen Gründen. Aber es war offensichtlich, dass die Bengals strategisch in dieser Offseason einen Fokus darauf legten, sich gegen den Run zu stabilisieren. Cincinnati beendete die vergangene Saison auf Platz 26 in defensiver Rushing Success Rate sowie Platz 30 in Expected Points Added pro Run.
Boye Mafe ist als Pass-Rusher nicht auf Hendricksons Level, auch wenn er in jeder der letzten drei Saisons jeweils mindestens 40 Quarterback-Pressures hatte. Und er ist ein konstanterer Run Defender. Der große Move, im wahrsten Sinne des Wortes, war hier aber natürlich der Trade für Dexter Lawrence. Der beste Nose Tackle der letzten fünf Jahre, der zwar aus einer für ihn schwachen Saison kommt, in Topform aber die Front signifikant stabiler gegen den Run machen wird. Und der zusätzlich dazu in der Lage ist, 50 Pressures aufzulegen.
Jonathan Allen ist an diesem Punkt seiner Karriere in erster Linie ein Interior Pass-Rusher, aber man muss das Gesamtbild betrachten: Die mit Hendrickson verlorene Pass-Rush-Qualität wird auf mehrere Schultern verteilt, die Run Defense wurde in mehreren Spots individuell deutlich besser, und dann kommt erst noch Cashius Howell ins Spiel. Cincinnatis Zweitrunden-Pick ist ein deutlicher Outlier in puncto Armlänge, aber er bringt ein Level an Explosivität als Pass-Rusher mit, die Cincinnati so zuletzt nicht hatte. Wenn Lawrence wieder zu alter Form findet, könnte das die Unit sein, die 2026 die größte Transformation auf dem Platz zeigt.

In: A.J. Brown, Romeo Doubs
Out: Stefon Diggs
Ähnlich wie die Bengals mit Hendrickson, verlieren auch die Patriots in Person von Stefon Diggs einen namhaften Spieler. Und Diggs war immer noch produktiv: 100 Targets, 85 Catches, über 1.000 Yards und vier Touchdowns hatte der 32-Jährige in der vergangenen Regular Season. Seine 51 First Downs in der Regular Season waren Team-intern der klare erste Platz.
Insofern muss hier auch eine nicht unerhebliche Production erst einmal kompensiert werden. Aber mit Doubs und Brown kommt nicht nur sehr viel Qualität - sowie zwei jüngere Spieler, verglichen mit Diggs - dazu. Es ist auch die Zusammensetzung der gesamten Receiver-Gruppe, die jetzt bei den Patriots sehr viel mehr Sinn ergibt.
Drei der fünf Top-Targets letztes Jahr waren in erster Linie Targets über die Mitte, Underneath, mehr in die Richtung Possession-Waffen. Diggs, Hunter Henry und Demario Douglas bewegten sich alle zwischen 8,2 und 10,5 Yards durchschnittlicher Target-Tiefe und spielten den Großteil ihrer Snaps innen, also im Slot oder In-Line.
Hier sind die Patriots nach wie vor gut aufgestellt. Jetzt aber haben sie ganz andere Möglichkeiten, was andere Bereiche des Feldes angeht. A.J. Brown gibt ihnen einen echten Nummer-1-Receiver, der aber nicht zwangsläufig die X-Receiver-Rolle besetzen muss. Doubs hatte diese Rolle bei den Packers ebenfalls, teilweise auch gezielt, um Matchups und Räume Christian Watson und Tucker Kraft zu öffnen. Das könnte Brown in eine komfortablere und damit produktivere Rolle bringen. Und für die vertikalen Targets sind Kayshon Boutte, der produktivste Patriots-Receiver in dieser Hinsicht letztes Jahr (12 Downfield-Catches, 6 Downfield-Touchdowns inklusive Playoffs), und Kyle Williams mit der Speed-Komponente nach wie vor da.
Die Patriots wurden selbst mit dem Abgang von Diggs deutlich besser mit Blick auf die individuelle Qualität. Aber ähnlich relevant ist hier, dass ihre Receiver-Gruppe durch die Veränderungen dieser Offseason im Zusammenspiel deutlich besser funktionieren sollte.
In: Trent McDuffie, Jaylen Watson
Out: Cobie Durant, Darious Williams, Akhello Witherspoon, Roger McCreary
Vermutlich die Positionsgruppe, über die in dieser Hinsicht bereits am meisten geschrieben wurde. Weil insbesondere der Trade für McDuffie so aggressiv war, aber auch, weil Cornerback die eine offensichtliche Schwachstelle in einem ansonsten sehr kompletten Rams-Team war. Seitdem hat sich das Bild durch den Trade für Myles Garrett nochmal deutlich verändert, aber während die Rams hier mit Jared Verse auch einen sehr guten Spieler im Gegenzug abgegeben haben, war Cornerback bereits letztes Jahr eine spürbare Problemzone.
Das führte dazu, dass Emmanuel Forbes letztlich die meisten Coverage-Snaps aller Rams-Cornerbacks in der Regular Season spielte - und dabei sieben Touchdowns in seine Coverage zuließ. Forbes hatte zwischenzeitlich eine gute Phase, fiel dann aber auch wieder merklich ab. Und Spieler wie Cobie Durant und Darious Williams sind bestenfalls solide.
McDuffie gibt ihnen hier eine Qualität, wie sie Los Angeles seit Jalen Ramsey in der Secondary nicht mehr hatte. Und während die Rams primär Zone Coverage spielen und kaum blitzen, sprich, ihren Cornerbacks helfen können, wird ein Spieler wie McDuffie ihnen hier mehr Möglichkeiten eröffnen. Nicht zuletzt darauf, gegnerische Top-Receiver auch mal in Eins-gegen-Eins-Coverage zu nehmen. Ein Luxus, den Los Angeles letztes Jahr nicht hatte.
Dabei sollte Watson aber nicht untergehen. Der 27-Jährige kommt aus seiner besten Saison bei den Chiefs und ist für sich betrachtet individuell ein besserer Cornerback als alles, was die Rams letztes Jahr auf der Position hatten. Watson ist ein physischer Outside Corner mit starken Qualitäten gegen den Run. Er wird schematisch ideal reinpassen.
In: Caleb Downs, Jalen Thompson
Out: Donovan Wilson
Dallas hatte letztes Jahr ohne Frage eine der schwächsten Safety-Units in der NFL. Die Cowboys ändern jetzt unter dem neuen Defensive Coordinator Christian Parker ihre ganze Defense, Caleb Downs wird hier ein echter Game Changer sein. Im neuen Scheme sollte er nah an und in der Box bestmöglich eingesetzt werden können, sodass Downs nicht nur individuell ein massives Upgrade darstellt, sondern auch strukturell die ganze Defense öffnen sollte.
Und Downs ist nicht das einzige Upgrade auf der Position. Jalen Thompson kommt von den Cardinals, wo er über die letzten Jahre ein sehr verlässlicher Spieler in einer flexiblen Rolle war. Er und Downs sollten flexibel harmonieren und gerade in puncto Coverage bringt Thompson Qualitäten mit, die Cowboys-Fans früh auffallen werden.
Wie groß der Impact der Position ist, darüber kann man streiten. Aber rein was den Sprung von 2025 zu 2026 angeht, ist die Safety-Gruppe der Cowboys auf dem Papier ganz weit oben anzusiedeln.
In: Odafe Oweh, K’Lavon Chaisson, Charles Omenihu, Joshua Josephs
Out: Jacob Martin, Von Miller, Preston Smith
Kein Commanders-Spieler hatte letztes Jahr mehr als 45 Quarterback-Pressures. Einzig Jacob Martin schaffte diese Marke, kein anderer Edge Rusher hatte mehr als 36 Pressures. Es war eine offensichtliche Schwachstelle, für ein Team, das nicht vom Blitzing leben will und dementsprechend ein gewisses individuelles Pass-Rush-Level zwingend benötigt.
Es ist zudem die Unit, in welcher Washington auch alterstechnisch eine Transformation durchführen musste.
Das war ein generelles Thema dieser Commanders-Offseason, nachdem Washington im Vorjahr sehr viele ältere Spieler verpflichtet hatte, um an seinen Playoff-Run anzuknüpfen. Martin, Miller und Smith sind alle über 30 Jahre alt, Miller (37) und Smith (33) bereits deutlich.
Mit Oweh, Chaisson, Omenihu und Rookie Josephs wurde Washington nicht nur deutlich jünger auf der Position. Die Commanders sollten hier explosiver, aber auch robuster gegen den Run sein. Chaisson kommt aus seiner bislang stärksten Saison, Oweh hat nach dem In-Season-Trade zu den Chargers deren Front merklich verbessert.
Zusätzlicher Bonus: Von der verbesserten Qualität außen sollte gleichzeitig auch ein Spieler wie Jer’Zhan Newton profitieren, der über seine ersten beiden NFL-Jahre noch deutlich Luft nach oben hatte.
Einige Units haben die Liste nur knapp verpasst. Die Wide Receiver der Steelers etwa. Michael Pittman kommt hier als Possession Receiver dazu, der DK Metcalf gut ergänzen wird. Im Draft wählten die Steelers dann noch Germie Bernard in der zweiten Runde aus, er wird als Nummer-3-Receiver vermutlich direkt starten.
Das ist insofern zusätzlich relevant, als dass Pittsburgh unter Mike McCarthy ohne Frage deutlich mehr aus 3-Receiver-Sets spielen wird, nachdem es unter Arthur Smith eine 2- und 3-Tight-End-Offense war. Nur die Dolphins und die Ravens warfen letztes Jahr noch weniger Pässe aus 3-Receiver-Sets als die Steelers, das wird sich spürbar verändern. Hier bleibt abzuwarten, ob die Skillsets von Bernard und Pittman zu ähnlich sind und wie groß Bernards Impact im ersten Jahr ist. Aber mindestens der Floor dieser Unit wurde deutlich angehoben.
Die Wide Receiver der Titans könnten den noch größeren Sprung machen, verglichen mit Pittsburgh - wenn Top-Pick Carnell Tate schnell wie erhofft einschlägt. Tate soll der neue Nummer-1-Receiver für Cam Ward werden, für die verlässliche High-Volume-Rolle holte Tennessee zudem Wan’Dale Robinson in der Free Agency. Die Titans-Receiver haben die Top-5-Liste denkbar knapp verpasst.
Manche Positionsgruppen waren im Vorjahr so schwach, dass jede Verpflichtung eine Verbesserung darstellt. Und in dieser Offseason hat kein Team so viel in die Linebacker investiert, wie die Raiders. Quay Walker (3 Jahre/40,5 Mio. Dollar) und Nakobe Dean (3 Jahre/36 Mio. Dollar) sind keine Superstars, hier aber dementsprechend trotzdem enorme Upgrades. Auch wenn zumindest Walker in Green Bay seinem Pre-Draft-Hype nie gerecht wurde und dort zuletzt fast eher eine Schwachstelle war.
Die Wide Receiver der Browns sind vielleicht die größte Wildcard dieser Liste. Jerry Jeudy war hier auch letztes Jahr die klare Nummer 1, konnte aber seine starke 2024er Saison nicht wiederholen. Das machte Rookie Tight End Harold Fannin zum Top-Target der Offense insgesamt.
Im Draft investierte Cleveland einen Pick in Runde 1 (KC Concepcion) und früh in Runde 2 (Denzel Boston) in die Receiver-Position. Ich mochte beide als Prospect sehr, Concepcion ist ein exzellenter Route Runner und ein explosiver Playmaker, Boston gibt Cleveland die Größe und Physis, um das zu ergänzen. Die Browns könnten hier einen enormen Sprung machen, sollten die beiden Rookies einschlagen.
Wer teuer in einen Running Back investiert, wird in aller Regel auch einen großen Sprung innerhalb einer Offseason machen. Die beiden Teams mit den größten Investments auf der Position in dieser Offseason waren die Chiefs (Kenneth Walker) und die Cardinals (Jeremiyah Love). Beide haben zudem sekundäre Backs geholt: Kansas City mit Emmett Johnson im Draft, Arizona mit Tyler Allgeier in der Free Agency. Diese beiden Backfields werden deutlich besser sein als 2025.
Adrian Franke