vor 7 Stunden
NFL-Kolumne von Adrian Franke
Die NFL-Teams verabschieden sich in die Sommerpause, und für manche Spieler hätte die Offseason bis dato nicht viel besser laufen können. Das heißt auch: Die Basis für einen Breakout 2026 ist gelegt! Adrian Franke fasst seine Breakout-Kandidaten für die kommende Saison zusammen.

Eine der bittersten NFL-Karrieren der letzten beiden Jahre. Die Panthers wählten Brooks in der zweiten Runde des 2024er Drafts aus, der Running Back kam mit einem Kreuzbandriss in die NFL, sodass er die ersten Monate seiner NFL-Karriere erwartungsgemäß verpasste. Anfang November wurde er schließlich für den Kader aktiviert, doch in seinem dritten Einsatz und nach nur neun NFL-Carries erlitt Brooks abermals einen Kreuzbandriss.
Infolge der erneuten schweren Knieverletzung wurde bereits früh entschieden, dass Brooks die gesamte 2025er Saison verpassen würde, sodass er nach zwei NFL-Jahren bei insgesamt neun offensiven Snaps steht. Der mittlerweile 22-Jährige galt als der klar talentierteste Back seiner Draft-Klasse, doch nach den beiden schweren Verletzungen scheint komplett offen, was man sportlich noch von Brooks erwarten kann.
Das ist auch das große Fragezeichen hier, doch die gute Nachricht ist: Abgesehen von ihm selbst dürfte das niemand besser einschätzen können, als die Panthers selbst. Und Carolina entschied sich trotz des Abgangs von Rico Dowdle und trotz der ebenfalls von Verletzungen geprägten Vorsaison von Chuba Hubbard dafür, sein Backfield nicht größer umzubauen. Auch im Draft wurde kein Running Back ausgewählt.
Dementsprechend gehen die Panthers mit Hubbard und Brooks als Starting-Running-Back-Duo in die Saison. Wo stattdessen investiert wurde, ist in der Offensive Line: Rasheed Walker und Monroe Freeling werden den Left-Tackle-Spot unter sich ausmachen, während Ikem Ekwonu ausfällt. Rookie Sam Hecht könnte Luke Fortner auf Center verdrängen.
Die Passing Offense sollte mit Rookie Chris Brazzell zudem explosiver werden, was zusätzliche Räume für das Run Game öffnen könnte. Wenn Brooks jetzt fit bleibt, dann geht er zum ersten Mal in eine Saison, in der er 150, wenn nicht mehr Carries bekommen sollte. In einer mittlerweile gut aufgestellten Panthers-Offense könnte das seinen verspäteten Breakout bedeuten.
Tutens Rookie-Saison war relativ unauffällig. Im Windschatten von Travis Etienne kam er auf 83 Runs in der Regular Season, im Passing Game hatte er mit gerade einmal zehn Catches einen überschaubaren Impact.
Etienne hat die Jaguars in der Free Agency verlassen, Jacksonville holte Chris Rodriguez als Ersatz: Ein solider Rusher, der in der Vorsaison erstmals auf 500 Rushing-Yards kam und in Washington nie mehr als ein Rotationsspieler war.

Rodriguez bringt ein anderes physisches Profil mit als Tuten und könnte damit in Jacksonville auch die Rolle des primären Runners zwischen den Tackles übernehmen. Qualitativ ist er aber ein klares Downgrade gegenüber Etienne, sodass man hier aus Sicht der Jaguars sehr klar den Plan so interpretieren kann, dass Tuten in seiner zweiten Saison eine größere Rolle einnehmen soll. Mit seiner Explosivität auch als Pass-Catcher ist Tuten auch eher der stilistische Ersatz für Etienne.
Vermutlich wird Tuten nicht die 260 Runs übernehmen, die Etienne letztes Jahr hatte. Über 200 offensive Touches aber sind definitiv realistisch. Das, in Kombination damit, dass Jacksonville im Draft in erster Linie in seine Run-Blocking-Unit investiert hat, ist die ideale Ausgangslage für einen Breakout in Jahr 2.
Burdens Rolle wurde über die letzten Wochen der vergangenen Saison bereits schrittweise größer. Ab Woche 14 hatte er inklusive Playoffs in vier von sechs Spielen über 40 Receiving-Yards, mit dem Highlight gegen die Browns in Woche 15 (6 Catches, 84 Yards) und die 49ers in Woche 17 (8 Catches, 138 Yards, 1 Touchdown).
Hier zeichnete sich bereits die interne Staffelstabübergabe ab, die Chicago mit dem Trade von D.J. Moore zu den Bills in der Offseason schließlich besiegelte. Jetzt ist Moore weg, Rome Odunze stagnierte zuletzt und Burden hatte bereits letztes Jahr hinter Moore und Colston Loveland die drittmeisten Catches.
Loveland hatte seinen Breakout bereits in seiner Rookie-Saison und könnte die Bears in der kommenden Saison in Catches und Yards anführen. Burden sollte seine direkte Konkurrenz dafür sein. Im besten Fall kann er sogar Team-übergreifend mit Tetairoa McMillan und Emeka Egbuka um die meisten Catches aller Wide Receiver in Jahr 2 konkurrieren.
Goldens Rookie-Saison war nicht das, was man sich in Green Bay von seinem ersten Erstrunden-Receiver-Rookie seit 2002 erhofft hatte. Golden hatte einzelne Lichtblicke, gerade seine Dynamik als Route Runner sorgte für positive Momente, die auf mehr hoffen lassen. Aber letztlich steht eine Saison mit, inklusive Playoffs, 445 Receiving Yards und einem Touchdown. 84 Yards davon sowie der Touchdown kamen im Wildcard-Spiel gegen die Bears.
Vielleicht ist es ein Vorbote auf das, was in Jahr 2 kommt. Zumindest der Weg hin zu mehr Snaps wurde über die letzten Wochen und Monate sehr viel einfacher: Romeo Doubs verließ die Packers in der Free Agency, Dontayvion Wicks wurde via Trade nach Philadelphia geschickt.

Gleichzeitig hat Green Bay keinen externen Pass-Catcher in der Free Agency verpflichtet und auch keinen gedraftet, sodass das Starting-Receiver-Trio relativ klar aus Christian Watson, Jayden Reed und Matthew Golden bestehen sollte. Die Packers verbrachten letztes Jahr 60 Prozent ihrer Offense-Snaps in 11-Personnel, also mit drei Receivern auf dem Platz. Dementsprechend viele Gelegenheiten winken diesen drei Receivern.
Doubs und Wicks zusammengenommen hatten in der vergangenen Saison 138 Targets. Watson, Reed und Tight End Tucker Kraft verpassten jeweils signifikante Teile der Saison verletzt, das muss man in der Prognose berücksichtigen. Doch die Packers haben mit dieser Offseason zumindest den Weg freigemacht, damit Golden sich als feste Größe etablieren kann.
Williams hatte eine vielversprechende Rookie-Saison, mit einigen Snaps früh in der Saison und dann vier Starts in Folge zum Saisonende. Jetzt sind Trent McDuffie und Jaylen Watson, genau wie Backup-Corner Joshua Williams weg, sodass auch neben Top-Pick Mansoor Delane viele Snaps zu haben sind.
Williams ist der logische Favorit für den zweiten Outside-Corner-Spot. Der Vorjahres-Drittrunden-Pick bringt die Größe und die Physis mit, um hier auch Delane gut zu ergänzen. Kristian Fulton, der in der vergangenen Saison nur acht Spiele absolvieren konnte, ist die größte Konkurrenz hier. Aber nach einer Offseason, in der die Chiefs große Teile ihrer Secondary umgebaut haben, ist der Weg für Williams frei.

Offen ist in Kansas City am ehesten noch die Besetzung im Slot. Outside hat Williams jetzt alle Trümpfe in der Hand, um als klarer Starter in seine zweite NFL-Saison zu gehen.
Vielleicht kein Team hat über die letzten beiden Jahre zusammengenommen so viel in die offensive Infrastruktur investiert wie die Saints. Das fand seinen Höhepunkt in dieser Offseason mit den Verpflichtungen von Running Back Travis Etienne, Guard David Edwards sowie Top-Pick Jordyn Tyson.
Das gibt den Saints jetzt ein gutes, junges Tackle-Duo bestehend aus hohen Draft-Picks mit Kelvin Banks und Taliese Fuaga. Die Interior Line, solange Center Erik McCoy fit bleibt, sollte jetzt gut sein. Etienne ist ein Upgrade gegenüber dem, was Alvin Kamara zuletzt war. Und Tyson ist die Nummer 2 neben Chris Olave, die New Orleans seit einer Weile sucht.
Es ist die exakt richtige Strategie mit einem Quarterback wie Tyler Shough: Ein Zweitrunden-Pick im Vorjahr, der positive Ansätze als Pocket Passer gezeigt hat, bei dem man jetzt herausfinden will, was mit ihm möglich sein kann und wie er sich entwickeln könnte. Die Umstände dafür haben die Saints jetzt geschaffen und damit alles vorbereitet, um Shough einen Breakout in Jahr 2 zu ermöglichen.
Ein Anfang Oktober erlittener Knöchelbruch beschränkte Hamptons Rookie-Saison auf neun Spiele in der Regular Season und seine 124 Runs für 543 Yards zeichneten dort ein gemischtes Bild.
Hampton ist ein Big-Play-Runner, der initial Raum braucht, um Tempo aufnehmen zu können. Gelingt ihm das, kann er explosive Runs hinlegen. Aber er ist kein Back, der selbst viele Räume kreiert oder Verteidiger manipuliert und in die falsche Gap "lockt". All das ist weniger eine Analyse seiner Rookie-Saison, und mehr das, was man anhand seines College-Tapes erkennen konnte.

Die vergangene Saison hat das eher noch bestätigt. Hampton hatte große Probleme damit, hinter der dezimierten Chargers-Line viel Schaden anzurichten. Seine einzigen beiden Spiele mit über 75 Rushing-Yards kamen gegen die desolaten Run-Defenses der Giants (Woche 4) und Cowboys (Woche 16).
Die Offensive Line wird jetzt wieder gesünder sein, die Interior Line wurde umgebaut und sollte zumindest in Teilen merklich besser sein. Vor allem aber ändert sich etwas an der Sideline: Mit Mike McDaniel kommt eine der schematisch spannendsten Offenses der letzten Jahre nach Los Angeles. McDaniels Dolphins-Offenses waren sehr gut darin, mit Speed zu gewinnen. Und sie waren gut darin, Playmaker in den Raum zu bringen, damit die ihre Big-Play-Qualitäten bestmöglich ausspielen können. Hampton könnte einer der großen Profiteure davon sein. Er hat das ideale Skillset für McDaniels Offense.
Turner übernahm in seiner zweiten Saison bereits eine merklich größere Rolle. Seine Produktivität ging parallel dazu ebenfalls hoch, von seinen 42 Quarterback-Pressures letztes Jahr kamen 23 ab Woche 11.
Die Vikings setzen jetzt darauf, dass Turner diese Entwicklung fortsetzen kann. Der Trade von Jonathan Greenard zu den Eagles wurde in erster Linie aus finanziellen Gründen durchgeführt, aber Turners Entwicklung dürfte das Trostpflaster gewesen sein, welches den Schritt aus Vikings-Sicht ein wenig erleichtert hat.
Denn jetzt hat Minnesota auf der Edge-Position wenig Auswahl. Turner sowie Andrew Van Ginkel sind jetzt gesetzt, mit Spielern wie Bo Richter, Chaz Chambliss und Charles Demmings dahinter. Das ist überschaubare Tiefe, die Starter werden hier stark gefordert sein.
Turner hat bereits letztes Jahr auch verletzungsbedingt die meisten Edge-Snaps für die Vikings gespielt, jetzt geht er erstmals als klarer Starter in die Saison. Die Vikings setzen darauf, dass er den nächsten Schritt machen kann, und wenn Turner seinen Trend bestätigt, könnte 2026 die Saison werden, mit der sich der ehemalige Erstrunden-Pick auch ligaweit auf den Radar spielt.
Wir würden bei Skattebo womöglich bereits über einen Breakout sprechen, hätte er sich in Woche 8 gegen die Eagles nicht schwer am Knöchel verletzt. Skattebo übernahm in Woche 4 den Startplatz im Backfield der Giants und über seine vier vollen Starts gelangen ihm 296 Rushing-, 102 Receiving-Yards und insgesamt vier Touchdowns.
Skattebos Stil als Runner ist das, was ihn auszeichnet. Dieser physische Stil, der Kontakt fast sucht, während er gleichzeitig aber mit guter Vision und Balance zwischen den Tackles navigiert und dann noch eine Explosivität hat, die man auch im Passing Game sieht. Das macht Skattebo aus.

Trotz des guten ersten Eindrucks stand allerdings lange im Raum, dass die Giants auf der Position nachbessern könnten. Erst in der Free Agency, dann im Draft. Letzteres war am Ende keine Option, nachdem Arizona bereits mit dem Nummer-3-Pick Jeremiyah Love ausgewählt hatte.
Und so gehen die Giants gänzlich ohne neue Konkurrenz für Skattebo in die neue Saison, dafür aber mit einer verbesserten Offensive Line und einem neuen Coaching Staff, der das Run Game vermutlich noch deutlich mehr in den Vordergrund rücken wird. Viel besser hätte diese Offseason für Skattebo nicht laufen können. Bleibt er fit, ist der Breakout die folgerichtige Prognose.
Die Raiders haben viel in dieser Offseason gemacht, um die Offense zu reparieren. Das fing an mit dem neuen Head Coach Klint Kubiak, ging weiter mit dem Rekord-Deal für Center Tyler Linderbaum und endete vorerst mit Nummer-1-Overall-Pick Fernando Mendoza im Draft. Zusätzlich dazu wurde Kirk Cousins als Übergangslösung geholt und Jalen Nailor als Starting-Receiver.
Nailor ist allerdings auch das einzige relevante Investment in einen Pass-Catcher in dieser Raiders-Offseason. Im Draft kam lediglich in Runde 6 Receiver Malik Benson noch mit dazu. Nailor ist ein leichterer Downfield-Receiver, mit einem ähnlichen Skillset wie Tre Tucker. Jack Bech dagegen ist der eine größere, schwerere Wide Receiver bei den Raiders.
Der Vorjahres-Zweitrunden-Pick ist dadurch auch der eine Receiver, der eine Cooper-Kupp-ähnliche Rolle in Kubiaks Offense einnehmen könnte. Kubiak will aus engen Formationen heraus agieren, in der die Receiver nah an der Line aufgestellt werden. Das bedeutet auch, dass es hier Receiver braucht, die im Run Game blocken können. Das ist der Weg für Bech, um in seinem zweiten Jahr deutlich mehr auf dem Platz zu stehen, sich in 2-Receiver-Sets einen Platz zu sichern und das wiederum ist der direkte Weg zu Targets und Gelegenheiten im Passing Game.
Ashton Jeanty ist der logische andere und noch sehr viel namhaftere Kandidat bei den Raiders. Jeantys Rookie-Saison wurde komplett von den desolaten Umständen in Las Vegas überschattet, auch er wird von Kubiak, der besseren Line und einer Offense, die Run Game und Passing Game kombinieren wird, sehr profitieren. Bei Jeanty als Top-10-Running-Back-Pick muss dementsprechend der Breakout in Jahr 2 aber auch der Anspruch sein, alles andere wäre eine Enttäuschung.
Adrian Franke