24.04.2026
Fan-Kolumne
Carolina hat den Anschluss geschafft, doch der nächste Schritt wird schwieriger. Ein Blick auf die Offseason zeigt, wo das Team bereits nachgelegt hat - und wo noch Fragezeichen bleiben.

Langweilig war die Saison 2025/26 der Carolina Panthers keineswegs. Das Team schaffte es erstmals seit 2015 wieder, ein Playoff-Spiel vor heimischer Kulisse in Charlotte auszutragen und nahm zudem erstmals seit 2017 wieder an der NFL Postseason teil.
Auch wenn die Panthers es letztlich nicht aus eigener Kraft schafften, sich ein Playoff-Ticket zu sichern, und nur aufgrund eines seltenen dreier Konstellation der NFC South ins Wildcard-Matchup gegen die Rams einzogen, spricht vieles dafür, dass dieses junge Team (mit bis dato 13 Rookies im Kader) wieder auf dem richtigen Weg ist.
Das stellenweise unerfahrene Team - inklusive Head Coach Dave Canales, der in sein zweites Jahr ging - war über die Saison hinweg schwer einzuschätzen. Die Panthers gewannen gegen starke Gegner wie die Packers, Rams und Cowboys, verloren jedoch auch Spiele gegen New Orleans, Arizona und San Francisco teilweise deutlich. Insgesamt ließ sich die Leistung des Teams am treffendsten mit dem Wort "inkonstant" beschreiben.
Dennoch sehen sich die Panthers auf einem aufsteigenden Ast und wollen auch in der kommenden Saison in den Playoffs mitmischen. "Das ist jetzt der neue Maßstab. Wir werden ein Playoff-Team sein", sagte Defensive Lineman Derrick Brown nach der 31:34-Niederlage gegen die Rams am Wildcard Weekend.
Um ein gewisses Leistungsniveau zu halten, ist in der NFL bereits erheblicher Aufwand notwendig. Um die nächste Entwicklungsstufe zu erreichen, müssen die Panthers in mehreren Bereichen nachbessern, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Ein Blick auf die Offseason zeigt, wo die Panthers bereits Veränderungen vorgenommen haben - und wo noch Handlungsbedarf besteht.
Ein zentraler Punkt ist Quarterback Bryce Young, der in den kommenden Tagen seine Fifth-Year-Option unterschreiben dürfte und damit zumindest für die kommende Saison als Starter gesetzt ist. Das Spiel des 24-Jährigen Heisman-Trophy-Gewinners von 2021 hat sich in den vergangenen beiden Saisons zwar verbessert, erreicht aber noch nicht das Level, um die Offense in entscheidenden Situationen allein tragen zu können. Sein Big-Play-Potenzial hat Young bereits unter Beweis gestellt - entscheidend wird nun sein, diese Leistungen konstant abzurufen.
Auch im Trainerstab scheint man sich bewusst zu sein, dass die Offense zusätzliche Impulse benötigt und der Quarterback stärker unterstützt werden muss. So kündigte Dave Canales an, das Playcalling in der kommenden Saison an Offensive Coordinator Brad Idzik abzugeben. Zudem wurde Darrell Bevell als Associate Head Coach verpflichtet. Der 56-Jährige bringt mehr als 20 Jahre NFL-Erfahrung mit, vor allem als Offensive Coordinator und Quarterbacks Coach. Welchen Einfluss der Wechsel beim Playcalling und die Verpflichtung eines erfahrenen Assistenten haben werden, ist schwer vorherzusagen. Im Front Office der Panthers herrscht jedoch Einigkeit, dass ein "Weiter so" nicht ausreicht.
Die Offensive Line des Teams wird in der kommenden Saison anders aussehen. Left Tackle Ikem Ekwonu zog sich während der Playoffs eine schwere Knieverletzung zu und könnte einen Großteil der kommenden Saison verpassen. Durch die Abgänge von Center Cade Mays nach Detroit und Backup Austin Corbett zu den Buffalo Bills standen die Panthers in der Free Agency nahezu ohne Starting Left Tackle und Starting Center da. Für eine grundsätzlich solide Line war diese Ausgangslage alles andere als ideal.
Die Panthers sicherten sich die Dienste von Center Luke Fortner vom Divisionsrivalen New Orleans sowie Tackle Rasheed Walker aus Green Bay, um zumindest auf dem Papier wieder eine akzeptable Lösung zu finden. Ob sich beide Spieler in das System einfügen und positiv zum Schutz von Bryce Young sowie zum Laufspiel beitragen können, bleibt abzuwarten.
Seit seinem Amtsantritt macht Head Coach Dave Canales keinen Hehl daraus - die Panthers wollen ein "run heavy football team" sein. Obwohl Running Back Rico Dowdle in der Saison über 1000 Yards für Carolina erlief, waren die Erwartungen an das Backfield mit Chuba Hubbard und Dowdle höher. Viele Fans sehnten sich nach einer Neuauflage von "Double Trouble" beziehungsweise "Smash and Dash" aus den Zeiten von Jonathan Stewart und DeAngelo Williams.
Rico Dowdle erhielt in der Offseason einen verdienten Zwei-Jahres-Vertrag bei den Pittsburgh Steelers. Die Panthers setzen nun auf Chuba Hubbard, der 2025 nicht an seine starke Leistung aus dem Vorjahr anknüpfen konnte, sowie auf Jonathon Brooks. Der Second-Round-Pick von 2025 war bereits mit einem Kreuzbandriss gedraftet worden und zog sich nach seiner Rückkehr aufs Spielfeld erneut dieselbe Verletzung zu. Je nach Einsatzfähigkeit von Brooks könnte auch der Fourth-Round-Pick aus dem letzten Jahr, Trevor Etienne, eine Rolle im Backfield einnehmen. Doch reicht das für ein dominantes Laufspiel?

Auf der defensiven Seite des Balls sind die Erwartungen besonders hoch. 2024 bildete die Panthers-Defense in nahezu allen Kategorien das Schlusslicht der Liga. Besonders die Laufverteidigung war nicht auf NFL-Niveau, aber auch die Passverteidigung zeigte sich phasenweise sehr anfällig. Turnovers und Quarterback Sacks waren ebenfalls Mangelware.
Mit den Rookies Nick Scourton und Princely Umanmielen aus dem Draft, Free Agents wie Safety Tre’von Moehrig sowie einem zurückgekehrten Derrick Brown konnte sich die Defense zwar stabilisieren, doch insbesondere auf den Positionen der Inside Linebacker und Edge Rusher fehlte es an klaren Playmakern.
Mit Inside Linebacker Devin Lloyd und Edge Rusher Jaelan Phillips ist es Panthers General Manager Dan Morgan - in seiner aktiven Zeit selbst Linebacker in Carolina - gelungen, zwei hochkarätige Free Agents zu verpflichten, um die Defense auf das nächste Level zu heben.
Die Suche nach Spielern mit Playmaker-Potenzial bleibt trotz den Neuzugängen eines der zentralen Themen für die Panthers - vielleicht sogar das entscheidende -, um sich künftig aus eigener Kraft als Playoff-Team zu etablieren. Kulturell haben Dave Canales und Dan Morgan in kurzer Zeit einen Rahmen geschaffen, der sowohl von außen als auch laut Aussagen der Spieler positiv wahrgenommen wird. Von der "Hunger Games"-Mentalität, von der 2023 noch die Rede war, ist nichts mehr zu spüren. Sportlich jedoch fehlt weiterhin der ein oder andere Baustein.
Der NFL Draft, der derzeit in Pittsburgh stattfindet, ist daher von großer Bedeutung, um die Panthers nachhaltig konkurrenzfähig aufzustellen. In der ersten Runde wählten Panthers mit Monroe Freeling einen stark eingeschätzten Offensive Tackle, der sowohl für die kommende Saison als auch für die Zukunft den Panthers helfen kann den neuen Standard zu erfüllen.
Moritz Haist