05.05.2026
NFL-Kolumne von Adrian Franke
Nach Draft und Free Agency beginnt die wahre Offseason der NFL. Das heißt aber auch: Die 32 Kader haben über die letzten zwei Monate sehr konkrete Formen für die kommende Saison angenommen. Wer hat sich besonders stark verbessert? Wo wartet ein harter Rebuild? Und wer ist der Titelfavorit? Adrian Franke sortiert im Offseason Power Ranking alle 32 Teams.

Das Team, das in dieser Offseason einen groß angelegten Rebuild eingeleitet hat, hat wenig überraschend das geringste Talentlevel aller 32 Teams. Nach den Abgängen von unter anderem Jaylen Waddle, Tyreek Hill, Minkah Fitzpatrick, Bradley Chubb, Alec Ingold und Tua Tagovailoa operieren die Dolphins auf einer ganz eigenen Timeline.
Das ist strategisch komplett schlüssig und nachvollziehbar, hier aber geht es um die Einordnung der sportlichen Qualität für 2026 und fast zwangsläufig muss Miami dann sehr weit hinten stehen. Der große X-Faktor dabei ist der Quarterback: Trotz des groß angelegten Rebuilds entschied sich Miami hier nicht für eine reine Übergangslösung, sondern holte sich mit Malik Willis den Quarterback dieser Free Agency mit der größten Upside. Willis hatte gute Momente bei den Packers, wie sieht das in viel schlechteren Umständen in Miami aus?
Die Line könnte dabei sogar einigermaßen solide sein, wenn Proctor direkt auf Guard funktioniert. Die Playmaker sind, außerhalb von De'Von Achane, die schlechteste Gruppe in der NFL. Und in der Defense bleiben Edge-Rush und Cornerback, auch mit Erstrunden-Corner Chris Johnson, große Fragezeichen.
Die wichtigsten Fragen in Miami betreffen weniger die Anzahl an Siegen in der kommenden Saison. Es geht darum, zu sehen, welche Rookies dieser großen Draftklasse eine nachhaltige Rolle spielen können. Der neue Coaching Staff muss zeigen, dass er die richtigen Ideen für dieses Team hat. Und es geht darum, eine größere Sample Size zu bekommen, um zu evaluieren, ob Malik Willis eine langfristige Lösung sein kann.
Hier steht nicht die Bewertung der Draft-Strategie im Vordergrund, dazu habe ich genug an anderer Stelle geschrieben. Die offensiven Playmaker sehen nach dem Jeremiyah-Love-Pick sehr gut aus: Mit Marvin Harrison und Michael Wilson hat man ein gutes Receiver-Duo, Trey McBride war in der vergangenen Saison der beste Tight End ligaweit, Love sollte Arizona direkt einen Top-6-Running-Back geben und die Offensive Line ist, außerhalb von Right Tackle, solide.
Damit kann man arbeiten. Jetzt müsste es nur noch einen Quarterback dafür geben. Jacoby Brissett dürfte das weiter sein, der ist zumindest ein Scheme Fit mit Mike LaFleur, aber letztlich ist er irgendwo zwischen High-End-Backup und Low-End-Starter. Und aktuell in einer Art Holdout. Vermutlich werden wir Carson Beck irgendwann im Laufe der Saison sehen, Ausgang offen.
Es dürfte die schlechteste Quarterback-Situation in der NFL sein, was natürlich ein massives Downgrade auch hier darstellt. Und dann bleibt abzuwarten, ob Defensive Coordinator Nick Rallis, der nach der Entlassung von Jonathan Gannon gehalten wurde, mehr aus der Defense herausholen kann.
Große personelle Veränderungen gibt es hier nämlich nicht. Stattdessen hofft man darauf, dass Walter Nolen jetzt fit bleibt, dass Darius Robinson doch noch einen Sprung macht und dass junge Spieler wie Jordan Burch und Kaleb Proctor einen Impact haben können. Denkbar - aber riskant für eine Unit, die die vergangene Saison auf dem letzten Platz in defensiver Success Rate beendet hat.
Manchmal haben schlechte Teams eine Offseason, die sich später rückblickend als kritische Weichenstellung hin zu einer besseren Zukunft erweist. Auch wenn es ein wenig dauert, bis man den direkten Impact auch in den Ergebnissen bemerkt.
Das sind dieses Jahr die Raiders für mich. Ich denke, dass Fernando Mendoza ein Franchise Quarterback werden kann. Wenngleich wir für diese Bewertung hier erst einmal davon ausgehen müssen, dass Kirk Cousins als Starter in die Saison geht. Tyler Linderbaum wird der Offensive Line Stabilität geben und vor allem bei Mendozas Entwicklung helfen. Und das aus College-Zeiten wiedervereinte Linebacker-Duo, bestehend aus Quay Walker und Nakobe Dean, ist ohne Frage besser als alles, was die Raiders letztes Jahr auf der Position hatten.
Ob Klint Kubiak als Head Coach funktioniert, das ist eine andere Frage. Und ein Team mit so vielen Baustellen kann nicht alles in einer Offseason lösen. Deshalb sprechen wir bei den Raiders immer noch über größere Fragezeichen auf Wide Receiver, Defensive Tackle und auch auf Cornerback.
Geduld ist hier gefordert. Aber die Idee, was ein Gerüst bestehend aus Mendoza, Linderbaum, Brock Bowers, Kolton Miller und Ashton Jeanty offensiv werden kann, ist vielversprechend. Abzuwarten wäre noch, ob Maxx Crosby jetzt tatsächlich Teil dieses Gerüsts bleibt.
Ob dieser Draft die Basis für den Jets-Rebuild war, die er im Zusammenspiel mit dem Draft nächstes Jahr werden sollte, das können wir in drei Jahren bewerten. Was wir jetzt schon sagen können, ist: Die Jets wurden in dieser Offseason deutlich explosiver. Und sie sollten den Floor merklich angehoben haben.
Letzteres begann mit Spielern wie Minkah Fitzpatrick, Demario Davis und Geno Smith in der Free Agency. Spieler nah am Karriereende und keine langfristigen Lösungen, aber deutliche Verbesserungen verglichen mit dem Vorjahr.
Im Draft kam dann der Speed: David Bailey, Kenyon Sadiq, Omar Cooper, D'Angelo Ponds, das ist viel Straight-Line-Explosivität. Funktioniert Bailey mit Will McDonald als sehr schnelles, aber sehr leichtes Edge-Duo? Ist Ponds groß genug, um außen zu spielen? Inwieweit überschneidet sich Sadiqs Skillset mit dem von Mason Taylor, den die Jets letztes Jahr hoch gedraftet haben? Das sind die spezifischen Fragen für diese Draft Klasse.
Die Offensive Line sollte eine Stärke sein, die Pass-Catcher-Gruppe sieht zunehmend gut aus und defensiv sollte mit den Veterans mehr Stabilität Einzug erhalten. Und auch die eine oder andere Interception. Bis wir aber sehen, dass die umfassenden Veränderungen im Coaching Staff funktionieren, dass die Draft Klasse den erhofften Impact hat und dass Spieler wie David und Geno Smith noch genug im Tank haben, ist Skepsis angebracht.
Das anstehende Quarterback-Duell zwischen Michael Penix - wenn Penix dann wieder fit ist - und Tua Tagovailoa gibt mir nicht gerade viel Optimismus für die kommende Saison. Zumindest der offensive Floor ist da: Den Rücktritt von Right Tackle Kaleb McGary hat Atlanta mit der Verpflichtung von Jawaan Taylor aufgefangen, Kyle Pitts wurde gehalten und mit Zachariah Branch kommt eine explosive Waffe neu dazu.
Kevin Stefanski sollte mit dieser Gruppe arbeiten können. Auch wenn es mich nicht wundern würde, wenn sich Atlanta neben Arizona und Cleveland als die schlechteste Quarterback-Situation in der NFL entpuppen sollte.

Die Defense hat letztes Jahr einen großen Schritt nach vorne gemacht, auch weil mehrere Rookies einen spürbaren Impact hatten. Das könnte sich dieses Jahr zumindest in Person von Avieon Terrell wiederholen, der künftig gemeinsam mit Bruder A.J. Terrell in der gleichen Secondary auflaufen wird. In der Defensive Front aber haben die Falcons mit Kaden Elliss einen Impact-Spieler verloren, und bei James Pearce bleibt abzuwarten, inwieweit die Liga hier noch eine Sperre verhängt.
Mit Elliss (30 Quarterback-Pressures letztes Jahr), Ebiketie (25), Leonard Floyd (36) und - je nach Ausgang seiner Situation - Pearce (45) muss Atlanta vielleicht vier seiner produktivsten Pass-Rusher aus dem Vorjahr ersetzen. Nach dem merklichen Schritt nach vorne ist ein defensiver Rückschritt in der kommenden Saison gut möglich.
Es wäre sehr leicht, sich bei den Browns in eine sehr viel höhere Platzierung rein zu argumentieren - wenn sie eine Antwort auf Quarterback hätten. Doch ich vermute, dass der Quarterback erst im Draft nächstes Jahr kommen wird. Dann aber immerhin in eine gute Situation.
Die Pass-Catcher-Gruppe hatte mit Harold Fannin und Jerry Jeudy bereits zwei Fixpunkte. Jetzt kommen KC Concepcion und Denzel Boston dazu. Dieses Quartett hat echtes Potenzial, mit Quinshon Judkins und Dylan Sampson aus dem Vorjahres-Draft im Backfield noch dazu.
Ich bin auch positiv überrascht davon, wie die Browns in einer Offseason ihre Offensive Line komplett umgekrempelt haben. Cleveland verlor hier vier von fünf Startern aus dem Vorjahr, und auch wenn Spieler wie Tytus Howard und Elgton Jenkins vielleicht keine langfristigen Optionen sind: Kurzfristig haben die Browns hier eine gewisse Basis geschaffen, und mit Spencer Fano im Idealfall ihren neuen Franchise Left Tackle gefunden.
Die Defense sollte ohnehin wieder gut sein. Junge Spieler wie Mason Graham und Carson Schwesinger kommen in ihr zweites Jahr, Emmanuel McNeil-Warren soll die Safety-Baustelle schließen. Und Denzel Ward und Myles Garrett sind weiter die Säulen dieser Unit.
Die Zukunft in Cleveland könnte, auch abhängig davon, wie sich Todd Monken als Head Coach schlägt, vielversprechend sein. Aber alles hängt davon ab, ob die Browns innerhalb der nächsten zwölf Monate ihren Quarterback finden.
Ich habe vielleicht mehr Zweifel, was die Harbaugh-Ära angeht, als andere. Ich will erst sehen, wie sein Staff funktioniert, bei dem man durchaus ein wenig Skepsis haben kann. Und ob die Probleme, die Harbaughs Amtszeit spät in Baltimore prägten, sich auch auf New York übertragen.
Gleichzeitig aber wird Harbaugh den Floor für das Team anheben. Und der junge Kern bei den Giants ist sehr spannend. Jaxson Dart hatte vielversprechende Ansätze in Jahr 1. Malik Nabers kann einer der besten Receiver in der NFL sein. Dazu Andrew Thomas und Francis Mauigoa in der Offensive Line, sowie Brian Burns, Arvell Reese und Abdul Carter in der Defense. Das ist eine Basis, die nicht wenige andere Teams gerne hätten.

Verletzungen sind ein Thema hier. Cam Skattebo und Malik Nabers kommen von schweren Verletzungen zurück, Andrew Thomas hatte mit mehreren Verletzungen über die letzten Jahre zu kämpfen. Bei Francis Mauigoa bleibt abzuwarten, wie die Rücken-Geschichte ausgeht.
Der Abgang von Dexter Lawrence reißt zudem ein weiteres Loch in die bereits letztes Jahr desolate Run-Defense. Die Giants müssen auf beiden Seiten des Balls erst zeigen, dass sie an der Line of Scrimmage besser spielen können, um insgesamt den Floor als Team zu stabilisieren. Es gibt hier aber einen Best Case, wenn sich Dart, Reese, Mauigoa und Carter wie erhofft entwickeln, der eine sehr positive mittel- und langfristige Prognose zulässt.
Sehr viel Ungewissheit hier durch die Verletzung von Daniel Jones. Jones soll nach seinem im Dezember erlittenen Achillessehnenriss zwar bis um Saisonstart fit werden, das aber wäre bereits eine sehr straffe Timeline. Und bei Spielern nach einem Achillessehnenriss haben wir zuletzt gesehen, auch bei Quarterbacks, dass es selbst nach dem Comeback eine Weile dauern kann, ehe der Spieler wieder auf gewohntem Level ist. Das muss man hier auf die eine oder andere Art mit berücksichtigen.
Sehr viel konkreter ist, dass die Colts mit Michael Pittman ihren Nummer-1-Receiver aus finanziellen Gründen abgeben mussten, und ihn de facto nicht ersetzt haben. Alec Pierce wurde teuer bezahlt, Josh Downs dürfte jetzt in eine größere Rolle rücken, und das gilt vermutlich auch für Tight End Tyler Warren.
Aber geht diese Rechnung auf? Ist Jalen Travis gut genug, um Right Tackle Braden Smith adäquat zu ersetzen? Und können in der Defense junge Spieler wie JT Tuimoloau oder die Rookies CJ Allen und A.J. Haulcy direkt größere Rollen einnehmen? Damit diese Unit funktioniert, werden die Colts darauf angewiesen sein. Auch der mögliche Trade von Slot Corner Kenny Moore steht weiterhin im Raum.
Die Colts waren die große Überraschung der ersten Saisonhälfte letztes Jahr. Vielleicht können sie das wiederholen, aber die Zweifel daran sind, wenn auch auf andere Art und Weise, dieses Jahr wieder da.
Man kann ein Argument dafür machen, dass sich kein Team in dieser Offseason so sehr verbessert hat, wie die Titans.
Ein neuer Nummer-1-Receiver mit Top-5-Pick Carnell Tate. Ein neuer Nummer-2-Receiver durch die Verpflichtung von Wan'Dale Robinson. Die Defensive Line wurde mit Jermaine Johnson, Keldric Faulk und John Franklin-Myers generalüberholt, hier sollte Tennessee jetzt rund um Jeffery Simmons eine klare Identität haben. Zwei von drei Starting-Cornerback-Spots wurden in der Free Agency neu besetzt (Cor'Dale Flott, Alontae Taylor).

Und da sprechen wir noch nicht einmal davon, dass Robert Saleh den defensiven Floor deutlich anheben und Brian Daboll das offensive Niveau signifikant verbessern sollte. Oder davon, dass Calvin Ridley letztes Jahr nur sieben Spiele gemacht hat. Jetzt ist Ridley wieder fit und muss im Idealfall nur die Nummer 3 sein.
Die Offensive Line ist noch nicht fertig. Center und Right Guard sind mutmaßliche Schwachstellen. Dennoch darf man von Cam Ward einen merklichen Sprung im zweiten Jahr erwarten. Passiert das, könnten die Titans überraschen. Vielleicht nicht als ein Team, das sofort um die Playoffs spielt. Aber als ein Team, das acht Spiele gewinnen kann, das gegen Playoff-Teams kompetitiv sein kann und bei dem eine klare Richtung erkennbar ist.
Die Saints sind, ähnlich wie Tennessee, eines der Teams, das ich dieses Jahr für einen möglichen größeren Sprung im Blick habe. Die Offense hatte letztes Jahr schon positive Ansätze, inklusive der beiden jungen Tackles und Quarterback Tyler Shough. Jetzt geht Shough in seine zweite Saison und bekommt mit Jordyn Tyson, Travis Etienne und Guard David Edwards signifikante Verbesserungen an die Hand.
Die Saints haben eine reelle Chance, sich als Liga-Mittelfeld-Offense zu etablieren. Und die Defense war letztes Jahr eine echte Überraschung: In der zweiten Saisonhälfte stellten die Saints die Nummer-1-Defense nach Success Rate und lagen bei EPA pro Play auf Platz 2, einzig hinter den Seahawks.
Brandon Staley hat hier exzellente Arbeit geleistet, muss jetzt aber einige kritische Abgänge verkraften: Mit Demario Davis und Cam Jordan sind zwei absolute Anführer weg, auch Cornerback Alontae Taylor hat die Saints via Free Agency verlassen. Hier wird Staley noch mehr gefordert sein. Spieler wie Rookie Christen Miller und der jüngst via Trade verpflichtete Tyree Wilson könnten hier wichtig werden. Kaden Elliss war der teuerste defensive Neuzugang.
Ich mag den Weg, auf dem die Saints sind. Das betrifft ihren endlich reparierten Salary Cap, aber auch den Versuch, offensiv das Potenzial mit Shough zu maximieren. Wenn die Defense auch in dieser Zusammensetzung an die vergangene Saison anknüpfen kann, sollte Staley zeitnah nochmal ein Head-Coach-Kandidat sein.
Um die Steelers halbwegs vernünftig einzuordnen, gehe ich hier davon aus, dass Aaron Rodgers dann doch irgendwann seine große Entscheidung verkündet und 2026 als Quarterback in Pittsburgh auflaufen wird. Auch wenn sich diese Nummer jetzt schon wieder unangenehm lange hinzieht. Ohne Rodgers sprechen wir über Mason Rudolph, Will Howard und Rookie Drew Allar, und dann wäre Pittsburgh ein Kandidat für einen der fünf bis sechs hintersten Plätze.
Sieht man von den erneuten Quarterback-Fragezeichen ab, hat Pittsburgh durchaus einige gute Offseason-Moves vorzuweisen. Der Trade für Michael Pittman gibt ihnen den Possession-Receiver als Ergänzung zu DK Metcalf. Mit Germie Bernard haben sie einen mutmaßlich guten Nummer-3-Receiver im Draft gefunden.
Die Offensive Line hat im Draft in Person von Gennings Dunker und Max Iheanachor wichtige Ergänzungen und zumindest perspektivische Starter bekommen. Und defensiv besetzt Free-Agent-Neuzugang Jamel Dean den zweiten Cornerback-Spot, die größte Baustelle nach der vergangenen Saison.
Pittsburghs kommende Saison bietet eine gewisse Bandbreite. Wie funktioniert Mike McCarthy als Head Coach? Was hat Rodgers noch im Tank, sofern er denn überhaupt weitermacht? Ist die alternde Defense um Cam Heyward, T.J. Watt und Jalen Ramsey noch gut genug? Sollte Broderick Jones abermals ausfallen, wie viel bekommt Pittsburgh von seinen Rookie-Linemen?
Hier gibt es einige Variablen. Aber das Ceiling, das Potenzial nach oben, wirkt doch wieder klar gedeckelt. Mit einem angesichts des alternden Kaders eher anfälligeren Floor.
Der notwendige Umbruch in Washington hat begonnen. Das war das älteste Team in der NFL letztes Jahr, nachdem sich die Commanders unter anderem von Deebo Samuel, Bobby Wagner, Zach Ertz, Von Miller, Austin Ekeler und Marshon Lattimore getrennt haben, hat das Team jetzt ein merklich anderes Gesicht.
Das war notwendig. Es bringt unweigerlich größere Fragezeichen für 2026 mit, aber eben auch Chancen. Trey Amos hat die Chance, sich als Starting-Corner zu etablieren. Mike Sainristil kann zeigen, dass die vergangene Saison ein Ausrutscher war. Jer'Zhan Newton könnte eine größere Rolle einnehmen.
Und dann gibt es auch deutliche Upgrades. Odafe Oweh, K'Lavon Chaisson, Charles Omenihu und Rookie Joshua Josephs bilden eine deutlich stärkere Edge-Gruppe, als Washington sie letztes Jahr hatte. Von Top-Pick Sonny Styles wird ohnehin ein großer Impact erwartet. Nicht jeder dieser Moves wird funktionieren. Aber die Ausrichtung ist entschieden positiver.
Offensiv ist die größte Veränderung die an der Sideline: David Blough übernimmt nach der Trennung von Kliff Kingsbury. Washington will offenbar weg gehen von Kingsburys Air Raid Offense und wird sich mehr innerhalb einer traditionelleren Under Center Offense bewegen. Hier bleibt abzuwarten, wie das mit Jayden Daniels funktioniert. Ob das Run Game den erhofften Impact hat.
Aber auch, ob die Playmaker neben Terry McLaurin gut genug sind. Das gilt für das Backfield, aber auch für die Pass-Catcher. Tight End Chig Okonkwo und Drittrunden-Pick Antonio Williams sind hier die größten Neuverpflichtungen. Reicht das?
Es ist gut möglich, dass Drittrunden-Guard Emmanuel Pregnon der größte Impact-Neuzugang dieser Jaguars-Offseason ist.
In der Free Agency kamen Backup-Running-Back Chris Rodriguez und Rotations-Edge-Rusher Dennis Gardeck. Im Draft wählte Jacksonville mit seinem ersten Pick Blocking-Tight-End Nate Boerkircher und anschließend Backup-Defensive-Tackle Albert Regis. Pregnon hat hier zumindest eine Chance, sich einen Startplatz in der Line zu erarbeiten.
All das macht klar, dass Jacksonvilles Kader nicht gerade die größten qualitativen Sprünge gemacht hat. Und das, nachdem die Jags in der Free Agency unter anderem Devin Lloyd und Travis Etienne verloren haben.

So bleiben Fragen danach, ob die Defensive Line gut genug ist. Ob Linebacker jetzt vielleicht ein Problem wird. Ob die Jags auf Safety genügend Qualität haben. Und selbst mit Travis Hunter jetzt primär auf Cornerback ist auch Outside Corner noch eine mögliche Schwachstelle.
Mit Brian Thomas, Jakobi Meyers und Parker Washington scheinen sie ihr Receiver-Trio gefunden zu haben, der Tight-End-Room bietet jetzt deutlich mehr Vielseitigkeit. Liam Coen hat sich in seinem ersten Jahr als toller Head Coach erwiesen. Wenn er und Trevor Lawrence weiterhin gemeinsam wachsen können, sollte der Floor für die Jaguars weiterhin stabil sein.
Zumindest auf dem Papier wirken die Jaguars aber nicht wie ein Team, das für die kommende Saison das Ceiling hat, dass der letztjährige Record nahelegen würde.
Der gerade beendete Draft war vielleicht genau das, was die Bucs gebraucht haben. Rueben Bain ist ein sofortiger Starter, besetzt einen dringenden Need und gibt Tampa Bay einen potenziell dominanten Pass-Rusher. Josiah Trotter könnte direkt auf Linebacker starten. Keionte Scott sollte im Slot oder in einer Safety-Rolle seinen Platz finden.
Das, im Zusammenspiel mit den Free-Agency-Neuzugängen Alex Anzalone und A'Shawn Robinson, sollte Tampa eine sehr viel schlagkräftigere Defense geben. Zumindest eben, wenn die Rookies wie erhofft funktionieren.
Die Offense geht derweil zum ersten Mal seit 2014 ohne Mike Evans an den Start. Emeka Egbuka und Jalen McMillan werden hier jetzt noch größere Rollen einnehmen. Und auch Chris Godwin muss mehr zeigen als letztes Jahr; denn letztes Jahr litt die Offense merklich darunter, als Evans verletzt fehlte.
Die Offensive Line sollte immer noch gut sein, das Run Game ebenfalls und Ted Hurst ist ein interessanter Receiver, den man aber langfristig entwickeln muss. Baker Mayfield hatte letztes Jahr ohne Evans zunehmend große Schwierigkeiten, auch weil sein riskanter Spielstil häufiger in Turnovern endete. Ich bin sehr gespannt, wie das in der kommenden Saison unter dem neuen Offensive Coordinator Zac Robinson aussieht.
Die Vikings haben letztes Jahr neun Spiele gewonnen, trotz einer Bottom-5-Quarterback-Situation. Selbst wenn man bei Kyler Murray auf der skeptischen Seite ist: Murray sollte für Minnesota hier ein enormes Upgrade darstellen.

Die Offensive Line ist nach wie vor gut, Blake Brandel, der jetzt fest für Ryan Kelly übernimmt, hat bereits in der vergangenen Saison mehr gespielt als Kelly und war zumindest solide. Brian O'Neill und Christian Darrisaw sind, wenn fit, eines der besten Tackle-Duos ligaweit, beide Guards sind mindestens solide und Justin Jefferson dürfte es nach seiner Horror-Vorsaison kaum erwarten können, 2026 mit einem neuen Quarterback an den Start zu gehen.
Die Defense sollte weiterhin gut sein, auch wenn die Abgänge von Harrison Smith und Jonathan Greenard hier wehtun. Jetzt muss Dallas Turner zeigen, dass er als Starter in Greenards Fußstapfen treten kann. Auch die Interior Defensive Line wurde nach den Fehlinvestitionen in Jonathan Allen und Javon Hargrave ausgetauscht, hier stehen ebenfalls junge Spieler im Fokus: Jalen Redmond, eine der Positiv-Überraschungen der vergangenen Saison, sowie die Rookies Caleb Banks und Domonique Orange allen voran.
Brian Flores' Unit wird auch in der kommenden Saison ihren Teil beitragen. Das Scheme ist hier häufig der Star, der Blick rein auf den Kader lässt aber Zweifel daran zu, dass Minnesota defensiv wieder ganz oben mitspielen kann. Die Offense dagegen sollte deutlich besser sein.
Wenige Teams haben sich so gezielt und gleichzeitig so aggressiv verbessert, wie es die Panthers in dieser Offseason geschafft haben.
Mit den beiden teuren Free-Agency-Neuzugängen Jaelan Phillips und Devin Lloyd wurden zwei der größten Baustellen angegangen. Zweitrunden-Pick Lee Hunter gibt Carolina in der Interior Defensive Line mehr Physis gegen den Run, was neben Derrick Brown dringend nötig war.
Und in der Offensive Line konnte Carolina jeweils doppelt nachlegen: Rasheed Walker kam für überraschend wenig Geld und könnte Woche 1 auf Left Tackle starten, während sich Ikem Ekwonu von seinem in den Playoffs erlittenen Patellasehnenriss zurückarbeitet. Dahinter aber stünde auch Erstrunden-Pick Monroe Freeling alternativ bereit. Und auf Center wurde Luke Fortner geholt, ebenfalls mit einer Rookie-Absicherung - Fünftrunden-Pick Sam Hecht - dahinter.

Die Panthers haben bereits letztes Jahr einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Jetzt fühlt sich das Gesamtkonstrukt noch stabiler an. Ungewissheiten gibt es dennoch auch weiterhin. Der Safety-Spot neben Tre'Von Moehrig etwa, der dritte Corner-Spot, und auch die offensiven Playmaker.
Hier ist Tetairoa McMillan der klare Fixpunkt. Ist Jalen Coker gut genug als Nummer 2? Kommt von Xavier Legette noch ein Sprung, oder ist alternativ Rookie Chris Brazzell bereit für die dritte Receiver-Rolle? Auch Tight End ist dünn besetzt, und im Backfield muss man hoffen, dass Chuba Hubbard fit bleibt und dass Jonathon Brooks nach dem doppelten Kreuzbandriss nochmal zu alter Form findet.
Letztes Jahr war die Offensive Line die erste große Kader-Umbaumaßnahme der Ben-Johnson-Ära. Die Bears tradeten früh in der Offseason für Joe Thuney und Jonah Jackson und gaben Drew Dalman dann in der Free Agency viel Geld, um auf einen Schlag die Line zu stabilisieren. Das funktionierte auch, insbesondere Chicagos Run Game war im Laufe der Saison eine Macht. Dennoch muss man vor der kommenden Saison abermals die Frage stellen: Ist die Line gut genug?
Dalman hat überraschend seine Karriere beendet, Garrett Bradbury soll ihn im Zentrum ersetzen. Left Tackle Ozzy Trapilo hat sich in den Playoffs die Patellasehne gerissen, sodass vermutlich aus der Not heraus Braxton Jones die Saison als Starter auf der linken Seite beginnt.
Hier sehe ich mehr mögliche Problemzonen als bei den Playmakern, trotz des Trades von D.J. Moore. Moores Rolle war bereits im Laufe der vergangenen Saison kleiner geworden, Chicago hat mit Odunze, Burden und den Tight Ends Loveland und Kmet seine vier primären Pass-Catching-Rollen besetzt.
Wenn Caleb Williams in Jahr 2 unter Johnson den erhofften Schritt macht, wird das Waffenarsenal mehr als gut genug sein. Vielleicht aber werden die Bears sich auch intensiv darauf stützen müssen. Denn Chicago hat die Defensive Line in dieser Free Agency überraschenderweise nahezu komplett ignoriert. Die Run-Defense war letztes Jahr bereits ein großes Problem, der Pass-Rush ein fast noch größeres. Gelingt es Chicago nicht, hier mehr aus einer weitestgehend unveränderten Gruppe herauszuholen, droht den Bears als Team ein Rückschritt. Immerhin: Das neue Safety-Duo Thieneman/Bryant dürfte ein klares Upgrade auf der Seite des Balls bieten.
Man kann den Bengals in dieser Offseason zumindest nicht vorwerfen, dass sie nicht aktiv versuchen, Joe Burrow und der Offense eine Chance zu geben. Gemeint ist konkret eine Chance darauf, auch Spiele zu gewinnen, in denen man nicht zwangsläufig über 30 Punkte aufs Scoreboard bringen muss.
Mit Dexter Lawrence, Boye Mafe, Jonathan Allen und Bryan Cook hat Cincinnati sich vier neue Starter eingekauft, zusätzlich dazu wird Rookie Cashius Howell ebenfalls zumindest eine Rotationsrolle haben. Linebacker ist noch immer ein großes Problem, und die Secondary hat nicht viel Tiefe. Und der Verlust von Trey Hendrickson ist schmerzhaft, auch wenn Hendrickson letztes Jahr verletzungsbedingt keine 300 Snaps gespielt hat. Aber Cincinnati sollte an der Line of Scrimmage und damit insgesamt defensiv ein anderes Gesicht zeigen.
Offensiv ändert sich überhaupt nichts. Die Offensive Line, die sich im Laufe der Saison stabilisiert hat, bleibt komplett intakt. Higgins, Chase und Burrow sind das Herzstück dieses Teams. Iosivas bleibt die Nummer 3, Gesicki der Nummer-1-Tight-End und das Backfield, sowie die De-Facto-Nummer-3-Receiver-Rolle, gehört Chase Brown.
Die Offense wird wieder gut sein. Und wenn die Defense es zumindest ins Liga-Mittelfeld schafft, hat Cincinnati eine reelle Playoff-Chance.
Ähnliche Ausgangslage wie in Cincinnati. Offensiv ändert sich wenig bis gar nichts, davon ausgehend, dass George Pickens nicht doch noch getradet wird. Pickens und Lamb sind ein Top-Tier-Receiver-Duo, die Offensive Line ist jung und gut - Right Tackle wäre hier am ehesten das Fragezeichen - und Dak Prescott ist ein Top-10-Quarterback.
Es ist die Defense, die dringend Arbeit brauchte. Und hier hat Dallas kräftig investiert: Rashan Gary gibt ihnen die Physis, die auf Edge gefehlt hat. Jalen Thompson und Caleb Downs sind ein riesiges Safety-Upgrade. Insbesondere Downs dürfte im neuen defensiven Scheme aufblühen.
Malachi Lawrence bringt den Edge-Speed mit, der bisher gefehlt hat. Und plötzlich erkennt man ein Gesamtbild, das immer stimmiger wird. Mit der Physis in der Interior Defensive Line und mehr Pass-Rush-Explosivität außen. Mit flexibel einsetzbaren Matchup-Waffen in Thompson und Downs.
Dallas sollte defensiv eine viel klarere Identität haben und auch eine Handschrift, die sich in besseren sportlichen Ergebnissen bemerkbar macht. Die größte Baustelle ist und bleibt jetzt Outside Cornerback. Aber die Playoffs müssen hier das klare Ziel sein.
Zu viele Packers-Spielzeiten hatten jetzt ein ausgesprochen enttäuschendes Ende. Nicht nur in Form von finalen Niederlagen, sondern weil die gleichen Muster sich gerade in den Playoffs wiederholten.
Das soll dieses Jahr endlich anders werden, doch muss diese Veränderung von innen heraus angetrieben werden. Denn Green Bay hatte nicht viel Spielraum für große Moves, und dementsprechend ist der Kader auf dem Papier auch eher schlechter als besser geworden.
Romeo Doubs und Dontayvion Wicks sind weg, genau wie Quay Walker, Elgton Jenkins, Nate Hobbs, Rashan Gary und Rasheed Walker. Keine unersetzbaren Spieler, aber gute Rotationsspieler bis solide Starter allesamt. Das ist ein Qualitätsverlust, der sich bemerkbar machen wird. Teilweise bei den Startern, teilweise in der Tiefe.
Die Packers haben nach wie vor einen sehr hohen Floor. Das war nie das Problem der letzten Jahre. Das Problem war - und ist - es, den nächsten Schritt zu schaffen. Dafür müssen Spieler wie Matthew Golden und Jordan Morgan einschlagen und die Superstars, allen voran Micah Parsons, Jordan Love und Tucker Kraft, müssen fit bleiben. Dann ist auch der tiefere Playoff-Run möglich.
Es wäre zu aggressiv, den A.J. Brown Trade hier schon einzupreisen. Ich habe es aber im Hinterkopf, dass das vermutlich passieren wird. Und natürlich würde es die Receiver-Dynamik nochmal gänzlich verändern, aber auch die Verpflichtung von Romeo Doubs trägt hier bereits dazu bei. Doubs ist ein X-Receiver, der Räume und Rollen für andere öffnet. Kayshon Boutte könnte davon profitieren, Kyle Williams könnte davon profitieren.
Ich sehe auch die Veränderungen in der Offensive Line positiv. Jared Wilson rückt auf seine angestammte Center-Position, Alijah Vera-Tucker wurde als Left Guard geholt. Hier könnte New England auf zwei Positionen besser geworden sein. Bei Will Campbell bleibt abzuwarten, ob er langfristig als Left Tackle funktioniert. Mit Caleb Lomu hätte New England jetzt eine Notfall-Alternative - oder eben seinen langfristigen Starting-Right-Tackle. Die Offense lebte letztes Jahr sehr von Drake Mayes individueller Qualität, hier hat New England seine Gesamtqualität verbessert.

Die Defense ist weitestgehend unverändert. Dre'Mont Jones ersetzt K'Lavon Chaisson, Kevin Byard ersetzt Jaylinn Hawkins. Gabe Jacas ist der Rookie, der am ehesten hier einen Impact haben könnte. Top-10-Dunstkreis ist auf der Seite des Balls abermals möglich.
Genau wie den potenziellen Brown-Trade habe ich auch die Situation um Mike Vrabel hier eher im Hinterkopf berücksichtigt. Wir wissen letztlich nicht, welchen Effekt das auf das Team haben wird und ob es womöglich doch noch weitere, spürbare Konsequenzen gibt. Auch wenn die Liga bereits verkündet hat, dass sie keine Sperre verhängen wird.
Aus Detroit hat man in dieser Offseason eine übergreifende Nachricht immer wieder gehört: Die Lions haben ein wenig ihre Identität verloren. Ihren Edge, diese Physis und Power, die Dan Campbells Team über die Jahre so ausgezeichnet haben. Und es ist nicht schwer, zu erkennen, wo das anfängt: mit der Offensive Line.
Über Jahre war das eine klare Stärke der Lions, doch bereits 2024 zeigte der Pfeil nach unten. 2025 konnte Detroit dann hier merklich nicht mehr das Spielgeschehen diktieren, und prompt wurden weitere Schwachstellen aufgedeckt. Cade Mays und Top-Pick Blake Miller sollen dabei helfen, diese Dominanz wieder möglich zu machen.
Aber dieses Thema überträgt sich auch auf die Defense, wo die Lions ebenfalls investiert haben, um diesen physischen Edge wieder zu finden. Derrick Moore wird jede Chance bekommen, sich den Starting-Edge-Spot gegenüber von Aidan Hutchinson zu verdienen und Jimmy Rolder könnte helfen, den Verlust von Alex Anzalone aufzufangen.
Man sieht hier die klare Idee und das, was die Lions wieder sein wollen. Gerade defensiv müssen aber auch andere Dinge jetzt eintreten: Terrion Arnold muss seinen Pre-Draft-Lorbeeren gerecht werden. Kerby Joseph muss fit werden. Safety-Kollege Brian Branch hat sich Anfang Dezember die Achillessehne gerissen, hier ist vermutlich Geduld gefordert.
Und noch eine Sache muss funktionieren: John Morton war nicht die Lösung, nachdem Detroit Offensive Coordinator Ben Johnson vor einem Jahr verloren hatte. Jetzt soll es Drew Petzing richten, der Arizona mit gemischten Resultaten verlässt und letztes Jahr offensichtliche Schwierigkeiten damit hatte, das Run Game ins Rollen zu bringen, nachdem er seinen Run Game Coordinator verloren hatte. Die Lions sind gut genug, um die Division zu gewinnen. Aber jetzt müssen ein paar kritische Moves mal wieder sitzen.
Von allen Vorjahres-Playoff-Offenses wird die Chargers-Offense den größten Sprung verglichen mit dem Vorjahr machen. Das halte ich für eine sehr realistische Prognose, nachdem Los Angeles Rashawn Slater vor der Saison und Joe Alt während der Saison verlor, jetzt zusätzlich einen neuen Starting-Center verpflichtet hat, und der Mann an der Seitenlinie ausgetauscht wurde.

Es ist schwer, ausreichend in Worte zu fassen, wie extrem der Sprung von Greg Roman zu Mike McDaniel sein sollte. Nicht nur qualitativ, sondern wie sich die Offense anfühlen wird. Viel offener, viel schneller, viel dynamischer. Das zumindest muss die Erwartungshaltung sein, auch mit Blick auf die Skill Player.
Omarion Hampton und Keaton Mitchell haben mehr als genug Big-Play-Potenzial. Quentin Johnston kann in einer solchen Rolle funktionieren. Rookie-Receiver Brenen Thompson könnte spezifisch in dieser Offense einer der spannendsten Tag-3-Picks aus diesem Draft sein.
Hier ist also viel Optimismus angebracht. Aber gilt das auch für die Defense? Hier haben die Chargers mit Jesse Minter einen exzellenten Coordinator verloren, genau wie Pass-Rusher Odafe Oweh. Letzterer soll durch Rookie Akheem Mesidor ersetzt werden. Die Chargers haben eine solide Defense, die letztes Jahr lange deutlich besser spielte als das. Das ist ein Coaching-Thema. Die Chargers werden ihre Offense brauchen, um eine mutmaßliche Regression auf der defensiven Seite des Balls aufzufangen.
Die Hebel, die in der Eagles-Offense in dieser Offseason in Bewegung gesetzt wurden, sind faszinierend. Die wichtigsten Punkte: Die Eagles haben sich nach 13 Jahren von Offensive Line Coach und Run Game Coordinator Jeff Stoutland getrennt. Das ist der noch relevantere Schritt als das erneute Austauschen des Offensive Coordinators. Stoutland war über die Jahre eine prägende Figur für die Eagles-Offense, nicht nur, weil er die beste Offensive Line der Liga formte, sondern weil es sein Run Game war, das den Eagles einen großen Teil ihrer offensiven Identität gab.
Davon will Philadelphia jetzt weg gehen, maßgeblich deshalb kam es zur Trennung. Der neue Offensive Coordinator Sean Mannion soll die Offense gänzlich neu formen können. Das betrifft das Run Game, die Verzahnung mit dem Passing Game, und auch das Passing Game selbst. Makai Lemon, Eli Stowers und Dontayvion Wicks sind die größten Neuzugänge bei den Pass Catchern, es sind alles Spieler, die ihre Qualitäten über die Mitte des Feldes haben.

Das ist nicht der Bereich, den Jalen Hurts bisher gut attackiert hat. Vielleicht hilft eine neue Offense mit besseren Waffen in dem Bereich des Feldes. Vielleicht aber auch nicht, und das Scheme passt nicht zum Quarterback, was ein großes Problem für die kommende Saison darstellen würde. Zumal wir davon ausgehen müssen, dass die Eagles A.J. Brown noch traden werden.
Im Vergleich dazu ist die Defense fast ein wenig langweilig. Riq Woolen kommt als neuer Starting-Corner, Jonathan Greenard ersetzt Jaelan Phillips. Die Defense ist gut und sollte auch 2026 gut sein.
Ich bin sehr gespannt auf die Eagles. Wenn die neue Offense funktioniert, kann Philadelphia sich schnell wieder als ein Top-Titelkandidat entpuppen.
Houstons Identität liegt ohne Frage auf der defensiven Seite des Balls, daran hat auch diese Offseason nichts geändert. Im Gegenteil: Reed Blankenship war der teuerste Free Agency Neuzugang und gibt Houston mehr Stabilität auf der Safety-Position.
Zweitrunden-Pick Kayden McDonald adressiert derweil die größte übrige Baustelle dieser Defense: McDonald ist ein massiver Run-Stuffing-Nose-Tackle, der Räume für die vielen gefährlichen Pass-Rusher und Blitzer kreieren, vor allem aber den Texans mehr Stabilität gegen den Run geben wird.
Außerhalb von Verletzungen ist schwer vorstellbar, dass die Texans auf der Seite des Balls keine Top-5-Unit stellen. Es ist die Offense, die letztes Jahr abermals für Bauchschmerzen sorgte, und bei der abermals der Versuch im Vordergrund steht, die Offensive Line zu reparieren. Braden Smith, Wyatt Teller und Erstrunden-Pick Keylan Rutledge sind die diesjährigen Neuzugänge für dieses Ziel, und ein Thema ist hier klar: Mehr Physis, mehr Power, und mehr Spieler, die den Floor dieser Unit stabilisieren.
Vielleicht reicht das. Vielleicht ist das zusammen mit dem via Trade verpflichteten David Montgomery genug, um Houston ein konstantes Run Game zu geben und C.J. Stroud damit zu entlasten. Die Receiver sind so oder so gut genug, dass Stroud auch unabhängig davon besser spielen können sollte, als in Teilen der vergangenen Saison.
Nach sehr vielen sehr knappen Siegen in der vergangenen Saison muss man bei Denver ein gewisses Maß an Regression einplanen. Gleichzeitig wird der Trade für Jaylen Waddle dabei helfen, dieser Regressen entgegenzusteuern.
Denver hat eine sehr gute Offensive Line, eine verbesserte Playmaker-Gruppe und solange Bo Nix wie ein Liga-Mittelfeld-Quarterback spielen kann, sollte Denver auf dieser Seite des Balls auch mehr Stabilität finden als in Teilen der vergangenen Saison. Hier bleibt noch abzuwarten, wie sich die Veränderung beim Play-Caller auswirkt: Sean Payton tritt das Play-Calling an Davis Webb ab.
Die Defense ist seit einer Weile eine der ligaweit besten. Die Fixpunkte Pat Surtain, Nik Bonitto, Zach Allen und Jonathon Cooper passen ideal zu Vance Josephs aggressivem Stil. Die Broncos blitzen, sie kreieren Eins-gegen-Eins-Matchups im Pass-Rush und setzen ihre Cornerbacks aggressiv ein. Vorjahres-Erstrunden-Pick Jahdae Barron könnte hier jetzt auch eine größere Rolle bekommen.
Denver ist insofern schwierig einzuschätzen, als dass es nicht leicht wird, den Record aus dem Vorjahr zu wiederholen. Einige knappe Spiele werden dieses Jahr andersherum ausgehen und Nix bleibt ein X-Faktor. In die eine oder andere Richtung.
Es ist riskant, zu große Hoffnungen in einer Saison-Prognose auf mehrere Rookies zu setzen. Ob diese einschlagen, das ist ohnehin eine Frage für sich. Und da sprechen wir noch gar nicht über die Frage, wie gut die Rookies dann in ihr neues Team rein passen.
Die Chiefs sind vielleicht das Team, bei dem ich vor der kommenden Saison hier am optimistischsten bin. Weil Mansoor Delane so ein gutes Prospect ist, den größten Need adressiert und die Chiefs sehr gut darin sind ,Cornerbacks zu entwickeln. Weil R Mason Thomas und Peter Woods in jedem Fall eine Explosivität in den Pass-Rush bringen, die gefehlt hat.
Das in Kombination mit der Rückkehr von Rashee Rice, einem hoffentlich wieder vollständig verfügbaren Josh Simmons und Neuzugang Kenneth Walker, der den Chiefs dringend benötigte Explosivität im Run Game gibt, darf für Optimismus sorgen.

Aber Kansas City war letztes Jahr nicht nur deshalb im Laufe der Saison eine sportliche Enttäuschung, weil man viele enge Spiele verlor und Pech mit Verletzungen hatte. Kansas City hat dann anschließend seine beiden Starting-Cornerbacks verloren und einige der Baustellen aus dem letzten Jahr übertragen sich nahtlos auf die Prognose für 2026.
Der Impact von Travis Kelce wurde über die letzten Jahre schon schrittweise geringer. Wenn hier ein weiterer Drop-Off kommt, haben die Chiefs dann genügend Receiving-Qualität? Sind Simmons und Jaylon Moore auf Tackle gut genug? Und natürlich: Wann ist Patrick Mahomes nach seinem Kreuzbandriss wieder bei 100 Prozent?
Sehr viele Veränderungen bei den Ravens, die aber auch einen gewissen Optimismus zulassen. Insbesondere auf der defensiven Seite des Balls: Der neue Head Coach Jesse Minter hat letztes Jahr bei den Chargers sehr viel aus solider Qualität gemacht.
Jetzt bekommt er aller Voraussicht nach Nnamdi Madubuike zurück, Trey Hendrickson, Calais Campbell und Rookie Zion Young kommen in der Front mit dazu und ich bin sehr gespannt darauf, was Minter mit Kyle Hamilton und Malaki Starks plant. Ich erwarte die Ravens-Defense wieder zurück in der Liga-Spitze.
Offensiv bleibt abzuwarten, wie gut Baltimore den Verlust von Tyler Linderbaum kompensieren kann. Top-Pick Olaivavega Ioane und John Simpson sollten jedenfalls ein deutlich besseres Guard-Duo darstellen, als Baltimore es letztes Jahr hatte.
Spannend wird hier auch Minters vielleicht wichtigste Verpflichtung: Declan Doyle übernimmt als Offensive Coordinator, ein erst 30-jähriger Coach-Shootingstar, der letztes Jahr Ben Johnsons Offensive Coordinator in Chicago war. Eine Veränderung zeigte bereits der Draft: Mit Ja'Kobi Lane und Elijah Sarratt ist Baltimores Receiver-Gruppe physisch deutlich größer geworden. Die zentrale Frage aber natürlich lautet, wie genau Doyle die Offense um Lamar Jackson und Derrick Henry herum aufbauen will.
Nick Bosa, Fred Warner und Mykel Williams zurück zu bekommen, wird für die Front und die Defense insgesamt natürlich einen riesigen Boost bedeuten. Dazu kommt Osa Odighizzuwa via Trade aus Dallas neu mit dazu, Dre Greenlaw wurde zurückgeholt und die Defensive Line hat mit den Rookies Romello Height und Gracen Halton mehr Pass-Rush-Tiefe dazu bekommen.
Zwar müssen die Niners den Verlust von Defensive Coordinator Robert Saleh auffangen, Raheem Morris sollte hier aber für einen nahtlosen Übergang sorgen können. San Franciscos Defense war spät in der vergangenen Saison, was die individuelle Qualität angeht, kaum noch konkurrenzfähig. Diese Unit wird 2026 ein gänzlich anderes Gesicht haben und sollte wieder eine echte Stärke mit Top-8-Potenzial sein.
Passiert das, habe ich San Francisco als Titelanwärter auf dem Zettel. Denn die Offense war trotz ebenfalls zahlreicher Verletzungen, inklusive auf der Quarterback-Position, immer noch gut bis sehr gut. Jetzt kommen Mike Evans und Christian Kirk mit dazu, genau wie Zweitrunden-Pick De'Zhaun Stribling. Center und Left Guard sind mögliche Fragezeichen, das wichtigste Thema auf der Seite des Balls aber lautet: Wann ist George Kittle (Achillessehnenriss in den Playoffs gegen die Eagles) wieder fit?
Die Defense ist hier schnell abgehandelt. Die Seahawks haben sich im Laufe der vergangenen Saison in die beste Defense der Liga entwickelt, und man kann davon ausgehen, dass es abermals eine Top-5-Unit sein wird. Auch wenn man die Abgänge nicht unterschätzen sollte: Tariq Woolen und Coby Bryant müssen in der Secondary ersetzt werden, und infolge des Abgangs von Boye Mafe wird die wichtige Edge-Rotation weniger tief sein.
Dennoch ist die Defensive Line in Summe eine der besten in der NFL, und Nick Emmanwori, Devon Witherspoon und Julian Love sind die Säulen im hinteren Bereich der Defense. Mike Macdonald hat hier zudem zwei Rookies an die Hand bekommen (Zweitrunden-Pick Bud Clark und Drittrunden-Pick Julian Neal), die er in der Secondary formen kann.
Offensiv gibt es da mehr Fragezeichen: Macht Sam Darnold so weiter? Ist die Offensive Line gut genug? Im Backfield ist Kenneth Walker weg und Zach Charbonnet wird noch länger ausfallen, ist Seattle hier mit Rookie Jadarian Price und Emanuel Wilson ausreichend gut besetzt?
Über allem steht aber die Veränderung an der Seitenlinie. Brian Fleury ist der neue Offensive Coordinator, nachdem Klint Kubiak die Raiders als neuer Head Coach übernommen hat. Schematisch ist es keine schwierige Prognose: Fleury verbrachte die letzten sieben Jahre unter Kyle Shanahan in San Francisco und war zuletzt vor allem als Tight Ends Coach und als Run Game Coordinator gefragt. Das Run Game zu gestalten und es mit dem Passing Game zu verknüpfen sollte seine Kernkompetenz sein, genau das machte Kubiaks Offense letztes Jahr aus.
Die beste Offense der letzten drei Jahre (Platz 1 in EPA pro Play, Platz 2 in Success Rate) hat sich in den letzten drei Jahren immer wieder mit einem übergreifenden Problem herumgeschlagen: Der Nummer-1-Receiver hat gefehlt. Die Bills hatten - und haben - viele sehr gute Role Player und Komplementär-Spieler. Khalil Shakir, Dalton Kincaid, Dawson Knox, Joshua Palmer, das ist eine gute Basis. In Kombination mit einer dominanten Offensive Line, einem dominanten Run Game und Josh Allen führt das zu einer unheimlich starken Offense.
Doch der Difference Maker fehlte, und das merkte man vor allem in den Playoffs. Gute Defenses konnten Man Coverage spielen und Buffalo in der Postseason damit erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Die zentrale Frage für die Bills-Saison-Prognose lautet: Ist D.J. Moore derjenige, der dieses Problem löst? Dann könnte das der Trade sein, der für die Bills endlich den Weg in den Super Bowl ebnet.

Wenn Joe Brady den Sprung zum Head Coach schafft. Und wenn Jim Leonhard vielleicht mehr aus der Defense machen kann. Hier hat Buffalo unter anderem Joey Bosa verloren, aber mit Bradley Chubb und Top-Pick T.J. Parker seine Edge-Gruppe vielleicht trotzdem verbessert. Die Secondary könnte eine echte Stärke sein, Linebacker ist vielleicht die größte Schwachstelle in einem ansonsten auf dem Papier sehr kompletten Team.
Der Ty-Simpson-Pick wurde bereits ausführlich diskutiert, und das nicht zum letzten Mal. Es reicht eine Verletzung von Davante Adams, und das Thema wird wieder alles rund um die Rams dominieren. Doch der relevante Punkt für dieses Ranking ist jener: Die Rams waren der Titelfavorit vor der kommenden Saison vor dem Draft, und der Nummer-13-Pick ändert daran nichts.
Natürlich hätte ich ein noch besseres Gefühl bei dieser Prognose, wenn Makai Lemon oder KC Concepcion als dritter Receiver bereit stünde. Als zusätzliche Waffe, oder eben, sollte etwas mit Adams oder mit Puka Nacua passieren. Und generell kann man die Tiefe ein wenig mit Sorge betrachten, das gilt auch in der Offensive und Defensive Line.
Aber was die Rams in Summe auf den Platz bringen können, ist das kompletteste Team in der NFL. Cornerback war die größte Schwachstelle letztes Jahr, hier haben sie lange vor dem Draft mit Trent McDuffie und Jaylen Watson ihren Win-Now-Willen gezeigt. Die Defensive Line ist eine klare Stärke, Kam Curl und Kam Kinchens haben sich als gutes Safety-Duo etabliert. Und weil Chris Shula keinen Head-Coaching-Job übernommen hat, bleibt hier auch der Play-Caller unverändert.
Zu was die Offense mit McVay, Stafford, Adams, Puka Nacua und ihrer Tight-End-Armada in der Lage ist, haben wir bereits letztes Jahr auf eindrucksvolle Art und Weise gesehen. Wenn die Stars fit bleiben, ist das ein Team, das genug Qualität dazubekommen hat, um als der klare Topfavorit in die Saison zu gehen.
Adrian Franke