17.05.2026
Ein weiteres Jahr
Mit der erwarteten Verpflichtung von Aaron Rodgers schaffen die Pittsburgh Steelers auf der wichtigsten Position im Football zunächst Klarheit. Der 42 Jahre alte Quarterback hat am Samstag einen Einjahresvertrag über bis zu 25 Millionen Dollar unterschreiben. Doch gleichzeitig eröffnet seine Rückkehr eine Reihe neuer Fragen - vor allem mit Blick auf die Zukunft hinter dem Routinier.

Im Fokus steht nun die Zusammensetzung des Quarterback-Raums. Neben Rodgers stehen mit Mason Rudolph, Will Howard und Drew Allar gleich drei weitere Spielmacher im Kader. Die Steelers müssen entscheiden, ob sie auf Erfahrung oder Entwicklung setzen - und wie sie die wenigen Trainingsreps zwischen einem alternden Star und zwei unerfahrenen Talenten aufteilen.
Die kommenden Monate dürften entscheidend werden. Über die Offseason-Programme, das Trainingslager im Juli in Latrobe bis hin zur finalen Kaderreduzierung von 90 auf 53 Spieler wird sich zeigen, welche Rolle die einzelnen Quarterbacks künftig einnehmen.
Head Coach Mike McCarthy machte bereits beim Rookie-Minicamp deutlich, dass er grundsätzlich gerne mit mehreren Quarterbacks arbeitet. Drei Spielmacher seien üblich, vier sogar "großartig". Historisch gesehen starteten McCarthy-Teams allerdings fast nie mit vier Quarterbacks in die Saison.
Besonders spannend ist die Situation der jungen Quarterbacks. Weder Drew Allar noch Will Howard haben bislang einen NFL-Pass geworfen. Howard verbrachte die vergangene Saison größtenteils auf der Injured Reserve List. Mason Rudolph dagegen bringt Erfahrung mit: In sieben NFL-Jahren absolvierte er 19 Spiele, warf 30 Touchdowns bei 22 Interceptions und gilt als verlässliche, wenn auch limitierte Alternative.
McCarthy gilt seit Jahren als Quarterback-Spezialist und scheint Gefallen an der aktuellen Konstellation zu finden. Besonders die Arbeit mit jungen Spielmachern bereite ihm große Freude, erklärte der Coach.
Er verwies darauf, dass ihn die Entwicklung von Quarterbacks schon immer gereizt habe und er im Laufe seiner Karriere von zahlreichen erfahrenen Veteranen lernen konnte. Die Zusammenarbeit mit Quarterbacks-Coach Tom Arth bezeichnete McCarthy als besonders wertvoll.
Historisch setzte McCarthy meist auf mindestens einen erfahrenen Backup hinter seinem Starter. Ausnahmen gab es nur selten - etwa 2006 in Green Bay, als Brett Favre von den damals noch unerfahrenen Aaron Rodgers und Ingle Martin unterstützt wurde.
Sollten die Steelers tatsächlich mit Rodgers, Howard und Allar in die Saison 2026 gehen, wäre dies die unerfahrenste Quarterback-Gruppe hinter einem Starter in McCarthys gesamter Trainerlaufbahn.
Gerade deshalb bleibt Mason Rudolph ein zentraler Faktor. Der Veteran bietet Stabilität und NFL-Erfahrung, besitzt aber gleichzeitig ein bekanntes Leistungsniveau. Howard und Allar hingegen stehen für Potenzial und langfristige Perspektive - zudem investierten die Steelers Draftpicks in beide Spieler.
Auch wirtschaftlich könnte Rudolph zur Disposition stehen. Der Quarterback geht in das zweite Jahr eines Zweijahresvertrags über 7,5 Millionen Dollar. Eine Trennung würde Pittsburgh rund drei Millionen Dollar an Salary-Cap-Spielraum verschaffen. Denkbar wäre zudem ein Trade für einen späten Draftpick.
Eine weitere Option: Rudolph könnte als erfahrener Veteran im Practice Squad bleiben - sofern er bereit wäre, eine solche Rolle anzunehmen.
nkr