20.01.2026
Nur wenige Tage nach Playoff-Aus
Die Tennessee Titans haben ihren neuen Cheftrainer gefunden. Nach intensiven Gesprächen finalisiert die Franchise eine Einigung mit Robert Saleh, zuletzt Defensive Coordinator der San Francisco 49ers. Damit setzt Tennessee auf einen defensiv geprägten Coach mit Head-Coaching-Erfahrung und auf einen klaren Neustart nach einer 3-14-Saison.

Nur zwei Tage nach dem deutlichen 41:6-Debakel der San Francisco 49ers in der Divisional Round gegen den Rivalen Seattle Seahawks ist bei den Niners bereits eine zentrale Personalentscheidung gefallen. Defensive Coordinator Robert Saleh hat laut ESPN einen neuen Head-Coaching-Job gefunden und schlägt damit unmittelbar nach dem bitteren Playoff-Aus ein neues Kapitel auf.
Ursprünglich war ein virtuelles Interview angesetzt, doch die Tennessee Titans zogen den Prozess vor und holten Robert Saleh kurzfristig nach Nashville. Zwar führte Tennessee am selben Tag auch ein persönliches Gespräch mit Matt Nagy, letztlich fiel die Entscheidung jedoch zugunsten Salehs. Ausschlaggebend waren laut ligaweiten Berichten vor allem seine Führungsqualitäten und die Fähigkeit, ein gesamtes Gebäude mitzunehmen - ein Profil, das General Manager Mike Borgonzi öffentlich eingefordert hatte.
Für Saleh ist es die zweite Station als Head Coach. Von 2021 bis 2024 führte er die New York Jets, wo seine Amtszeit maßgeblich von der instabilen Quarterback-Situation geprägt war. Trotz des spektakulären Trades für Aaron Rodgers kam der sportliche Durchbruch nicht zustande; Saleh beendete seine Jets-Zeit mit einer 20-36-Bilanz. Aus dieser Phase nahm er nach eigener Aussage zentrale Lehren mit - insbesondere im Umgang mit dem gesamten Kader und der internen Kommunikation.
In San Francisco bewies Saleh zuletzt erneut seinen Wert. Trotz langfristiger Ausfälle von Leistungsträgern wie Nick Bosa und Fred Warner formte er eine stabile Einheit, die die Saison als 13.-beste Scoring Defense abschloss. Genau diese Handschrift soll er nun nach Tennessee bringen. Die Titans stellten 2025 eine der anfälligsten Defensiven der Liga (28,1 Punkte pro Spiel) - der größte Hebel für eine schnelle Trendwende.
Saleh wird in Nashville voraussichtlich auch selbst die defensiven Plays callen, etwas, das er als Jets Head Coach nicht durchgehend tat. Parallel dazu steht eine der wichtigsten Personalentscheidungen noch aus: die Besetzung des Offensive Coordinators und eines Quarterbacks-Coaches, der den Aufbau des jungen Franchise-Quarterbacks begleiten soll.
Mit dem ersten Pick des Drafts 2025 sicherten sich die Titans Cam Ward. Der Rookie zeigte in seinem ersten Jahr Ansätze (3169 Yards, 15 Touchdowns), benötigt aber Stabilität und klare Strukturen. Salehs Auftrag ist damit zweigeteilt: eine defensive Identität etablieren und gleichzeitig ein Umfeld schaffen, in dem sich Ward nachhaltig entwickeln kann.
Saleh wird der 20. Head Coach der Franchise-Geschichte und der siebte seit dem Umzug nach Nashville. Die Titans haben die Playoffs seit 2021 nicht mehr erreicht, bereiten sich parallel auf den Umzug in ein neues Stadion im Jahr 2027 vor und verfügen über den vierten Pick im Draft 2026. Die Rahmenbedingungen für einen strukturellen Neuaufbau sind vorhanden.
Mit Robert Saleh setzen die Titans auf Klarheit statt Experiment, auf defensive Stabilität statt kurzfristiger Lösungen und auf einen Coach, der weiß, wie schnell sich Narrative in der NFL ändern können.
mgs