20.01.2026
Mehr als ein Trainerwechsel
Die Tennessee Titans haben im aktuellen NFL-Hiring-Zyklus einen echten Volltreffer gelandet. Mit Robert Saleh sichern sie sich einen der angesehensten Defensive-Masterminds der Liga. Eine Verpflichtung, die weit über einen normalen Trainerwechsel hinausgeht.

Laut übereinstimmenden Berichten wird Robert Saleh, zuletzt Defensive Coordinator der San Francisco 49ers, neuer Head Coach der Tennessee Titans. In einem hart umkämpften Coaching-Markt ist es Tennessee gelungen, einen der begehrtesten Namen für sich zu gewinnen. Angesichts der Konkurrenz und der Ausgangslage darf man diese Entscheidung mit gutem Grund als Sechser im Lotto bezeichnen.
Saleh galt als einer der Top-Kandidaten dieses Hiring-Zyklus. Umso bemerkenswerter ist seine Entscheidung für die Titans - trotz offener Head-Coach-Positionen bei den Baltimore Ravens und den Buffalo Bills. Beide Franchises bieten etwas, das kaum zu überbieten ist: einen MVP-Quarterback und unmittelbare Super-Bowl-Ambitionen.
Dass Saleh sich dennoch für Tennessee entschied, spricht doppelt für die Titans. Zum einen für das sportliche Projekt und das Talent, das er dort sieht. Zum anderen für das Angebot, das ihm gemacht wurde - Berichten zufolge inklusive eines Fünfjahresvertrags.
Wie auch andere Verpflichtungen in diesem Zyklus setzen die Titans auf einen Coach mit Head-Coach-Erfahrung. Saleh war von 2021 bis 2024 Head Coach der New York Jets. Das Projekt scheiterte letztlich am fehlenden sportlichen Erfolg: Saleh kam auf eine Bilanz von 20 Siegen bei 36 Niederlagen - anders ausgedrückt auf eine Winning Percentage von knapp 36 Prozent.
Doch das lag nicht an der Defense. Im Gegenteil: Unter Saleh stellten die Jets über weite Strecken eine der besten Defensiven der NFL. Was fehlte, war über Jahre hinweg eine funktionierende Offense - vor allem aufgrund schwacher Leistungen auf der Quarterback-Position. Das anschließend viel diskutierte Aaron-Rodgers-Experiment sollte der letzte Hebel sein, ging jedoch bekanntlich nicht auf und kostete Saleh am Ende den Job.
Dass Saleh weiterhin zu den besten Defensiv-Coaches der Liga gehört, bewies er in der abgelaufenen Saison eindrucksvoll. Nach seiner Rückkehr zu den 49ers übernahm er erneut die Defense als Coordinator - eine Rolle, in der er bereits vor seiner Jets-Zeit bis in den Super Bowl vorgestoßen war.
Trotz zahlreicher Verletzungen von Schlüsselspielern wie Nick Bosa und Fred Warner formte Saleh eine stabile Einheit, die es bis in die Divisional Round schaffte, ehe man an den Seattle Seahawks scheiterte. Seine Fähigkeit, mehr aus dem vorhandenen Personal herauszuholen, als es das reine Talent vermuten lässt, ist ligaweit anerkannt.
Ein zentraler Faktor für die Titans ist Salehs enge Verbindung zu Kyle Shanahan. Diese Shanahan-Connection öffnet die Tür zu einem der einflussreichsten Coaching-Netzwerke der NFL - dem berüchtigten Shanahan-Coaching-Tree. Für Tennessee ist das ein enormer strategischer Vorteil.
Gerade mit Blick auf Cam Ward, First Overall Pick 2025 und Quarterback der Titans, ist das Gold wert. Tennessee stellte in der vergangenen Saison die drittschlechteste Scoring Offense der Liga mit durchschnittlich nur 16,7 Punkten pro Spiel. Die insgesamt 284 erzielten Punkte waren 234 weniger, als die Los Angeles Rams im selben Zeitraum auflegten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Saleh einen starken offensiven Playcaller aus dem Shanahan-Netzwerk installiert, der sofort für eine modernere und produktivere Offense sorgt - während er selbst die Defense wieder in Richtung Ligaspitze führt. Mit einem All-Pro wie Jeffery Simmons als Herzstück sind die Voraussetzungen dafür gegeben.

Mit einem jungen Quarterback, einer klaren defensiven Identität und frischen Impulsen in der Offense könnten die Titans schneller als erwartet den nächsten Schritt machen. Saleh bringt genau das Profil mit, das Tennessee braucht: Head-Coach-Erfahrung, Elite-Defense-Kompetenz, ein erstklassiges Coaching-Netzwerk und die Autorität, ein gesamtes Team zu formen.
Gleichzeitig ist die Entscheidung für Saleh nicht ohne Risiko. Obwohl er in Tennessee auf Talent und gute Voraussetzungen trifft, ist dieser Weg nicht der sicherste auf dem Markt. Gerade im Vergleich zu Baltimore oder Buffalo stellt sich die Frage, warum Saleh sich bewusst für ein Projekt mit Cam Ward entscheidet - einem Quarterback, der zwar vielversprechende Ansätze gezeigt hat, aber noch weit entfernt ist von einem Lamar Jackson oder Josh Allen.
Saleh wählt damit aktiv mehr Risiko statt Sicherheit. Denn nichts gibt einem NFL-Team einen stabileren Floor als konstant starkes Quarterback-Play - und nichts kann einem Team mehr schaden als dauerhaft schwache Leistugen auf dieser Position. Diese Erfahrung hat Saleh in New York selbst gemacht.
Die Verpflichtung von Robert Saleh ist für die Tennessee Titans dennoch ein absoluter Glücksgriff. Dass sie ihn trotz offener Stellen in Buffalo und Baltimore verpflichten konnten, zeigt, wie sehr Tennessee ihn wollte - und wie groß das Potenzial ist, das Saleh in Nashville sieht. Wenn Offense und Defense so zusammenfinden, wie es sein Profil erwarten lässt, steht in Tennessee bald ein Team auf dem Feld, das ligaweit für Aufmerksamkeit sorgen kann. Für die Titans könnte diese Verpflichtung der entscheidende Schritt sein, um den lange ersehnten Umbruch endlich erfolgreich einzuleiten.
val