04.02.2026
Rückblick mit Gänsehaut
Manchmal entfalten Worte ihre volle Bedeutung erst mit dem Lauf der Zeit. Bevor die Seattle Seahawks eine historisch starke Saison spielten und sich das Ticket für den Super Bowl LX sicherten, sprach Wide Receiver Jaxon Smith-Njigba im exklusiven Interview mit football-world über Ziele, Veränderungen und neue Hoffnungen. Heute, mit dem Wissen um das Erreichte, wirken viele seiner Aussagen beinahe prophetisch - und laden zu einem besonderen Blick zurück ein.

Bevor aus Hoffnung Geschichte wurde, sprach Jaxon Smith-Njigba über den neuen Weg der Seahawks. In der Nacht auf Montag (09.02., 0.30 Uhr) steht sein Team im Super Bowl LX - und seine Worte wirken rückblickend erstaunlich treffend.
Das folgende Interview wurde vor dem Start der Regular Season 2025 am 28.08.2025 veröffentlicht.
Hallo Herr Smith-Njigba, die neue Saison beginnt in anderthalb Wochen. Wie groß ist die Vorfreude bei Ihnen?
Ich freue mich jeden Tag, an dem die Saison näher rückt, etwas mehr. Wir haben einige neue Spieler dazu bekommen. Zudem geht Coach Mike Macdonald in sein zweites Jahr, wir wollen auf seiner Kultur aufbauen und den nächsten Schritt machen. Ich freue mich daher sehr auf die Saison, denn wir haben viel Arbeit investiert. Es wird also viel Spaß machen, am Sonntag wieder Football zu spielen.
Sie haben nicht nur neue Spieler, sondern in Ihrer dritten Saison haben Sie mit Klint Kubiak den dritten Offensive Coordinator. Was bringt er mit und was für eine Offense können wir erwarten?
Sie können einen guten Mix im Running und Passing Game erwarten, um es der Defense schwer zu machen. Ich habe das Gefühl, dass wir tolle Spieler wie Coop (Cooper Kupp, Anm. d. Red.) und Tory Horton haben, die Klint hin und her bewegen kann. Ich glaube, dass er bisher eine gute Balance gefunden hat und die Spieler dort einsetzt, wo sie am erfolgreichsten sein können.
Wie wird sich die Offense im Vergleich zum Vorjahr ändern? Wird es ein neues Scheme geben oder einfach mehr Balance?
Ich würde sagen, dass es viel Old School Smash Mouth Football geben wird. Wir werden uns auf den Run verlassen, sodass der Gegner ihn respektieren muss. Und dann werden wir ihnen den Ball über den Kopf werfen. Das ist unser Gameplan, an dem wir gearbeitet haben. Es wird also nicht so viel Bewegung vor dem Snap geben, sondern gradlinigen und einfachen Football, aber es wird eine gute Offense sein.
Mit Sam Darnold haben Sie einen neuen Starting Quarterback. Wie groß ist der Unterschied zwischen ihm und Vorgänger Geno Smith?
Sie sind zwei komplett verschiedene Menschen, haben aber dennoch dieselbe Herangehensweise ans Spiel und sind gute Anführer. Klint hat nun aber dafür gesorgt, dass wir eine klare und etwas gesündere Diskussion über unsere Offense haben. Die Verbindung zwischen Sam und mir hat sich auf ein anderes Level entwickelt, denn wir haben bereits im Frühling trainiert und es im Sommer weiter geschärft. Ich fühle mich einfach mehr connected in diesem Jahr.
Darnold hatte einen schwierigen Start in die NFL, hatte aber letztes Jahr eine starke Saison bei den Vikings. Wie groß ist sein Selbstvertrauen und seine Motivation, das nun Jahr für Jahr zu zeigen?
Er ist zu 1000 Prozent bereit dafür, das habe ich sofort gemerkt, als er bei uns angefangen hat. Er hat das Selbstvertrauen und die Führungsqualität, um uns alle zu motivieren. Er ist ein großartiger Anführer und weiß immer, wo jeder stehen muss. Er ist quasi wie ein General, der die Verantwortung übernimmt und sicherstellt, dass wir erfolgreich sind. Das ist ein super Gefühl, so jemanden auf der Quarterback-Position zu haben.

Als sie 2023 gedraftet wurden, hatten Sie mit Tyler Lockett und D.K. Metcalf starke Receiver-Kollegen. Was können wir von Ihnen erwarten, da nun beide weg sind?
Man kann von mir erwarten, dass ich den nächsten Schritt mache, denn das erwarte ich von mir selbst. Und auch wenn die beiden nicht mehr dabei sind, vertraue ich auf die tollen Spieler in unserer Offense. Ohne eine gute Offensive Line kann ich nicht frei werden und ohne ein funktionierendes Laufspiel wird es für unsere Receiver extrem schwer. Ich vertraue daher auf meine Teamkollegen, die natürlich auch auf mich setzen. Aber von mir kann man erwarten, dass ich die Chance ergreife und das Beste daraus mache.
Fühlen Sie mehr Druck, dass Sie nun eigentlich die Nummer-eins-Anspielstation sind?
Ich weiß, dass die Situation anders ist als in den letzten zwei Jahren, aber ich spüre keinen Druck. Meine Einstellung ist: Sei anspielbar und gewinn den Zweikampf gegen den Spieler vor dir. Und da ich mich selbst in allen Teams, in denen ich gespielt habe, immer als Nummer eins gesehen habe, ändert sich für mich nichts.
Sie haben vergangene Saison sehr häufig als Slot Receiver gespielt. Auch Neuzugang Cooper Kupp hat diese Position bei den Los Angeles Rams eingenommen. Wird es einen Zweikampf zwischen Ihnen um die Position geben oder werden Sie eine andere Rolle einnehmen?
Man wird mich viel mehr als Outside Receiver sehen, denn Kupp wird definitiv im Slot spielen. Aber Klint wird immer uns wieder auf dem Feld rotieren lassen. Daher werde ich überall zu finden sein, wie auch Coop und die anderen Spieler. Schließlich haben wir ganz viele Formationen.
Wie ist Ihre Beziehung mit Kupp? Haben Sie als junger Spieler schon etwas von ihm lernen können?
Es ist eine Ehre, mit einem Spieler wie ihm gemeinsam auf dem Feld zu stehen. Er hat den Super Bowl und die Triple Crown gewonnen, also kann man davon sehr viel lernen. Seine Spielweise ist einfach auf einem anderen Level. Immer wenn ich mit ihm Tape schaue und die Defense analysiere, nutze ich den Vorteil und stelle ihm viele Fragen. Schließlich ist er der Anführer in unserem Receiver Corps. Es ist einfach außergewöhnlich, eine Art zweiten Coach oder Quarterback auf dem Feld zu haben, denn er gibt uns allen mehr Selbstvertrauen.
Sie verfügen über eines der jüngsten Teams in der NFL. Können wir erwarten, dass Sie versuchen werden, die Gegner müde zu laufen?
Ich denke, dass wir im Team einen guten Mix haben. Wir haben viele junge Spieler, die viel Energie haben, hungrig auf die Partien sind und unbedingt Plays machen wollen. Zudem haben wir die Routiniers, die das immer noch in sich haben und genau wissen, wie sich bewegen müssen und wie sie die jungen Hunde trainieren müssen. Für mich sind zudem diese und letztjährige Draft-Klasse tolle Verstärkungen für uns. Ich liebe einfach unser Team.
Gibt es einen Spieler in Ihrem Team, auf den wir dieses Jahr achten sollten?
Auf jeden Fall. Unsere Tight Ends A.J. Barner und Elijah Arroyo haben sich in diesem Sommer sehr stark präsentiert, auch Tory Horton. Das sind zwei Rookies (Arroyo und Horton, Anm. d. Red.), in die ich viel Hoffnung setze und bei denen ich mir sicher bin, dass sie diesem Team bei dem Versuch helfen werden, einen Super Bowl zu gewinnen.

Lassen Sie uns damit über Saisonziele reden. Vergangene Saison haben Sie die Playoffs denkbar verpasst. Wie groß ist die Motivation, in diesem Jahr den nächsten Schritt zu machen?
Sie ist riesengroß. Das ist der nächste Schritt und das ist das, wo wir gerne hinwollen. Ich denke, dass wir uns da alle einig sind: Wir wollen einen tiefen Playoff-Run starten. Wir wissen, dass wir dafür jeden Tag unsere Aufgaben erledigen müssen.
Das wird nicht leicht, denn in der NFC wollen viele Teams in die Playoffs.
Das stimmt zu 100 Prozent, denn in der NFL kann jeder jeden schlagen. Wir müssen daher sichergehen, dass wir bestens vorbereitet sind und unsere Hausaufgaben erledigen.
Eine letzte Frage zum Abschluss. Würden Sie gerne einmal in Ihrer Karriere in Deutschland spielen? Beim Seahawks-Spiel in München waren Sie ja noch nicht im Team.
Ich würde sehr gerne nach Deutschland kommen, vielleicht klappt es ja nächstes Jahr. Ich werde definitiv deswegen rumfragen. Ich finde es daher super, dass die NFL es uns ermöglicht hat, in Europa, Südamerika oder andernorts zu spielen. Deutschland steht aber ganz oben auf der Liste.
In welchem Stadion würden Sie denn gerne spielen?
Ich habe noch nicht in München gespielt. Sollte ich also die Möglichkeit bekommen, würde mich sehr darüber freuen.
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smu, red