14.05.2026
272 Spiele, ein Plan
Jedes Frühjahr steht die NFL vor einer der größten organisatorischen Herausforderungen des Jahres: der Erstellung des Spielplans für die kommende Saison. Obwohl die Gegner aller Teams bereits direkt nach dem Ende der vorherigen Saison feststehen, beginnt die eigentliche Arbeit dann erst richtig.

Der NFL Schedule Release gehört mittlerweile zu den größten Events der gesamten Offseason. Millionen Fans warten jedes Jahr gespannt darauf, wann ihr Team spielt, welche Primetime-Games es gibt und wann internationale Spiele stattfinden. Und genau dieser Spielplan wird heute Nacht, in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai, final bekannt gegeben.
Doch hinter den 272 Spielen über 18 Wochen steckt ein enorm komplexer Prozess. Verantwortlich dafür ist ein kleines Team von NFL-Verantwortlichen. Unterstützt werden sie inzwischen von tausenden cloudbasierten Computern, die unzählige mögliche Spielpläne berechnen.
Bevor die NFL überhaupt einen finalen Schedule veröffentlicht, werden zunächst hunderttausende verschiedene Varianten erstellt. Denn bei der Planung müssen unzählige Faktoren berücksichtigt werden. Dazu gehören unter anderem Stadionverfügbarkeiten, internationale Spiele, TV-Partner, Reisebelastungen, Bye Weeks oder Großveranstaltungen in der Nähe der Stadien.
Bereits im Januar sammelt die Liga deshalb Informationen von allen Franchises über mögliche Konflikte. Konzerte, andere Sportevents, Paraden oder weitere Großveranstaltungen können Einfluss darauf haben, wann ein NFL-Team zuhause spielen kann.
Besonders kompliziert wird die Planung durch die mittlerweile neun internationalen Spiele der NFL sowie durch zahlreiche Vorgaben, die der Spielplan berücksichtigen muss.
Auch wenn die Reihenfolge der Spiele jedes Jahr neu geplant wird, stehen die Gegner eines Teams bereits lange vorher fest.
Jedes NFL-Team spielt insgesamt 17 Regular-Season-Spiele und hat eine Bye Week. Dabei basiert der komplette Spielplan auf Vorgaben durch ein festes Rotationssystem.
Jedes Team spielt zweimal gegen die drei Divisionsrivalen - jeweils einmal zuhause und einmal auswärts. Dazu kommen vier Spiele gegen eine komplette Division aus der eigenen Conference sowie vier weitere Spiele gegen eine komplette Division aus der anderen Conference.
Zusätzlich gibt es zwei Spiele gegen Teams aus den verbleibenden Divisions der eigenen Conference. Entscheidend dafür ist jeweils die Platzierung aus der Vorsaison. Ein Drittplatzierter trifft also beispielsweise auf andere Drittplatzierte.
Das 17. Spiel wurde mit der Erweiterung des Spielplans eingeführt und bringt ein weiteres Duell gegen ein Team aus der anderen Conference, das ebenfalls auf dem gleichen Platz in seiner Division gelandet ist.
Dieses System sorgt dafür, dass jedes Team innerhalb von vier Jahren mindestens einmal gegen jedes andere NFL-Team spielt.
Gemeinsam mit Amazon Web Services (AWS) nutzt die NFL tausende cloudbasierte Computer, um unzählige mögliche Spielpläne zu simulieren. Erst danach beginnt die eigentliche Arbeit der Verantwortlichen.
Denn am Ende entscheiden echte Menschen darüber, welcher Spielplan veröffentlicht wird. Ziel ist es, sportliche Fairness, attraktive TV-Spiele und möglichst gute Rahmenbedingungen miteinander zu kombinieren. Dabei spielen auch Faktoren wie Reisebelastung und Regeneration eine große Rolle.
Die NFL achtet inzwischen verstärkt darauf, dass Teams keine extrem unfairen Reisebelastungen oder problematischen Bye-Week-Konstellationen erhalten. Gerade Teams mit internationalen Spielen oder langen Westküstenreisen stehen dabei besonders im Fokus. Doch das gelingt der Liga nicht immer, wie das Beispiel der 49ers in dieser Saison zeigt.
Zusätzlich versucht die Liga, die attraktivsten Spiele möglichst spät in der Saison zu platzieren. Durch sogenanntes Flex Scheduling können Primetime-Spiele im Laufe der Saison sogar noch verschoben werden, um bessere Matchups zu garantieren.
Wie dieses Rotationssystem konkret funktioniert, zeigt das Beispiel der Atlanta Falcons. Das Team beendete die Saison 2025 mit einer 8-9-Bilanz auf Platz 3 der NFC South. Genau diese Platzierung bestimmt nun große Teile des Spielplans für 2026.

Zusätzlich zu den sechs Spielen gegen die eigenen Divisionsrivalen aus der NFC South treffen die Falcons in dieser Saison auf alle Teams der NFC North sowie der AFC North.
Außerdem spielen sie gegen andere Drittplatzierte von übrig bleibenden Divisions. Dadurch treffen die Falcons auswärts auf die Washington Commanders, die ebenfalls Platz 3 in ihrer Division belegten.
Zuhause empfangen die Falcons dagegen die San Francisco 49ers und die Kansas City Chiefs, die beide ebenfalls Drittplatzierte ihrer jeweiligen Divisions waren.
Genau dieses System sorgt dafür, dass manche Teams jährlich gegeneinander spielen, während andere Duelle teilweise nur alle vier Jahre stattfinden.
Die Hauptverantwortung für den NFL-Spielplan liegt aktuell bei Hans Schroeder als Executive Vice President of Media Distribution, Michael North als Vice President of Broadcasting Planning, Onnie Bose als Vice Presidentof Broadcast Operations sowie Charlotte Carey als Director of Broadcasting.
Lange Zeit galt zudem Howard Katz als wichtigste Person hinter dem NFL-Schedule. Der langjährige Schedule Supervisor zog sich allerdings nach dem Spielplan der Saison 2025 in den Ruhestand zurück.
Der NFL-Spielplan wirkt auf den ersten Blick oft simpel. Tatsächlich steckt dahinter jedoch einer der komplexesten organisatorischen Prozesse im gesamten Sport.
Zwischen TV-Partnern, internationalen Spielen, Stadionverfügbarkeiten und sportlicher Fairness muss die Liga jedes Jahr einen Schedule bauen, der für 32 Teams, Millionen Fans und zahlreiche Partner funktioniert.
Und genau deshalb dauert es Monate, bis aus tausenden möglichen Varianten am Ende der finale NFL-Spielplan entsteht. Und selbst dieser Spielplan kann durch Flex Scheduling während der Saison teilweise noch angepasst werden, falls Entwicklungen eintreten, die die Schedule Maker im Vorfeld nicht vorhersehen konnten.
val