15.04.2026
Trade Value Chart
So funktionieren NFL-Trades am Draft Day
Kurz vor dem NFL Draft beginnt die heiße Phase der Spekulationen - und ein Thema steht dabei jedes Jahr im Mittelpunkt: Trades. Teams springen nach oben für ihren Wunschspieler, andere sammeln Picks und bauen für die Zukunft. Was von außen oft wie Poker wirkt, folgt intern einer klaren Logik.
Im Zentrum dieser Logik steht ein unscheinbares, aber entscheidendes Werkzeug: das sogenannte Trade Value Chart - insbesondere das moderne Modell von Rich Hill.
Vom Bauchgefühl zur Berechnung
Nicht immer war der Draft so analytisch geprägt wie heute. Lange Zeit basierten Trades eher auf Erfahrung und Bauchgefühl. Erst in den 1990er-Jahren brachte Jimmy Johnson Struktur in den Prozess.
Sein Trade Value Chart war das erste Modell, das jedem Draft Pick einen festen Zahlenwert zuordnete. Teams konnten so erstmals systematisch vergleichen, ob ein Trade "fair" war.
Das Problem: Johnsons Modell basierte größtenteils auf Schätzungen. Daten, historische Entwicklungen und analytische Methoden standen damals nur eingeschränkt zur Verfügung.
Mit dem Aufstieg von Analytics in der NFL wurde schnell klar, dass das ursprüngliche Chart nicht mehr den modernen Wert eines Draft Picks widerspiegelt. Die Liga hatte sich verändert: Rookie-Verträge wurden günstiger, späte Picks gewannen an Bedeutung und Teams wurden aggressiver bei Trades. Hier setzt das Modell von Rich Hill an.
Das Rich Hill Trade Value Chart - die Grundidee
Das von Rich Hill entwickelte Chart gilt heute als eines der realistischsten Modelle zur Bewertung von Draft Picks. Im Gegensatz zum klassischen Johnson-Chart verfolgt es einen moderneren, datengetriebenen Ansatz.
Der wichtigste Unterschied: Pick 1 = 1000 Punkte (statt 3000 im alten Modell)
Diese Anpassung sorgt für eine flachere Wertkurve. Bedeutet konkret: Der Unterschied zwischen frühen und späteren Picks ist geringer als früher angenommen. Das spiegelt die Realität besser wider - denn in der heutigen NFL können auch spätere Picks enormen Wert haben.
Wie Teams das Chart nutzen
NFL-Teams verwenden solche Modelle als Grundlage für ihre Trade-Entscheidungen. Jeder Pick hat einen bestimmten Punktwert und bei einem Trade versuchen Teams, einen möglichst ausgeglichenen Gegenwert zu erhalten.
Ein Beispiel: Team A tradet Pick 5 im Draft (z. B. ~500 Punkte) und Team B bietet Picks im Gesamtwert von ~500 Punkten an. So entsteht ein rechnerisch "fairer" Trade.
Wichtig: Viele Franchises haben eigene Modelle - doch sie bewegen sich alle in einem ähnlichen Wertebereich.
Der entscheidende Faktor: Überbezahlung beim Hochtraden
Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Rich Hill Charts: Trades sind selten wirklich "fair".
Vor allem Teams, die nach oben traden, müssen fast immer mehr bezahlen als den reinen Gegenwert. Das Überbezahlen ist in der Praxis völlig normal.
Gründe dafür sind der Zugriff auf Elite-Talente (z. B. Quarterbacks), Konkurrenz durch andere Teams und Zeitdruck während des Drafts.
Zukunft hat weniger Wert
Ein weiterer zentraler Punkt des Modells: Future Picks werden abgewertet.
Faustregel laut Rich Hill: Ein zukünftiger Zweitrundenpick entspricht ungefähr einem aktuellen Drittrundenpick
Der Grund ist simpel: Teams bevorzugen sofort verfügbare Assets gegenüber unsicheren, zukünftigen Picks.
Warum das Modell so wichtig ist
Das Rich Hill Trade Value Chart liefert keine perfekten Antworten, aber es schafft eine gemeinsame Grundlage für Entscheidungen. Es hilft dabei Trades objektiv zu bewerten, Overpays sichtbar zu machen und realistische Trade-Szenarien zu entwickeln.
Gerade vor dem Draft ist es damit eines der wichtigsten Werkzeuge für Front Offices und gleichzeitig ein Schlüssel, um die Logik hinter scheinbar chaotischen Trades zu verstehen.