vor 17 Stunden
Rivalität zweier Powerhäuser
In Week 4 treffen Texas und Tennessee zum erst vierten Mal in der gemeinsamen Geschichte aufeinander - und dennoch fühlt sich die Partie längst wie eine echte Rivalität an. Beide Programme zählen zu den traditionsreichsten der College-Football-Geschichte und sind auf vielfältige Weise miteinander verwoben - von Uniformfarben über Gründungsgeschichten bis hin zu einer außergewöhnlichen Quarterback-Familiensaga.

Die bisherigen drei Begegnungen zwischen beiden Teams fanden allesamt am Neujahrstag im Cotton Bowl statt - 1951, 1953 und zuletzt 1969. Beim ersten Duell 1951 gewann Tennessee unter Legende Robert Neyland, nach dem das heutige Stadion der Volunteers benannt ist, mit 20:14. Texas revanchierte sich zwei Jahre später unter einem neuen Head Coach, ehe 1969 erneut Tennessee die Oberhand behielt. Seitdem sind mehr als 55 Jahre vergangen, ohne dass sich beide Teams auf dem Feld gegenüberstanden.
Beide Universitäten beanspruchen für sich, die "echte" UT zu sein. Die University of Tennessee wurde bereits 1794 gegründet und trug diesen Namen offiziell seit 1879 - vier Jahre vor der Eröffnung der University of Texas im Jahr 1883. Texas-Anhänger verweisen dagegen auf frühere Erwähnungen einer geplanten "University of Texas" bereits in der texanischen Verfassung von 1876. Beide Schulen tragen inzwischen zusätzliche Namenszusätze - Texas als "University of Texas at Austin", Tennessee als "University of Tennessee Knoxville".
Auch bei der Vereinsfarbe Orange gibt es Parallelen und Unterschiede. Texas-Studenten trugen bereits 1885 orange Bänder, weil ein Ladenbesitzer keine andere Farbe mehr auf Lager hatte - die Footballmannschaft folgte aber erst 1925 mit orangenen Trikots. Tennessee wählte Orange 1889 als offizielle Vereinsfarbe, die Footballspieler trugen die Farbe jedoch bereits 1891 bei einem Spiel gegen Sewanee und endgültig ab 1922. Damit trugen zwar Texas-Studenten die Farbe zuerst, Tennessees Football-Team aber schon früher als jenes von Texas.
Die Geschichte beider Programme ist zudem durch persönliche Verbindungen geprägt. Tennessee-Legende General Neyland war gebürtiger Texaner und spielte selbst ein Jahr lang für Texas A&M, ehe er zum Militär wechselte und später zur Football-Legende in Knoxville wurde. Umgekehrt gilt der texanische Nationalheld Davy Crockett als Vorbild für Tennessees Maskottchen und wurde in Tennessee geboren, ehe er in Texas beim Kampf um die Unabhängigkeit an der Alamo starb - ein Ereignis, das bis heute für Sticheleien zwischen den Fanlagern sorgt.
Besonders prägend für die Rivalität ist die Familiengeschichte der Mannings. Peyton Manning entschied sich 1994 überraschend für Tennessee statt für Ole Miss, wo sein Vater Archie als Vereinslegende gilt. Jahrzehnte später sorgte Enkel Arch Manning 2022 für erneutes Aufsehen, als er sich für Texas statt für Ole Miss entschied - trotz intensiver Bemühungen des damaligen Ole-Miss-Coaches Lane Kiffin. Erst kürzlich sorgte zudem ein älteres Zitat von Onkel Peyton für Diskussionen, in dem er bekannte, im direkten Duell zwischen seinem Neffen Arch und seiner eigenen Alma Mater Tennessee die Treue zur Familie über die zur Universität zu stellen.
Besonders kurios wird es dabei ausgerechnet bei der Rückennummer: Tennessee retirete Peytons Trikotnummer 16 bereits im Jahr 2005. Am Samstag wird nun ausgerechnet ein anderer Manning mit exakt dieser Nummer 16 das Feld in Knoxville betreten - allerdings auf der gegnerischen Seite im Trikot der Texas Longhorns.
Mit all diesen Verbindungen und Geschichten im Hintergrund trifft nun in Week 4 die vierte Auflage dieses besonderen Duells aufeinander - eine Partie, die weit über die reine Football-Ebene hinausgeht und beiden Fanlagern reichlich Gesprächsstoff liefert.
mgs