vor 1 Tag
"Das ist jetzt sein Team"
Arch Manning stand schon immer im Rampenlicht. Doch erst eine schwierige Phase veränderte den Texas-Quarterback nachhaltig - und machte ihn zu dem Leader, den die Longhorns jetzt brauchen.

Arch Manning kennt den Druck, seit er denken kann. Sein Großvater Archie sowie seine Onkel Peyton und Eli prägten die NFL über Jahrzehnte. Jeder Pass des Texas-Quarterbacks wird deshalb bewertet, jeder Fehler seziert und jede gute Leistung sofort mit seiner berühmten Familie verglichen.
Inzwischen versucht Manning jedoch nicht mehr, diesen Erwartungen hinterherzulaufen. Stattdessen beginnt der Quarterback, sein eigenes Team anzuführen - und genau darin liegt womöglich der größte Entwicklungsschritt seiner bisherigen College-Karriere.
"Wir brauchen eine andere Seite von Arch, wenn wir etwas erreichen wollen", erklärte Teamkollege Colin Simmons via ESPN. Manning habe diese Seite inzwischen gezeigt. Solange die Mannschaft ihm vertraue, werde Texas "in guten Häden sein".
Auch Head Coach Steve Sarkisian hatte Manning schon länger zu mehr Führungsverantwortung gedrängt. Der Quarterback selbst zögerte jedoch, weil er sich diese Rolle zunächst verdienen wollte.
Ausgerechnet die schwierige erste Saisonhälfte in der vergangenen Spielzeit sorgte schließlich für den Wendepunkt. "Ironischerweise brauchte es das Scheitern", sagte Sarkisian. Erst die Rückschläge hätten Manning verändert. Der Respekt innerhalb des Teams sei besonders deshalb gewachsen, weil der Quarterback mental stark geblieben sei und sich eindrucksvoll zurückkämpfte.
Das zeigte sich auch auf dem Feld. In seinen letzten sechs Spielen warf Manning 14 Touchdown-Pässe bei lediglich zwei Interceptions. Für Sarkisian steht deshalb fest: "Man kann spüren, dass es sein Team ist."
Den Großteil des Frühjahrs verpasste Manning wegen einer Fußverletzung. Nach seiner Rückkehr holte er mehrere Receiver sowie Transfer-Runningback Hollywood Smothers in seine Heimatstadt New Orleans, um gemeinsam am Timing zu arbeiten.
"Wir haben viel gute Arbeit geleistet", sagte Manning. Weil er das Spring Training verpasst hatte, seien die zusätzlichen Einheiten besonders wichtig gewesen. Neben der Abstimmung mit seinen neuen Mitspielern arbeitet der Quarterback vor allem an seinem Kurzpassspiel. Genau dort offenbarte er vergangene Saison seine größte Schwäche.

Bei Pässen zwischen null und zehn Yards brachte Manning lediglich 56,3 Prozent seiner Würfe an den Mann - Rang 66 unter 67 qualifizierten FBS-Quarterbacks. Mit der Statistik konfrontiert, reagierte er trocken: "Das ist nicht besonders gut."
Sarkisian erwartet in diesem Bereich deutliche Fortschritte. Manning arbeite technisch sauberer, außerdem wolle Texas den Ball künftig schneller aus den Händen seines Quarterbacks bringen. "Wir können uns nicht einfach zurückfallen lassen und den Ball festhalten", erklärte der 52-Jährige. Unabhängig von der Qualität der Offensive Line führe das "früher oder später zu Problemen".
Manning hat inzwischen auch selbst eingeräumt, dass ihn der schwierige Saisonstart stark belastete. Nach dem Auftakt gegen Ohio State habe er das Gefühl gehabt, sich selbst, das Team und vor allem die Fans zu enttäuschen.
"Ich war wütend auf mich", sagte der Quarterback. Mit der Zeit habe er jedoch gelernt, Rückschläge einzuordnen und sich auf die Dinge zu konzentrieren, die er kontrollieren könne.
Sein berühmter Nachname wird ihn zwar weiterhin begleiten. Für Texas zählt inzwischen aber etwas anderes: Aus dem hochveranlagten Talent ist ein Quarterback geworden, der das Vertrauen seiner Mitspieler genießt - und dessen Entwicklung längst nicht mehr nur an seinem Namen gemessen wird.
mhh