vor 7 Stunden
Skandal bei der Fußball-WM
Erst die FIFA, jetzt Roger Goodell? Nachdem US-Präsident Donald Trump mit einer beispiellosen Intervention bei der Fußball-WM die Sperre eines US-Stürmers aushebelte, stellt sich die Frage: Droht der NFL nun das gleiche Schicksal? Trump schießt sich bereits warm - und nimmt die Kickoff-Regel sowie die Streaming-Milliarden ins Visier.

Der Präzedenzfall ist geschaffen, und er hat die Sportwelt im Mark erschüttert. Im Sechzehntelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft flog US-Stürmer Folarin Balogun nach einem unabsichtlichen Tritt mit Rot vom Platz. Die automatische Sperre für das Achtelfinale schien unumgänglich - bis das Telefon im FIFA-Hauptquartier geklingelt haben soll.
US-Präsident Donald Trump hat sich persönlich bei Gianni Infantino eingeschaltet, ein US-Anwaltsteam machte Druck, und die FIFA knickte ein. Unter Verweis auf eine Bewährungsklausel darf Balogun gegen Belgien spielen. Die UEFA schäumte, Experten sprachen von einem "absoluten Wahnsinn" und einer "roten Linie", die überschritten wurde.
Für Football-Fans stellt sich seither eine brisante Frage: Wenn Trump per Dekret und Telefonat die Gesetze des Weltfußballs aushebeln kann, was passiert dann mit der NFL? Immerhin ist der Präsident bekennender Football-Fan - und er hat mit der Liga noch einige Rechnungen offen.
Tatsächlich hält sich der US-Präsident mit Kritik am aktuellen NFL-Geschehen nicht zurück. Trumps jüngster Feldzug richtet sich vor allem gegen zwei fundamentale Säulen der Liga: die Spielregeln und die TV-Milliarden. An vorderster Front attackiert Trump die neue, dynamische Kickoff-Regel. In gewohnt populistischer Manier kanzelte er die Reform als "lächerlich" und "unromantisch" ab.
Sein Vorwurf: Die NFL verwässere den harten, traditionellen Charakter des Spiels. Doch viel schwerwiegender ist sein Vorgehen hinter den Kulissen gegen die zunehmende Abwanderung der NFL ins Streaming-Geschäft. Dass die Liga eine wachsende Anzahl an Spielen hinter den Paywalls von Netflix und Amazon Prime versteckt, ist Trump ein Dorn im Auge. Er wirft der NFL vor, den "normalen, hart arbeitenden amerikanischen Fan" finanziell auszubeuten.
Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, hat er bereits das Justizministerium (DOJ) sowie die Regulierungsbehörde FCC eingeschaltet.
Die Angst, dass Trump demnächst per Anruf eine Sperre von Patrick Mahomes aufhebt oder eine Schiedsrichterentscheidung im Super Bowl kippt, ist dennoch unbegründet. Die NFL ist nicht die FIFA - und Roger Goodell ist nicht Gianni Infantino. Während die FIFA als globaler Monopolverband anfällig für zwischenstaatlichen Druck ist und historisch (man denke an FIFA-Gate) das Wohlwollen der US-Justiz sucht, funktioniert die NFL als geschlossenes Kartell.
Die 32 Teambesitzer sind amerikanische Milliardäre, die extrem eifersüchtig über ihre Autonomie wachen. Ein Einknicken vor der Politik würde ihr gesamtes Geschäftsmodell gefährden. Zudem dient NFL-Commissioner Roger Goodell als perfekter Blitzableiter; er ist dafür angestellt, den politischen Druck von den Eigentümern fernzuhalten.
Hinzu kommt eine historische Fehde: Seit die NFL in den 1980er Jahren verhinderte, dass Trump die Baltimore Colts kauft, und er daraufhin erfolglos versuchte, die Liga mit der Konkurrenzliga USFL in den Ruin zu klagen, ist das Verhältnis zerrüttet. Die NFL-Besitzer verspüren keinerlei Bedürfnis, Trump sportliche Gefallen zu tun.
nkr