08.10.2026
Passing Leader der NFL
Lange sah es danach aus, als würden die Carolina Panthers mit Bryce Young den falschen Quarterback an erster Stelle des Drafts ausgewählt haben. Seine ersten drei NFL-Jahre waren von Unsicherheit, schwachen Leistungen und einem schwierigen Umfeld geprägt. Young wirkte teilweise wie ein Quarterback, der nie wirklich seinen Platz in der NFL gefunden hatte. Inzwischen ist davon kaum noch etwas zu sehen. Ausgerechnet in einer Saison, in der bei den Panthers vieles gegen ihn spricht, wirkt der Quarterback so sicher wie noch nie.

Bryce Young führt die NFL nach vier Wochen in Passing Yards an. 1268 Yards hat der Quarterback der Carolina Panthers bereits geworfen, dazu kommen noch neun Passing Touchdowns. Auf dem aktuellen Kurs würde Young die Saison mit 5.389 Passing Yards und 38 Touchdowns beenden. Noch bemerkenswerter werden diese Zahlen beim Blick auf die Umstände, unter denen sie entstehen.
Kein Quarterback der NFL wurde bislang häufiger innerhalb von 2,5 Sekunden unter Druck gesetzt als Young. 53 Quick Pressures musste der Panthers-Quarterback bereits überstehen. Trotzdem führt er die Liga in Passing Yards und First Downs an. 63 First Downs durch seine Pässe sind bislang Bestwert, mit 15,8 Passing First Downs pro Spiel liegt er auf Platz zwei.
Auch bei den Big Plays ist Young aktuell ganz vorne dabei. 55 seiner Pässe gingen für mindestens zehn Yards, mehr als bei jedem anderen Quarterback der NFL. 13 Completions über mindestens 25 Yards sind ebenfalls Liga-Bestwert. Dazu kommen 321 Deep Passing Yards, ebenfalls der Höchstwert der Liga.
Und gerade beim Deep Ball wird klar, wie stark sich Young entwickelt hat. Bereits in der vergangenen Saison war er bei tiefen Pässen der Beste, warf diese allerdings vergleichsweise selten. Jetzt, da Carolina häufiger in Führung liegt und Young mehr Möglichkeiten bekommt, aggressiv zu werfen, hat sich das verändert. Er liegt aktuell auf Platz vier bei den Deep Pass Attempts, führt die NFL aber gleichzeitig bei den Deep Pass Completions, der Deep Pass Completion Percentage und den Deep Passing Yards an. Auch bei den Yards pro Passversuch liegt Young in dieser Kategorie auf Platz eins.
Young produziert dabei in praktisch jeder Situation. Gegen Zone Coverage kommt er auf 928 Passing Yards und liegt damit auf Platz zwei der NFL. Gegen Man Coverage sind es 340 Yards, außerhalb der Numbers hat Young bereits 534 Passing Yards gesammelt, ebenfalls ein Spitzenwert. Sieben seiner Touchdown-Pässe kamen bei Würfen außerhalb der Numbers zustande, womit er auch in dieser Kategorie gemeinsam mit anderen Quarterbacks die Liga anführt.

Auch auf der Coaching-Seite haben die Panthers vor der Saison eine Veränderung vorgenommen. Head Coach Dave Canales called in dieser Saison nicht mehr selbst die Plays. Diese Aufgabe hat Offensive Coordinator Brad Idzik übernommen.
Bisher scheint der Wechsel gut zu funktionieren. Young bekommt die Möglichkeit, die Offense aggressiver zu spielen, und die Zahlen zeigen, dass Carolina dabei nicht nur auf kurze, sichere Pässe setzt. Gerade die Entwicklung beim Deep Ball fällt auf: Young wirft häufiger tief und ist gleichzeitig bei Completions, Completion Percentage und Yards in dieser Kategorie ligaweit ganz vorne.
Idzik ist damit ein weiterer Teil der Veränderungen, die dazu beigetragen haben, dass Young aktuell deutlich befreiter und aggressiver auftritt. Die Ergebnisse der Offense sprechen bislang für die Entscheidung der Panthers.

Dass Young diese Zahlen auflegt, ist angesichts der Situation in Carolina umso bemerkenswerter. Bereits vor der Saison verloren die Panthers ihre beiden Starting Tackles Ickey Ekwonu und Taylor Moton.
Auf der rechten Seite musste deshalb Rookie Monroe Freeling übernehmen. Als Rookie mit nur einem Jahr Starter Erfahrung am College ist das keine ideale Lösung, wenn plötzlich ein wichtiger Starter ausfällt. Auf der linken Seite holte Carolina Rasheed Walker in der Free Agency. Bei Walker war zuvor sogar mit einem deutlich größeren Vertrag gerechnet worden.
Die Probleme hörten damit allerdings nicht auf. In Week 4 fiel auch Damien Lewis aus, der wohl wichtigste Spieler der Panthers-O-Line. Damit blieben unter anderem Robert Hunt und Luke Fortner als Starter übrig. Hunt hatte nach seiner Verletzung aus der vergangenen Saison zudem bislang Schwierigkeiten, wieder an sein früheres Niveau anzuknüpfen.
Für Young bedeutet das: Er bekommt den Ball regelmäßig unter enormem Zeitdruck. Die 53 Quick Pressures innerhalb von 2,5 Sekunden sind dafür der beste Beleg. Trotzdem hat er unter Druck bereits 411 Passing Yards erzielt - ebenfalls NFL-Bestwert. Vier seiner Touchdown-Pässe kamen unter Druck zustande, womit Young auch hier gemeinsam mit anderen Quarterbacks an der Spitze liegt.
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Eigentlich sind genau solche Situationen diejenigen, in denen Quarterbacks an Effizienz verlieren. Young schafft es dagegen weiterhin, aggressiv zu bleiben und große Raumgewinne zu produzieren.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Receivern. Jalen Coker spielte bereits in Week 1 eine wichtige Rolle, war anschließend allerdings angeschlagen und musste in Week 3 während des Spiels raus. In Week 4 stand er überhaupt nicht zur Verfügung.
Xavier Legette zeigte in Week 2 mit einem langen Catch sein Big-Play-Potenzial, verletzte sich dabei jedoch und steht inzwischen auf der Injured-Reserve-Liste.
Damit musste vor allem Rookie Tetairoa McMillan eine größere Rolle übernehmen. Nach eher wechselhaften ersten drei Wochen explodierte McMillan in Week 4 und fing 14 Pässe für 192 Yards. Young hat also keineswegs über vier Wochen mit einer konstanten und vollständig gesunden Receiver-Gruppe gearbeitet. Und trotzdem produziert er.
Genau hier liegt möglicherweise der größte Unterschied zu früheren Versionen von Bryce Young. Die Panthers geben ihrem Quarterback momentan nicht die perfekten Voraussetzungen. Die Offensive Line ist angeschlagen, die Receiver-Gruppe musste ebenfalls Ausfälle verkraften und Young wird häufiger schnell unter Druck gesetzt als jeder andere Quarterback der Liga.
Nach dem jüngsten Sieg hat Young in sechs Spielen in Folge mindestens 250 Passing Yards und einen Touchdown erzielt, während er dabei höchstens eine Interception geworfen hat. Die Serie umfasst auch die Playoffs. Es ist die längste Serie dieser Art in der Geschichte der Panthers und gleichzeitig die längste aktive Serie eines Quarterbacks in der NFL.
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Nach drei schwierigen ersten NFL-Jahren stellt sich bei Young inzwischen nicht mehr nur die Frage, ob er ein guter Quarterback sein kann. Er spielt aktuell wie einer der produktivsten Quarterbacks der gesamten NFL, und das hinter einer Offensive Line, die weit von ihrer Idealbesetzung entfernt ist.
Die Panthers sind dabei keineswegs plötzlich eine perfekte Offense. Im Gegenteil: Young muss viele Probleme seiner Mannschaft selbst auffangen. Genau das gelingt ihm momentan.
In Week 5 kann sich Carolina auf eine Bye Week freuen, die zur richtigen Zeit kommt. Head Coach Dave Canales ließ verlauten, dass sowohl Jalen Coker, Damien Lewis als auch Trevor Etienne nach der Bye Week wieder fit sein könnten.
Danach wartet mit den Eagles ein guter Härtetest für die Panthers, jedoch sind die Eagles auch noch nicht ganz in Form. Von der Qaulität im Team ist der Gegner aber bisher der schwierigste für Bryce Young bisher. Wenn der 25-Jährige nach der Bye Week dort weitermacht, wo er gegen Detroit aufgehört hat, dürfte sich das Narrativ um Bryce Young endgültig verändert haben.
par