vor 10 Stunden
Vertragsstreit endet im Trade
Der monatelange Vertragsstreit zwischen Joey Porter Jr. und den Pittsburgh Steelers endet mit einem Wechsel: Der Cornerback wird zu den Dallas Cowboys getradet. Bereits am Sonntag gegen die Houston Texans könnte er sein Debüt im neuen Trikot geben.

Dallas gibt für Porter einen Sechstrundenpick 2027 sowie einen Zweitrundenpick 2028 ab - bereits der dritte Transfer zwischen beiden Organisationen seit Mai 2025, nach den Wechseln von George Pickens und Broderick Jones. Porter selbst erfuhr von dem Trade im Kino, beim Anschauen von Brad Pitts "Heart of the Beast". Noch am frühen Donnerstagmorgen saß er bereits im Flugzeug zu seinem neuen Team.
Für Porter endet damit eine zähe Zeit bei den Steelers, die ihn 2023 in der zweiten Runde gedraftet hatten. Der komplette Vertragsstreit zog sich über die gesamte Offseason und das Trainingslager, während er zusätzlich mit einer Rückenverletzung zu kämpfen hatte. "Es war ein harter Prozess, viele Höhen und Tiefen", sagte Porter. "Ich habe mich definitiv respektlos behandelt gefühlt, definitiv unterbewertet. Aber das sind jetzt alte Nachrichten. So sehe ich das. Ich gehe weiter zu neuen Anfängen, neuen Kapiteln. Und wie gesagt, ich bin ein Cowboy. Ich bin in Dallas, und darüber freue ich mich."
Dass er gegen die Browns bei Thgursday Night Football nicht spielte, sei mehr seine eigene Entscheidung gewesen, erklärte Porter - sein Rücken fühle sich inzwischen besser an. Bei den Cowboys taucht er im Injury Report bislang nicht auf. Auch an eine mögliche Vertragsverlängerung in Dallas denkt Porter bereits: "Ich bin dabei, wenn sie es sind. Ich will meine Karriere hier beenden. Also hoffentlich performe ich einfach so, wie ich weiß, dass ich performen kann, und mache meinen Job, und ich lasse den Rest einfach laufen."
Steelers-Head-Coach Mike McCarthy äußerte sich nach der Partie erstmals zum Trade: "Man hofft nie, dass einem Geschäftliches bei der Vorbereitung in die Quere kommt. Das ist die moderne NFL, eine Situation, die schon eine Weile andauert. Es fühlte sich tatsächlich wie das Beste für uns an, und wir wünschen Joey alles Gute. Ich hatte nie wirklich die Gelegenheit, Joey zu coachen, aber er hat hier großartige Dinge geleistet, und ich wünsche ihm für Dallas das Beste."
Da Porter als Zweitrunden-Pick für die Saison 2026 keine Fifth-Year-Option besessen hätte, wäre er ohnehin am Saisonende Free Agent geworden. General Manager Omar Khan hatte bereits im August betont, man werde während der Saison keine neuen Vertragsverhandlungen führen - eine Politik, die letztlich zum Bruch führte.
Auch Teamkollege Jalen Ramsey äußerte sich ausführlich zum Abgang: "Ich war selbst schon einmal in dieser Situation, und ich weiß, dass das bei Leuten, besonders bei Fans, einen schalen Beigeschmack hinterlassen kann. Aber eines kann ich sagen: Joey liebt Pittsburgh, Joey liebte sein Team, aber Business ist Business."
Ramsey zeigte sich dennoch optimistisch für die Zukunft seines Ex-Kollegen: "Es ist sehr bedauerlich, dass es nicht geklappt hat. Aber gleichzeitig freue ich mich für ihn. Ich freue mich, dass er einen Neustart bekommt, und ich hoffe, ihn weiter abliefern zu sehen, und wünsche ihm allen Erfolg für seine NFL-Zukunft. Ich denke, er ist ein echter Star. Das meine ich wirklich. Ich denke, er gehört zu den Top fünf."
Für Dallas kommt der Trade genau zur richtigen Zeit: Nach drei Spielen liegt das Team bei den zugelassenen Punkten (27,3) auf Rang 25 der Liga, bei den zugelassenen Yards (387) auf Rang 30, und zählt zu nur vier Teams ohne eine einzige Interception in dieser Saison. Mit Cobie Durant (Hamstring) und Shavon Revel Jr. (Knie/Knöchel) angeschlagen, benötigen die Cowboys Porter praktisch sofort. "Man bekommt die Chance, einen jungen Cornerback mit elitären Coverage-Fähigkeiten zu verpflichten, der zu einer durch Verletzungen ausgedünnten Gruppe stoßen kann", sagte Head Coach Brian Schottenheimer. Bereits bei George Pickens hatte sich ein Wechsel ausgezahlt: Er erzielte in der vergangenen Saison mit den Cowboys Karrierebestwerte bei Catches, Yards und Touchdowns.
Defensive Coordinator Christian Parker bezeichnete Porter bereits bei dessen College-Wechsel als "Boundary Eraser" und sieht trotz unterschiedlicher Scheme-Philosophien keine große Umstellung auf ihn zukommen. Porter kommt bislang auf nur drei Karriere-Interceptions, zählt laut Next Gen Stats seit 2023 aber zu den 13 besten Defensive Backs im direkten Duell und lässt dabei nur eine Completion-Quote von 56 Prozent zu - allerdings auch mit den meisten Strafen aller Verteidiger im selben Zeitraum (36). "Ich glaube, ich habe gezeigt, dass ich Wide Receiver aus dem Spiel nehmen kann. Jetzt will ich meine Ballproduktion steigern", sagte Porter selbst zu seinem nächsten Entwicklungsschritt.
mgs