21.01.2026
McDaniel ändert alles
Während der Saison und in der Offseason sind ganze zehn Head Coaches entlassen worden. Einige haben bereits einen neuen Job als Head Coach gefunden, andere nehmen sich eine Auszeit oder sind noch auf dem Markt. Einer der begehrtesten Head Coaches hat sich aber für die Position des Offensive Coordinators bei den Chargers entschieden. Das macht die Chargers zu einem gefährlichen Team für die nächste Saison.

Trotz vieler spannender vakanten Head-Coach-Positionen hat sich Mike McDaniel jetzt schon für die Chargers entschieden. Allerdings nicht als Head Coach, sondern als Offensive Coordinator des Teams aus Los Angeles. Während diese Entscheidung etwas verwunderlich ist, ist es für die Chargers ein absoluter Glücksgriff und die Voraussetzungen für eine sehr erfolgreiche Saison 2026 sind so gut wie nie.
McDaniel kommt nach vier Jahren bei den Dolphins zu den L.A. Chargers. McDaniels Zeit bei den Dolphins fing erfolgreich an. In seinem ersten Jahr als Head Coach führte der 43-Jährige sein Team mit einem Record von 9-8 in die Playoffs. Auch im Jahr danach erreichte das Team aus Miami die Playoffs, diesmal sogar mit einem Record von 11-6. In beiden Spielzeiten verloren die Dolphins aber direkt ihr erstes Playoff-Spiel in der Wild Card Round.
Dennoch war McDaniel mit Tua Tagovailoa sehr erfolgreich und baute eine starke Offense um den linkshändigen Quarterback auf. Er gilt als einer der kreativsten Offense-Playcaller und schaffte es selbst in den letzten beiden Jahren als Dolphins-Head-Coach eine stabile Offense aufs Feld zu bringen.
Für weitere Erfolge reichte das allerdings nicht. Denn die Dolphins hatten immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Tagovailoa fiel nach mehreren Gehirnerschütterungen immer wieder aus und war danach nicht mehr der Alte. Auch die beiden Star-Receiver Jaylen Waddle und Tyreek Hill konnten ihr Niveau aus den ersten beiden Jahren nicht halten. Letzterer erlitt zudem eine schwere Verletzung in der abgelaufenen Regular Season. Auch die O-Line war eine Schwäche der Dolphins, die immer wieder für Probleme sorgte. Mit 8-9 und 7-10 ging McDaniels Zeit in Miami zu Ende und die Dolphins entließen ihn nach der Regular Season.
In den ersten beiden Jahren war McDaniels Offense aber sehr erfolgreich und gehörte auch statistisch zu den besten Offensiven der Liga. 2023 führten die Dolphins die NFL sogar in Yards an und beendeten die Saison in Sachen erzielte Punkte auf Platz zwei. Der ehemalige Head Coach der Dolphins hat also bewiesen, dass er sehr viel aus einer Offense rausholen kann.
Bei den Chargers heuert McDaniel nun als Offensive Coordinator an und kann sich damit wieder komplett auf seine Spezialität die Offense konzentrieren. Unter Head Coach Jim Harbaugh wird der neue OC seine Kreativität und Spielintelligenz neu entfalten können.
Bei den Chargers findet McDaniel ein ganz anderes Team vor als in Miami. Denn trotz der Probleme in der O-Line bei den Chargers diese Saison, sieht es für nächste Saison wieder gut aus in Los Angeles. Die beiden Star-Offensive-Tackle Joe Alt und Rashawn Slater kehren nach ihren Verletzungen zurück und bilden nächste Saison eines der besten Tackle-Duos der gesamten NFL. Die restliche O-Line zu stärken sollte dann kein Problem mehr sein.
Bei den Skill-Playern kann McDaniel ebenfalls aus dem Vollen schöpfen. Rookie-Runningback Omarion Hampton hat diese Saison eindrucksvoll gezeigt, dass er einer der besten Running Backs der Liga werden kann. Trotz Verletzungsproblemen kam er in dieser Saison in neun Spielen auf 737 Total Yards und fünf Touchdowns. In seiner Abwesenheit wurde er von Backup-Running-Back Kimani Vidal sehr gut vertreten.
Bei den Receivern sieht es ähnlich gut aus. Zwar ist noch nicht sicher, ob Star-Receiver Keenan Allen ein weiteres Jahr Football spielen wird, aber hinter ihm bringen sich junge Talente in Stellung. Nach einer erschreckend schwachen Rookie-Saison und vielen Drops in seinem zweiten Jahr in der NFL konnte Quentin Johnston diese Saison sein Talent zeigen. Er fing 51 Pässe für 735 Yards, acht Touchdowns und ließ nur dreimal den Ball fallen.
Rookie-Receiver Tre Harris hatte es dagegen etwas schwerer. Er fing nur 30 Pässe für 324 Yards und einen Touchdown, konnte sein Potenzial aber mehrmals zeigen. Obwohl Ladd McConkey erneut Receiving-Leader der Chargers wurde, war seine Saison 2025 im Vergleich zur Saison davor doch etwas enttäuschend. Mit 66 Catches für 789 Yards und sechs Touchdowns kam er nicht an seine phänomenalen Statistiken aus seiner Rookie-Saison heran. Dennoch ist bei den jungen Receivern eine Menge Potenzial, die mit dem richtigen Coach sofort genutzt werden kann.
Im Draft 2025 landeten die Chargers zusätzlich einen absoluten Glücksgriff. In der fünften Runde wählten die Chargers Tight End Oronde Gadsden, der mit 49 Catches für 664 Yards und drei Touchdowns eine sehr gute Rookie-Saison spielte. Gadsden erzielte die viertmeisten Yards aller Rookie-Tight-Ends in einer sehr starken Tight-End-Class.
Die größte Veränderung wird sich für McDaniel aber beim Blick auf den Quarterback bemerkbar machen. Während Tua Tagovailoa besonders nach seiner schweren Kopfverletzung immer wieder mit schlechten Performances zu kämpfen hatte, ist Justin Herbert ein perfekter Quarterback für einen neuen Offensive Coordinator. Der 27-Jährige hat in den letzten Jahren bewiesen, dass er mit ein wenig Hilfe zu den besten Spielmachern der Liga gehört.

Auch dieses Jahr zeigte er trotz einer Handverletzung zum Endspurt der Saison mit 3727 Yards, 26 Touchdowns und 13 Interceptions, was in ihm steckt, obwohl er einen Großteil der Saison hinter einer dezimierten O-Line spielen musste. Wenn Herbert in einem guten System, hinter einer funktionierenden O-Line spielt, ist der Quarterback von Oregon zu noch deutlich mehr fähig. In 2024 beispielsweise warf Herbert für etwa 100 Yards mehr, 23 Touchdowns aber nur drei Interceptions. Mit so wenigen Fehlern im Passspiel kann McDaniel eine gefährliche Pass-Offensive aufbauen.
Im Grunde findet McDaniel bei den Chargers alles, was er braucht, um eine erfolgreiche Offense wie in Miami aufzubauen. Einzelne Puzzleteile sind sogar noch besser als das, was er 2022 in Miami vorgefunden hat. Zudem kann McDaniel als Offensive Coordinator seinen Fokus ganz auf die Offense legen und muss nicht als Head Coach das gesamte Team führen.
Neben dem Talent, dass jetzt schon in der Offense steckt, haben die Chargers auch noch sehr gute Möglichkeiten, sich diese Offseason weiter zu verstärken. Denn die Chargers haben mit 85 Millionen Dollar den vierthöchsten Cap Space in der gesamten NFL. Damit können sie die wenigen Schwachstellen in der Offensive und besonders in der O-Line ausbessern und einige echte Top-Spieler nach Los Angeles holen.
Zudem haben die Chargers fast alle ihre Draft-Picks im NFL Draft 2026. Einzig die Picks in Runde fünf und sieben haben die Chargers via Trades abgegeben. Somit kann McDaniel auf ein paar neue junge Talente für seine Offense hoffen, auch wenn einige der Picks und ein Teil des Salary Caps in die Defense fließen werden.
Mit diesen Voraussetzungen und einer guten Verstärkung in der Offseason können die Chargers nächstes Jahr sofort ein Top-Kandidat für den Super Bowl werden. McDaniel könnte sehr entscheidend dazu beitragen, wenn er die Offense ähnlich stark führen kann, wie er es bei den Dolphins bereits gezeigt hat.
nhu