football-world
    • Football Heute
    • Schlagzeilen
    • Videos
    • Wettbewerbe
  • USA
    • NFL
    • College
    • NFL in Deutschland
  • Europa
    • Football in Europa
  • Deutschland
    • GFL
    • Nationalmannschaft
  • Mehr Football
    • Flag Football
    • Regeln
  • Sonstiges
    • Facebook
    • Instagram
    • Impressum
    • Datenschutz
    • Nutzungsbedingungen
Partner des kicker.de

    NFL

    vor 11 Stunden

    Wie viel sagt die Statistik aus?

    Warum Interceptions oft reine Glückssache sind

    Interceptions gelten seit Jahrzehnten als einer der wichtigsten Maßstäbe zur Bewertung von NFL-Quarterbacks. Eine neue Analyse zeigt jedoch: Die Statistik ist deutlich stärker von Zufall beeinflusst, als viele glauben.

    Jameis Winston von den Tampa Bay Buccaneers
    Wie wichtig sind Interceptions wirklich? IMAGO/Icon SMI

    Besonders auffällig: Rund 88 Prozent der Unterschiede bei Interception-Quoten verschwinden bereits in der folgenden Saison wieder. Damit gehören Interceptions zu den instabilsten Statistiken im Football.

    Der berühmte Edelman-Catch als perfektes Beispiel

    Es sind noch 2:28 Minuten im Super Bowl LI zu spielen. Die Atlanta Falcons führen 28:20 gegen die New England Patriots und stehen kurz davor, Tom Brady und New England endgültig zu stoppen. Dann passiert eine der berühmtesten Szenen der NFL-Geschichte.

    Brady wirft über die Mitte direkt in den Verkehr der Falcons-Defense. Cornerback Robert Alford bekommt beide Hände an den Ball - eigentlich die sichere Interception. Doch der Verteidiger kann den Ball nicht festhalten. Stattdessen springt dieser mehrfach durch die Luft, bevor Julian Edelman ihn Zentimeter über dem Boden spektakulär fängt.

    Vier Spielzüge später erzielen die Patriots den Ausgleich und gewinnen später den Super Bowl in der Verlängerung.

    Bis heute gilt Edelmans Catch als eines der größten Plays der NFL-Historie. Gleichzeitig zeigt die Szene aber auch eine unbequeme Wahrheit des Sports: Der Spielzug existiert nur, weil eine eigentlich sichere Interception fallen gelassen wurde.

    Die versteckte Wahrheit hinter Interceptions

    Genau dort setzt die moderne Analyse vieler Quarterback-Daten an. Denn die klassische Interception-Statistik verrät oft nur das Ergebnis - nicht aber, wie der Ball überhaupt in Gefahr geraten ist.

    Deshalb wird inzwischen verstärkt mit sogenannten "Turnover-Worthy Plays" gearbeitet, erhoben und analysiert von PFF. Damit werden Würfe bezeichnet, bei denen der Quarterback den Ball objektiv in große Gefahr bringt - etwa durch schlechte Entscheidungen, späte Würfe oder riskante Pässe in enge Deckung.

    Die eigentliche Erkenntnis: Nicht jeder gefährliche Wurf wird auch tatsächlich abgefangen. Und nicht jede Interception entsteht durch einen schlechten Pass.

    Zwischen 2016 und 2025 wurden lediglich 49 Prozent aller "Turnover-Worthy Throws" tatsächlich interceptet. Mehr als die Hälfte dieser riskanten Würfe blieb also ohne Konsequenzen - häufig, weil Verteidiger den Ball fallen ließen.

    Gleichzeitig entstanden in diesem Zeitraum über 1.400 Interceptions bei Würfen, die gar nicht als gefährlich eingestuft wurden. Oft waren dabei abgefälschte Bälle, Receiver-Fehler oder schlicht Pech entscheidend.

    Matthew Stafford profitiert besonders stark

    Kaum ein Quarterback profitierte zuletzt stärker von positiver Interception-Varianz als Matthew Stafford von den Los Angeles Rams. 2025 brachte Stafford 21 riskante Würfe an, die statistisch normalerweise etwas mehr als zehn Interceptions hätten erzeugen müssen. Tatsächlich wurde er aber nur achtmal bei solchen Pässen abgefangen.

    Zusätzlich ließen Verteidiger neun weitere mögliche Interceptions fallen - der zweithöchste Wert der gesamten NFL.

    Besonders bemerkenswert: Stafford profitierte bereits 2024 massiv von ähnlichen Effekten. Seine beiden vergangenen Spielzeiten gehören laut Datenauswertung sogar zu den glücklichsten Quarterback-Saisons des gesamten Jahrzehnts.

    Brock Purdy hatte enormes Pech

    Das Gegenstück zu Stafford lieferte Brock Purdy von den San Francisco 49ers. Purdy produzierte 2025 lediglich zwölf wirklich gefährliche Würfe - ein sehr niedriger Wert. Trotzdem wurden gleich neun davon abgefangen. Das entspricht einer extrem hohen Interception-Quote von 75 Prozent auf riskante Pässe.

    Hinzu kamen vier weitere Interceptions bei eigentlich sauberen Würfen. Die Folge: Purdys Statistik wirkte deutlich schlechter, als seine tatsächlichen Leistungen laut Analyse waren. Sein offizielles Passer Rating hätte unter durchschnittlichen Umständen deutlich höher ausfallen können.

    Geno Smiths Statistik täuscht

    Auch Geno Smith gehörte zu den größten Pechvögeln der Saison. Der Quarterback der Las Vegas Raiders warf offiziell 17 Interceptions. Betrachtet man jedoch die Qualität seiner Würfe, hätte seine Saison statistisch eher bei zwölf oder 13 Picks liegen müssen.

    Vor allem bei abgefälschten oder eigentlich ungefährlichen Würfen schlug das Glück massiv gegen Smith aus.

    Warum Interceptions kaum vorhersehbar sind

    Besonders spannend ist die langfristige Entwicklung. Die Analyse zeigt, dass sich extreme Interception-Werte fast immer wieder normalisieren.

    Quarterbacks mit besonders viel Glück erleben häufig im Folgejahr einen starken Anstieg ihrer Picks. Umgekehrt sinken ungewöhnlich hohe Interception-Zahlen meist wieder deutlich.

    Ein perfektes Beispiel dafür ist Josh Allen. 2023 wurden außergewöhnlich viele seiner riskanten Würfe abgefangen. 2024 schlug das Pendel komplett in die andere Richtung aus, bevor sich die Zahlen 2025 erneut drastisch verschlechterten - obwohl sich seine tatsächliche Spielweise nur minimal verändert hatte.

    Aaron Rodgers führt die Glücks-Rangliste an

    Über einen Zeitraum von zehn Jahren sammelte Aaron Rodgers die mit Abstand positivste Interception-Bilanz aller NFL-Quarterbacks.

    Die Daten legen nahe, dass Rodgers über das Jahrzehnt hinweg rund 24 Interceptions weniger warf, als statistisch zu erwarten gewesen wären. Verteidiger ließen gegen ihn außergewöhnlich viele mögliche Picks fallen.

    Das schmälert seine Karriereleistung nicht - zeigt aber, dass selbst die größten Quarterbacks teilweise von günstigen Umständen profitieren.

    Auch Patrick Mahomes und Tom Brady tauchen weit oben auf der Liste der Quarterbacks auf, die langfristig von positiven Interception-Effekten profitierten.

    Jameis Winston bleibt der König des Chaos

    Am anderen Ende der Statistik steht Jameis Winston. Seine legendäre 30-Interception-Saison 2019 gilt bis heute als Sinnbild für chaotisches Quarterback-Spiel. Die Analyse zeigt jedoch, dass selbst diese extreme Saison statistisch schlechter aussah, als sie tatsächlich war.

    Unter durchschnittlichen Umständen hätte Winston damals vermutlich eher um die 21 Interceptions geworfen - immer noch extrem viele, aber deutlich weniger als die historische Marke von 30.

    Die Interception-Zahl erzählt nicht die ganze Wahrheit

    Die Untersuchung zeigt vor allem eines: Interceptions allein reichen längst nicht mehr aus, um Quarterbacks fair zu bewerten.

    Viel wichtiger ist inzwischen die Frage, wie oft ein Quarterback überhaupt riskante Situationen erzeugt. Genau diese Entscheidungen gelten als deutlich stabilerer und aussagekräftigerer Wert.

    Denn ob ein Verteidiger einen Ball tatsächlich festhält oder fallen lässt, entzieht sich häufig komplett der Kontrolle des Quarterbacks.

    Oder anders gesagt: Manche der berühmtesten Momente der NFL-Geschichte entstanden nur, weil jemand eine Interception nicht fing.

    >> NFL-Kolumne von Adrian Franke: Die offenen Baustellen der Titelkandidaten
    >> Schedule Release - Week 1 bis 18: Die Highlight-Spiele jeder NFL-Woche 2026
    >> Wieder Wirbel um Chiefs-Star: Rice muss ins Gefängnis
    >> NFL veröffentlicht Ticketpreise für Munich Game 2026

    nkr