09.08.2026
Coach, TV-Ikone und Videospiel-Legende
Sein Name steht seit Jahrzehnten auf einer der größten Sportspiel-Reihen der Welt. Doch John Madden war weit mehr als das Gesicht eines Videospiels: Er gewann als Coach den Super Bowl, revolutionierte NFL-Übertragungen und brachte Millionen Menschen den Football näher.

Wenn am 13. August "Madden NFL 27" weltweit erscheint, steht sein Name wieder unübersehbar im Mittelpunkt. Für viele jüngere Fans gehört "Madden" so selbstverständlich zum Football wie Touchdowns, der Super Bowl oder der NFL Draft.
Hinter dem Titel steckt allerdings keine erfundene Marke, sondern einer der einflussreichsten Menschen der NFL-Geschichte. John Madden prägte den Football nacheinander als Trainer, TV-Experte und Namensgeber der berühmten Videospiel-Reihe.
Maddens eigene Spielerkarriere endete, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. Die Philadelphia Eagles wählten den Offensive und Defensive Lineman 1958 in der 21. Runde des Drafts aus. Eine schwere Knieverletzung während seiner ersten Saison beendete jedoch früh den Traum vom Leben als Profi.
Madden wechselte daraufhin an die Seitenlinie und arbeitete sich über verschiedene College-Stationen bis in die American Football League (AFL) vor. 1967 engagierten ihn die damaligen Oakland Raiders (heute Las Vegas Raiders) als Linebacker-Coach, nur zwei Jahre später wurde er mit 32 Jahren zum damals jüngsten Head Coach der AFL befördert. Die damalige Konkurrenzliga der NFL fusionierte 1970 mit dieser.
Was folgte, war eine der erfolgreichsten kurzen Trainerkarrieren der Football-Geschichte. Madden erreichte mit den Raiders in zehn Spielzeiten eine Bilanz von 103 Siegen, 32 Niederlagen und sieben Unentschieden. Keine einzige Saison schloss Oakland unter ihm mit einer negativen Bilanz ab.

Die Raiders gewannen sieben Divisionstitel und erreichten achtmal die Playoffs. Den Höhepunkt bildete die Saison 1976: Nach einer 13-1-Bilanz besiegte Oakland die Minnesota Vikings im Super Bowl XI mit 32:14. Maddens Siegquote von 75,9 Prozent ist dabei bis heute die beste unter allen NFL-Trainern mit mindestens 100 Erfolgen.
Bereits nach der Saison 1978 trat Madden im Alter von nur 42 Jahren zurück. Der enorme Druck des Jobs hatte ihn körperlich und mental ausgelaugt. Trotz zahlreicher Angebote kehrte er nie wieder als Trainer an die Seitenlinie zurück. 2006 wurde er in die Pro Football Hall of Fame aufgenommen.
| Bereich | Jahr/Zeitraum | Errungenschaft | Kennzahl/Einordnung |
|---|---|---|---|
| Trainerkarriere | 1969 | Head Coach der Oakland Raiders | Mit 32 Jahren jüngster Head Coach der AFL |
| Trainerkarriere | 1969 | AFL Coach of the Year | 12 Siege, 1 Niederlage und 1 Unentschieden |
| Trainerkarriere | 1969-1978 | Regular-Season-Bilanz | 103 Siege, 32 Niederlagen und 7 Unentschieden |
| Trainerkarriere | 1969-1978 | Siegquote | 75,9 Prozent |
| Trainerkarriere | 1969-1978 | Keine negative Saison | 0 Losing Seasons in 10 Spielzeiten |
| Trainerkarriere | 1969-1978 | Divisionstitel | 7 |
| Trainerkarriere | 1969-1978 | Playoff-Teilnahmen | 8 |
| Trainerkarriere | 1969-1978 | Championship-Game-Teilnahmen | 7 |
| Trainerkarriere | Saison 1976 | Super-Bowl-Sieger | 32:14 gegen die Minnesota Vikings in Super Bowl XI |
| Trainerkarriere | 1976-1977 | Siegesserie | 17 Erfolge in Folge |
| Trainerkarriere | Karriere | Jüngster Coach mit 100 Siegen | Meilenstein innerhalb von zehn Spielzeiten erreicht |
| Hall of Fame | 2006 | Aufnahme in die Pro Football Hall of Fame | Geehrt als Head Coach |
Lange hielt es Madden trotzdem nicht ohne Football aus. 1979 begann seine zweite große Karriere als TV-Experte. An der Seite von Pat Summerall entwickelte er sich bei CBS schnell zu einer der bekanntesten Stimmen des US-Sports.
Madden kommentierte ein Spiel nicht einfach - er erklärte es. Mithilfe des damals noch neuen Telestrators zeichnete er Laufwege und Blockschemes direkt auf den Bildschirm. Komplexe Spielzüge machte er so verständlich, ohne erfahrene Fans zu langweilen. Dazu kamen seine unverwechselbare Stimme, wilde Geräusche und sein berühmtes "Boom!".
Im Laufe seiner TV-Karriere arbeitete Madden für alle vier großen US-Networks CBS, Fox, ABC und NBC. Für seine Arbeit erhielt er 16 Emmy Awards. Auch der "Madden Cruiser", mit dem der flugängstliche Kommentator durch das Land reiste, und seine besondere Begeisterung für Thanksgiving-Spiele wurden Teil der NFL-Kultur.
1984 trat EA-Gründer Trip Hawkins mit der Idee einer realistischen Football-Simulation an Madden heran. Die technischen Möglichkeiten waren noch begrenzt, weshalb zunächst mit sechs oder sieben Spielern pro Mannschaft geplant wurde. Für Madden kam das aber nicht infrage: Wenn sein Name auf dem Spiel stehen sollte, musste es echtes Elf-gegen-Elf sein.
Madden stellte den Entwicklern sein Football-Wissen und sogar ein Playbook der Raiders zur Verfügung. Und am 1. Juni 1988 erschien dann schließlich das erste "John Madden Football". Was als vergleichsweise einfache Simulation begann, entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten und langlebigsten Sportspiel-Reihen überhaupt.

Madden bestand stets auf Authentizität, echten Spielern und möglichst realistischen Bedingungen. Damit wurde das Spiel für viele Fans zu einer Art digitalem Football-Unterricht. Generationen lernten durch "Madden" Positionen, Spielzüge und Regeln kennen.
| TV-Karriere | ab 1979 | Arbeit für alle großen US-Networks | CBS, Fox, ABC und NBC |
|---|---|---|---|
| TV-Karriere | Karriere | Emmy Awards | 16 |
| TV-Karriere | ab 1981 | Kommentatoren-Duo mit Pat Summerall | Prägte eine ganze NFL-Generation |
| Football-Kultur | 1984 | Einführung des All-Madden Teams | Jährliche Würdigung besonderer NFL-Spieler |
| Videospiel | 1. Juni 1988 | Erstes John Madden Football | Beginn der berühmten Spielereihe |
| Videospiel | seit 1988 | Realistische Elf-gegen-Elf-Simulation | Madden bestand trotz technischer Grenzen auf Authentizität |
John Madden starb am 28. Dezember 2021 im Alter von 85 Jahren. Sein Einfluss ist dennoch überall in der NFL zu finden: Ältere Fans erinnern sich an den leidenschaftlichen Raiders-Coach, die nächste Generation an den begeisterten TV-Experten und jüngere Fans vor allem an das Videospiel.
Madden selbst fasste sein außergewöhnliches Football-Leben einmal passend zusammen: "Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Es fühlte sich kein einziges Mal wie Arbeit an."
Deshalb steht sein Name auch Jahrzehnte später noch auf jeder neuen Ausgabe. "Madden" ist nicht nur der Titel eines Videospiels - sondern das Vermächtnis eines Mannes, der den Football auf drei völlig unterschiedlichen Wegen für immer veränderte.
mhh