03.02.2026
High Risk, High Reward
Football ist ein Sport der Zahlen. Und besonders in der NFL geht es darum, immer ein Auge auf die eigenen Zahlen zu haben und möglichst wenig Risiko einzugehen. Dass sich Risiko aber auch sehr gut auszahlen kann, zeigt die Saison der Seahawks, die trotz riskanter Entscheidungen im Super Bowl stehen.

In der NFL werden nur ungerne Risiken eingegangen. Denn die NFL ist ein sehr schnelllebiges Geschäft und in vielen Fällen reichen selbst kleine Fehler für eine Verschlechterung der Gesamtsituation. Das führt zu schnellen Entlassungen bei kleinsten Fehlern, die aus Risikoentscheidungen resultieren. Doch die Seahawks sind in dieser Saison und besonders in der Offseason gleich mehrere Risiken eingegangen, die sich als absolute Glücksgriffe erwiesen haben.
Die Seattle Seahawks konnten nach der Saison 2024 weder zufrieden noch unzufrieden sein. Mit einem Record von 10-7 erreichten die Seahawks zwar endlich wieder einmal nach drei Saisons zehn Siege in der Regular Season, die Playoffs verpassten sie dennoch knapp. Trotz des positiven Saisonergebnisses trafen die Seahawks einige riskante Entscheidungen, die sich jetzt als absolute Glücksgriffe entpuppen.
In der Offseason 2025 suchten die Seahawks nach einem neuen Offensive Coordinator. Der Nachfolger von Ryan Grubb wurde Klint Kubiak. Der 38-Jährige war bis zu dem Zeitpunkt erst zwei Saisons Offensive Coordinator gewesen. 2021 hatte Kubiak die Offense der Vikings übernommen und kam nach einer enttäuschenden Saison 2024 als Saints-OC zu den Seahawks. Damit entschieden sich die Seahawks für einen jungen, noch nicht so sehr erfahrenen Coach, der bis dato als Offensive Coordinator wenig Erfolge hatte feiern können.
Doch die Seahawks trafen mit ihrer Entscheidung voll ins Schwarze. Kubiak hauchte der Seahawks-Offense ganz neues Leben ein und harmonierte mit dem neuen Quarterback Sam Darnold. Zudem verbesserte Kubiak die Offensive Line und strukturierte sie um. So ließen die Seahawks in dieser Saison die fünftwenigsten Sacks zu, nachdem die O-Line 2024 die drittmeisten Sacks in der NFL zugelassen hatte.
Auch bei den Spielern der Seahawks wurden einige riskante Entscheidungen getroffen. Noch vor dem NFL Draft gaben die Seahawks ihren Star-Receiver D. K. Metcalf an die Steelers ab. Bei dem Trade erhielten die Seahawks zwar einen Zweitrundenpick, ließen dafür aber einen ihrer wichtigsten Spieler gehen. Auch Seahawks-Ikone Tyler Lockett musste nach Ende der Saison 2024 die Seahawks verlassen. Damit waren die Seahawks nach Jaxon Smith-Njigba schwach auf der Receiver-Position besetzt. Als Ersatz verpflichteten die Seahawks Cooper Kupp in der Free Agency.
Der 32-jährige Receiver war zuvor von den Los Angeles Rams entlassen worden, da sie nicht mehr an seine Produktivität und sein Können glaubten. Zudem tradeten die Seahawks während der Saison für Rashid Shaheed von den New Orleans Saints. Die Seahawks gaben im Gegenzug einen Viert- und einen Fünftrundenpick an die Saints ab. Beide Receiver schienen nicht die Receiver-Probleme der Seahawks wirklich zu lösen, entwickelten sich aber zu wichtigen Bausteinen in der Seahawks-Offense und bei den Special Teams.
Auch in der Defense sorgten die Seahawks in der Offseason für Aufsehen. In der Free Agency verstärkte sich das Team aus Seattle mit Pass-Rusher DeMarcus Lawrence. Ähnlich wie bei Cooper Kupp sah sein altes Team, die Dallas Cowboys, keinen Nutzen mehr in ihm und ließen den 33-Jährigen gehen. Hinzu kam eine Verletzung von Lawrence, die seine Saison 2024 auf vier Spiele limitierte.
Doch die Seahawks glaubten weiter an den in die Jahre gekommenen Defensive End und Lawrence zeigte starke Leistungen in dieser Saison. Mit sechs Sacks, drei Forced Fumbles, 3 Fumble Recoveries und zwei Interceptions trug er einen großen Teil zur dominanten Seahawks-Defense bei.
Ebenso investierten die Seahawks den dritten Pick in der zweiten Runde des Drafts in Rookie-Nickel-Corner Nick Emmanwori, obwohl sie bereits Devon Witherspoon, Josh Jobe und Riq Woolen im Kader hatten. Doch auch Emmanwori brachte einen elementaren Teil des Erfolges der Defense und etablierte sich in seiner Rookie-Saison schon als unverzichtbarer Bestandteil der Seahawks-Secondary.
Das größte Risiko gingen die Seahawks aber mit dem Wechsel auf der Quarterback-Position ein. Nach fünf Jahren in Seattle und drei Jahren als Starter trennten sich die Seahawks von Geno Smith. Unter Smith erreichten die Seahawks in vier von fünf Saisons einen positiven Record und zogen zweimal in die Playoffs ein. Doch am 13. März 2025 tradeten die Seahawks ihn zu den Raiders und erhielten als Ausgleich einen Drittrundenpick.
Am gleichen Tag unterzeichnete Sam Darnold einen Dreijahresvertrag bei dem Team aus Seattle mit 100,5 Millionen Dollar Gehalt. Darnold hatte 2024 die erste starke Saison seiner Karriere gespielt und die Vikings in die Playoffs geführt. Doch Minnesota hatte im Draft zuvor Rookie-Quarterback J. J. McCarthy geholt und plante die eigene Zukunft lieber mit dem Rookie als mit dem Veteran Darnold. Während Darnold der beste Quarterback in der Free Agency war, hatten dennoch viele Experten große Zweifel daran, ob er ein Jahr wie bei den Vikings noch einmal wiederholen könnte.
Der 28-Jährige hatte in seinen ersten sechs Jahren in der NFL alles andere als gut performt und war von den meisten schon lange als Draft-Bust abgestempelt worden. Doch die Seahawks sahen in Darnold nicht nur das Potenzial, erneut als Starter für die Seahawks zu spielen, sondern ähnlich erfolgreich wie bei den Vikings zu werden und das trotz einer Offense, die sich fast komplett neu finden musste.
Und diese Entscheidung erwies sich als die genau Richtige. Zwar kam Darnold statistisch nicht ganz an seine Saison mit den Vikings heran, aber er führte die Seahawks zu 13 Siegen in der Regular Season und lieferte in den Playoffs starke Spiele ab. Für Darnold und die Seahawks geht es jetzt nur noch darum, den Sieg im Super Bowl zu holen und damit eine überragende Saison abzuschließen.
Während viele Experten und Fans die Entscheidungen der Seahawks kritisierten, blieben die Seahawks unbeirrt auf ihrem Weg. In Seattle ging man das ein oder andere Risiko ein und konnte ein starkes Team aufbauen, das erst die Regular Season und nun auch die Playoffs dominierte und nun eine starke Saison mit dem Super-Bowl-Sieg krönen will. Die Seahawks sind das perfekte Beispiel dafür, dass sich ein gewisses Risiko in der NFL eben doch manchmal auszahlen kann und die Erfolgsgeschichte der Seahawks wird den ein oder anderen General Manager vor der Offseason vielleicht doch noch einmal ins Grübeln bringen.
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