09.09.2025
Bears geben 17:6-Führung her
Die Minnesota Vikings haben ihr Auftaktspiel gewonnen. Im Duell mit den Chicago Bears sah Quarterback J.J. McCarthy zunächst nicht sonderlich gut aus. Allerdings drehte er nach der Pause auf und sorgte für ein historisches Comeback.

Die 56. Saison von Monday Night Football startete mit einem NFC North Divisionsduell zwischen den Vikings und den Bears, die bei der Partie auch das 40-jährige Jubiläum ihres einzigen Super-Bowl-Titels 1985 mit den noch lebenden Mitgliedern feierten.
Gleichzeitig begann mit einem Jahr Verspätung die NFL-Karriere von Vikings Quarterback J.J. McCarthy, der nur gut 25 km westlich des Soldier Field Chicagos als Bears-Fan aufgewachsen war und seine Rookie-Saison verletzungsbedingt verpasst hatte. Er tat sich zunächst schwer: In der ersten Hälfte brachten die Bears mehrmals mit ihrem vier Mann Pass Rush Druck in seine Richtung und erzwangen zweimal ein 3&Out der Gäste.
Punkte gab es für die Vikings bis zur Pause nur durch zwei Field Goals. Das zweite zirkelte Will Reichard direkt vor der Pause nach dem ersten wirklich guten Pass von McCarthy zu Wide Receiver Nailor aus 59 Yards durch die Stangen, was gleichzeitig das längste Field Goal seiner Karriere bedeutete.
Bei den Bears hatte der neue Head Coach Ben Johnson von seinem Quarterback Caleb Williams vor allem Completions verlangt. Nach Aussage des Spielmachers vor dem Kickoff solle er nur dann den "Superman" zu geben, wenn es sein müsste.
Ob der die Ratschläge seines Coaches beherzigt hatte, konnte man diskutieren: Am Ende des Eröffnungsdrives der Bears lief er jedoch gleich über die linke Seite in die Endzone - ein Rushing Touchdown war ihm in der kompletten vergangenen Saison überhaupt nicht gelungen.
Anschließend klappte bei den Bears offensiv aber nicht mehr allzu viel: Lediglich ein Field Goal war noch zu verzeichnen bis zur Pause, das Running Game auf beiden Seiten wurde jeweils gut von der Verteidigung kontrolliert.
Wenn es offensiv nicht klappt, muss die Defensive aushelfen: Im ersten Drive der zweiten Hälfte zeigte Bears Defensive Coordinator Dennis Allen erstmals einen Blitz, McCarthy versuchte einen Passs nach links in Richtung Justin Jefferson, der bis dahin auch nur einen einzigen kurzen Catch vorzuweisen hatte. Nahshon Wright, der im Vorjahr noch bei den Vikings in der Practice Squad gestanden hatte, sprang in den Passweg, trug den Ball über 74 Yards an der rechten Sideline zum 17:6 in die Endzone Minnesotas und ließ dabei auch dem sprintstarken Verfolger Jefferson keine Chance.
Die schlechten Nachrichten für die Vikings gingen weiter: Center Ryan Kelly und Linebacker Blake Cashman mussten nahezu gleichzeitig zum blauen Untersuchungszelt. Für Cashman, der sich bei einer Verfolgung von Caleb Williams eine Oberschenkelverletzung zugezogen hatte, war die Partie anschließend beendet.
Das Beste für die Gäste: Mit lediglich elf Punkten Rückstand ging es ins Schlussviertel. Dort verzog prompt Bears-Kicker Cairos Santos einen Field-Goal-Versuch aus 50 Yards nach rechts und die Vikings konnten direkt danach richtig feiern: Nach dem bis dahin erfolgreichsten Lauf durch Jordan Mason und zwei erfolgreichen Pässen zu Jefferson stand es nur noch 12:17.
Die lautstarken Fans der Bears zitterten, spätestens als ein 3&Out Chicagos die Vikings endgültig zurück ins Spiel ließ. Zudem verletzte sich mit Cornerback Nahshon Wright ein weiterer Passverteidiger. Ein 27-Yards-Pass von McCarthy auf Running Back Aaron Jones an die rechte Seite der Endzone sorgte prompt für das 20:17 und endgültig für Entsetzen auf den Rängen.
Die Bears-Offense schaffte erneut nur wenig Raumgewinn und anschließend wurde auch noch der Punt im vierten Versuch abgefälscht. Ganz anders die Vikings: McCarthy strahlte großes Selbstbewusstsein aus und warf sich schließlich selbst knapp drei Minuten vor Schluss zum 27:17 in die Endzone.
Die Bears gaben nicht auf und kamen erstmals wieder - auch mit einem One Handed Catch von Tight End Cole Kmet - deutlich in die gegnerische Hälfte. Ein vermeintlicher Touchdown-Lauf von Caleb Williams wurde nach Ansicht der Videobilder zurückgenommen, aber der folgende Pass zu Rome Odunze stellte direkt vor dem Two Minute-Warning auf 24:27. Williams stand am Ende bei 210 Yards (21/35) und einem Touchdown durch die Luft sowie 58 Yards und ein Score über den Boden.
Minnesota ließ den Bears am Ende nur noch neun Sekunden und 80 Yards bis zur Endzone - das klappte erwartungsgemäß nicht. "Es tut weh, die Saison so zu starten. Wenn man eine 17:6-Führung hat und dann zu sehen, wie das letzte Viertel läuft", erklärte Head Coach Ben Johnson nach der Partie. "Wir hatten diese Woche gesagt, dass das Team mit den wenigsten Fehlern gewinnt. Leider waren wir da auf der falschen Seite am Ende des Spiels. Beginnend mit mir."
Derweil war die Freude bei McCarthy (143 Yards, 13/20, 2 TD, 1 INT), der laut ESPN der erste Quarterack seit Steve Young 1985 ist, der sein Debüt trotz eines zwischenzeitlichen Rückstands von mindestens zehn Punkten im Schlussviertel noch gewinnen konnte, riesengroß: "Ich könnte nicht stolzer auf unsere Jungs sein. Als wir offensiv Probleme hatten, haben sie uns im Spiel gehalten, dazu das Kicking Team und unsere Punts. Ich muss mich wirklich bei meinem Team bedanken!"