08.08.2026
München chancenlos im Topspiel
Die Munich Ravens haben ausgerechnet im direkten Duell um den Nummer-Eins-Seed einen Tag zum Vergessen erlebt. Ohne Starting Quarterback Russell Tabor sind die zuvor ungeschlagenen Münchner bei Nordic Storm mit 7:55 untergegangen.

Der Spielball kam per Helikopter, die Munich Ravens dagegen zunächst überhaupt nicht: Ein Hubschrauber im Löwen-Design kreiste vor dem Kickoff über dem Gladsaxe Stadium in Søborg und warf das Spielgerät auf den Rasen ab. Es war der spektakuläre Auftakt für ein Spitzenspiel, das diesen Namen nur wenige Minuten lang verdiente.
Denn trotz der Bedeutung der Partie schonte München mehrere Stammspieler. So blieb allen voran auch Starting Quarterback Russell Tabor an der Seitenlinie, stattdessen führte Levin Adrom die Offense an.
Tabor hatte seinen Stellvertreter erst wenige Tage zuvor als einen der ruhigsten Menschen bezeichnet, die er kenne. Gegen die dominante Storm-Defense wurde genau diese Ruhe jedoch von Beginn an auf eine harte Probe gestellt.
Zunächst war aber die Offense der Gastgeber dran. Storms Jadrian Clark, der im Ligavergleich so gut wie jede Quarterback-Statistik anführt, bediente im ersten Drive direkt Tight End Roberto Miranda, der sich zum frühen 7:0 absetzte. Münchens Antwort endete dagegen im Chaos: Ein missglückter Snap blieb frei liegen, Adrom konnte den Ball nicht sichern und Ludvig Myren erkämpfte ihn unmittelbar vor der Endzone. Glen Toonga erhöhte nach nicht einmal fünf Minuten auf 14:0.
Adrom entging anschließend zweimal nur knapp einer Interception, Nordic punktete dagegen weiter: Der als Fullback aufgestellte Tight End Morgan Boney verwandelte seinen ersten Catch der Saison direkt in das 21:0. Ellison tobte an der Seitenlinie, konnte den Kollaps aber nicht stoppen.
Im zweiten Viertel rückte der sportliche Wettbewerb dann endgültig in den Hintergrund. Clark traf Wide Receiver Edvin Almeida für einen 60-Yard-Touchdown und später auch Brendan Beaulieu tief aus der eigenen Hälfte. Dazwischen setzte Outside Linebacker Lucky Ogbevoen mit einem Sack gegen Adrom das nächste Ausrufezeichen. Kurz vor der Pause fing Toonga ebenfalls einen Touchdownpass - 42:0.
mhh

Die Ravens, die zuvor mehr als 43 Punkte pro Partie erzielt hatten, fanden gegen Nordics Defense keine Antworten. Ihre Line wurde dominiert, Adrom blieb kaum Zeit und seine häufigen kurzen Checkdowns hatte Storm längst durchschaut. Am Ende standen Nordics 444 Passing Yards nur 87 der Münchner gegenüber.
Nach der Pause zeigte München trotzdem erstmals offensive Lebenszeichen, doch ein ausgespielter vierter Versuch endete erneut in einem Sack und einem daraus resultierenden Turnover on Downs. Bereits im nächsten Spielzug bediente Clark Jakob Green über das halbe Feld zum 49:0.
Beaulieu legte anschließend mit einem 50-Yard-Touchdown seinen 19. Score der Saison nach. Es war bereits Clarks siebter Touchdownpass des Tages. Der geblockte Extrapunkt sorgte aus Sicht der Ravens zumindest dafür, dass es für die Gastgeber bei 'nur' 55 Punkten blieb.
Im Schlussviertel drohte München als erstes Team der EFA-Geschichte ohne eigene Punkte zu bleiben, denn Daniel Schweigers Field-Goal-Versuch aus rund 40 Yards wurde geblockt - sein erster Fehlversuch der Saison.
Doch Ron Tiavaasue hatte ganz gewaltig etwas dagegen. Der kräftige Tight End nahm einen Handoff auf, prallte zunächst in die Storm-Defense und wuchtete sich anschließend rund 40 Yards über das Feld. Wenig später drückte er sich samt Ball zum einzigen Ravens-Touchdown über die Goal Line.
Die den ganzen Tag schon gut gelaunte und hochemotionale Münchner Ersatzbank stürmte absurderweise zum gemeinsamen Kamerajubel auf den Platz und kassierte dafür sogar eine Strafe. Den dadurch auf beinahe 50 Yards verlängerten Extrapunkt verwandelte Schweiger dennoch. Ein absurder, aber passender Schlusspunkt unter einen Abend, den die Ravens dank Galgenhumor zumindest mit intakter Moral beendeten.
Nordic sicherte sich mit dem 55:7 den #1 Seed, München rutscht auf Playoff-Position Rang zwei ab. Beim BIG4 in Frankfurt tritt München am kommenden Samstag an, Storm einen Tag später. Die Gegner werden morgen ermittelt. Im Championship Game könnte es dann zum dritten Aufeinandertreffen der beiden europäischen Football-Größen kommen.